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30.08.2019 | Firmenkunden | Im Fokus | Onlineartikel

Familienunternehmen entdecken nachhaltige Investments

Autor:
Alexander von Boehm-Bezing

Immer mehr Privatanleger entdecken nachhaltige Geldanlagen. Besonders beliebt sind diese bei der Next Generation. Familienunternehmen bieten sie daher eine gute Chance, den Nachwuchs auf Vermögensfragen vorzubereiten.

Ob Fridays for Future, Plastikmüll in den Meeren oder Seenotrettung: Immer mehr Menschen hinterfragen nicht nur ihre Konsumgewohnheiten, sondern stellen auch ihr Investitionsverhalten auf den Prüfstand. Sie möchten ihr Kapital für einen guten Zweck einsetzen. Mit bewussten Geldanlagen wollen sie nachhaltige Aktivitäten unterstützen und ökologische oder soziale Veränderungen fördern. Was zunächst vorrangig für institutionelle Anleger von Interesse war, ist heute auch eine verlockende Option für viele Privatanleger. Laut aktueller Zahlen des Forum Nachhaltige Geldanlage (FNG) ist das Gesamtvolumen aller nachhaltigen Investments hierzulande 2018 auf rund 219 Milliarden Euro angewachsen. Dies entspricht einem Plus von 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – Tendenz weiter steigend.

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Nachhaltigkeitsratings als Ergänzung der traditionellen Finanzanalyse

Die klassische Finanzanalyse beschränkt sich auf mittelbare ökonomische Risiken. Daher stehen beispielsweise Zahlungsfähigkeit und Finanzierungsstruktur im Zentrum. Eine sinnvolle Ergänzung bietet ein umfangreicher Nachhaltigkeitsansatz, der Chancen und Risiken eines Investments ganzheitlich betrachtet und die Analyse um Umweltrisiken, soziale Risiken und langfristige ökonomische Risiken erweitert.

In den kommenden Jahren steht eine große Vermögensverschiebung zu den Millennials an. Sie zeigen ein besonderes starkes Interesse an ökologischen oder sozialen Themen und damit auch an verantwortungsvollen Finanzprodukten. Infolgedessen wird dieses Marktsegment weiter wachsen. Nachhaltige Investments avancieren in der Folge zu einem festen Bestandteil im Vermögensmix. 

Nachwuchs wächst in die Vermögensverwaltung rein

Besonders attraktiv sind nachhaltige Geldanlagen für Familienunternehmer. Sie verfolgen eher langfristige Strategien, um ihr Vermögen für ihre Nachkommen zu sichern. Firmenlenker können gemeinsam mit der Next Generation nachhaltige Investments diskutieren und prüfen. Dies stärkt nicht nur den Zusammenhalt in Familie und Betrieb. So kann der Nachwuchs auch sukzessive in die Vermögensverwaltung hineinwachsen. Das wird nicht immer gelingen, aber lohnenswert erscheint es allemal.

Nachhaltige Anlagen sind ein dehnbarer Begriff. Einige Anlagen beschränken sich auf die Anwendung von Nachhaltigkeitskriterien, den so genannten ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance). Sie werden ihrem Namen manchmal nur ansatzweise gerecht. Viele Fonds etwa wenden den umstrittenen Best-in-Class-Ansatz an. Unternehmen gelten bereits als nachhaltig, wenn sie zu den nachhaltigen Akteuren in ihrer Branche zählen. Verbreitet ist auch der Best-in-Progress-Ansatz. Hierbei werden Unternehmen ausgewählt, die ihr Nachhaltigkeitsprofil in der jüngeren Vergangenheit am stärksten verbessert haben. 

Impact Investing hat höchste Zuwachsraten

Deutlich weiter geht das sogenannte Impact Investing. Hierzu zählen alle nachhaltigen Anlagen, die sich verpflichten, eine positive Wirkung zu erzielen. Obendrein sichern die Anbieter zu, diese Wirkung auch zu messen und offenzulegen. Laut FNG verzeichnen Impact Investments unter den nachhaltigen Anlagen die stärksten Zuwachsraten. Sie können auch kritische Anleger überzeugen und werden weiter an Bedeutung gewinnen.

