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Über dieses Buch

Gibt man das Stichwort „Finanzrating“ in eine Suchmaschine wie Google ein, erhält man nur rund 500 Suchresultate. Dies steht 361.000 Fundstellen für das Wort „Kreditrating“ oder gar fast einer Milliarde Seiten gegenüber, auf denen sich das Wort „Rating“ findet. Selbst wenn die Suche auf deutschsprachige Seiten eingeengt wird, bieten sich dem Internetsurfer immer noch 16,2 Millionen Seiten zur Lektüre. (Alle Angaben gelten für August 2006.) Diese Ergebnisse stehen in einem diametralen Gegensatz zur Bedeutung des Finanzratings in der Bankpraxis. Das Finanzrating als die primär quantitative Seite des Ratings steht auch heute noch, nach Basel II und der Umsetzung der seit 20. Dezember 2002 gültigen Minde- anforderungen an das Kreditgeschäft bzw. an das Risikomanagement, im Mittelpunkt jeder Bonitätsbeurteilung einer Bank. Durch die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen sind die Banken dazu angehalten, im - ting eine möglichst ganzheitliche Betrachtung ihrer Kreditnehmer zu erreichen, also auch Risiken aufgrund qualitativer Faktoren zu identifizieren. Bankinterne Ratings waren früher oft nur ein methodisches Hilfsmittel, um quantitative Daten aus dem Jahresabschluss zu evaluieren. Zwar korrespondierten die Ergebnisse dieser Klassifizierungen auch mit Ausfa- raten, aber sie wurden nicht mit einer – jetzt nach Basel II geforderten – „PD“ (Probability of Default) gleichgesetzt. Daher richtete sich in der öffentlichen Diskussion der Blick stark auf neue qualitative Fragen, die in den Kriterienkatalog des Ratings aufgenommen wurden: F- gen nach der Produkt- und Marktposition, nach der Wertschöpfungskette, der Organisation und Strategie, dem Management und seiner Qualifikation usw.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Grundsätzliche Überlegungen zum Finanzrating

Frontmatter

Wesen und Bedeutung des Finanzratings

Zusammenfassung
Noch vor wenigen Jahren galt „Rating“ im deutschen Sprachraum als ein Begriff der USamerikanischen Kapitalmärkte. Schon 1965 wurde zwar eine deutsche Doktorarbeit veröffentlicht, die das Wort im Titel trug, jedoch ging es hier um „Die Beurteilung des menschlichen Verhaltens durch Rating-Skalen“. In der Finanzsprache war der Begriff klar durch die Leistungen unabhängiger Agenturen besetzt, namentlich durch Moody’s Investors Service und Standard & Poor’s. John Moody hatte im Jahre 1909 damit begonnen, Anleihen von Eisenbahngesellschaften anhand von Ratingskalen zu klassifizieren. Dabei orientierte er sich an der Symbolik, wie sie durch amerikanische Schulnoten vertraut ist: Buchstaben und Buchstabenkombinationen. John Moody nahm für sich nicht in Anspruch, „Erfinder“ des Ratings zu sein, jedoch wurde durch ihn der Ratinggedanke erstmals konsequent auf viele Titel angewandt, die Anfang des letzten Jahrhunderts an den US-amerikanischen Kapitalmärkten angeboten wurden. Vor John Moody hatte schon der 1788 in Northampton, Massachusetts, geborene Lewis Tappan einen ersten kommerziellen Kreditratingdienst aufgebaut (Mercantile Agency). Die Geschichte von Tappan ist unter anderem deshalb relativ gut dokumentiert, weil er nicht nur die Idee des kommerziellen Ratings lancierte, sondern auch wegen seiner moralischen Grundwerte und als Gegner der Sklaverei in die US-amerikanische Geschichte einging. Seine Tapferkeit wird in den USA noch heute gewürdigt.
Oliver Everling

