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16.10.2018 | Fintechs | Interview | Onlineartikel

"Innovation kommt nicht durch die Verbesserung des Alten"

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
4 Min. Lesedauer
Interviewt wurde:
Markus Ament

ist Mitgründer und CEO des Blockchain-Unternehmens Centrifuge. 

Der digitalen Transformation müssen sich Finanzdienstleister stellen und das nicht nur halbherzig, meint Markus Ament. Im Interview mit Springer Professional erklärt der Centrifuge-CEO, wie die Zukunft der Branche aussehen könnte. 

Springer Professional: Dass die Blockchain-Technologie Auswirkungen auf die Wirtschaft insgesamt und auf die Finanzbranche im Speziellen hat, ist wohl unstreitig. Wie wird sie Ihrer Ansicht die Arbeit klassischer Banken und Beratungshäuser in fünf oder zehn Jahren verändern?

Markus (Maex) Ament: Wir, das Centrifuge-Team, glauben, dass die Wirtschaft der Zukunft dezentral über Blockchain basierte Protokolle organisiert wird. Deshalb bauen wir bei uns ein solches Protokoll für die Financial Supply Chain, sprich für die Finanzprozesse und -transaktionen der Lieferkette. Die ersten spürbaren Änderungen auf unser Wirtschaftssystem erwarten wir genau in dem von Ihnen genannten Zeitraum von fünf bis zehn Jahren. Dies wird mit dramatischen Veränderungen für die klassischen Finanzdienstleister wie Banken einhergehen.

Viele Prozesse wie Zahlungen und der Handel von Vermögenswerten, also Assets, werden komplett automatisiert. Andere, wie Anlageberatung, besser von oder mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz erfolgen. Banken müssen diesen Übergang erfolgreich gestalten, um zu überleben. Die schiere Größe einer Bank tritt in den Hintergrund. Benutzerfreundlichkeit, Zugang zum Endkunden, Schnelligkeit und Qualität werden entscheidende Faktoren. Beratungshäuser im Finanzdienstleistungssektor werden ihre Angebote und Dienstleistungen entsprechend anpassen.

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Viele Banken forschen eifrig in eigenen Labs an neuen Technologien, die vor allem interne Prozesse effizienter gestalten sollen. Dabei kooperieren Sie auch häufig mit Fintechs oder beteiligen sich an jungen Start-ups. Wird die Fintech-Branche mittlerweile weniger als Konkurrenz, sondern mehr als Chance wahrgenommen?

Ich glaube, gerade weil die Fintechs erst seit kurzem als wirkliche Herausforderung und Konkurrenz zum eigenen Geschäftsmodell einer Bank wahrgenommen werden, beschäftigen sich Banken mit Fintechs. Banken wollen durch die Kooperation von Fintechs lernen und versuchen, selbst irgendwie zu einem Fintech zu werden. Wir sehen dies für uns als Chance und Risiko zugleich. Die Kooperation mit einer namhaften Bank ist eine tolle Botschaft. Der Zugriff auf die Ressourcen, Kunden und das Netzwerk einer großen internationalen Bank kann helfen, schneller zu entwickeln und den Marktzugang zu verbessern und zu beschleunigen. Auf der anderen Seite bedeutet dies für ein Fintech aber auch, sich auf den sehr viel größeren Partner einzulassen. Eigene Prioritäten können durch die Prioritäten der Bank ersetzt und der ursprüngliche Fokus verloren gehen. Das Fintech wird quasi durch die Bank assimiliert, ohne dass die Bank sich wirklich verändert. Ich denke, das echte Veränderung nicht durch die Verbesserung des Alten, sondern nur durch das Infragestellen des Althergebrachten angestoßen werden kann.

Aufgrund immer strenger werdenden EU-Vorgaben rücken auch die Dienstleister der Banken in den Fokus der Aufsichtsbehörden. Wird sich deren Arbeitsweise und Innovationsfähigkeit hierdurch mittel- und langfristig verlangsamen?

Sicherlich. Neue Regularien müssen umgesetzt und die Umsetzung geprüft und nachgewiesen werden. Das erfordert Zeit und Ressourcen, die für die Entwicklung des eigentlichen Geschäftsmodells verloren gehen. Es ist noch völlig unklar, wie die Aufsichts- und Regulierungsbehörden hierbei Blockchain-Technologien betrachten und im besten Falle berücksichtigen und nutzbar machen wollen. Erste Beispiele aus Thailand oder Malta, die Diskussion in den USA, Japan und auch mit Verzögerung in Deutschland zeigt aber, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Blockchain wird auch hier in Zukunft eine immer stärkere Rolle spielen.

Glauben Sie, dass die aktuellen Veränderungen in der Finanzdienstleistungsbranche auch die Bedürfnisse der Kunden verändern beziehungsweise diese künftig andere Anforderungen an eine Bank haben werden?

Ich glaube, wie es ihre Frage auch andeutet, das wirklich Neues, tatsächliche Innovation, nicht von Kunden getriebenen Angeboten kommen, sondern von einem oder wenigen Innovatoren, die diese aktuellen Angebote in Fragen stellen. Ich will hier nicht die allseits bekannte Geschichte von Steve Jobs und dem iPhone erzählten, weil ich glaube, Sie verstehen mich hier. Der Innovationszyklus gilt auch für die Blockchain. Innovatoren finden Early Adopters und diese führen zu einer Änderung der Nachfrage und damit einer Änderung des generellen Angebots. Wie diese im Detail aussehen werden und was sich durchsetzt, wissen wir, wenn es soweit ist. Unser Team will dazu beitragen, indem wir "Lego-Bausteine" für das Finanzsystem der Zukunft zur Verfügung stellen, wenn es um die Financial Supply Chain und die Financial Services geht.

 

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