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04.11.2019 | Firmenkunden | Interview | Onlineartikel

"Kredite für die Digitalisierung haben oft hohe Hürden"

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
Interviewt wurde:
Dirk Oliver Haller

ist Gründer und Geschäftsführer der DFT Deutsche Finetrading AG und blickt auf 25 Jahre Berufserfahrung im Handel zurück. 2010 gründete er die DFT. 

Wollen Unternehmen mit dem digitalen Wandel Schritt halten, müssen Sie in Prozesse und IT investieren. Doch warum sich der Mittelstand oft schwer mit der Finanzierung dieser Projekte tut, erläutert Finanzierungsexperte Dirk Oliver Haller im Interview.

Viele Unternehmen haben die Digitalisierung auf dem Schirm, doch nicht überall sind die Fortschritte gleich. Hängt das auch von der Branche und Unternehmensgröße ab? Wer hat den größten Aufholbedarf?

Eine aktuelle Telekom-Studie zur Digitalisierung des deutschen Mittelstandes zeigt, dass auch mittelständische und kleinere Betriebe die Zeichen der Zeit erkannt und die Weichen auf Digitalisierung gestellt haben. Allerdings erfolgt der Einsatz neuer Technologien nicht in allen Branchen in gleichem Tempo. Einen besonders hohen Digitalisierungsgrad haben naturgemäß IT- und Kommunikationsdienstleister, aber auch Logistik- und Industriebetriebe treiben Digitalisierungsprojekte mit überdurchschnittlichem Tempo voran. Nachholbedarf zeigt sich unter anderem im Baugewerbe, während der Handel ein uneinheitliches Bild zeigt: Auf der einen Seite arbeiten E-Commerce-Unternehmen mit hohem digitalen Einsatz, während viele mittelständische stationäre Händler große Lücken vorzuweisen haben.

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Wie oft scheitern Transformationsprojekte an einer fehlenden Finanzierung?

Schwierig wird die Finanzierung immer dann, wenn das Unternehmen eine niedrige Eigenkapitalquote hat und aus dem Cashflow nicht genügend Liquidität generieren kann, um die erforderlichen Investitionen zu stemmen. Oft geht es um hohe Beträge, die für IT-Infrastruktur, Software, Beratung und Schulung zu veranschlagen sind. Gerade für mittelständische Unternehmen ist die Beschaffung von Fremdkapital für die Digitalisierung zuweilen mit hohen Hürden verbunden. Die Banken sind hierbei mit ihrem Fokus auf die Kreditsicherung leider keine große Hilfe.

Liegen hier also die größten Hürden bei der klassischen Bankfinanzierung?

Banken legen großen Wert auf die Besicherung ihrer Kredite. Das wird jedoch bei der Finanzierung von Digitalisierungsprojekten schwierig, weil es sich hier zu einem großen Teil um immaterielle Vermögenswerte handelt. Da kann es durchaus vorkommen, dass ein Unternehmen eigentlich aus Eigenkapital finanzierte Vermögenswerte an die Bank als Sicherheit übereignen muss, um den Kredit für ein Digitalisierungsprojekt genehmigt zu bekommen.

Welche Alternativen haben vor allem Mittelständler, wenn sie externes Geld für Digitalisierungsprojekte brauchen?

Viele mittelständische Unternehmen sind noch immer auf die Hausbank als praktisch einzigen Fremdkapitalgeber fixiert. Hier gilt es zunächst die Finanzierungsstruktur zu diversifizieren und auch bankenunabhängige Finanzierungsinstrumente zu nutzen. So kann etwa bei der Finanzierung der IT-Infrastruktur Leasing sinnvoll sein. In anderen Unternehmensbereichen können etwa Finetrading in der Einkaufsfinanzierung oder Factoring zum Einsatz kommen, um Liquidität zu generieren und die Bilanzkennzahlen zu verbessern. Das hilft dann oftmals auf indirekte Weise dabei, dass die notwendigen Kredite für Digitalisierungsprojekte bewilligt werden.

Was bedeuten hierbei Faktoren wie ein optimiertes Kostenmanagement und die Liquiditätssicherung?

Gerade bei der Diversifizierung der Finanzierungsquellen ist es unerlässlich, die Kosten und Geldflüsse unter Kontrolle zu haben, um Fehlentwicklungen oder finanzielle Engpässe zu vermeiden. In einem gut geführten Unternehmen muss jederzeit klar ersichtlich sein, wo im Betrieb welche Kosten verursacht werden. Für die Sicherung der Liquidität spielen die Echtzeit-Analyse und die vorausschauende Liquiditätsplanung die entscheidende Rolle. Im Zuge der Digitalisierung sollten Unternehmer daher auch prüfen, ob ihre bisherige Praxis bei der regelmäßigen betriebswirtschaftlichen Auswertung den Anforderungen der heutigen Zeit entspricht. 

Was heißt das konkret?

Wer moderne Echtzeit-Tools für die Analyse von Liquidität, Cashflow, Kosten und Ertrag einsetzt, kann schneller und effizienter reagieren als derjenige, der nur ein Mal pro Monat eine Auswertung auf den Tisch bekommt. Dabei ist jedoch darauf zu achten, dass nicht nur die Geldflüsse, sondern auch weitere relevante Daten wie Abschreibungen, Rückstellungen oder Lagerbestände zeitanteilig berücksichtigt werden, um ein unverfälschtes Ergebnis zu erhalten. Denn bei der Digitalisierung gilt: Jedes Projekt ist am Ende nur so gut wie die Daten, auf denen es basiert.

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