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09.08.2017 | Fintechs | Interview | Onlineartikel

Finanzen grenzübergreifend managen

Autor:
Christian Kemper
Interviewt wurde:
Kristo Käärmann

ist Mitgründer und Geschäftsführer von Transfer Wise.

Welche Geschäftsideen stecken hinter den Fintechs des Monats von Bankmagazin? Die ausgewählten Unternehmen stellen wir hier im Kurzinterview vor, heute Transfer Wise.

Springer Professional: Wie funktioniert Ihr Geschäftsmodell?

Kristo Käärmann: Transfer Wise ist eine neue Art von Finanzunternehmen für Unternehmen und Personen, die international reisen, leben und arbeiten. Traditionelle Finanzsysteme sind größtenteils auf nationaler Ebene aufgebaut worden und funktionierten am besten, so lange man innerhalb der Landesgrenzen bleibt. Sobald man jedoch international lebt und arbeitet, lassen sie jene, die sie nutzen, nicht selten im Stich. Unsere Idee war es daher einen fairen, einfachen Weg zu finden, seine Finanzen grenzübergreifend zu managen. Um dies zu ermöglichen hat Transfer Wise ein weltweites Netzwerk aus lokalen Banken aufgebaut. Dies bedeutet, dass Geldbeträge bei Transfer Wise-Überweisungen in den meisten Fällen innerhalb der Landesgrenzen bleiben. Das ermöglicht es uns, die Kosten so gering wie möglich zu halten. Diese Ersparnisse leiten wir an unsere Nutzer weiter. Wir sind stets vollständig transparent, wenn es um die Kosten geht: Es gibt eine einzige Vorab-Gebühr. Der Wechselkurs, den wir berechnen, ist auch der, den der Kunde über Google finden kann – ohne versteckte Gebühren oder Aufschläge.

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Seit wann ist Ihr Unternehmen profitabel?

Transfer Wise ist seit Anfang 2017 profitabel, wobei wir im Vereinten Königreich, einem unserer reifsten Märkte, bereits 2016 schwarze Zahlen geschrieben haben. Im vergangenen Jahr ist unser Geschäft um 150 Prozent gewachsen. Für das laufende Jahr erwarten wir ein Wachstum in gleicher Höhe.

Womit verdienen Sie ihre Gewinnmarge?

Transfer Wise macht Umsatz, indem wir eine geringe Servicegebühr für jede Transaktion verlangen. Die Gebühr variiert je nach der Überweisungsroute, liegt aber zwischen 0,5 und zwei Prozent des Überweisungsbetrags. Für eine Euro-zu-Pfund-Überweisung erheben wir zum Beispiel bei Beträgen unter 400 Euro eine Gebühr von zwei Euro. Bei höheren Summen fällt eine Gebühr von 0,5 Prozent des Überweisungsbetrags an. Es gibt keine zusätzlichen Aufschläge beim Währungswechsel – wir nutzen den marktüblichen Umrechnungskurs (Mid-Market Rate). Wir sind stets vollständig transparent in Bezug auf die Kosten und versuchen diese für unsere Nutzer so niedrig wie möglich zu halten.

Wie viele Unternehmen gehören zu Ihren Kunden?

Wir arbeiten mit verschiedenen weltweiten Unternehmen zusammen, vom selbständigen Kaufmann und Freiberufler bis hin zu multinationalen Unternehmen. Unser neuestes Angebot "Borderless" gibt Unternehmen die volle Kontrolle über ihre Finanzen – in welcher Währung sie diese aufbewahren und empfangen und wann sie diese in eine andere Währung umwechseln. Im Prinzip funktioniert es genau so, als hätte man ein lokales Konto in jedem Land, in dem man es benötigt – nur ohne den Aufwand einer Kontoeröffnung. Damit unterscheidet sich "Borderless" auch von Multi-Währungskonten, wie sie von Kreditinstituten angeboten werden: Bei traditionellen Währungskonten erhält der Nutzer keine lokalen Kontodaten. Bei internationalen Überweisungen fallen oft weiterhin erhebliche Gebühren an, da diese über das Swift-Netzwerk erfolgen.

Auf welche Weise kooperieren Sie mit Banken?

Wir haben Partnerschaften mit verschiedenen Banken, darunter zum Beispiel Starling, LHV und N26. Sämtliche internationale Überweisungen dieser Unternehmen laufen über Transfer Wise. Die Kunden unserer Partner erhalten dabei die gleichen Vorteile wie Transfer Wise-Nutzer: die gleichen niedrigen Gebühren, die gleichen marktüblichen Umrechnungskurse und volle Kostentransparenz, die gleiche Überweisungsgeschwindigkeit und den gleichen schnellen und einfachen -prozess. Wir nutzen hierfür unsere Transfer Wise-API, die es uns ermöglicht, unseren Service nahtlos in das digitale Angebot unserer Partner zu integrieren. Für Banken bedeutet dies, dass sie ihren Kunden eine bessere Alternative zur traditionellen SWIFT-Überweisung bieten können und gleichzeitig ihre eigenen Kosten für grenzübergreifende Überweisungen reduzieren können.

Was planen Sie für die kommenden zwölf Monate?

Basierend auf aktuellen Daten, unter anderem Reports der Weltbank sowie nationaler Organisationen, schätzen wir, dass jedes Jahr zwischen fünf und zehn Billionen Dollar international überwiesen werden. Aktuell überweisen wir eine Milliarde Dollar pro Monat; es gibt also noch viel zu tun! Wir werden uns weiterhin auf unser Wachstum und die globale Expansion konzentrieren. Im Laufe des Jahres werden wir unsere "Borderless"-Accounts auch für Privatkunden anbieten. Das wird es ihnen erleichtern, ihr Geld über Landesgrenzen hinweg zu verwalten.

Ein Porträt über Transfer Wise lesen Sie in der Bankmagazin-Ausgabe 7/8 | 2017.

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