Skip to main content
main-content

19.04.2016 | Fintechs | Nachricht | Onlineartikel

Deutsche Bank unternimmt digitalen Befreiungsschlag

Autor:
Stefanie Hüthig

Lange hat sich Deutschlands größtes Geldhaus bedeckt gehalten, wenn es um seine digitale Privatkundenstrategie und die Zusammenarbeit mit Fintechs ging. Wer glaubte, dass die Bank hinter verschlossenen Türen in strategischer Manier an Lösungen arbeitet und diese dann auf einen Schlag kommuniziert, sollte recht behalten.

Die Deutsche Bank hat am 19. April 2016 ihre Digitalstrategie für das Privatkundengeschäft vorgestellt. Dabei will das Kreditinstitut Online, Mobile und Filiale in einem „digitalen Ökosystem“ zusammenführen, wie Christian Sewing, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank und Leiter des Unternehmensbereichs Private, Wealth & Commercial Clients (PW&CC), erklärte. Herzstück des Projekts, aus dem in den kommenden zwölf Monaten zahlreiche Innovationen hervorgehen sollen, ist das Onlinebanking, wobei die Grenzen zum immer beliebteren Mobile Banking fließend sind. Vor allem die App, die am 26. April 2016 live geht, bezeichnet das Geldhaus als Kundentor zum digitalen Ökosystem. Ein agiler Entwicklungsansatz sowie eine Plattform für die so genannten Application Programming Interfaces (API), also Programmierschnittstellen, sollen dafür sorgen, dass die Deutsche Bank vor allem Fintechs mit ihren Lösungen binnen weniger Wochen in ihr System einbinden und damit Kunden schnell nutzbar machen kann. Von den Start-ups, mit denen das Geldinstitut kooperiert, stellten sich bei der Präsentation der Multibanken-Spezialist Figo, der Robo Advisor Fincite und der Einlagen-Marktplatz Deposit Solutions vor.

Institut eröffnet Digitalfabrik in Frankfurt

Darüber hinaus wird die Bank Mitte 2016 im Frankfurter Speckgürtel eine Digitalfabrik mit 400 Experten eröffnen. 50 Arbeitsplätze werden für Fintech-Partner zur Verfügung stehen. 2017 soll die Fabrik dann in die Frankfurter City ziehen. Auch für die Flagship-Filiale der Deutschen Bank in Berlin, Q110, gibt es Neuigkeiten. Die Zweigstelle wird umgebaut, die Fertigstellung ist für das vierte Quartal 2016 geplant.
Die Deutsche Bank gibt sich zu ihrer Digitalstrategie gewohnt selbstbewusst. „Vorreiter zu sein war noch nie so wichtig wie heute“, betonte Markus Pertlwieser, Chief Digital Officer im Bereich PW&CC. Der Vorstoß im Privatkundengeschäft ist Teil einer Reihe von Initiativen. Erst im März 2016 präsentierte die Bank ihr digitales Portal für den Mittelstand. Und Anfang April eröffnete das Geldinstitut ein Innovation Lab im Silicon Valley.

Gestensteuerung ist in, Klicks sind out

Zu den Innovationen bei der Deutschen Bank-App gehört die Steuerung über Gesten. Die Bedienung über Klicks und Zurück-Button sei „old school“, erklärte Michael Koch, Head of Digital Factory, und entspricht damit nicht der modernen User Experience, ein Gebiet, auf dem die Deutsche Bank Marktführerin werden will. Ab Ende des Jahres, so der Plan, bezahlen Kunden mit der App auch am Point of Sale. Laut Pertlwieser soll sich der Kunde die Funktionen seiner App individuell zusammenstellen können.
Kern sowohl der App als auch des Onlinebankings ist die Finanzübersicht. Vom dritten Quartal 2016 an soll der Kunde dort sein Gesamtvermögen, die Liquidität und Umsätze sowie Kredite von Fremdbanken und Finanzdienstleistern sehen. Bei diesem Vorhaben kooperiert die Deutsche Bank mit Figo. Dessen Chief Executive Officer André M. Bajorat, ursprünglich aus dem Sparkassensektor stammend, schwärmte von dem gemeinsamen „Mindset“ bei der Zusammenarbeit. So haben sich die beiden Partner zum Beispiel dazu entschlossen, Möglichkeiten, die die zweite Zahlungsdienste-Richtlinie (PSD II) mit sich bringt, zu antizipieren. Bajorat glaubt, das Banken nur überleben können, wenn sie „radikal digital denken“ und „Berührungsängste abbauen“.

Kunden sollen europaweit Termingelder abschließen können

Mit dem gemeinsamen Marktplatz mit dem Start-up Deposit Solutions öffnet sich die Deutsche Bank ihre Produktarchitektur auf Einlagenseite. Über ihr Onlinebanking sollen Deutsche Bank-Kunden künftig über ein Treuhandverhältnis direkt Termingelder europäischer Banken abschließen können. Die Zusammenarbeit mit Fincite im Anlagegeschäft wird sich für den Kunden ebenfalls zunächst digital bemerkbar machen. In einem weiteren Schritt denkt die Deutsche Bank aber auch über einen Einsatz der Robo-Advisory-Funktion in der Filiale nach.

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

01.04.2016 | Strategie | Ausgabe 4/2016

Welche Städte Gründer lieben

01.04.2016 | Geschäftsfelder | Ausgabe 4/2016

Geldhäuser werden Teil der Industrie 4.0

01.02.2016 | Vertrieb | Ausgabe 2-3/2016

Smartphone wird zur Fernbedienung des Lebens

Das könnte Sie auch interessieren

05.11.2015 | Fintechs | Interview | Onlineartikel

"Wir dürfen keine Angst davor haben, Mist zu bauen"

14.03.2016 | Mobile Payment | Im Fokus | Onlineartikel

Wer beim mobilen Bezahlen übernimmt

Premium Partner

    Bildnachweise