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Über dieses Buch

Dieses Buch behandelt konzeptionelle und methodische Grundlagen zur Beschreibung und Erklärung der Flächennutzung und Flächenentwicklung. Ausgewählte Autorinnen und Autoren aus verschiedensten Forschungs- und Planungsinstitutionen stellen eine breite Vielfalt an aktuellen Forschungsansätzen zur Umwidmung von Freiflächen in Siedlungs- und Verkehrsflächen (Flächeninanspruchnahme) in Deutschland vor.
In den einzelnen Kapiteln wird auf wichtige Fragen eingegangen: Wie messen und erklären wir Zustand und Struktur der Flächennutzung? Welche Instrumente können langfristig eine nachhaltige Flächenentwicklung unterstützen? Welche Herausforderungen bestehen für das Flächenmanagement im ländlichen Raum? Welche Einflussgrößen prägen die Siedlungsstruktur und Siedlungsentwicklung in Deutschland?
Das Buch richtet sich an alle, die sich für den schonenden Umgang mit der begrenzten Ressource Boden, die räumliche Struktur und Entwicklung der Flächeninanspruchnahme, das komplexe Ursachenbündel der Siedlungs- und Verkehrsflächenentwicklung und die Instrumente einer nachhaltigen und klimagerechten Flächennutzungsentwicklung interessieren.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Grundlagen der Flächeninanspruchnahme

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1. Monitoring der Siedlungsflächenentwicklung

Mit Boden ist sparsam umzugehen, Freiraum zu schützen und Landschaftszersiedlung zu vermeiden. Gleichzeitig gehört es zu den Aufgaben des Bundes, den Rahmen für ausreichend bezahlbare bzw. angemessene Wohn-, Erholungs- oder Gewerbeflächen zu setzen. Um eine bestmögliche Steuerung der Flächenentwicklungen – selbst bei solch gegenläufigen Zielsetzungen – zu erreichen, sind fundierte Kenntnisse der lagebestimmenden Verhältnisse sowie ihre Erforschung unentbehrlich. Zu diesen gehören auch Einflussgrößen und Regelhaftigkeiten der Flächeninanspruchnahme, denen sich dieser Beitrag widmet, wie etwa Analysen des Status quo der Siedlungsflächen(-entwicklung), ihrer vergangenen oder zukünftigen Trends und deren vielfältigen Ursachen.
Gisela Beckmann, Fabian Dosch

2. Raumplanung/-wissenschaft als Erheber, Nutzer und Anbieter von modernen Geodaten?

Zunächst charakterisiert der Beitrag die vielfältigen Aufgaben und Tätigkeiten sowie die erforderlichen Kompetenzen der Raumplanerinnen und Raumplaner und zeigt auf, dass Raumplanung ohne Daten nicht möglich ist. Danach wird beantwortet, welche Informationen und Geodaten die Raumplanung braucht, und angeführt, dass sich moderne Geodaten vor allem durch Dreidimensionalität und Kleinräumigkeit sowie die gewöhnlichen Qualitätsmerkmale wie hohe Relevanz, Genauigkeit, raumzeitliche Auflösung und Aktualität sowie Vollständigkeit, Validität, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit, Zugangsmöglichkeiten und Klarheit, Vergleichbarkeit und Kohärenz sowie das Vorhandensein detaillierter und prägnanter Metadaten auszeichnen. Um eine Orientierung für das Auffinden, Erheben, Nutzen und Austauschen von Geodaten zu geben, stellt der Autor eine Übersicht für Deutschland prägende Meilensteine der Entwicklung von Geodaten im Zuge der Umsetzung von INSPIRE-Richtlinien zusammen und skizziert ausgewählte bedeutende deutsche Institutionen, welche Geodaten erheben, vorhalten und anbieten. Des Weiteren wird auf neue Entwicklungen zur Erhebung von Geodaten, insbesondere von Sensoren und Big Data sowie auf raumbezogenes Data Mining zum Erzeugen und Anbieten hochwertiger Geodaten in Form relevanter Raummuster eingegangen.
Nguyen Xuan Thinh

