Zum Inhalt

In ESG-Finance steckt großes Wachstumspotenzial

Aktivieren Sie unsere intelligente Suche, um passende Fachinhalte oder Patente zu finden.

search-config
loading …

Produkte mit einem Fokus auf Environmental, Social und Governance (ESG) waren einst ein Nischenthema im Asset Management. Nun spielen Nachhaltigkeitsziele im Corporate Banking eine immer wichtigere Rolle, zeigen aktuelle Zahlen.

Viele Unternehmen benötigen für die Finanzierung ihrer Nachhaltigkeitsinitiativen Unterstützung. Banken können hier mit ESG-Beratung punkten.


Produkte mit einem ESG-Fokus bei der Kapitalanlage haben sich in den vergangenen Jahren zu einem wachsenden Markt entwickelt. Dass Finanzberater nun dazu verpflichtet sind, ihre Kunden zu fragen, ob Nachhaltigkeitskriterien bei der Geldanlagen berücksichtigt werden sollen, dürfte die Nachfrage nach entsprechenden Angeboten weiter vorantreiben. Doch mittlerweile ist das Thema nicht nur infolge gesetzlicher Vorstöße auch in viele Finanzbereiche vorgedrungen. "Angesichts der aktuellen Wachstumszahlen ist es eine Frage der Zeit, bis sich nachhaltige Finanzierungen im Alltag etablieren", kommentiert Bain-Partner Christian Graf die Ergebnisse der Analyse "Hohe Renditen, geringes Risiko: ESG-Finanzierungen rücken in den Fokus der Banken", die das Beratungshaus Ende Februar veröffentlicht hat. 

Danach hat sich in Europa das Volumen ESG-gebundener Kredite an Unternehmen von 27 Milliarden Euro im Jahr 2017 auf 102 Milliarden Euro im Jahr 2019 mehr als vervierfacht. Die globalen Wachstumsraten des ESG-bezogenen Emissionsvolumens liegen bei 268 Milliarden Euro. Dies entspreche aber erst ein Prozent aller Unternehmensanleihen.

Empfehlung der Redaktion

2020 | OriginalPaper | Buchkapitel

Die Engagement-Richtlinie aus Sicht einer Kirchenbank

Zentraler Baustein für eine wirkungsorientierte Anlagepolitik

Engagement ist einer der zentralen Bausteine einer nachhaltigen Anlagestrategie. Es ist damit fester Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie eines Investors und in seinen Strukturen verortet. Wie sich Engagement-Prozesse gestalten, ist in der Engagement-Richtlinie als verbindliches Regelwerk festgehalten. In ihr wird beschrieben, wann, wie, welche Instrumente und methodischen Vorgehensweisen zum Einsatz kommen. Engagement ist kein Selbstzweck. Es will und soll etwas bei den Investitionsobjekten bewirken.

Veränderte Kundenerwartungen verlangen neue Strategien

"Da sich die Ansprüche der Kunden verändern, verankern immer mehr Unternehmen das Thema Nachhaltigkeit in ihrer Strategie. Sie setzen sich klare Ziele und starten entsprechende Projekte. Und von ihren Kreditinstituten erwarten sie, dass sie passende Finanzierungslösungen bereitstellen", betont Graf. Dies biete Banken auch die Chance, sich strategisch neu zu positionieren - und so neue Kunden und Marktanteile zu gewinnen.

"Europa ist führend in Bezug auf das ESG-Reporting mit einem starken Bezug auf die Nachhaltigkeit", stellen die Analysten von Forrester Research in ihrem aktuellen Report "How Financial Services Firms Are Embracing Sustainability Around The World" fest. Basierend auf dem Pariser Übereinkommen will die Europäische Union bis 2050 Klimaneutralität erreichen. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen in den kommenden Jahren im Rahmen des sogenannten Green Deals öffentliche und private Investments in Höhe von bis zu einer Billion Euro getätigt werden. Als Steuerungsinstrument für das Kapital dienen die Regelungen der EU-Taxonomie.