Finanzanalyse und Finanzrating

Zusammenfassung
Die Begriffe Finanzanalyse und Bilanzanalyse werden in der Literatur und in der Praxis üblicherweise synonym gebraucht. Diesem Ansatz folgen wir auch in unserem Beitrag. Gleichwohl soll zunächst auf die enge Fassung des Begriffs Finanzanalyse eingegangen werden.
Günter Weinrich, Jürgen Jacobs

Verfahren und Prozesse des Finanzratings

Zusammenfassung
Im Rahmen des Finanzratings kommt automatisierten Ratingverfahren eine besondere Bedeutung zu. Um intersubjektiv nachvollziehbare Ratingergebnisse zu erhalten bedient man sich heute daher zumeist statistischer Verfahren. Grundsätzlich lassen sich hierbei die versicherungsmathematischen Verfahren von den optionspreisbasierten Verfahren abgrenzen. Während die versicherungsmathematischen Verfahren sehr weit verbreitet sind kommt den optionspreisbasierten Verfahren in der Praxis eher eine untergeordnete Bedeutung zu. Die in diesem Beitrag vorgestellten statistischen Verfahren des Finanzratings sind der Gruppe der versicherungsmathematischen Verfahren zuzuordnen.
Bernd Graalmann

Instrumente und Kriterien des Finanzratings

Zusammenfassung
Betriebswirtschaftliche Kennzahlen geben in kompakter Form Auskunft über Stärken, Risiken, Tendenzen, momentane Situation und auch Schwachstellen von Unternehmen. Somit sind Kennzahlen wichtige Instrumente zur Steuerung, Planung und für Entscheidungsfindungen jeglicher Art von Unternehmen. Da die Palette dieser so genannten Kennzahlentools sehr vielfältig und von unterschiedlichen Anwendungsmodalitäten geprägt ist, kommt der Prüfung, welche Kennzahlen für das Rating geeignet sind, eine große Bedeutung zu.
Rudolf Schüller

Systeme und Kriterien des Finanzratings

Zusammenfassung
Zur Formulierung und Ausgestaltung einer zielorientierten Ratingpolitik des Unternehmens gegenüber seinen Kapitalgebern sind umfangreiche Kenntnisse über deren Rating erforderlich. Hierzu gehören auch die Systeme und Kriterien des Finanzratings.
Adem Alparslan, Karl-Heinz Bächstädt, Arnd Geldermann

Ansätze des Finanzratings in der Praxis

Frontmatter

Moody’s KMV RiskCalc® – ein quantitatives Finanzrating für nicht börsennotierte Unternehmen

Zusammenfassung
Seit im Jahre 1999 die ersten Vorschläge für ein überarbeitetes Konzept zur Eigenkapitalunterlegung von Krediten (Basel II) veröffentlicht wurden, steht die Verbesserung der internen Ratingverfahren an herausragender Stelle der Tagesordnung zahlreicher Finanzdienstleister in Deutschland, Europa, Asien und Amerika. Viel wurde investiert, um die Verfahren zu verbessern, Kreditrisiken objektiv zu messen und drohende Unternehmenskrisen frühzeitig zu erkennen. Für die Beurteilung nicht börsennotierter Unternehmen wird dabei häufig auf eine Kombination aus quantitativer und qualitativer Analyse gesetzt. Den quantitativen Teil decken in der Regel mathematisch-statistische Verfahren (zum Beispiel ein Bilanzrating) ab, während für die Beurteilung der qualitativen Faktoren (zum Beispiel Managementqualität) auf Expertensysteme zurückgegriffen wird. Probleme treten indes stets dann auf, wenn nicht ausreichend Daten für die Entwicklung eines mathematisch-statistischen Verfahrens vorliegen. Die Moody’s KMV RiskCalc®-Modelle bieten hier eine Alternative. Auf der Basis von mehr als 11 Millionen Jahresabschlüssen wurde ein Netzwerk von über 25 quantitativen Kreditrisikomodellen geschaffen, die von den 200 führenden Finanzdienstleistern als quantitative Komponente im Kreditrisikomanagement verwendet werden.
Christian Thun