Ansatzpunkte zur Erklärung von Flächennutzung und Flächeninanspruchnahme

Frontmatter

3. Ursachen der Flächeninanspruchnahme in Deutschland – eine Zwischenbilanz

Die Ursachen der anhaltenden Flächeninanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrszwecke sind Gegenstand einer kontroversen Debatte. Erklärungsansätze betonen entweder die Nachfrage nach Wohn-, Arbeits-, Verkehrs- und Erholungsflächen durch die privaten Haushalte und Unternehmen oder die ökonomischen und fiskalischen Interessen von Developern und Gemeinden an der Erschließung von Bauland. Vor diesem Hintergrund dieser – keineswegs nur akademisch relevanten Kontroverse – wird in diesem Beitrag der Stand der nationalen und internationalen Forschung zu den Ursachen des Flächenverbrauchs resümiert. Dies beinhaltet zunächst eine Gegenüberstellung der einschlägigen Theorien bevor anschließend die zentralen Befunde einer empirischen Studie zu den Einflussfaktoren der Flächenneuinanspruchnahme kommentiert und mit Blick auf den erwähnten Meinungsstreit bewertet werden. Ein knappes Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und formuliert Empfehlungen für die Siedlungs- und Flächenpolitik von Bund, Ländern und Regionen. Als ein Hauptergebnis lässt sich festhalten, dass die Erklärungsfähigkeit der Flächeninanspruchnahme mit nachfragebezogenen Faktoren im Übergang von einer Wachstumsphase in eine Stagnations- und Schrumpfungsphase tendenziell abnimmt. Die wachstumsinduzierte Mehrnachfrage nach baulichen Nutzflächen sowie Infrastruktur- und Erholungsflächen ist nur noch in wenigen Regionen primärer Erklärungsfaktor des ungebrochenen Siedlungs- und Verkehrsflächenwachstums. Der erkennbare Bedeutungszuwachs angebotsorientierter kommunaler Baulandpolitiken, die auf Einnahmeeffekte durch die Baulandausweisung sowie die Auslastung der Infrastruktur durch die gezielte Ansiedlung von Familien abzielen, erfordert neue flächenpolitische Strategien und Maßnahmen.
Stefan Siedentop

4. Modellvorstellungen zur Erklärung der Flächeninanspruchnahme – Über die Bedeutung der ökonomischen und fiskalischen Ursachen der Flächeninanspruchnahme in Deutschland

Der folgende Beitrag erfasst den Prozess der Flächeninanspruchnahme in Deutschland und die daran beteiligten Akteure im Rahmen eines ökonomischen Verhaltensmodells. Im Mittelpunkt stehen hierbei das Anreizgefüge und Informationsumfeld der verschiedenen Nutzergruppen, sowie der Kommunen als der Instanz, die über die Ausweisung von Bebauungsplänen Flächen für Dritte rechtskräftig bereitstellt. Die Motivation für die Untersuchung alternativer Regulierungen liegt darin, dass das politisch formulierte 30-Hektar-Ziel der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie nicht erreicht wird. Für die Kommunen als der zentralen Instanz der Flächenausweisung fehlt bislang ein effektiver Regulierungsmechanismus, der das einzelwirtschaftliche Kalkül von Gemeinden in Einklang mit dem Ziel der Flächenverbrauchsreduktion bringt. Im gleichen Maße erscheinen die bisherigen Regulierungsinstrumente der Raumordnung unzureichend, um Flächennutzer in ihrem Nachfrageverhalten zu einer schonenden Flächeninanspruchnahme zu bewegen. Zu diesem Zweck werden im Rahmen des Verhaltensmodells des homo oeconomicus institutionalis (HOI) Anreizstrukturen der Akteure dargelegt, welche die derzeitige Entwicklung der Flächenausweisung/-nutzung beeinflussen. Basierend auf den im Rahmen der HOI identifizierten Anreizstrukturen werden zwei ökonomische Reformansätze vorgestellt: eine Grundsteuerreform sowie ein Handelssystem für Flächenzertifikate. Beide Ansätze können zu einem schonenderen Umgang mit Bodenflächen beitragen, knüpfen aber an unterschiedlichen Akteuren an – und ergänzen sich damit potentiell.
Kilian Bizer, Sebastian März, Till Proeger