Kritik an Nachhaltigkeits-Regulierung

"Über die Lenkung der Kapitalströme sollen nachhaltige Wirtschaftsbereiche und Produktionsverfahren unterstützt werden. Zwar sind die europäischen Rechtsakte zu den neuen Transparenzpflichten und zur Taxonomie bereits in Kraft getreten. Doch sie könnten in weiten Teilen zu einem späteren Zeitpunkt anzuwenden sein", schreibt Christian Kemper im Bankmagazin-Beitrag "Alles grün oder was?"  (Ausgabe 12 | 2020). Doch stoßen die Pläne der EU zur nachhaltigen Regulierung der Finanzwirtschaft laut stellvertretendem Chefredakteur bei Wirtschaftsexperten und Unternehmen nicht nur auf Zustimmung: "Umweltprobleme sollten primär durch umweltpolitische Maßnahmen angegangen werden", zitiert Kemper den Ifo-Institut-Präsident Clemens Fuest. Dieser ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium der Finanzen.

Laut des EZB-Leitfadens zu Klima- und Umweltrisiken müssen Finanzdienstleister diese künftig in ihren Managementstrategien stärker verankern. Hier ist die Branche, insbesondere in Bezug auf den Umsetzungzeitraum, skeptisch:  

Im Rahmen einer öffentlichen Konsultation der Europäischen Zentralbank (EZB) zum Leitfaden zu Klima- und Umweltrisiken gab die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) eine Stellungnahme ab. Generell begrüßt der Spitzenverband das Engagement der EZB, die internationalen und europäischen Entwicklungen im Umfeld von Sustainable Finance eng zu verfolgen und den Finanzsektor auf dem Weg zu einer nachhaltigen Wirtschaft zu begleiten. […] Ob und in welcher Intensität Klima- und Umweltrisiken von Finanzdienstleistern berücksichtigt werden sollten, hänge von deren Wesentlichkeit ab. Daher fordert die DK eine stärkere Verankerung des Proportionalitätsprinzips im Leitfaden auf Instituts- und auch auf Transaktionsebene. Die geplante Anwendungsfrist ist aus Sicht der Institute auch vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie, die derzeit erhebliche Ressourcen insbesondere im Risikomanagement der Finanzinstitute binde, nicht einzuhalten. Vielmehr sollte ein geeigneter Übergangszeitraum eingeräumt werden", schreibt Christian Kemper.

Insgesamt strebe die DK eine deutlich gestraffte und inhaltlich austarierte Version des Leitfadens an, die mit künfigen Vorgaben und Mandaten der European Banking Authority (EBA) in Einklang stehen soll.

Aufwand für ESG-Finanzierungen lohnt sich

Auch rein praktisch stellen laut Bain-Analyse die ESG-Finanzierungen die Finanzinstitute vor neue Herausforderungen, denn sie müssen die Angaben ihrer Kunden zur Nachhaltigkeit überprüfen und verfolgen. Allerdings rechne sich dieser Mehraufwand. Das zeige ein Vergleich der Risikokosten der 25 größten europäischen Banken mit denen der europäischen Mitglieder der Global Alliance for Banking on Values, einem Netzwerk von weltweit mittlerweile mehr als 60 auf Nachhaltigkeit spezialisierten Instituten. "So kamen die der Global Alliance angeschlossenen europäischen Banken über die vergangenen fünf Jahre hinweg auf ein Drittel weniger Risikokosten als die Top 25."

"Offenkundig gibt es einen Zusammenhang zwischen dem ESG-Engagement und dem Risikoprofil von Unternehmen", erklärt Bain-Bankenexperte Stefan Wörner. Wer seinen Energieverbrauch verringere, Abfallmengen reduziere oder seine Marke durch ESG-Initiativen stärke, dürfte finanzielle Erfolge verbuchen. So fließen bei vielen Banken bereits seit einigen Jahren ESG-Kriterien in den Kreditrisikoprüfungsprozess ein. "Das ermöglicht es ihnen auch, sich vor potenziellen Imageschäden zu schützen, die durch die Finanzierung nicht ESG-konformer Assets entstehen könnten."