Credit Rating der URA Unternehmens Ratingagentur

Zusammenfassung
Mehr Wachstum durch differenzierte Finanzierung von Unternehmen? In der ökonomischen Debatte ist die positive Beziehung zwischen Liquiditätsgrößen der Unternehmen und Wirtschaftswachstum unumstritten. Ebenfalls unumstritten ist, dass auch die Finanzierungsstruktur mittelständischer Unternehmen einen entscheidenden Einfluss auf die konjunkturelle Entwicklung eines Landes hat.
Dieter Pape

Finanzrating am Beispiel der Automobilindustrie

Zusammenfassung
Der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) hat 2004 zusammen mit der Prof. Dr. Schneck Rating GmbH einen Ratingstandard entwickelt, der nicht nur den Namen Standard trägt, sondern in der Bewertung von Lieferanten inzwischen allgemein akzeptiert wird. Bei diesem Standard handelt es sich um eine Ratingsoftware, die auf Basis des marktführenden Ratingtools R-CockpitTM speziell für den VDA entwickelt wurde und sowohl ein reines Finanzrating auf Basis von Bilanzdaten als auch ein Vollrating mit qualitativen Kriterien zulässt. Im März 2006 wurde bereits die zweite Edition dieses Standardtools, in der technische Aktualisierungen der Ratingsoftware vorgenommen wurden, an alle Mitglieder des VDA ausgeliefert.
Ottmar Schneck

Rahmenbedingungen und Management des Finanzratings

Frontmatter

Gestaltungsmöglichkeiten zur Verbesserung des Finanzratings

Zusammenfassung
Das wirtschaftliche Spiegelbild eines Unternehmens erhellt sich Dritten am Ende eines jeden Wirtschaftsjahres mit der Aufstellung des Jahresabschlusses. Er reflektiert die gegenwärtige Situation und liefert die Grundlage zur Feststellung der ökonomischen Fitness. Damit man aus den umfangreichen Informationen auch zu inhaltlichen, analytischen Aussagen kommt, ziehen Finanzfachleute, Controller und Manager verdichtete Kennzahlen heran. Dreh- und Angelpunkt sind dabei die Finanz- und Kapitalstruktur, das heißt die Zusammensetzung der Finanzierung eines Unternehmens aus den verschiedenen Formen von Fremd- und Eigenkapital. Die Zahlungsströme, die sich unmittelbar hieraus ergeben, sind den betrieblichen Leistungsbereichen gegenüberzustellen.
Andreas S. Huber, Diethard B. Simmert

Nutzen und Funktionen des Finanzratings

Zusammenfassung
Beinahe jedes Unternehmen ist schon mit dem Thema Finanzrating in direkter oder indirekter Form in Berührung gekommen. Das Finanzrating wird als Teil des internen Ratingverfahrens der Banken an Relevanz weiter zunehmen, da es die Kreditkonditionen unmittelbar beeinflusst. Somit ist jedes Unternehmen angehalten, sich mit der Funktionsweise und den Auswirkungen näher zu beschäftigen.
Frank Sicking

Rechtliche Aspekte des Finanzratings

Zusammenfassung
Die Kreditwirtschaft bereitet sich gegenwärtig auf die durch die vom Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht am 26. Juni 2004 beschlossene Reform der Baseler Eigenkapitalvorschriften (Basel II) bevorstehenden Veränderungen im Aufsichtsrecht vor. Die Umsetzung in nationales Recht schreitet voran. Am 29. September 2005 hat das Europäische Parlament die Richtlinien verabschiedet, mit denen das Basel II-Abkommen umgesetzt werden soll. Das Bundeskabinett hat am 15. Februar 2006 den Entwurf eines Gesetzes zur Umsetzung dieser Richtlinien, der Banken- und Kapitaladäquanzrichtlinie, beschlossen. Dadurch wird insbesondere das Kreditwesengesetz (KWG) geändert. Details werden Rechtsverordnungen regeln. Zudem setzen die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) Teile von Basel II um.
Jan Lischek

Backmatter

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