Skip to main content

09.11.2015 | Fintechs | Im Fokus | Online-Artikel

Verband umwirbt Fintechs

4 Min. Lesedauer
share
TEILEN
print
DRUCKEN
insite
SUCHEN

Junge Unternehmen für Finanztechnologie finden in der Kreditwirtschaft immer stärkeres Gehör. Auch im Bankenverband sollen sie jetzt mitreden dürfen.

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) öffnet sich für Fintechs, damit traditionelle Geldhäuser und die Start-ups mehr voneinander profitieren. Deshalb hat er entschieden, die jungen Finanztechnologie-Unternehmen als außerordentliche Mitglieder zuzulassen. Sie könnten so "an der Meinungsbildung in unserer Branche mitwirken und am vielfältigen Informationsfluss der privaten Banken teilnehmen", begründet Jürgen Fitschen, Präsident des Bankenverbandes und Co-Chef der Deutschen Bank diesen Schritt. Als außerordentliche Mitglieder besitzen die Fintechs Stimmrecht in der Mitgliederversammlung. Außerdem können sie beratend in die Ausschüsse des Verbandes gewählt werden. Für den Themenkreis Digital Banking werden überdies ein Kommunikationsforum sowie ein neuer Steuerungskreis geschaffen, der paritätisch aus Kreditinstituten und Start-ups bestehen soll.

Fintechs experimentieren, was funktioniert und was nicht

Ergänzen Fintechs traditionelle Finanzinstitute oder ersetzen sie Banken und Sparkassen? Über diese Frage debattierte ein Experten-Panel am 6. November 2015 bei einer Veranstaltung des House of Finance an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Fintechs lernen durch Versuch und Irrtum, was Kunden wollen, erklärte Andreas Hackethal, Professor an der Goethe Universität. Die Start-ups verstünden, wie Menschen Entscheidungen treffen und welche Fehler sie machen, ist sich der Experte sicher. Als Beispiel nannte er die mangelnde Selbstdisziplin der Menschen bei der Altersvorsorge. Könnten die Fintechs den Kunden helfen, dieses Problem mit einer kleinen Veränderung zu lösen, könne das schon große Effekte haben. Axel Wieandt, Dozent für Financial Intermediation an der WHU Otto-Beisheim School of Management, sieht derzeit noch keine „Killer-Applikation“. Er mahnte aber in der Experten-Runde, wachsam zu sein. Die echte Gefahr komme von den Big Playern im Internet, zum Beispiel Google. Fintechs, glaubt Wieandt, werden helfen, die Qualität des Angebots in der Kreditwirtschaft zu verbessern. Die Start-ups, prognostiziert er, werden gemeinsam mit weniger traditionellen Geldinstituten und in einem komplexeren Ökosystem als heute koexistieren sowie kooperieren.

Weitere Artikel zum Thema

Die Herausforderung für Banken und Sparkassen sei die Digitalisierung als Ganzes, nicht der Angriff der Fintechs allein. Das meint Joachim Schmalzl, der aktuell noch Vorstand bei der Sparkasse Köln Bonn ist und ab 2016 in die Geschäftsführung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) wechseln wird. In dem Panel gab er mit seinen Aussagen einen kleinen Einblick in die Diskussionen in der Sparkassenwelt. Dort gebe es viele unterschiedliche Häuser und Entscheidungsträger mit unterschiedlichen Meinungen, was Entscheidungsprozesse komplexer und langsamer mache. Auch wenn traditionelle Kreditinstitute mit der Geschwindigkeit der Start-ups nicht mithalten können: Schmalzl glaubt nicht, dass die Fintechs die Banken ersetzen werden. Es habe schon früher Innovationen gegeben, „und wir sind immer noch da“. Allerdings wünscht sich der Sparkassen-Vorstand vom Regulierer ein „Level Playing Field“, also gleiche Vorgaben für Kreditinstitute und Fintechs.

Kontowechsel ohne eigenhändige Unterschrift

Auf den wachsenden Einfluss der jungen Wilden mit ihren digitalen Geschäftsmodellen reagiert offenbar auch der Gesetzgeber im Bereich des Kontowechsels im neu geschaffenen Zahlungskontengesetz. Nach Angaben des Finanztechnologie-Start-ups Finreach wurde eine Alternative zum Schriftformerfordernis in einem neu formulierten Absatz des Gesetzes festgehalten. In dessen Erstversion war bei der verpflichtenden Kontowechselhilfe noch die eigenhändige Unterschrift des Kontoinhabers für die Ermächtigung vorgesehen. Doch das hätte angesichts der zunehmenden Digitalisierung einen Medienbruch bedeutet. Auf den Einwand von Direktbanken und Fintechs hin berücksichtigt der Gesetzgeber laut Finreach daher jetzt die verstärkte Nutzung von Smartphone, Tablet oder PC durch die Verbraucher, wenn diese Konten eröffnen oder verwalten. Der Kunde habe sich ja in diesem Fall bereits identifiziert und verifiziert.

Die Start-ups gewinnen also zunehmend an Einfluss, ob in der Branche selbst oder beim Regulierer. Über ihr Angebot verändern sie außerdem die Erwartungen der Kunden, die sich ohnehin schon verstärkt bequeme digitale Lösungen von Finanzdienstleistern wünschen. Schmalzl beklagte in der Experten-Runde an der Goethe-Universität, dass die jungen Finanztechnologie-Unternehmen außerdem die Preissensibilität der Kunden erhöhen. Die Start-ups lehrten den Verbraucher mit den Mitteln ihrer Investoren im Rücken, dass es beispielsweise Girokonten zum Nulltarif oder für kleines Geld geben könne. Kreditinstitute dagegen seien gezwungen, mit ihren Kunden und ihrem Geschäftsmodell Geld zu verdienen. In Zukunft müssten Sparkassen daher innovative Lösungen entwickeln, die innerhalb ihres Geschäftsmodells funktionieren und mit denen sich gleichzeitig Erlöse generieren lassen.

share
TEILEN
print
DRUCKEN

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2014 | OriginalPaper | Buchkapitel

Geschäftsmodelle von Banken

Quelle:
Client Value Generation

Premium Partner