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03.08.2017 | Firmenkunden | Im Fokus | Onlineartikel

Was hilft, wenn der Teich austrocknet

Autor:
Christian Kemper

Der deutsche Markt für Unternehmensfinanzierung ist bereits der am stärksten umkämpfte in Europa. Immer neue Anbieter drängen hinein. Ihre Preise können die Institute nicht weiter senken. Nur der digitale Ausbau verspricht Erleichterung.

Auf den ersten Blick scheint das Firmenkundengeschäft ein Selbstläufer für hiesige Geldhäuser zu sein. Die Darlehensvergabe ist allerdings aufgrund des anhaltend niedrigen Zinsniveaus und niedriger Margen nicht mehr besonders einträglich. Dennoch weiten Banken und Sparkassen ihre Kreditvolumina im Unternehmenssektor immer weiter aus. Die Institute stehen in einem harten Wettbewerb, vor allem um die solvente Kundschaft.

Laut der jüngsten Erhebung der Beratungsgesellschaft Capmarcon war die Finanzierungssituation deutscher Unternehmen im Frühjahr 2017 „außerordentlich günstig“. Das Kreditvolumen für die Wirtschaft hierzulande habe im ersten Quartal 2017 um rund drei Prozent gegenüber dem Vorjahr zugenommen. Eine deutliche Ausweitung stellte Capmarcon bei den Auslandsbanken fest. In diesen Instituten stieg das Volumen im Vergleich zum Vorjahresquartal um rund sieben Prozent. „Auslandsbanken nutzen die relativ gute Bonität deutscher Unternehmen“, beobachteten die Experten. Das Ausfallrisiko der Firmenkunden erscheint überschaubarer als in den meisten anderen Ländern der Europäischen Union (EU).

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01.07.2017 | Titel | Ausgabe 7-8/2017

Was hilft, wenn der Teich austrocknet

Der deutsche Markt für Unternehmensfinanzierung ist bereits der am stärksten umkämpfte in Europa. Doch noch immer drängen neue Anbieter hinein. Ihre Preise können die Institute nicht weiter senken. Nur der digitale Ausbau verspricht Erleichterung …

Angesichts solcher Zahlen ist es kein Wunder, dass noch immer weitere Banken auch aus dem Ausland mit dem Gedanken an einen Eintritt in den deutschen Markt für Unternehmensfinanzierung spielen. Beispielsweise die Société Générale, deren Deutschland-Chef Guido H. Zoeller 2015 im Interview mit Bankmagazin-Herausgeberin Stefanie Burgmaier eine Wachstumsoffensive in dem Segment ankündigte (siehe Ausgabe 5/2015, Seite 20-23). „Unser Ziel ist es, ungefähr 100 Kunden in diesem Segment zu betreuen“, verriet Zoeller damals. Vor zwei Jahren zählten noch etwa 20 Unternehmen mit mindestens einer Milliarde Euro Jahresumsatz zu seinen Kunden. „Das Wachstumspotenzial mit sehr großen Corporate-Kunden ist begrenzt, so dass wir unseren Kundenstamm hierzulande ausgeweitet haben“, sagt er heute. Bis Ende 2017 sollen bis zu 100 Large-Cap-Unternehmen mit jeweils einer bis fünf Milliarden Euro Jahresumsatz zum Portfolio gehören.

Kreditangebot übersteigt Kundennachfrage

Das Finanzierungsangebot für Unternehmer ist laut Stefan Bender, Leiter Firmenkunden Deutschland bei der Deutschen Bank, sehr groß. „Gleichzeitig ist die Nachfrage nach klassischen Betriebsmittelkrediten aufgrund der guten Verfassung des deutschen Mittelstands beschränkt“, sagt er. Um Neukunden zu gewinnen oder Bestandskunden zu behalten, unterbieten sich einige Geldhäuser mit immer niedrigeren Zinskonditionen. „Die Deutsche Bank steht ihren Bestands- und Neukunden gern mit Kredit zur Verfügung“, betont Bender. „Ein Kredit sollte aber aus Sicht der Bank seine Risikokosten einspielen und somit entgeltlich sein.“ Möglichst günstige Finanzierungskonditionen seien zwar wichtig, aber nicht entscheidend für eine langfristig beständige Geschäftsbeziehung im Firmenkundensegment.

Deutsche Unternehmen sind im aktuellen Niedrigzinsumfeld zurückhaltend auf der Investitions- und Finanzierungsseite. Das weiß auch Jan-Philipp Gillmann, Bereichsvorstand für die Strategie und Digitalisierung des Firmenkundensegments der Commerzbank. Seit Oktober 2016 verantwortet er zudem den Umbau des Firmenkundenbereichs und damit die Zusammenlegung der Mittelstandsbank mit dem Kapitalmarktgeschäft im Rahmen der neuen Strategie „Commerzbank 4.0“. Mit diesem integrierten Ansatz soll das Firmenkundensegment nun effizienter aufgestellt sein. Was das für die mittelständische Kundschaft bedeutet, erläutert Journalist Peter Hanser in Return 2/2017, dem Springer-Magazin für Transformation und Turnaround.

Digitale Konkurrenz schläft nicht

Wie beim Privatkundengeschäft gilt mittlerweile auch bei Unternehmenskunden, dass Banken und Sparkassen das Geschäft nicht mehr allein unter sich ausmachen. Nach Informationen des „Handelsblatts“ zählt die Unternehmensberatung SSC Management Consult in Köln 100 Fintechs im Firmenkundengeschäft, 40 davon seien im größeren Stil tätig. SSC hat errechnet, dass Banken durch die Start-ups pro Jahr etwa 3,4 Milliarden Euro an Bruttoerträgen im Unternehmenskundensegment einbüßen könnten, was einem Minus von zehn Prozent entspricht.

Mit den vielfältigen Veränderungen der Finanzbranche durch die Digitalisierung, neuen Geschäftsmodellen und Kooperationen der Banken mit Fintechs beschäftigt sich auch die dritte Konferenz für Finanztechnologie von Bankmagazin und dem Center for Financial Services der Goethe-Universität am 13. September 2017 in Frankfurt am Main. Anmeldeinformationen zur Veranstaltung finden Sie hier.

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