Skip to main content
main-content

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Problemstellung und Gang der Arbeit

Seit Jahrzehnten wird der Einfluss von Hedgefonds auf die Finanzmärkte unter Wis¬senschaftlern, Politikern, Notenbankern und Journalisten kontrovers diskutiert. Un¬bestritten ist lediglich, dass der Einfluss von Hedgefonds auf die Finanzmärkte auf¬grund eines kontinuierlichen Kapitalzuflusses in die Anlageklasse und der Globalisie¬rung - wegen der mit ihr verbundenen Liberalisierung und Vernetzung der Finanz¬märkte - steigt. Offen bleibt welchen Effekt die Transaktionen von Hedgefonds auf die Finanzmärkte, insbesondere in Krisenzeiten, haben. Zuletzt wurde Hedgefonds vorgeworfen, die Finanzkrise 2008 durch Leerverkäufe verstärkt zu haben. Ein Kapi¬talabzug institutioneller Investoren könnte Hedgefonds zudem zur Liquidation von Positionen gezwungen und Turbulenzen an den Währungs- und Aktienmärkten aus¬gelöst haben.
Bernd Berg

2. Die Akteure an den asiatischen Finanzmärkten

Ein Rückblick zehn Jahre nach der Asienkrise offenbart, dass die Gründe einer Wirt¬schaftskrise selten so kontrovers diskutiert wurden wie diejenigen, welche die asiati¬sche Währungskrise auslösten. Unbestritten und hinreichend analysiert ist, dass die Staaten Fehler bei der Begleitung der Finanzmarktliberalisierung und dem mikro- und makroökonomischen Management begingen. In zahlreichen Beiträgen wurde auch der Einfluss internationaler Banken, die die Volkswirtschaften zunächst „mit Kapital versorgten“ und dieses dann plötzlich und unangekündigt zurückforderten, analysiert. Unter anderem identifizierte Dieter8auch die „neue Marktmacht“ institutioneller Inves¬toren als Grund für die Entstehung der Krise. Letzterer Grund wurde bis dato unzu¬reichend analysiert. Eine Differenzierung zwischen verschiedenen Gruppen instituti¬oneller Investoren und deren Anlagestrategien in den Emerging Markets wurde bis¬her nicht vorgenommen. Dieses Kapitel stellt die verschiedenen „Marktakteure“ vor und konzentriert sich dabei auf die Entwicklung der Marktmacht institutioneller Inves¬toren in den (asiatischen) Emerging Markets.
Bernd Berg

3. Strategien und Tätigkeitsfelder der Hedgefonds

Kapitel 3 analysiert, welche Hedgefonds während der Asienkrise in den asiatisch¬pazifischen Finanzmärkten spekulierten. Dazu werden in Abschnitt 3.1 zunächst die unterschiedlichen Hedgefonds-Strategien, die sich im Verlauf der 90er Jahre bis zur Asienkrise entwickelten, und deren Evolution analysiert. Nachdem in Abschnitt 3.2 identifiziert wurde, welche Hedgefonds-Strategien in Asien aktiv handelten, wird de¬ren Anlagestrategie und das in den asiatischen Märkten platzierte Anlagevolumen detailliert betrachtet und mit dem Volumen anderer institutioneller Investoren vergli¬chen.
Bernd Berg

4. Entstehung und Verlauf der Asienkrise

Die Wirtschaftskrise Südostasiens folgte auf eine Reihe von Währungs- und Finanz¬marktkrisen in den Emerging Markets in den 80er und 90er Jahren. Furman und Stiglitz (1998) analysierten für den entsprechenden Zeitraum in mehr als zehn Staa¬ten eine Währungs- und Bankenkrise (Zwillingskrise). Die Asienkrise weist jedoch im Vergleich zu vorausgegangenen Wirtschaftskrisen in anderen Ländern Besonderhei¬ten auf. Denn die makro- und mikroökonomischen Daten deuteten ex ante – laut übereinstimmender Auffassung der Marktteilnehmer – nicht auf eine bevorstehende Krise in den südostasiatischen Staaten hin. Ökonomen zeigten sich über das plötzli¬che Auftreten der Krise, deren Tiefe und Dauer überrascht.124Abbildung 15 verdeut¬licht das Ausmaß der wirtschaftlichen Kontraktion in ausgewählten Volkswirtschaften Südostasiens. Die Gründe für die Krise werden auch zehn Jahre nach dem Ausbruch der Krise noch kontrovers diskutiert.
Bernd Berg

