Skip to main content
main-content

12.03.2020 | Firmenkunden | Nachricht | Onlineartikel

Bankenbranche begrüßt EU-Mittelstandsstrategie

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
2:30 Min. Lesedauer

Das von der EU-Kommission jüngst vorgestellte Strategie- und Maßnahmenpaket für mittelständische Betriebe stößt bei Vertretern deutscher Banken trotz Verbesserungspotenzial auf Lob. Ein Überblick.

Die Europäische Union (EU) will ihre Industrie und vor allem die unzähligen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie Start-ups wettbewerbsfähiger im Hinblick auf ihre globale Konkurrenz machen. Die Strategie ziele darauf ab, Bürokratie abzubauen und den KMU in Europa dabei zu helfen, im gesamten Binnenmarkt tätig zu werden, Zugang zu Finanzierungen zu erhalten und eine Vorreiterrolle beim digitalen und ökologischen Wandel zu übernehmen, heißt es zur Begründung.

"Die neue Mittelstandsstrategie der Europäischen Kommission betont richtigerweise die im Vergleich zu Großunternehmen hohen administrativen und regulatorischen Belastungen und Marktbarrieren für den Mittelstand", so Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). "Allerdings", so schränkt sie ein, "sollte die Kommission auf dem Weg zu einem nachhaltigen und digitalen Europa auf europäischer Ebene mehr konkrete Entlastungen in Aussicht stellen." Die Unternehmen benötigten unmittelbare Maßnahmen in Form eines breiten Bürokratieabbaus.

KMU-Beauftragter ist wichtige Anlaufstelle

Als "gute und wichtige Initiative" bezeichnete auch Karl-Peter Schackmann-Fallis, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), die Strategie für mittelständische Unternehmen. "Der Mittelstand ist der Motor der Wirtschaft und ganz besonders darauf angewiesen, dass Regelungen einfach und praktikabel sind", so der DSGV-Chef. Wie seine Kollegin vom BVR begrüßt auch Schackmann-Fallis die Einrichtung eines KMU-Beauftragten für die besonderen Belange des Mittelstands. Eine solche Anlaufstelle sei von der Arbeitsgemeinschaft Mittelstand bereits seit Jahren gefordert worden.

Für ein zukunftsfähiges Europa benötigten die kleinen und mittelständischen Unternehmen größere finanzielle Unterstützung, betont auch Iris Bethge-Krauß, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB). "Dafür werden flexible europäische Finanzierungsinstrumente gebraucht, die auch höhere Risiken bei Investitionen in Innovationen und Digitalisierung abdecken." Auf positive Resonanz stoße bei den von ihrem Verband vertretenen Instituten vor allem, die geplante KMU-Förderung im Rahmen von Invest EU zu optimieren und die nationalen Förderinstrumente zu ergänzen.

BVR verneint Finanzierungslücke beim deutschen Mittelstand

Gegen die in der neuen Mittelstandsstrategie angeführte Finanzierungslücke als Wachstumshürde für mittelständische Unternehmen, wehrt sich allerdings der BVR. Diese gebe es nicht, so Kolak. Für die meisten mittelständischen Unternehmen sei der klassische Bankkredit die favorisierte Finanzierungsform, während Kapitalmarktfinanzierungen, die die EU-Kommission erleichtern will, aufgrund der vergleichsweise hohen Kosten und Anforderungen wie Mindestvolumina, Berichtspflichten oder Rating seltener gewählt würden. 

Auch für den DSGV spielen verbesserte Kapitalmarktfinanzierungen nur eine untergeordnete Rolle. Diese seien für das Gros der Unternehmen und Selbständigen zu aufwändig, zu teuer und mit der eigenen Mentalität nicht immer zu vereinbaren seien. Vielmehr solle die EU-Kommission dafür sorgen, dass die Mittelstandsfinanzierung nicht weiter belastet wird, fordert Schackmann-Fallis.

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Das könnte Sie auch interessieren

Premium Partner

    Bildnachweise