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20.08.2020 | Firmenkunden | Im Fokus | Onlineartikel

Wie Banken Kreditausfälle rechtzeitig aufspüren

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
3:30 Min. Lesedauer

In der Krise haben Banken Unternehmen und Gewerbetreibende mit Darlehen versorgt und sind damit große Risiken eingegangen. Mit digitalen Tools können sie mögliche Kreditausfälle frühzeitig aufspüren und Gegenmaßnahmen einleiten. 

Schon lange bietet das Firmenkundengeschäft den Finanzinstituten nur noch geringe Margen. Zudem machen ihnen Konkurrenten wie Direktbanken zusätzlich Druck. Nun drohen den Banken aufgrund des wirtschaftlichen Abschwungs infolge der Corona-Pandemie auch noch Kreditausfälle in diesem Segment. Das gilt nicht nur für den deutschen Bankenmarkt, sondern laut der Analyse "How Banks Can Defuse the Non-performing Loan Time Bomb" des Beratungshauses Bain in allen wichtigen Industrie- und Schwellenländern. 

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2020 | OriginalPaper | Buchkapitel

Die Rolle des Kredits im Firmenkundengeschäft – Eine empirische Analyse und Impulse für das Kreditpreismanagement

Historisch wurde das Firmenkundengeschäft der Banken nicht selten mit dem Kreditgeschäft gleichgesetzt. Auch heute noch nimmt der Kredit im Firmenkundengeschäft eine zentrale Rolle ein. Zum einen machen die Erlöse aus dem Aktivgeschäft einen signifikanten Anteil der Gesamterträge in diesem Segment aus.

Wie aktuelle Prognosen im Rahmen des halbjährlich erhobenen Bain-Corporate-Banking-Index zeigen, könne die Kreditrisikovorsorge im laufenden Jahr je nach wirtschaftlicher Entwicklung um bis zu 150 Prozent steigen. Damit wäre ein neues Rekordniveau seit der globalen Finanzkrise 2008 und 2009 erreichen. Für viele deutsche Geldhäuser, die vom Kreditgeschäft abhängig sind, dürfte das zum Problem werden. Diese Problemkredite, auch Non-performing Loans genannt,  könnten sich - unter Einbeziehung der Darlehen an Konsumenten - in Großbritannien beispielsweise um das Vierfache erhöhen, in Japan um das Fünffache und in China sogar um mehr als das Zwanzigfache.

Viele Banken sind vom Kreditgeschäft abhängig 

Um die Kreditrisiken einzugrenzen, sollten auch deutsche Banken gezielt agieren und dabei nicht warten, bis es zu Ausfällen kommt, raten die Studienautoren. "Die hohe Abhängigkeit vieler deutscher Banken vom Kreditgeschäft wird in der Rezession zur Achillesferse", erläutert Bain-Partner Christian Graf. Zwar hätten die Institute im Firmenkundengeschäft den Anteil des Provisionsüberschusses an den Erträgen in den vergangenen Jahren steigern können. Doch mit 69 Prozent im zweiten Halbjahr 2019 sei der Zinsüberschuss in Deutschland unverändert der wichtigste Ertragsbringer geblieben.

Dabei gebe es einerseits Banken, die mit einem skalierbaren und breiten Portfolio auch im Niedrigzinsumfeld profitabel wachsen würden. Andere Institute hingegen, die vom Kreditgeschäft abhängig seien, müssten mit unzureichenden Margen  kämpfen. "Viele Banken haben noch ungenutzte Potenziale, um Kundenbeziehungen rentabler zu gestalten und höhere Provisionseinnahmen zu erzielen", betont Kollege und Bain-Partner Jan-Alexander Huber.

Machine Learning hilft, Kreditausfälle schneller zu identifizieren

Ein Fokus könnte dabei auf maschinellen Lernverfahren liegen, die ausfallgefährdete Kredite frühzeitig identifizieren. "Die resultierende Datenflut ist entsprechend hoch und deren Tiefe und Komplexität steigen. Die Daten sind unstrukturiert, verstreut und stark verbunden. Diese vernetzen Daten schnell und umfassend zu verstehen, ist eine der großen Herausforderungen der digitalen Transformation für Finanzdienstleister", erläutert Jochen Papenbrock im Buchkapitel "Graphanalyse und maschinelles Lernen in der Finanzindustrie" auf Seite 325. 

Das gelte vor allem bei bröckelnden Margen, volatilen und dynamischen Märkten, wachsenden regulatorischen Anforderungen und Kunden, die immer individueller und hochwertiger bedient werden möchten. 

Sensible Daten in wichtige Informationen verwandeln

Daher rät der Springer-Autor: 

Umso mehr braucht es Technologien, die diese vernetzten und oft auch sensiblen Daten in echte Information transformieren, um damit bessere Produkte und Services bereitzustellen, die Prozesse weiter zu automatisieren, auf Marktänderungen schneller zu reagieren, die Kosten zu senken, agilere Geschäftsmodelle zu ermöglichen, den Kunden besser zu verstehen, und regulatorische Anforderungen besser zu erfüllen."

Die datenbasierte Netzwerkanalyse könne diese Informationen zeitnah ermitteln, womit beispielsweise ein von außen induzierter Kreditausfall früher erkannt werden kann, so Papenbrock.

Die Studienautoren von Bain raten, schon jetzt die Zuständigkeit hierfür direkt an eine spezialisierte Einheit zu geben. Diese könne mithilfe standardisierter Verfahren klar erkennen, welche Maßnahmen zum besten Ergebnis für Kreditnehmer und -geber führen. Im Zuge der Corona-Krise hätten bereits viele Banken Kreditzeiträume verlängert, Tilgungsraten gesenkt oder die Rückzahlung für einige Monate ausgesetzt. Ein Verkauf des Kredits sei allerdings nur in Ausnahmefällen empfehlenswert. Tatsächlich hätten zahlreiche Banken in den vergangenen Jahren Kreditpakete unter Wert veräußert.

Hilfe in der Krise stärkt die Kundenloyalität

"Dass Kreditausfälle in einer Rezession zunehmen, ist unausweichlich", betont Graf zusammen. "Deshalb gilt es entschlossen und überlegt zu handeln. Bereiten sich Banken strategisch vor, sind sie im Fall der Fälle nicht zu Ad-hoc-Entscheidungen gezwungen und können zudem die Loyalität ihrer Kunden vertiefen." Ergänzt Branchenkenner Huber: "Wer Unternehmern durch eine schwere Krise hilft, gewinnt für viele Jahre treue Kunden."

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