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23.02.2021 | Firmenkunden | Infografik | Onlineartikel

Banken erhöhen Kreditrisikovorsorge für Firmenkunden

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
3:30 Min. Lesedauer

Anders als zur Finanzkrise gelten die deutschen Banken in der aktuellen Krise als Partner des Mittelstands, der vor allem eins braucht: Liquidität. Doch die steigende Kreditnachfrage birgt hohe Risiken. Nicht alle Institute sind darauf gut eingestellt, so eine aktuelle Studie.

"Das Kreditgeschäft ist für die Banken momentan Fluch und Segen zugleich", erläutert Christian Graf, Partner beim Beratungshaus Bain & Company. "Zum einen profitieren die Geldhäuser von der dynamisch wachsenden Kreditnachfrage seitens der Firmenkunden. Doch zum anderen laufen sie Gefahr, dass Unternehmen bedingt durch die Corona-Krise ihre Kredite nicht fristgerecht bedienen können."

Kreditvolumen schon vor der Krise im Aufwind

Die im Zuge der Corona-Krise ausgesetzte Insolvenzantragspflicht könnte laut aktuellem Bain-Corporate-Banking-Index zu einer verzögerten Insolvenzwelle führen, deren Zeitpunkt und Ausmaß kaum einschätzbar ist. Dabei ist das Volumen bei Unternehmenskrediten bereits vor Ausbruch der Pandemie infolge des anhaltenden Niedrigzinses bereits gewachsen. 

"Mit knapp 1,3 Billionen Euro erreichte es im ersten Halbjahr 2020 erneut einen Höchststand", heißt es in der Studie, die halbjährlich erscheint. Für die Analyse wertet das Unternehmen seit 2007 die veröffentlichten Daten führender deutscher Banken mit Corporate-Banking-Schwerpunkt aus, die rund die Hälfte der Bilanzsumme der 100 größten in Deutschland tätigen Banken abdecken.

Sparkassen und Privatbanken profitieren von steigenden Kreditzahlen

Im Gegensatz zu den Landesbanken sind vor allem Sparkassen und private Banken Nutznießer dieser Entwicklung und werden "Marktanteile mittelfristig ausbauen können". Diesem Umstand müssen die Geldhäuser allerdings mit einer entsprechenden Kreditrisikovorsorge für Firmenkunden Rechnung tragen. Das sei, ähnlich wie 2008 und 2009 während der globalen Finanzkrise, auch bei vielen Häusern bereits geschehen. 

So weise der Index im Hinblick auf die Profitabilität aktuell mit minus zwölf Zählern einen neuen Tiefststand aus. Zuletzt lag er 2009 mit minus fünf im Negativbereich. Die Erträge seien dagegen aber stabil geblieben.

Allerdings reagierten die Institute sogar innerhalb der Bankengruppen unterschiedlich. "So erhöhen Geldhäuser, die über ein breites Produktspektrum verfügen, die Kreditvergabe selbst noch in der Corona-Krise. Andere wiederum halten sich in Rezessionen zurück oder müssen dies auf Druck ihres Risikomanagements tun", lautet die Begründung. Bain-Bankexpertin Stefanie Jacobsen erklärt: "Je konsequenter sich Kreditinstitute in der Vergangenheit auf ein Krisenszenario vorbereitet haben, desto vielfältiger sind jetzt ihre Handlungsoptionen."

Verwaltungs- und Digitalisierungskosten steigen

Gut aufgestellte Banken hätten in der Regel ihre Kostenstruktur bereits optimiert. Branchenweit gebe es aber zum Teil erhebliche Defizite, obgleich die Verwaltungsaufwendungen in den vergangenen Jahren sogar zugenommen hätten. "Die bisherigen Kosten- und Effizienzprogramme entfalten entweder noch nicht ihre vollumfängliche Wirkung oder reichen nicht weit genug", betont Christian Graf. "Ist Letzteres der Fall, müssen die betroffenen Kreditinstitute dringend nachlegen."

Zudem müssen Banken steigende Kosten für Regulatorik und Digitalisierung stemmen. "Die Erwartungen der Kunden an die Digitalisierung werden immer größer, ganz gleich, in welcher Branche sie tätig sind. Die Corona-Pandemie hat diesen Trend noch einmal beschleunigt", erklärt Jacobsen. "Zahlreiche Kreditinstitute haben zwar ihre Bemühungen zur Digitalisierung von Abschlussstrecken in den letzten Monaten deutlich forciert, Nachholbedarf besteht aber nach wie vor."

Corona nicht allein Schuld an sinkender Eigenkapitalrentabilität

Unter welchem Druck die Institute stehen, zeige sich in der Eigenkapitalrentabilität im Firmenkundengeschäft. Diese sank im ersten Halbjahr 2020 auf minus zwei Prozent. Selbst in der globalen Finanzkrise sei diese nicht unter minus ein Prozent gerutscht. "Dieser Rückgang ist allerdings nicht allein auf die Corona-Krise zurückzuführen", so Graf. "Schon 2019 hat die Eigenkapitalrentabilität im Corporate Banking unter den Eigenkapitalkosten gelegen. Nun zeigen sich die bestehenden Schwächen in ihrem ganzen Ausmaß, was den Handlungsdruck noch einmal erhöht."

Banken sollten daher nicht nur weiter an der Kostenschraube drehen und ihre Kapitaleffizienz weiter steigern. Nötig seien auch Investitionen in "ausgewählte Kundenbeziehungen", um die Abhängigkeit vom Kreditgeschäft zu reduzieren. Trotz des Ausbaus des Provisionsgeschäfts in jüngster Zeit machten die Zinsüberschüsse hierzulande noch 70 Prozent der Erträge im Corporate Banking aus. Im internationalen Vergleich sei dies ein hoher Wert. "Je stärker sich Banken vom reinen Kreditgeber hin zum Berater von Unternehmen wandeln, desto höher ist ihr Provisionsanteil – und desto stabiler ist damit ihr Geschäftsmodell", rät Graf.

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