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23.10.2017 | Fintechs | Im Fokus | Onlineartikel

Die jungen Wilden werden erwachsen

Autor:
Barbara Bocks
3:30 Min. Lesedauer

 

Die deutsche Fintech-Branche wächst weiter, wenn auch in einem langsameren Tempo. Warum das ein gutes Zeichen ist und wie es um die Zusammenarbeit mit traditionellen Kreditinstituten bestellt ist.

An frischem Kapital mangelt es jungen Tech-Firmen hierzulande nicht, ganz im Gegenteil. Im ersten Halbjahr 2017 haben deutsche Fintechs 307 Millionen Euro eingesammelt, im Vergleich zu 400 Millionen Euro im Gesamtjahr 2016. Das hat eine gemeinsame Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) und der Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance herausgefunden. Das Wachstum der Anbieter verlangsamt sich dennoch. Im Jahr 2016 wurden laut einer Studie der Comdirect Bank zur Fintech-Branche in Deutschland insgesamt 141 Start-ups gegründet. Das sind fast drei neue Start-ups pro Woche, im Vergleich zu 170 im Jahr 2015 und 30 neuen jungen Finanztech-Gründungen im laufenden Jahr.

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Mit inzwischen mehr als 700 Fintechs im deutschsprachigen Raum und mehr als 100 Fintech-Bank-Kooperationen sind die Start-Ups au der Finanztechnologie  laut Frank Schwab, Geschäftsführer der GIZS, im Alltag der Finanzindustrie angekommen. Trotz der mittlerweile hohen Anzahl misst dennoch nur jeder vierte Manager aus eigenständig gebliebenen Sparkassen und Genossenschaftsbanken der digitalen Konkurrenz eine sehr große Bedeutung zu. Das geht aus der Studie des Beratungshauses Berg Lund & Company von Oktober 2017 hervor. Für die Erhebung hat das Beratungshaus laut eigenen Angaben mehr als 70 Vorstände und leitende Angestellte aus dem Sparkassen- und Genossenschaftsbankensektor befragt.

Einige der derzeit aktiven Fintechs "werden in den kommenden Jahren auch wieder vom Markt verschwinden, weil sie nicht ausreichend viele Kunden gewinnen und zu geringe Umsätze erzielen", prophezeit Experte Schwab gegenüber Springer Professional. "In der Folge sehen wir bald vermehrt Fintech-Fusionen, Aufkäufe durch die Etablierten und Geschäftsaufgaben", so Schwab weiter. Für 2018 erwartet er "eine Stagnation bei den Fintech-Neugründungen und einen ersten leichten Rückgang der Anzahl der Fintechs".

Nicht alle Neuentwicklungen bleiben bestehen

Ähnlicher Meinung wie Schwab ist auch Springer-Autor Jürgen Wannhoff, Vizepräsident und Mitglied des Vorstands des Sparkassenverbands Westfalen-Lippe. "Auch wenn die Digitalisierung ein unumkehrbares Faktum darstellt, heißt das im Umkehrschluss aber nicht, dass jedes Fintech erfolgreich am Markt bestehen wird“, argumentiert er im Kapitel "Digitalisierung und Fintechs – das traditionelle Bankgeschäft im Wandel" (Seite 41) eines Fachbuchs zum Thema. Längst nicht alles, was die Fintechs entwickeln, werde sich im Markt mittelfristig durchsetzen. 

Viele Innovationen mit hohem Kundennutzen finden sich schon jetzt im Angebot der traditionellen Banken und Sparkassen wieder – und ihre Zahl wird künftig sicher dynamisch ansteigen." 


Jürgen Wannhoff, Vizepräsident und Vorstandsmitglied Sparkassenverband Westfalen-Lippe.

Das verringerte Wachstum ist aber nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen. Denn deutschen Fintech-Unternehmen gelingt es immer mehr, zu einem dynamischen Marktsegment zu werden, das aus eigener Kraft wächst. Das liegt laut den Experten von EY und der Frankfurt Main Finance unter anderem daran, dass die Geschäftsmodelle reifer werden, und an den Kooperationen der Anbieter untereinander.

Keine Berührungsängste mehr mit der digitalen Konkurrenz

Trotz Querelen sind die Berührungsängste zwischen Fintechs und den etablierten Kreditinstituten mittlerweile nahezu komplett verschwunden. Das ist eines der Ergebnisse der 3. Konferenz für Finanztechnologie von der Zeitschrift "Bankmagazin" und Versicherungsmagazin in Kooperation mit dem Center for Financial Studies (CFS) der Goethe Universität, die Anfang September 2017 in Frankfurt am Main stattfand. Aber inzwischen kooperieren auch Fintechs mit Fintechs, etwa das Berliner Unternehmen N26.

Ein Indiz dafür ist auch, dass der Bundesverband deutscher Banken (BdB) Anfang Oktober 2017 elf Fintech-Unternehmen, unter anderem Figo und Deposit Solutions, als außerordentliche Mitglieder aufgenommen hat. Auf europäischer Ebene haben sich derzeit in der "Future of European Fintech Alliance" knapp 70 europäische Fintech-Unternehmen versammelt. Außerdem steigt derzeit unter anderem die Zahl der Fintech-Unternehmen mit Banklizenz der Bafin, unter anderem mit etablierten Fintech-Firmen wie "Figo" oder jungen Start-Ups wie "Element", einem digitalen Schadensversicherer, der Mitte Oktober 2017 eine Lizenz der Aufsicht erhalten hat.

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