5. Räumliche Effekte der Mobilität auf die Verkehrs- und Siedlungsentwicklung

Aufgrund des kontinuierlich zunehmenden Verkehrs in den Städten und Agglomerationen ist heute die Diskussion „weshalb Verkehr generiert wird“ in aller Munde. Verschiedene Forschungsarbeiten fokussieren sich deshalb seit geraumer Zeit auf die Frage nach den Treibern des Verkehrs. Dieses Kapitel veranschaulicht die Interaktionen zwischen Verkehrs- und Siedlungsentwicklung anhand von konkreten Beispielen in Agglomerationsräumen (Zürich, St. Gallen) sowie in einem eher ländlich geprägten Gebiet (Toggenburg). Dabei werden die räumlichen Auswirkungen der Straßeninfrastrukturprojekte auf die Wohnbevölkerungs- und Beschäftigtenstruktur in den betroffenen Regionen modelliert. Als Basis für die Simulationen dient ein agentenbasiertes Simulationsmodell für die Schweiz. Aufgrund der Resultate werden einerseits die räumlich differenzierten Effekte der Verkehrsinfrastrukturprojekte in den verschiedenen Raumtypen diskutiert, andererseits wird anhand der bereits eröffneten Westumfahrung Zürich gezeigt, dass die Modellresultate mit der effektiv beobachteten Entwicklung der betroffenen Gemeinden übereinstimmen.
Balz Reto Bodenmann, Pascal Bürki

6. Herausforderungen für das Flächenmanagement im ländlichen Raum – Handlungsoptionen für die Praxis

Die anhaltend hohe Inanspruchnahme neuer Flächen wirft die Frage auf, ob die 30-Hektar-Marke als Nachhaltigkeitsziel der Bundesregierung bis 2020 erreichbar ist. Die Flächenneuinanspruchnahme findet vorwiegend in ländlichen Regionen und dort vor allem abseits des schienengebundenen Nahverkehrs und nicht in zentralen Orten statt (Bock und Preuß 2011). Dieser Beitrag zeigt am Beispiel Baden-Württembergs zunächst vielfältige neue Herausforderungen für das Flächenmanagement im ländlichen Raum auf und stellt anschließend künftige Handlungsoptionen für die Planungspraxis vor. Als ein wesentliches Ergebnis aus verschiedenen Projekten zur Innenentwicklung im ländlichen Raum Baden-Württembergs stellt dieser Beitrag heraus, dass eine nachhaltige Siedlungsentwicklung langfristig sowohl im Interesse der Kommunen als auch im nationalen und globalen Interesse ist. Aufgrund dessen ist der Dialog zwischen den politischen und Planungsebenen von essenzieller Bedeutung. Es muss weiterhin nach kooperativen Lösungen im regionalen bzw. interkommunalen Zusammenhang gesucht werden, bei denen ein finanzieller Ausgleich zwischen Gemeinden erzielt werden kann. Die Erprobung bereits vorliegender Konzepte und die Kommunikation über Gemeindegrenzen hinweg bleiben dabei weiterhin wichtige Zukunftsaufgaben. Aber auch innerhalb einer Kommune muss ein Dialog mit der Bürgerschaft über Zukunftsszenarien und Zukunftsoptionen stattfinden. Als zentrale Ziele derartiger Dialoge werden in diesem Beitrag die Beratung und Unterstützung bei der Bestandspflege sowie die Aktivierung leerstehender Gebäude und Baulücken herausgearbeitet. Um dabei auftretende Herausforderungen meistern zu können, sind ein hohes Maß an Fach- und Sozialkompetenz und eine klare Zuständigkeit für das Thema Innenentwicklung in der Gemeinde erforderlich.
Barbara Malburg-Graf

Über Zustand und Struktur der Flächennutzung

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7. Ist die Konfiguration und Komposition der Flächennutzung messbar?

