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Banken wollen im Firmenkundengeschäft die Trendwende

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Anders als in der Finanzkrise der Nullerjahre galten die Banken im vergangenen Jahr für viele klamme Unternehmen als Rettungsanker. Doch eine drohende Insolvenzwelle ließ die Kreditrisikovorsorge steigen. Das macht den Instituten nun zu schaffen.

Die deutschen Banken müssen im Firmenkundengeschäft neue Wege einschlagen, um profitabler zu werden.


Obwohl die deutschen Banken und Sparkassen im Firmenkundengeschäft stabile Erträge ausweisen, ist diese Sparte aktuell aufgrund der anhaltend hohen Kreditrisikovorsorge ein Minusgeschäft. Zu diesem Ergebnis kommt die Unternehmensberatung Bain & Company in einer Auswertung der Zahlen zum Corporate-Banking-Index vom zweiten Halbjahr 2020. 

Automobil- und Touristikbranche gelten als Risikotreiber

Die Lage der Institute sei aber je nach Marktposition, bisheriger Risikostrategie und Branchenmix sehr unterschiedlich. Als besonders risikobelastet gelten Kredite im Automobilsektor und in der Touristikbranche, die besonders stark von den Pandemiefolgen betroffen sind. Deshalb rutschten zuletzt Bereiche wie Konsumgüter, erneuerbare Energien und Pharma stärker in den Fokus der Banken.

"Die Phase des Wachstums um jeden Preis ist im Firmenkundengeschäft vorerst vorbei", erläutert Bain-Partner Christian Graf die Ergebnisse. "Die Banken gehen selektiver vor und achten auf einen attraktiven Kundenmix sowie hinreichende Margen." Zwar habe das Kreditvolumen im zweiten Halbjahr 2020 auf einem Rekordniveau von knapp 1,3 Billionen Euro gelegen, nehme aber erstmals seit 2015 nicht mehr zu. 

Vor allem die ausländische Konkurrenz mache den deutschen Finanzhäusern das Leben schwer. "Gerade die großen Auslandsbanken haben sich zum Teil einen erheblichen Innovations- und Kostenvorsprung erarbeitet", so Graf. "Und diesen nutzen sie nun verstärkt im internationalen Geschäft."

Kosten- und Effizienzprogramme greifen noch nicht ausreichend

Dass die Kosten- und Effizienzprogramme der deutschen Banken und Sparkassen noch nicht ihre volle Wirkung entfalten oder auch teilweise nicht weitreichend genug waren, sei ein Nachteil. Ihre Cost-Income-Ratio bewege sich unverändert nahe den Höchstständen. Nicht zuletzt deshalb liege ihre Eigenkapitalrendite im Firmenkundengeschäft mit rund minus ein Prozent nun das zweite Halbjahr in Folge im negativen Bereich. Die hohen Risikokosten und die ausgeprägte Unsicherheit am Markt verhinderten eine rasche Erholung.

Die Wende soll der Ausbau des Provisionsgeschäfts bringen. Der Anteil der Provisionsüberschüsse an der Erträgen der Institute belaufe sich mittlerweile auf 31 Prozent und ist damit bis zu zehn Prozentpunkte höher als vor zehn Jahren. Dennoch hinken sie im internationalen Vergleich hinterher. Vorteile erhoffe sich der Bankensektor vom Transaction-Banking sowie weiteren Advisory Services. Hier loteten die Geldhäuser auch Kooperationen mit Fintechs sowie die Integration von Plattformen Dritter aus. 

Banken positionieren sich mit ESG-Produkten und -Services

Auch mit dem Thema Nachhaltigkeit und ESG (Environmental, Social, Governance) wollten sich die deutschen Finanzhäuser vom Wettbewerb abheben und sich als strategischer Partner bei den Unternehmen positionieren. Denn deren Interesse an ESG-gebundenen Darlehen sowie entsprechenden Services steige. "Der Beratungsbedarf rund um das Thema Nachhaltigkeit ist enorm", meint Graf. "Je früher Banken entsprechende Kompetenzen aufbauen, desto größer ist ihre Chance, in diesem wachstumsstarken Geschäftsfeld künftig zu den Marktführern zu zählen - und damit auch im gesamten Corporate-Banking."

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