Finanzbranche fehlt einheitlicher ESG-Standard

Die Studie bemängelt allerdings den fehlenden einheitlichen Standard für Unternehmen im Hinblick auf die ESG-Konformität. Die Bandbreite für Banken oder Investoren könne vom Ausschluss kontroverser Branchen bis hin zum sogenannten Impact Investing reichen.

Einen Überblick über die aktuellen ESG-Aktivitäten der Branche bietet die Auswertung von mehr als 40 Reports großer internationaler Finanzhäusern bietet der Forrester-Report:

Initiative

Environmental

Social

Governance

High Priority

Impact Investing

Katastrophenhilfe

Risikomanagement

Strong Prioity

Green Bonds

Unterstützung gemeinnütziger Projekte und des Mittelstands, sowie Diversity- und Inklusionsinitiativen

ESG-Strategie sowie Negativ-Screening und Ausschlüsse

Neutral Committment

Reduktion von CO2-Emissionen und Umweltphilanthropie

Infrastruktur, inklusive Design und Mitarbeiterengagement

Cyber-Sicherheit und Datenschutz, Anti-Korruption, Compliance

Emerging Committment

Effizientes Bauen und grüne IT

Projekte zur finanziellen Inklusion und zu Finanzkompetenzen

Supply Chain Management und Einkauf

Weak Committment

Unterstützung der Kunden zur Verbesserung der Umweldbilanz

Armutsbekämpfung und bezahlbaren Wohnraum

Langfristige Finanzmetrik

Quelle: Forrester Research

Drei wichtige ESG-Faktoren für Banken

Um Greenwashing-Vorwürfe zu vermeiden, sollten die Geldhäuser laut Bain-Studie zügig messbare ESG-Ziele in ihrer Strategie verankern und ihre Reportingprozesse darauf auslegen. Dabei ermittelten die Analysten drei erfolgskritische Faktoren:

  1. Passende Produkte: Nachhaltige Kredite müssen mehrere Bedingungen erfüllen. Klare Ziele sind ebenso erforderlich wie passende Kennzahlen, um die Fortschritte beispielsweise bei der Reduzierung von CO2-Emissionen zu messen. Unverzichtbar sind zudem einfache Monitoring- und Reportingprozesse.
  2. Kundenspezifische Beratung: Viele Unternehmen sind beim Einbetten von Nachhaltigkeitsinitiativen in Finanzierungen noch auf Unterstützung angewiesen. Insbesondere größere Firmenkunden sollten von ESG-Spezialisten beraten werden. Bei kleineren Kunden lässt sich auf standardisierte digitale Lösungen zurückgreifen.
  3. Ansprechende Kundenerlebnisse: ESG-Finanzierungen sind nur ein Baustein bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien in Unternehmen. Je früher sich Banken einbringen, desto eher haben sie die Chance, solche Kredite in Gesamtkonzepte einzufügen und sich als strategischer Partner zu etablieren.


print
DRUCKEN

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Wirkung nachhaltigen Investierens und des Engagements im Speziellen

Bei näherer Beschäftigung mit der Wirkung nachhaltigen Investierens trifft man auf eine komplexe Problematik und einige noch ungeklärte Fragen. Es gibt teilweise eine erhebliche Diskrepanz zwischen der Wirkung, die ein Anlagesubjekt mittels …

Grüne Anleihen als Instrument gegen den Klimawandel in Österreich: Status quo und Entwicklungsmöglichkeiten

Die internationale Aufmerksamkeit, die den Themen Klimawandel und Nachhaltigkeit – vorangetrieben durch das Pariser Klimaabkommen sowie der UN-Agenda 2030 – gewidmet wird, spiegelt sich in der weltweit wie auch in Österreich zunehmenden Nachfrage …

Alles grün oder was?

  • Titel

Green Finance ist das Wachstumsthema in der Bankbranche. Denn die Regulierung setzt neue Beratungsrichtlinien durch, die Nachfrage bei Privatkunden steigt und institutionelle Investoren setzen immer mehr Geld auf nachhaltige Produkte. Umso dringender müssen die Anbieter dafür sorgen, dass sie auch halten, was sie versprechen.