Wirkungsorientierte Investitionen fließen in Unternehmen oder Initiativen mit sehr unterschiedlichen Zielen. Sie reichen von einem verbesserten Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung oder sauberem Wasser über erneuerbare Energiequellen bis hin zu Müllvermeidung. Von entscheidender Bedeutung ist, wie die angestrebte Wirkung gemessen wird. Dies bleibt jedem Produktanbieter überlassen und wird sehr unterschiedlich gehandhabt. Während einige Akteure übergreifende Messgrößen verwenden, definieren andere projektbezogene Kennzahlen. Anleger sollten auf die Wirkungsmessung ein besonderes Augenmerk legen, um den versprochenen Mehrwert auch nachvollziehen zu können.

Das Spektrum an nachhaltigen Anlageformen ist breit. Die Finanzprodukte reichen von Fonds, Social Bonds, Mikrofinanzfonds bis hin zu Beteiligungen und Immobilien. 

Finanzprodukte gründlich prüfen

Noch tun sich viele Privatanleger und Unternehmer mit nachhaltigen Anlagen schwer. Das liegt nicht unbedingt an einer geringeren Rendite. Viele nachhaltige Investments stehen klassischen Anlagen in diesem Punkt nicht nach. Die Anleger irritiert vielmehr eine noch geringe Markttransparenz. Finanzanbieter dürfen Begriffe wie "nachhaltig" und "grün" weitgehend frei verwenden. Es mangelt bislang an verbindlichen Regeln und verlässlichen Entscheidungshilfen.

Ein wichtiger Impuls für die weitere Marktentwicklung ist ein Aktionsplan der EU-Kommission, der nachhaltiges Wirtschaften und Investieren fördert. Im Mittelpunkt steht der Aufbau eines Klassifizierungssystems für ökologische Ziele, das festschreiben soll, welche Investments als nachhaltig gelten und welche nicht. Zudem sollen Finanzdienstleister die Nachhaltigkeitspräferenz im Kundengespräch abfragen und in die Investmententscheidung einfließen lassen. Noch ist unklar, wann die Neuregelungen in Kraft treten, doch sie erzeugen Rückenwind für die weitere Marktentwicklung. Es ist davon auszugehen, dass nachhaltiges Investieren mittelfristig zum Standard in der Geldanlage wird.

Investoren müssen Etikettenschwindel erkennen

Gleichwohl erfordert die neue Anlageklasse von Investoren eine hohe Aufmerksamkeit. In boomenden Märkten sind naturgemäß auch einige Trittbrettfahrer aktiv. Sie betreiben Etikettenschwindel, um Anlegern höhere Gebühren zu entlocken. Wichtig ist eine systematische Auswahl und Prüfung von nachhaltigen Anlagen. Hierbei können Anleger auf die Unterstützung spezialisierter Dienstleister zurückgreifen. So finden Investoren Produkte, die genau zu ihren Herzenswünschen und Anlagezielen passen.

Das richtige Vorgehen für Unternehmensinvestments

1. Wirkungsziel definieren: Nachhaltige Geldanlagen gibt es viele. Gerade Firmenlenker sollten überlegen, welches Wirkungsziel sie vorrangig erreichen wollen. Es kommen beispielweise Anlagen in erneuerbare Energien, grüne Immobilien oder Beseitigung von Plastikmüll in Betracht. Dabei ist zu prüfen, welchen Stellenwert ideelle und materielle Ziele haben.

2. Portfolio überdenken: Nachhaltige Anlagen gehen unter Umständen zu Lasten von Rendite sowie Sicherheit und Liquidität. Wirkungsorientierte Anlagen sollten immer auch zur Gesamtanlagestrategie passen. Es ist ratsam, erste Erfahrungen zu sammeln und den Anteil nachhaltiger Investments schrittweise zu erhöhen.

3. Finanzprodukte checken: Wichtig ist eine tiefgehende Produktanalyse, um mögliche Tücken zu erkennen. Zentral ist die Frage, wie der angestrebte Impact während und am Ende der Laufzeit gemessen wird. Zudem ist zu klären, welche Möglichkeiten für einen Exit bestehen und wie hoch die Produktkosten insgesamt sind.

Quelle: Tresono Family Office


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