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12.07.2019 | Finanzierung | Infografik | Onlineartikel

Banken erwarten Anstieg bei Kommunalfinanzierungen

Autor:
Angelika Breinich-Schilly

Kommunen und ihre Unternehmen rücken wieder stärker in den Fokus der Geldhäuser. 70 Prozent der Bankentscheider glauben, dass dieser Geschäftsbereich an Attraktivität gewinnt, zeigt eine aktuelle Umfrage.

Fast drei Viertel (73 Prozent) der Entscheider in Banken und Sparkassen sehen in der Finanzierung von Kommunen und kommunalen Unternehmen ein attraktives Geschäftsmodell. Im vergangen Jahr hatten nur 67 Prozent der Bankmanager diese Ansicht. Das zeigt der aktuelle "Kommunal-Barometer 2019", für den der Plattformanbieter Commnex zusammen mit der TU Darmstadt mehr als 170 Kämmerer sowie Finanzentscheider kommunaler Unternehmen und Banken befragt hat.

Kommunalfinanzierung als Teil der Liquiditätssicherung

Als Grund für die steigende Attraktivität der Kommunalfinanzierung gibt Carl von Halem, Geschäftsführer des Münchener Fintechs die "regulatorischen Vorteile" an. Gleiches gelte für das großvolumige Einlagengeschäft als Beimischung im Refinanzierungsmix der Institute. Weniger relevant für den Geschäftsbereich sind dagegen nach Meinung der Befragungsteilnehmer steigende Zinsen. Banken nutzten die Kommunaldarlehen eher als sicheres Depot für Liquidität, meint Commnex-Mitbegründer Friedrich von Jagow. "Kommunale Finanzierungen kommen in großen Tickets, sind einfach in der Handhabung und sind darüber hinaus insolvenzsicher, risiko- und eigenkapitalneutral."

Kommunen unzufrieden mit Finanzierungslage

Allerdings geben knapp zwei Drittel (63 Prozent) der befragten Finanzentscheider aus Kommunen und ihrer Unternehmen an, dass sich ihre Finanzierungslage in den vergangenen fünf Jahren "verschlechtert" oder "eher verschlechtert" hat. Eine Verbesserung stellten nur elf Prozent fest und das sich ihre Situation "eher verbessert" hat immer hin 23 Prozent. Möglicherweise liegt das auch an der fehlenden Expertise innerhalb der Banken. So sagen

  • 14 Prozent, dass das kommunale Fachwissen in ihrem Haus die Note "sehr gut" verdient,
  • 35 Prozent bewerten das Know-how mit "gut",
  • 34 Prozent mit "befriedigend"
  • und 17 Prozent vergeben die Noten "ausreichend" bis "ungenügend".

Nur wenige nachhaltige, zertifizierte Kommunalprojekte

Interessant ist, dass für ein Drittel (32 Prozent) der Institute eine grüne Geldanlage als zertifiziertes Investment aktuell attraktiv ist oder es zumindest in naher Zukunft sein wird (sieben Prozent). Aber auf Seiten der Kommunen lassen 83 Prozent keine Projekte auf ihre Nachhaltigkeit hin prüfen und zertifizieren und wollen das auch künftig nicht tun. Nur bei einem Prozent laufen bereits entsprechende Zertifizierungsverfahren und 16 Prozent können sich dies zumindest vorstellen. Dabei kommen 73 Prozent der befragten kommunalen Finanzmanager aus den Bereichen Energie-, Wasser- und Abfallwirtschaft.

Dabei hätten kommunale Unternehmen bei der Finanzierung entsprechend zertifizierter Projekte derzeit gute Karten. "Die Ebene der Kommune als bedeutendes Handlungsfeld für Nachhaltigkeitstransformationen rückt zunehmend in den Fokus des Interesses. Dies ist insofern naheliegend, als sich Handlungsdrücke ebenso wie Veränderungen auf kommunaler Ebene konkretisieren", erläutern Elisabeth Dütschke, Jonathan Köhler, Norman Laws, Ulrike Hacke, Jutta Niederste-Hollenberg und Julius Wesche im Buchkapitel "Kommunen als Motoren einer Nachhaltigkeitstransformation – Erfahrungen aus den Feldern Energie, Wasser und Wohnen" auf Seite 79. Als Beispiel führen die Springer-Autoren Wasserinfrastruktursysteme an, die etwa an den Klimawandel und demografische Veränderungen, aber auch an neuen Umweltanforderungen wie die Mikroschadstoffproblematik in Gewässern angepasst werden müssen.

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