ESG Challenges

When we began teaching sustainable finance at Marquette University more than a decade ago, environmental, social, and governance (ESG) investing and socially responsible investing were still backwaters.

Blockchain-Enabled ESG Reporting Framework for Sustainable Supply Chain

Nowadays sustainability has received global attention in supply chain. To evaluate the sustainability level, environmental, social, and governance (ESG) reporting is widely adopted especially for the listed companies. However, due to the lack of …

Green Deal – Chancen und Risiken für die Mineralrohstoffwirtschaft

  • Originalarbeit

Covid-19 hat die Mineralrohstoffwirtschaft stark getroffen. Produktionsrückgänge und Nachfrageeinbrüche prägen das Jahr 2020. Die Verschärfung des EU-Klimaziels (Green Deal) für 2030 von 40 auf 55 % seitens der EU-Kommission stellt die gesamte …

Instrumente für die grüne Finanzierung

"Grüne Finanzierungen" werden bislang weit überwiegend in Form von Anleihen arrangiert. Auf dieses Instrument entfallen über 90 Prozent des begebenen Volumens an Green Financing. Hinzu kommen Finanzierungen in Form von Schuldscheindarlehen, syndizierten Krediten oder auch traditionellen bilateralen Bankkrediten.

Die Landschaft des nachhaltigen Finanzmarkts – ein Vorschlag zur Kartierung

In den letzten Jahren hat sich die Landschaft des nachhaltigen Finanzmarkts signifikant gewandelt. Entwicklungen auf internationaler Ebene, insbesondere die Verabschiedung der Agenda 2030 und der Sustainable Development Goals sowie das Pariser …

ESG-Risiken und ihre Quantifizierung

Allgemeine Beispiele für den Bereich Environment sind Höhe des Energieeinsatzes, Anteil erneuerbarer Energieträger, Strategie rund um das Thema Klimawandel, Emissionsausstoß. Unter Social sind Aspekte wie beispielsweise Achtung der Menschenrechte, Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit, Chancengleichheit und Diversität, Arbeitsplatzgestaltung, Weiterentwicklung zu verstehen. Das Kriterium Governance zielt darauf ab, inwieweit Nachhaltigkeit strukturell im Unternehmen verankert ist. 

Where Do We Stand When It Comes to Sustainable Financial Markets?

If we intend to support sustainability in the financial markets, research and analysis must come first. In the last 30 years, the groundwork has been laid by the Ethical Environmental Research Group (Forschungsgruppe Ethisch-Ökologisches Rating) …

Mapping Out When and Where Climate Risk Becomes a Credit Risk

This chapter presents how different types of climate risk, transition risk and physical risk, can be assessed to understand the implications for the creditworthiness of debt issuers. It considers the methods to identify the most financially …

Green IT Quick Wins

  • Open Access
  • Schwerpunkt

Unternehmen müssen immer höheren Umweltanforderungen gerecht werden. Ein vermehrter Einsatz von Informationstechnologien (IT) und Informationssystemen (IS), sowie deren Einbeziehung in Nachhaltigkeitsinitiativen können dabei einen großen Beitrag …

    Bildnachweise
    Baum wächst auf Münzen/© arthon meekodong / Getty Images / iStock, Salesforce.com Germany GmbH/© Salesforce.com Germany GmbH, IDW Verlag GmbH/© IDW Verlag GmbH, Diebold Nixdorf/© Diebold Nixdorf, Ratiodata SE/© Ratiodata SE, msg for banking ag/© msg for banking ag, C.H. Beck oHG/© C.H. Beck oHG, Governikus GmbH & Co. KG/© Governikus GmbH & Co. KG, Horn & Company GmbH/© Horn & Company GmbH, EURO Kartensysteme GmbH/© EURO Kartensysteme GmbH, Jabatix S.A./© Jabatix S.A., Doxee AT GmbH/© Doxee AT GmbH