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05.11.2015 | Fintechs | Interview | Online-Artikel

"Wir dürfen keine Angst davor haben, Mist zu bauen"

verfasst von: Stefanie Hüthig

2:30 Min. Lesedauer
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Christian Rieck, Finanz-Professor an der Frankfurt University of Applied Sciences, spricht im Interview mit Bankmagazin über Angriffe von Robotern auf das Geschäftsmodell der Banken, die Überlebenschancen von Fintechs und ein Vorbild aus den Star-Wars-Filmen.

Bankmagazin: Herr Professor Rieck, bei der Fintech-Konferenz des Bankmagazins und des Centers for Financial Studies im September 2015 in Frankfurt haben Sie erklärt, dass Roboter das Geschäftsmodell von Finanzinstitutionen übernehmen werden. Wie müssen wir uns diese Angreifer vorstellen?

Christian Rieck: Vergessen Sie das, was sich derzeit Roboter nennt. Die Roboter, von denen ich spreche, bestehen aus zwei Komponenten, nämlich aus sozialen Medien und künstlicher Intelligenz. Die Verbindung dieser Komponenten ergibt die Roboter.

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Gibt es diese Roboter, von denen Sie sprechen, nicht schon, zum Beispiel als Tools, mit denen sich die sozialen Medien auswerten lassen und die auch dazulernen?

Ja, die Technik gibt es bereits. Wenn sie auch bis jetzt nicht ausgereift ist, funktioniert sie erstaunlich gut. Aber sie wird im Augenblick noch nicht so angewandt, dass sie genau dieses eine Geschäftsmodell der Banken gezielt angreift.

Wie genau greifen die Roboter die Kreditwirtschaft an?

Wenn so ein Roboter wirklich entsteht, der soziale Medien mit künstlicher Intelligenz auswertet, dann haben wir das Problem, dass jemand, der intelligenter ist als ein Mensch, Zugang zu mehr Informationen hat als ein Mensch oder auch als eine Bank. Das wiederum bedeutet, dass das Informationsmonopol, von dem die Finanzinstitute bisher gelebt haben, komplett wegfällt. Damit haben wir mit einem Schlag das Geschäftsmodell der Banken abgeschafft.

Können Sie das näher erläutern?

Die Frage ist, wovon eine Branche eigentlich lebt. Es muss Marktzugangsschranken geben. Ohne sie kann kein Unternehmen existieren. Ein Geschäftsmodell nutzt immer eine Marktunvollkommenheit aus. Die Banken leben davon, dass sie Informationsunterschiede auf den Märkten verwerten. Das ist eine sehr wichtige Funktion, die Finanzinstitute für Märkte und die Menschen übernehmen. Wenn sich die Informationstransformation aber auf eine andere Weise machen lässt, wird das zu einer fundamentalen Bedrohung für die Banken.

War diese Entwicklung nicht absehbar? Als der Computer Einzug in die Finanzbranche gehalten hat, ist ja auch die Möglichkeit zur Arbitrage verschwunden.

Wenn ich von Marktunvollkommenheit spreche, dann meine ich aber nicht die Kapitalmärkte, sondern reale Märkte. Nehmen wir die Musikbranche. Was haben die Musikunternehmen gemacht, als es noch Schallplatten gab? Sie haben die Tonträger hergestellt, aber auch eine Auswahl von Musik getroffen, die zu den Hörern passt. Damit hatten sie letztlich einen kleinen Teil des Geschäfts monopolisiert. Davon konnten sie leben. Geldverdienen besteht darin, eine Lösung für ein reales Problem so zu erbringen, dass dies von anderen Anbietern nicht einfach nachgemacht werden kann.at.

Zur Person
Christian Rieck ist Professor für Finance an der Frankfurt University of Applied Sciences. Nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften war er an der Neuausrichtung des Centers for Financial Studies beteiligt und leitete danach bei IBM Global Services das Internationale Competence-Center für Lösungen in der Finanzbranche.

Das vollständige Interview lesen Sie in Bankmagazin 11/2015.

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