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16.09.2021 | Firmenkunden | Nachricht | Onlineartikel

Sparkassen erwarten keine Insolvenzwelle

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
3 Min. Lesedauer

In ihrem aktuellen S-Mittelstands-Fitnessindex werfen die Sparkassen einen Blick auf KMU in Deutschland. Den meisten Unternehmen half ihr Liquiditätspolster gut durch die Krise. Die nun anstehenden Herausforderungen betrachten viele Firmen auch als Chance.

"Deutschlands Mittelständler sind flexibel und finanziell gut ausgestattet. Dadurch waren die Auswirkungen der Corona-Pandemie weniger dramatisch als befürchtet", konstatierte Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) in einer virtuellen Presseveranstaltung zur Präsentation des Mittelstands-Fitnessindex 2021. Obwohl keine Branche ungeschoren davongekommen sei, hätten 93 Prozent der mittelständischen Betriebe das Jahr 2020 in der Gewinnzone beendet. Sieben Prozent der Unternehmen erlitten 2020 allerdings Verluste, konnten diese größtenteils mit den vorhandenen Kapitalpuffern, aber auch mit Nachschüssen kompensieren. 

Für die Studie des DSGV wurden Firmenkundenkennzahlen und -kreditgeschäft sowie die Branchenprognose des Verbands analysiert. Im Fokus standen dabei kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie deren Produktivität, Innovationskraft und Leistungsfähigkeit. 

Positiver Entwicklung im deutschen Mittelstand erwartet

Auch wenn es in einigen Branchen wie der Halbleiterindustrie oder dem Bausektor weiterhin Rohstoffknappheit und steigende Energiekosten gibt, hat der DSGV eine grundsätzlich positive Einschätzung zur Entwicklung der mittelständischen Wirtschaft in Deutschland. Weltweit steige die Nachfrage, allen voran im asiatischen Raum. Davon profitierten deutsche Unternehmen "mit ihrem guten Ruf", so Schleweis. Zudem seien die Zinsen noch immer auf einem historischen Tiefpunkt. Das sei ein Vorteil für kapitalintensive Branchen wie der Industrie. Aufgrund dieser positiven Ausgangssituation geht der DSGV auch nicht von einer Insolvenzwelle aus. 

Sollte es keinen weiteren Lockdown geben, erwartet der Verband für 2021 ein Wachstum über alle Sektoren hinweg. Am stärksten falle dieser im Gastgewerbe mit geschätzten 13,8 Prozent aus. Aber auch 

  • der Metall- und Maschinenbau (9,7 Prozent), 
  • IT-Dienstleistungen (7,6 Prozent), 
  • Chemie und Pharma (6,8 Prozent), 
  • der Großhandel (6,6 Prozent), 
  • Transport und Logistik (6,4 Prozent) sowie 
  • private Dienstleistungen (5,5 Prozent) 

liegen über dem prognostizierten Mittelwert für das Wachstum im gesamten deutschen Mittelstand (5,2 Prozent). 

Hohe Investitionsbereitschaft der KMU trotz Risiken

Auch wenn Materialknappheit und hohe Energiekosten Risiken für die wirtschaftliche Normalisierung darstellen, sei die Investitionsberitschaft der KMU hoch: So haben die Sparkassen von Januar bis Juni 2021 Firmenkredite in Höhe von insgesamt 50 Milliarden Euro zugesagt. Davon fließen 19 Milliarden Euro in den gewerblichen Wohnungsbau und fast 32 Milliarden Euro in Investitionsprojekte. 

"Bereinigt man diese Zahlen um die umfangreichen Corona-Sonderkredite der KfW und der Landesförderinstitute, die die Sparkassen den Unternehmen zur Verfügung gestellt haben, wurden im ersten Halbjahr 2021 rund eine Milliarde Euro mehr an Krediten vergeben als im Vorjahreszeitraum", betont Schleweis. In den ersten sechs Monaten des Jahres sind die Kreditbestände der KMU damit um insgesamt 2,4 Prozent gestiegen. 

Mittelstand als Wegbereiter von Klimaschutzgütern

Eine große Herausforderung für viele Unternehmen und Sektoren gilt die Nachhaltigkeit. Der Verband ist davon überzeugt, dass der Mittelstand vom Kampf gegen den Klimawandel profitieren und sich als "Wegbereiter" von Klimaschutzgütern positionieren kann. Allerdings erschwerten die Regularien für Sustainable Finance und die damit verbundenen bürokratischen Aufwände und Berichtsplichten die Arbeit der Sparkassen im Firmenkundengeschäft. Die Maßnahmen sind laut Schleweis nicht mittelstandsfreundlich und praxistauglich. 

Erleichterung soll der interne Sparkassen-ESG-Score (Environment, Social, Governance) bringen. Dieser überführt die Nachhaltigkeitskennzahlen wie Treibhausgasemissoinen oder Arbeitsbedingungen verschiedener Branchen in ein ökonomisches Modell und misst deren durchschnittliche Risikobelastung. Der ESG-Score wird regelmäßig ermittelt, um einen Branchenvergleich zu gewährleisten.

Nachhaltigkeit ist Herausforderung und Chance für KMU

Zwei Drittel der Unternehmen sehen laut der befragten Firmenkundenbetreuer der Sparkassen im nachhaltigen Wirtschaften nicht nur eine Herausforderung, sondern auch Chancen. 39 Prozent erhoffen sich davon zusätzliche Geschäftspotenziale und 34 Prozent wollen Kosten sparen. 55 Prozent der Firmenkunden haben deshalb bereits konkrete Maßnahmen ergriffen, und zum Beispiel in CO2-effiziente Produktionstechnologien investiert. Knapp ein Drittel ist damit zumindest in der Planungsphase. 

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