5. Einordnung der Ergebnisse

Die Asienkrise weist Charakteristika auf, die mit den klassischen Modellen zur Erklä¬rung von Wirtschaftskrisen nicht erklärt werden konnten.236 Ein Großteil wissen¬schaftlicher Studien fokussierte sich auf makro- und mikroökonomische Schwächen in den südostasiatischen Ländern, die die Krise ausgelöst haben könnten. Zur Erklä¬rung der Asienkrise wurden vorhandene Theorien makroökonomisch induzierter Kri¬sen erweitert oder neu eingeführt.237 Da die Theorien die Entwicklungen in Asien, insbesondere die Ausbreitung der Krise in fundamental stabile Länder, nicht ausrei¬chend erklären konnten, wurden vorhandene Modelle (Contagion) erweitert, die das Ausbreiten der Krise in andere Länder erklärten. Zahlreiche Ökonomen verwiesen in diesem Zusammenhang auf den Einfluss der asymmetrischen Information in den Fi¬nanzmärkten Asiens, die eine Herdenmentalität unter Anlegern hervorgerufen haben könnte. Während einige Ökonomen die Herdenmentalität internationaler Investoren als rational einstufen, da diese lediglich auf Inkonsistenzen in der Geldpolitik reagie¬ren, stellt eine Vielzahl von Studien zur Untersuchung des menschlichen Verhaltens auf die Finanzmarktdynamiken auf ein semi-rationales oder irrationales Verhalten der Marktteilnehmer ab. Die zentralen Theorien zur Erklärung des Herdenverhaltens der Investoren werden in Abschnitt 5.1 dargestellt. Das Kapitel betrachtet zudem ver¬schiedene Modelle von Währungskrisen. Modelle der ersten und zweiten Generation identifizieren makroökonomische Ursachen als Auslöser für eine Währungsspekulati¬on. Multiple Gleichgewichtsmodelle gehen davon aus, dass die Erwartungen der In¬vestoren selbst erfüllend (self-fullfilling) sein können und eine Währungskrise durch eine „reine“ Spekulation gegen die Währung ausgelöst werden kann.238 Die Ergeb¬nisse der Arbeit werden soweit möglich in die Modellanalysen eingeordnet. Ein Nach¬teil bestehender Modellierungen besteht darin, dass sie auf der Annahme beruhen, dass kleine, atomistische Investoren im Markt handeln. Der Einfluss einer marktbe¬herrschenden Investorengruppe auf die Währungsmärkte wurde bisher nicht model¬liert.
Bernd Berg

6. Zusammenfassung und Ausblick

Hedgefonds gerieten in den letzten Jahrzehnten wiederholt in die Kritik. Die Kritiker verwiesen darauf, dass die Fonds insbesondere die Finanzmarktkrisen der 90er Jah¬re in den Emerging Markets ausgelöst oder verstärkt haben könnten. Auch zehn Jah¬re nach dem Ausbruch der Asienkrise wird der Einfluss von Hedgefonds auf die Fi¬nanzmarktstabilität kontrovers diskutiert. Die Intransparenz der Branche, eine unzu¬reichende wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema und eine undiffe-renzierte Berichterstattung in der Presse haben zur Mythenbildung beigetragen. Die öffentliche Diskussion ließ dabei wiederholt die Unkenntnis vieler Politiker und Öko¬nomen über den Finanzmarkteinfluss von Hedgefonds offen zu Tage treten. Deut¬sche Politiker charakterisierten Hedgefonds und Private-Equity-Fonds als „Heuschre¬cken“; sie blieben anonym, hätten kein Gesicht, fielen wiederholt über Unternehmen her, grasten sie ab und zögen dann weiter. Deutschland gilt als Befürworter einer stringenteren internationalen Regulierung von Hedgefonds. Die Bundesregierung hatte das Thema „Hedgefonds“ (Maßnahmen zur Verbesserung der systemischen Stabilität und Transparenz der Finanz- und Kapitalmärkte) auf dem G8 Gipfel in Hei¬ligendamm auf die Agenda gebracht und erhoffte sich auch in weiteren Gesprächen im Anschluss an den Gipfel einen internationalen Konsens bezüglich einer Regulie¬rung der Hedgefonds-Branche. Damit wurde das Thema erstmals seit der Beinahe¬insolvenz des Fonds LTCM auf internationaler Ebene diskutiert. Großbritannien und die USA, in deren Finanzmärkten Hedgefonds ein integrativer Bestandteil des Fi¬nanzsystems sind, sprachen sich jedoch gegen eine direkte Regulierung der Hedge¬fonds-Branche aus. Die beiden Länder hatten in der Vergangenheit wiederholt den positiven Einfluss von Hedgefonds auf die Stabilität und die Funktionsfähigkeit der Finanzmärkte betont.
Bernd Berg

Backmatter

Weitere Informationen

Premium Partner

BranchenIndex Online

Die B2B-Firmensuche für Industrie und Wirtschaft: Kostenfrei in Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren.

Whitepaper

- ANZEIGE -

Blockchain-Effekte im Banking und im Wealth Management

Es steht fest, dass Blockchain-Technologie die Welt verändern wird. Weit weniger klar ist, wie genau dies passiert. Ein englischsprachiges Whitepaper des Fintech-Unternehmens Avaloq untersucht, welche Einsatzszenarien es im Banking und in der Vermögensverwaltung geben könnte – „Blockchain: Plausibility within Banking and Wealth Management“. Einige dieser plausiblen Einsatzszenarien haben sogar das Potenzial für eine massive Disruption. Ein bereits existierendes Beispiel liefert der Initial Coin Offering-Markt: ICO statt IPO.
Jetzt gratis downloaden!

Bildnachweise