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09.05.2019 | Fintechs | Nachricht | Onlineartikel

Kryptowährungen sollen salonfähig werden

Autor:
Christian Kemper

Trotz seiner Risikoanfälligkeit sind der Bitcoin und andere digitale Währungen ein Zukunftsthema für die Finanzbranche. Auf dem Bankmagazin-Event erklärten Aufseher, Praktiker und Wissenschaftler, was sie von Kryptoassets halten.


Ob digitale Währungen bahnbrechende Innovationen oder überflüssige Spekulationsobjekte sind, erläuterte Professor Volker Brühl, Geschäftsführer des Centers for Financial Studies (CFS) an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, in seinem Impulsvortrag des Bankmagazin-Events am 8. Mai. Als "hoch spekulative Anlageform ohne nennenswerten Anlegerschutz", bezeichnete er die Kryptowährungen generell. Insbesondere der Bitcoin habe keine nennenswerte Relevanz als Zahlungsmittel und virtuelle Währungen hätten keine Existenzberechtigung. 

Zukunftsträchtig soll laut Professor Brühl allerdings die Token-Technologie sein. Darüber werden Ansprüche auf eine Dienstleistung oder ein Produkt, auf einen Zahlungsanspruch oder einen Zugang zu einem Service transferiert. Diese Lösungen basieren in der Regel auf der Digital Ledger Technologie. Diskussionsbedarf bestehe jedoch aufgrund der noch unbeantworteten Frage nach Regulierung und Aufsicht des Markts für Kryptowährungen und den damit verbundenen Vermittlungsgeschäften. 

Alternative Zahlungsmittel sind auf dem Vormarsch

Trotz aller Skepsis soll derzeit Facebook an einer eigenen Digitalwährung arbeiten und will gemeinsam mit Finanzunternehmen eine Bezahlplattform gründen, wie das "Wall Street Journal" berichtete. Unter anderem die Kreditkartenanbieter Mastercard und Visa seien dafür angesprochen worden sein. In das Projekt namens "Libra" habe Facebook laut Medienberichten rund eine Milliarde US-Dollar investiert.

Welche Chancen und Herausforderungen mit Kryptoassets verbunden sind, zeigte Martin Schmidt, Partner und Gründungsgesellschafter von Postera Capital, auf. Aufgrund ihrer niedrigen Korrelation zu traditionellen Anlageklassen seien digitale Währungen durchaus zur Diversifikation von Investments geeignet. Doch die hohe Volatilität und Exzesse in den Märkten sollten auch abschreckend wirken, warnt Schmidt. Daher sprach er sich für eine Einordnung von Kryptowährungen unter alternative Assets wie Private Equity, Hedge Fonds und Venture Capital aus.

Traditioneller Handelsplatz steigt in den Bitcoin-Markt ein

Den Kryptohandel einfach, sicher und zuverlässig machen will Ulli Spankowski, Geschäftsführer der Börse Stuttgart Digital Ventures. Zum Angebot des etablierten Handelsplatzes gehört unter anderem Bison, eine digitale Anwendung über die Kryptowährungen gekauft und verkauft werden können. "Bei uns können Bitcoins 18 Stunden an sieben Tagen in der Woche gehandelt werden", wirbt Spankowski und verspricht, dass bald auch ein 24-Stunden-Service möglich sein soll. Schon heute liefert die Bison-App ständig aktuelle Informationen aus der weltweiten Krypto- und Bitcoin-Community.

Für ein kryptofreundliches Banking sprach sich Christoph Iwaniez, Chief Financial Officer (CFO) von Bitwala, aus. "Wir wollen unseren Kunden in einem regulierten Umfeld einen Zugang zu Kryptowährungen gewähren", betonte er angesichts der Unsicherheit, die teilweise unter den Marktteilnehmern herrscht. Daher begrüße Iwaniez die Regulierungsbemühungen hierzulande. "Wir sind mit unserem Blockchain-Dienst aus guten Gründen in Deutschland geblieben", fügte der Bitwala-CFO hinzu. 

Bundesbank sieht Währungsbegriff kritisch

Burkhard Balz, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, vermittelte den Teilnehmern des Bankmagazin-Events die Einschätzung der Aufsicht zu Kryptowährungen und erklärte, warum sie das virtuelle Geld "Krypto-Token" nennt. So werde der Begriff Währung in seinem Institut nicht in Verbindung mit Kryptoassets genannt. "Die Transparenz der privat geschaffenen Token lässt zu wünschen übrig", kritisiert Balz. Überdies seien sie weit davon entfernt, Geldfunktionen übernehmen zu können, ihnen fehle das vertrauensbildende Element. "Token eignen sich weder zur Wertaufbewahrung noch als verlässliches Zahlungsmittel", sagte der Bundesbank-Vorstand. Auch wegen der hohen Preisschwankungen auf dem Kryptomarkt habe sein Haus frühzeitig vor den mit dem Handel verbundenen Risiken gewarnt. 

Die Technologie des Blockchain-Netzwerks könnten laut Bundesbank-Vorstand Balz vielversprechend für viele Transaktionen in der Finanzwelt, etwa für die Abwicklung von Wertpapieren. Allerdings sei auch hierfür noch deutlich mehr Transparenz erforderlich, etwa was die Klarnamen der Teilnehmer eines solchen Netzwerks angeht. Balz plädierte für Zusammenarbeit: "Lassen Sie uns das Potenzial dieser Technologie gemeinsam entwickeln."

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Quelle:
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