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11.02.2021 | Fintechs | Im Fokus | Onlineartikel

2021 bringt deutschen Fintechs gute Chancen

Autor:
Barbara Bocks
4 Min. Lesedauer

Die Corona-Pandemie hat die Wirtschaft weltweit hart getroffen. So kam es im Jahr 2020 zu weniger Neugründungen und auch zu weniger Investitionen in Fintechs. Dieses Jahr startet weit besser. Woran das liegt und wie es für die jungen IT-Firmen weitergeht.

Start-up-Unternehmen aus allen Branchen erhielten im Jahr 2020 insgesamt 5,3 Milliarden Euro an frischem Kapital, also 15 Prozent weniger als im Vorjahr. Das geht aus dem Start-up-Barometer der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) hervor, das Mitte Januar veröffentlicht wurde. Während die Zahl der Finanzierungsrunden im Jahr 2020 um sechs Prozent auf 743 anstieg, gab es im Vorjahr laut den EY-Experten deutlich weniger Groß-Deals im Volumen von 100 Millionen Euro.

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Weniger Fintech-Neugründungen 2020

Aktuell gibt es 946 Fintechs in Deutschland. Proptechs machen mit 203 darunter den Löwenanteil aus, gefolgt von 189 Finance-Gründungen, noch vor Insurtechs mit 115 jungen Firmen. Vom gesamten Start-up-Markt machen Fintechs insgesamt knapp ein Viertel aus. Im Jahr 2019 kamen insgesamt 105 neu gegründete Fintech-Unternehmen in den Markt. Bis Ende September 2020 waren es 48. 

Investoren haben in den ersten neun Monaten des Jahres 2020 gut 953 Millionen Euro in Fintechs investiert, also 29 Prozent weniger als im Vergleichszeitpunkt 2019. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der Comdirect Bank, die ebenfalls Mitte Januar veröffentlicht wurde. Die Erhebung hat das Geldinstitut gemeinsam mit Barkow Consulting und dem Main Incubator, dem Frühphaseninvestor der Commerzbank Gruppe, durchgeführt.

Dieses Jahr ist für Start-ups weit besser gestartet. "Im Januar wurden bereits 20 Prozent des Jahresvolumens an Finanzierungen abgeschlossen. Das ist ein Rekord", freut sich Peter Barkow, Managing Director von Barkow Consulting gegenüber Springer Professional. "Aber die Branche sollte nicht zu euphorisch werden", gibt er zu bedenken. Der Sektor laufe zwar wieder ohne Finanzierungsprobleme, aber der Januar war auch so stark, weil es einen Verzögerungseffekt aus dem Vorjahr gab. "Fundraising-Runden dauern in der Regel auch einmal etwas länger und Investoren bevorzugen es grundsätzlich, ihnen unbekannte Gründerteams live zu sehen", erklärt Barkow.

Die meisten Investoren hätten sich vor allem in der zweiten Jahreshälfte 2020 zurückgehalten. Strategische Investoren wie Banken waren aus seiner Sicht sogar das ganze Jahr 2020 sehr zurückhaltend. Das könnte laut Barkow daran liegen, dass sie viel mit ihren eigenen Themen wie der Umstellung auf eigene digitale Prozesse zu tun hatten.

Fintechs als Digitalisierungstreiber

Generell geht Barkow geht davon aus, dass 2021 wieder ein gutes Jahr für Start-ups werden wird. Und das gilt insbesondere für Fintechs. Denn Corona war über alle Branchen hinweg ein Digitalisierungsbeschleuniger. "Fintechs gehören zu den Firmen, die die Digitalisierung gezielt vorantreiben können, ob sie nun die Technologie verkaufen oder sie für Kunden nutzbar machen", sagt Barkow. Auf kurze Sicht hätten vor allem Fintechs im Investmentbereich wie beispielsweise Neo-Broker-Apps einen starken Zulauf in der Corona-Pandemie. Für Finanzdienstleister, die Kredite vermitteln oder selbst vergeben, war Corona Barkow zufolge zumindest kurzfristig eher von Nachteil.

Was den Standort angeht, ist und bleibt Berlin die Nummer Eins unter den Fintech-Hubs in Deutschland. "In Berlin gibt es seit jeher ein starkes Ökosystem für alle Arten von Start-ups. Selbst im Silicon Valley ist Berlin als Venture-Capital-Hub bekannt", so Barkow. Seit Anfang 2019 sind 1,8 Milliarden Euro in Berliner Fintechs geflossen, also 66 Prozent der deutschen Fintech-Investments in diesem Zeitraum. Verglichen mit der Vorjahresstudie von 72 Prozent ist dieser Anteil laut der Comdirect-Studie allerdings leicht rückläufig. 

"In Frankfurt haben einige Initiativen in kürzester Zeit einen phänomenalen Job gemacht und ein Fintech-Ökosystem quasi aus dem Nichts etabliert", erläutert Barkow. München, Hamburg und Frankfurt stehen aus seiner Sicht im Wettstreit um Platz 2. Gerade was die Höhe der Investments angeht, habe Frankfurt aber eher einen Nachholbedarf, "wobei viele B2B-Fintechs auch weniger Kapital benötigen als die Startups im Bereich B2C".

Kooperationen lohnen sich für Fintechs

Generell sei die Ressourcenintensität – typisch für digitale Geschäftsmodelle – anfangs eher gering, steige aber stark an durch den Aufbau von Partnerschaften und das Community Management, erklären die Springer-Autoren Stephan Paul und Ingo Freiling im Handbuch "Digitale Wirtschaft" (Seite 1149). "Insbesondere im Kontext der Regulierung erfolgt dies klippenartig, sobald eine gewisse Aufmerksamkeitsschwelle überschritten ist", erklären die Autoren. 

Daher bieten sich Kooperationen mit traditionellen Geldhäusern für beide Seiten an. "Während die Neuen durch ihre Innovationskraft und Agilität überzeugen, schnelle, smarte, einfache und kostengünstige Lösungen anbieten", so Paul und Freiling, "können die Alten in den Bereichen Sicherheit, Kapitalbasis und Regulierungskompetenz punkten". 

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