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29.09.2016 | Fintechs | Interview | Onlineartikel

"Der Bankberater übernimmt vor allem psychologische Aufgaben"

Autoren:
Stefanie Hüthig, Christian Kemper
Interviewt wurde:
Prof. Andreas Hackethal

ist seit 2008 Professor für Finanzen am House of Finance der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.  

Andreas Hackethal, Professor für Finanzen am House of Finance der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, spricht im Bankmagazin-Interview über Fintechs, die deutsche Bankenmetropole und neue Ideen für Produkte und Dienstleistungen.

Bankmagazin: Herr Professor Hackethal, noch vor einigen Monaten wollten Kreditinstitute und Fintechs nicht zusammenarbeiten. Mittlerweile geht es nicht mehr um die Frage, ob Banken und Start-ups kooperieren, sondern wie. Warum kam es zum Umdenken?

Andreas Hackethal: Die Partnerschaft und das Miteinander lernen sind wichtig, um die Zukunft der Finanzwelt zu gestalten, denn die ist unsicher. Das ist ein Grund, warum momentan beide Seiten die Zusammenarbeit suchen. Eine weitere Ursache ist, dass Banken und Fintechs ihre unterschiedlichen Stärken und Schwächen zusammenbringen wollen. Anfangs haben die Fintechs ein paar scharfe Thesen aufgestellt. Das war nötig, um Öffentlichkeit zu erzeugen. Dann haben beide Parteien festgestellt, dass sie komplementäre Eigenschaften haben, Geschwindigkeit, Flexibilität und Innovationskraft aufseiten der Fintechs sowie Erfahrung, bekannte Marken und erprobte Prozesse aufseiten der Banken. Für beide lohnt sich also eine Zusammenarbeit. Viele Start-ups haben mittlerweile erkannt, dass es kostenintensiv ist, Kunden direkt anzusprechen. Die Bereitschaft vieler Kunden, einem neuen Anbieter Geld anzuvertrauen, ist beschränkt. Mit einem etablierten Partner verschafft sich ein Fintech schnelleres Wachstum und Skalierbarkeit für sein Geschäft. Das befeuert wiederum mutige Weiterentwicklungen in der B2C-Sparte. Die Geldinstitute haben ihrerseits eingesehen, dass sie Innovationen doch nicht selbst in dem Tempo und in der Zahl entwickeln, damit sie nicht den Anschluss verpassen.

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„Der Bankberater übernimmt vor allem psychologische Aufgaben“

Andreas Hackethal, Professor für Finanzen am House of Finance der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, über Fintechs, die deutsche Bankenmetropole sowie neue Ideen für Produkte und Dienstleistungen.

Worin sehen Sie die Hauptprobleme bei Kooperationen zwischen Banken und Fintechs?

Das kommt auf die Form der Zusammenarbeit an. Die Annäherung über Akzeleratoren oder Inkubatoren ist mit schnellem Lernen auf beiden Seiten, aber dafür mit viel Unsicherheit verbunden. Es lauert die Gefahr, sich zu verzetteln. Will eine Bank ein reiferes Fintech komplett übernehmen und sich einverleiben, droht die Integration in die Konzernhierarchie, die Innovationskraft zu ersticken. Weniger Reibungsverluste gibt es, wenn ein Geldhaus markterprobte Fintechs als eigenständige Zulieferer behandelt oder ganze Prozesse an ein Fintech outsourct. Das ist nah am klassischen Ansatz gegenüber IT-Firmen. Dieses Modell bietet Flexibilität und eine gewisse Distanz, denn einen Zulieferer kann das Institut auch einmal wechseln. Von dieser Form der Zusammenarbeit und der Lizenzierung von Fintechs werden wir in Zukunft noch mehr sehen. Das heißt auch, dass Fintechs, die den berühmten Einhornstatus anpeilen, indem sie die Etablierten verdrängen wollen, selten bleiben werden.

Sie befürworten also das Lizenzierungsmodell?

Ja, es liegt einfach für viele Start-ups am nächsten und ist ein guter Kompromiss, bei dem für die Fintechs Wachstum winkt und gleichzeitig das eingesammelte Kapital nicht für Marketing eingesetzt werden muss, sondern in weitere Innovationen fließen kann. Außerdem sammeln die kooperierenden Fintechs wichtige Erfahrungen mit Compliance und Risikomanagement.

Wie sollten Fintechs reguliert werden?

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat ein enger gefasstes Mandat als zum Beispiel die britische Financial Conduct Authority. Die Bafin hat sicherzustellen, dass sich die Finanzinstitute im Rahmen der existierenden gesetzlichen Vorgaben bewegen und hat dabei auch ein Auge auf das Systemrisiko und den kollektiven Verbraucherschutz. Zu ihren Aufgaben gehören aber weder die Standort- oder Wettbewerbspolitik noch das Setzen des gesetzlichen Rahmens. Daher darf die Bafin auch keinen Unterschied zwischen einem Start-up und etablierten Unternehmen machen, muss also das berühmte Level Playing Field sicherstellen. Letztlich eine Ressourcenfrage innerhalb der Aufsicht ist, welche zusätzlichen Services sie anbieten kann, damit Fintechs frühzeitig lernen, ob und wo ihre Geschäftsmodelle in Konflikt mit bestehenden Regeln stehen.

Das komplette Interview aus der Oktober-Ausgabe von Bankmagazin lesen Sie hier.

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