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11.09.2018 | Firmenkunden | Interview | Onlineartikel

"Rund um die Agrarwirtschaft gibt es eine dynamische Gründerszene"

Autor:
Angelika Breinich-Schilly

Gemeinsam mit dem Frankfurter Tech Quartier sucht die Rentenbank unter dem Motto "Innovate Agriculture" Start-ups für ein Gründer-Bootcamp. Christian Bock, Bereichsleiter Fördergeschäft der Rentenbank, erklärt im Gespräch mit Springer Professional, was hinter dem Projekte steckt und wie es den Jungunternehmern helfen kann, Investoren für ihre Ideen zu finden. 


Springer Professional: Wie entstand die Idee, sich mit dem Bootcamp an Start-up-Unternehmen zu wenden, die Technologien für den Agrarbereich entwickeln? Warum ist der Sektor für junge Tech-Firmen so interessant?

Christian Bock: Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint: Die Landwirtschaft war und ist ein sehr innovativer Sektor. Neue Technologien helfen dabei, effizienter und ressourcenschonender zu wirtschaften. Das spart nicht nur Kosten, sondern schützt auch die Umwelt. Ansatzpunkte gibt es viele. Das macht den Sektor auch für Tech-Firmen so interessant. Durch unsere Innovationsförderung waren wir schon immer nah an innovativen Projekten und Unternehmen dran. In letzter Zeit haben uns dann immer häufiger Start-ups auf der Suche nach Unterstützung angesprochen. Oft ging es dabei gar nicht um Geld, sondern um Know-how rund um die Unternehmensführung und die Vernetzung in der Branche. Daraus entstand die Idee, gemeinsam mit dem Frankfurter Tech Quartier ein Bootcamp für Start-ups zu organisieren.

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Wie werden Sie auf neue Trends, Technologien und Start-ups aufmerksam?

Neben unserer etablierten Innovationsförderung ist für uns vor allem die Gründerplattform "f3 – farm.food.future." ein wichtiger Zugang. Die Plattform leistet zwei Dinge: Sie bietet allen Interessierten umfangreiche Informationen über neue Trends, Technologien und Start-ups speziell in der Agrarwirtschaft. Zweitens bietet sie diesen Start-ups aber auch die Möglichkeit der Vernetzung untereinander. Denn oft müssen verschiedene Ideen und Kompetenzen zusammenkommen, damit ein Start-up Erfolg hat.

Neben dem Netzwerkgedanken, der hinter der Veranstaltung steht, sollen Gründer auch von etablierten Entscheidern der Branche lernen und Gelegenheit haben, sich und ihre Ideen möglichen Investoren vorzustellen. Wie sieht das konkret in der Praxis aus?

Um das Ziel "Innovate Agriculture" zu erreichen, laden wir Experten aus der Branche ein. Bei einem Networking-Abend oder als Workshop-Referenten diskutieren sie gemeinsam mit den Gründern deren Geschäftsmodelle. Die Start-ups können unmittelbar Tipps für die Weiterentwicklung ihrer Idee und ihres Unternehmens erhalten. Sie haben die Chance, die Entscheider als Mentoren oder sogar Investoren zu gewinnen. Im Gegenzug bietet dieser Austausch aber auch Impulse für die Unternehmer. Es profitieren also beide Seiten, denn "Growth Alliance" ist keine Einbahnstraße. Und schließlich profitiert noch eine dritte Gruppe: nämlich die Nutzer neuer Technologien – also die Land- und Forstwirte, Fischzüchter, Gärtner oder Winzer.

Eingeladen sind ausdrücklich auch Start-ups, die nicht unmittelbar für den Agrarsektor entwickeln. Welche Jungunternehmer sollten sich hier angesprochen fühlen?

Der große Vorteil bei Technologie-Ansätzen ist, dass sie häufig als Cross-over-Innovationen über die ursprüngliche Zielbranche hinaus einsetzbar sind. Beispielsweise sind hier Sensorik oder Algorithmen zur Bilderkennung zu nennen. Warum nicht eine orthopädische Laufbandanalyse aus der Sportmedizin einmal auf die Lahmheitsdiagnose bei Kühen übertragen? Viele Technologie-Unternehmen haben die Agrarwirtschaft womöglich noch gar nicht für sich entdeckt. Das möchten wir ändern, indem wir Querdenken fördern und dadurch branchenübergreifende Innovation ermöglichen. Dabei wollen wir natürlich auch die dynamische Frankfurter Start-up-Szene ansprechen. Die Initiative der Stadt Frankfurt, der WI Bank und der Universitäten im Rhein-Main-Gebiet zur Gründung des Tech Quartiers zeigt, wie viel Potenzial es hier gibt. Bisher liegt ein Schwerpunkt auf Fintechs. Aber gerade davon könnte auch die Agrarwirtschaft profitieren. So benötigt jede digitale Agraranwendung ein Bezahlsystem. Nicht zuletzt deshalb ist das Tech Quartier mit seiner Erfahrung in anderen Branchen bei der Auswahl der Start-ups für uns ein ausgezeichneter Partner.

Den Start-ups soll das Event helfen, sich am Markt besser zu etablieren. Sehen Sie darin auch ein Instrument, den ländlichen Raum nicht nur als Einsatzort für die Produkte, sondern auch als Standort für diese Unternehmen attraktiver zu machen, um näher an den Kunden zu rücken?

Tatsächlich haben viele Start-ups ihre Wurzeln auf dem Land. Viele Gründer stammen sogar von einem landwirtschaftlichen Betrieb und haben ihre Idee aus der Praxis. Rund um die Agrarwirtschaft hat sich eine dynamische Gründerszene entwickelt. Und Unternehmertum ist immer eine Chance für den ländlichen Raum. Wenn die Start-ups sich erfolgreich weiterentwickeln, bedeutet das auch mehr Arbeitsplätze und eine gesteigerte Attraktivität für ländliche Standorte.

Das Bootcamp für Start-ups in der Agrarwirtschaft findet vom 3. bis 7. Dezember im Tech Quartier in Frankfurt am Main statt. Interessierte Unternehmen können sich bis zum 14. Oktober bewerben. 

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