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26.11.2013 | Finanztransaktionsteuer | Im Fokus | Onlineartikel

Die Leverage Ratio sinnvoll einsetzen

Autor:
Barbara Bocks

Jürgen Fitschen ist ein Mann klarer Worte. Für das Jahr 2014 rechnet er damit, dass es für die hiesigen Geldhäuser aufwärts geht. Stresstests hält er für sinnvoll - im Gegensatz zur Leverage Ratio.

„Gesundschrumpfen ist für die wenigsten Häuser eine Alternative“, sagte Fitschen in seiner Funktion als Präsident des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) vor Vertretern der Presse in Frankfurt. Vielmehr müssten die Institute kritisch ihre Kostenstruktur und Kundengruppen hinterfragen. Er sieht eine wichtige Aufgabe der deutschen Kreditinstitute darin, die Realwirtschaft mit Krediten zu unterstützen. Jedoch könnten Banken die gesamtwirtschaftlichen Strukturen nicht verändern. Zudem warnt er davor, Geldhäuser zu zwingen, um jeden Preis Kredite zu vergeben. Er kenne „keinen Banker, der nicht gerne ein Geschäft macht“. Dieses müsse aber auch profitabel sein.

„Handlungsbedarf beim Wechsel von Grün zu Gelb bei der Leverage Ratio“

Von der Finanztransaktionssteuer hält der BdB-Präsident nichts. Das Konzept ist für ihn nicht stimmig. Auch kritisiert er die Leverage Ratio. Diese sollte wie bereits vor der Einführung von Basel I „wieder zu den Akten gelegt werden“. Verbands-Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer relativiert die Einschätzung Fitschens. Er sieht die Kennziffer dann als sinnvoll an, wenn sie eine Art "Ampelfunktion" für Banken hat. So ergibt sich laut Kemmer ein Handlungsbedarf für ein Institut, wenn es sich aus dem grünen in den gelben Bereich bewegt. Die Leverage Ratio sei jedoch nicht als "klare Messgröße" zu verstehen.

Im Gegensatz zu Fitschen und Kemmer befürworten Experten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) das Konzept einer Leverage Ratio. Denn die Kennzahl, erklärt Springer-Autor Stefan Terliesner in seinem Beitrag „Institute müssen Farbe bekennen“, sei einfach, transparent und nicht so leicht manipulierbar. Bei dieser Methode wird das Eigenkapital ins Verhältnis zur gesamten Bilanzsumme gesetzt, wie es auch in der Realwirtschaft üblich ist. Wie Banken die Risiken von Aktiva in ihrer Bilanz einschätzen, ist für die Berechnung der Quote irrelevant.

„Zu lasche Stresstest-Regeln als Eigentor“

Klar befürwortet Fitschen die Einführung der Stresstests. Diese seien „langfristig angelegt“ und dienten dazu, „Schwachpunkte zu reparieren“. Daher sollte jetzt auch noch keine Nervosität aufkommen, bekräftigt Fitschen. Allerdings müssten die Ergebnisse glaubwürdig sein: "Das größte Eigentor wären zu lasche Regeln.“ Diese würden die Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit nicht fördern. Außerdem ermahnte er die Regierungen in Brüssel, Berlin und die Aufseher bei der Bankenregulierung, mehr auf die Umsetzung zu achten und weniger darauf, das Regelwerk weiter zu verfeinern.

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