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Wenig Neukredite und Umsatzrückgänge lähmen Investitionen

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Firmen haben nach wie vor wenig Interesse, mit Banken über Kredite zu verhandeln. Sowohl für kleine, mittlere als auch Großbetriebe haben sich die Zugangsvoraussetzungen verschärft. Doch fehlendes Kapital und rückläufige Umsätze gefährden Investitionen im Mittelstand.  

Unter anderem aufgrund des anhaltenden Zinsanstiegs haben Banken die Bedingungen für neue Firmenkredite hochgeschraubt. Deshalb ist die Darlehensnachfrage seit Monaten schwach. 


Der Anteil der monatlich rund 9.000 für die KfW-Ifo-Kredithürde befragten Unternehmen, die um neue Darlehen bei ihren Hausbanken nachfragten, ist wie schon im Sommer auch im dritten Quartal gesunken. Gut jedes fünfte (20,2 Prozent nach 21,6 Prozent im Vorquartal) kleine und mittlere Unternehmen, kurz KMU, hat von Juli bis August mit der Hausbank über frisches Kapital verhandelt. Von den Großunternehmen fragte knapp jedes dritte einen Kredit an (30,4 Prozent nach 31,8 Prozent im Vorquartal). 

Die Kredithürde wird im Rahmen der Ifo-Konjunkturumfragen vierteljährlich erhoben. Hierfür erfolgt die Auswertung der Befragungsergebnisse differenziert nach Größenklassen und Sektoren. Dazu werden monatlich rund 9.000 Unternehmen aus den Wirtschaftsbereichen Verarbeitendes Gewerbe, Bauhauptgewerbe, Großhandel, Einzelhandel sowie Dienstleistungen (ohne Kreditgewerbe, Versicherungen und Staat) befragt. Darunter sind rund 7.500 Mittelständler, die nicht mehr als 500 Beschäftigte haben und maximal 50 Millionen Euro Jahresumsatz erzielen.

Kreditnachfrage schwach, aber stabil

Der Erhebung zufolge bleiben die aktuellen Quoten unterhalb ihrer entsprechenden historischen Durchschnitte. Der Rückgang fiel mit jeweils 1,4 Prozentpunkten jedoch nur gering aus: Er lag unterhalb einer üblichen Quartalsveränderung, kommentiert die Förderbank das Ergebnis. Vor dem Hintergrund trüber Konjunkturaussichten und einer restriktiven Geldpolitik entwickelten sich die Befragungsergebnisse im Rahmen der Erwartungen und deuteten weiterhin auf eine schwache, aber stabile Kreditnachfrage in der Wirtschaft, heißt es weiter. 

Obwohl sich in der Juli-Umfrage der Bundesbank zum Kreditgeschäft ein Ende der Verschärfungen bei den Kreditbedingungen abgezeichnet hat, sind die Zugangshürden für neue Finanzierungen aus Unternehmenssicht im dritten Quartal wieder gestiegen. Und "zwar erheblich", wie das Institut betont. Die KfW-Ifo-Kredithürde für den Mittelstand ist um 6,1 Prozent nach oben gesprungen.

Banken verschärften Kreditzugang

31,7 Prozent der KMU stufen das Verhalten der Banken in Kreditverhandlungen derzeit als restriktiv ein. Das sei der bisherige Höchstwert seit der Überarbeitung der Befragungsmethodik im Jahr 2017. Allerdings hatten zur Zeit der Finanzmarktkrise und zu Beginn der 2000er-Jahre ein noch deutlich größerer Anteil der befragten Firmen mit strengeren Bedingungen bei der Kreditvergabe zu kämpfen, betont das Institut. 

Als Grund für die Verschärfung nennt die KfW den anhaltenden Zinsanstieg. Im Durchschnitt seien für Unternehmenskredite aktuell mehr als fünf Prozent fällig, nach 4,7 Prozent im zweiten Quartal. Aber auch die deutlich eingetrübte wirtschaftlichen Stimmung und eine damit einhergehende Neubewertung der Risiken durch die Banken habe zur Anhebung der Kreditbedingungen geführt.

Alle Branchen von Kredithürden betroffen

Dabei tun sich Mittelständler aus allen Bereichen und Branchen schwerer, einen Kreditzusage ihrer Bank zu erhalten. Am stärksten betroffen sind dabei der Dienstleistungssektor mit einem Plus von 6,4 auf nun 32,9 Prozent sowie das Verarbeitende Gewerbe mit einem Anstieg von 7,4 auf 32,4 Prozent. Aber auch bei den großen Betrieben ist die Kredithürde um 3,4 auf 21,3 Prozent geklettert. 

Zugleich betont die Förderbank in ihrem aktuellen Mittelstandspanel, dass sich die Unternehmen in Krisenzeiten in ihrer Gesamtheit als robust erweisen. Sowohl Umsätze als auch Investitionen hatten die rund 3,8 Millionen KMU laut der der repräsentativen Befragung von KfW Research im zurückliegenden Jahr 2022 steigern können. Die durchschnittliche Eigenkapitalausstattung der Unternehmen bleibe stabil und ihre Schuldentragfähigkeit sei weitergegeben. 

"Die Umsatzrendite im Mittelstand fiel zuletzt allerdings auf den niedrigsten Stand seit 2015. Vor allem die kleinen Unternehmen bleiben offenbar häufig auf den gestiegenen Kosten sitzen", konstatiert die Förderbank. 

Trotz Krisenresistenz belastet schwache Konjunktur

Seit 2020 stellten die sich überlappenden Krisen den deutschen Mittelstand auf eine harte Probe, betont Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW. "Doch auch 2022 sind allen Belastungsfaktoren wie Krieg in der Ukraine, Energiekrise und steigenden Preisen zum Trotz die Blessuren bei den kleinen und mittleren Unternehmen überschaubar geblieben."

Sorgen bereite den Unternehmen 2023 vor allem der konjunkturelle Gegenwind. "Die Unternehmen blicken aktuell eher mit Skepsis auf ihre Geschäftsaussichten. Und obwohl der Kreditkanal weiter funktioniert, nehmen die Schwierigkeiten bei Kreditverhandlungen zu", erläutert die KfW-Expertin. 

KMU erwarten Umsatzrückgänge

Fast ein Drittel der KMU gehe daher für das laufende Jahr von einem Umsatzrückgang aus. Der Durchschnitt liege bei 24 Prozent. Auch bei der mittelständischen Investitionstätigkeit zeichne sich eine Eintrübung ab: 37 Prozent der befragten Betriebe gaben im Herbst dieses Jahres an, die zu Jahresbeginn angedachten Investitionen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben oder in geringerem Umfang umgesetzt zu haben. 13 Prozent haben ihre Investitionspläne sogar aufgegeben.

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