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04.09.2017 | Fintechs | Im Fokus | Onlineartikel

Warum Kooperationen mit Start-ups sinnvoll sind

Autor:
Eva-Susanne Krah

Wenn mittelständische Unternehmen mit innovativen Gründern kooperieren, können beide Seiten von einander lernen und Vorteile daraus ziehen. Welche Faktoren dabei wichtig sind.

Modelle für entstehende Kooperationen gibt es bereits viele in der deutschen Wirtschaft. Jüngstes Beispiel ist die Entwicklung des Fintech-Sektors. Als disruptive Wettbewerber im Finanzmarkt gestartet, tragen inzwischen Kooperationen zwischen den jungen Finanztechnologie-Start-ups und Kreditinstituten dazu bei, neue Geschäftsmodelle und mehr Effizienz in den Markt zu bringen. So verändern sich unter anderem im Zahlungsverkehr, dem Kreditwesen, etwa mit Crowdlending oder Crowdinvesting sowie weiteren Finanzservices wie bei der elektronischen Identifikation durch die Zusammenarbeit zwischen Kreditinstituten und Fintechs nicht nur Prozesse. Es lassen sich auch neue Kundenpotenziale erschließen und über Schnittstellen schlankere Prozesse rund um den Kunden gestalten. 

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Auch in der Automobilindustrie kooperieren Konzerne immer stärker mit jungen Start-ups, denn die Digitalisierung stellt beispielsweise die gesamte Automobilbranche vor große Herausforderungen, etwa durch neue Mobilitätskonzepte oder die zunehmende Vernetzung der Fahrzeuge. "Tiefgreifende Veränderungen der Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle in naher Zukunft" sind aus Sicht von Professor Dr. W. Burr, J. Valentowitsch und M. Bosler, Autoren des Springer-Buchkapitels "Neuartige Formen der Kooperation mit dem Start-up Sektor", die Folge. Um sich einen Handlungsspielraum zu schaffen, kooperieren die großen Automobilhersteller gezielt mit anderen Unternehmen, auch mit jungen Start‐ups, stellen sie fest. 

Kooperationspartnern auf Augenhöhe begegnen

"Prinzipiell stehen interessierten Kooperationspartnern verschiedene Formen der Zusammenarbeit zur Verfügung – vom formlosen Unterstützungsmodell bis hin zum Investitionsmodell. Die Ausgestaltung und Intensität der Kooperation ist letztlich abhängig von den Zielen, die beide Seiten verfolgen. Aber auch Aspekte wie die Unternehmerpersönlichkeit, regionale Distanz oder bestimmte Branchenspezifika spielen hierbei eine Rolle", sagt Professor Dr. Friederike Welter, Präsidentin des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung (IfM). Wichtige Faktoren bei Kooperationen sind aus ihrer Sicht jedoch, dass potenzielle Kooperationspartner sich "auf Augenhöhe und mit der notwendigen Offenheit begegnen". 

Das IfM hat anhand von Experteninterviews  zum Thema die Motive, Formen sowie Herausforderungen und Erfolgsfaktoren von Kooperationen zwischen etablierten Mittelständlern und Start-ups auf den Prüfstand gestellt. Dabei zeigt sich, dass KMU beispielsweise im Schulterschluss mit den Gründerunternehmen eher den Zugang zu neuen Technologien und hochqualifizierten Fachkräften suchen, während Start-ups durch Kooperationen von den Netzwerken sowie dem branchenspezifischen Know-how der Mittelständler profitieren möchten. Eine innovationsfreundliche Kultur auf der Unternehmensseite und tiefergehendes Wissen über die Bedürfnisse der Mittelstandsfirmen, ihres Marktes, aber auch eine konkrete Mehrwertleistung, die Start-ups selbst einbringen, sind die Voraussetzungen, damit Kooperationen gelingen. KMU profitieren zudem durch die erhöhte Wettbewerbsfähigkeit, wenn sie einen Technologievorsprung erreichen, indem sie mit jungen Gründern zusammenarbeiten. Auch hierfür ist der Fintech-Sektor im Zusammenspiel mit Banken ein Beispiel. Das IfM nennt als Vorteile von Kooperationen, dass

  • mittelständische Unternehmen in der Zusammenarbeit mit Start-ups durch flache Hierarchien und schnelle Entscheidungswege schneller Produkte zur Marktreife bringen können,
  • Kooperationen zwischen etablierten Mittelständlern und Start-ups oft der schnellste Weg zum benötigten Know-how sind,
  • ein Marktzugang oder eine Markterweiterung durch Vertriebskooperationen interessant wird, 
  • Risiko bzw. die Kosten geteilt werden können, falls ein gemeinsames Projekt scheitert. 

Weitere Faktoren für Start-ups, warum Kooperationen mit KMU attraktiv erscheinen, sind laut Ergebnissen der Experteninterviews die Expertise, die junge Gründer ins Unternehmen bekommen, der Aufbau von Netzwerken und Reputationseffekte. Für Unternehmen und Intermediäre zählen hingegen die Gewinnung von Talenten, Innovationen und eine agile Herangehensweise.

Gängige Kooperationsmodelle 

Typische Kooperationsformen sind beispielsweise Start-up-Events, Ausgründungsunterstützungen, Inkubatormodelle oder Joint Ventures, wie die nachfolgende Tabelle zeigt:

KooperationsmodelleStart-upEtablierter Mittelstand
Unterstützungsmodelle (Start-up Events)
  • Reduziert Such- und Anbahnungskosten 
  • Lerneffekte durch den Austausch mit erfahrenen Unternehmern
  • Reduziert Such-/
  • Anbahnungskosten
  • Innovationsimpuls
  • Imagegewinn
Kooperationsmodelle
  • Erhöhte Ressourcenverfügbarkeit 
  • Erhöhung der Wachstumschancen durch Marktzugang  
  • Teilen von Kosten und Risiken 
  • Reputationsaufbau
  • Höhere Wettbewerbsfähigkeit durch den Zugang zu neuen Technologien
  • Teilen von Kosten und Risiken 
  • Erhöhung der Innovationsfähigkeit bzw. Innovationskultur  
  • Profitiert von der Agilität des Start-ups
Investitionsmodelle: Inkubator- oder Acceleratorprogramme; Corporate Venture Capital Ausgründungen, Akquisition
  • Finanzkapital 
  • Know-how und Netzwerke
  • Erschließung neuer Märkte und Technologien 
  • Zugang zu talentierten Fachkräften
Quelle: IfM, Bonn 2017

Wie beispielsweise Fintechs mit Banken, Technologieanbietern und Sparkassen sowie Investoren am besten kooperieren und warum sich eine Zusammenarbeit lohnt, ist auch Thema der dritten Konferenz für Finanztechnologie von Bankmagazin und dem Center for Financial Services der Goethe-Universität Frankfurt am Main am 13. September 2017. Mehr Informationen und Anmeldung hier.

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