Der Beitrag beschäftigt sich mit den Schwierigkeiten, die die Raumanalyse mit der Bewertung von Siedlungsstrukturen und ihren Entwicklungspfaden hat. Sinn und Zweck einer solchen Bewertung wäre es, die Beeinträchtigungen auf den Naturhaushalt, den die Siedlungsentwicklung zwangsläufig mit sich bringt, besser zu verstehen und letztendlich steuern zu können. Das Gleiche gilt für den Versorgungsaufwand für urbane Flächennutzungen, den man im Sinne einer Optimierung der Ressourceneffizienz möglichst gering halten möchte. Tatsächlich ergeben sich mit der steigenden Verfügbarkeit von Geobasisdaten und Fachdaten zur Infrastrukturentwicklung und zum Naturschutz datentechnische Möglichkeiten, die Konfiguration und Komposition der Flächennutzung in diesem Zusammenhang zu messen. Im Bereich der Bewertung der Beeinträchtigung des Naturhaushaltes gelingt dies auch relativ überzeugend, z. B. mit Kenngrößen zur Messung von Landschaftszerschneidung und -fragmentierung. Problematisch scheint jedoch die Messbarkeit des Versorgungsaufwandes und der Ressourceneffizienz von Siedlungsstrukturen zu sein. Der Beitrag argumentiert, auch anhand der Darstellung eigener Indikatorentwürfe, dass für eine überzeugende Bewertung der Siedlungsentwicklung derzeit noch konzeptionelle Probleme zu lösen sind, z. B. zur Erfassung der technischen Infrastruktur und der Rahmenbedingungen für die Siedlungsgenese, wie z. B. die topografische Lage oder die naturräumliche Ausstattung. Die Herausforderung für die weitere Forschung besteht darin, leicht verständliche und gut kommunizierbare Kenngrößen für die Politikberatung bereitzustellen, die diese Lücke schließen. Ansätze hierfür könnten in der engeren Vernetzung von Methoden der Geoinformatik mit den Modellierungswerkzeugen aus der Raum- und Verkehrsplanung liegen, deren Weiterentwicklung empfohlen wird.
Stefan Fina

8. Indikatoren zur Bewertung einer nachhaltigen und klimawandelgerechten Siedlungsentwicklung

Die Debatte um eine nachhaltige Siedlungsentwicklung ist nicht neu. Sie ist aber in den vergangenen Jahren um weitere Dimensionen angereichert worden, denn es ergeben sich neue Anforderungen aufgrund von Flächenkonkurrenzen durch den Ausbau erneuerbarer Energien, durch klimawandelbedingte Anpassungserfordernisse oder durch Ansprüche an einen Beitrag der Siedlungsentwicklung zum Klimaschutz. In diesem Artikel werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie die Auswirkungen verschiedener Maßnahmen zur Steuerung der Siedlungsentwicklung auf politisch-gesellschaftliche Ziele wie Klimaschutz, Klimaanpassung oder Naturschutz quantifiziert werden können. Die zugrundeliegenden Berechnungen wurden in einem GIS-gestützten Modell durchgeführt, das die Landnutzungsentwicklung in Deutschland bis zum Jahr 2030 abbildet. Zunächst werden in dem Beitrag die Trends der Siedlungsentwicklung in Deutschland und die Herausforderungen für deren Monitoring und Projektion dargestellt. Nach der Vorstellung von Indikatoren zur Messung der Flächeninanspruchnahme durch Siedlungs- und Verkehrsfläche werden Szenarien vorgestellt, die Maßnahmen des Klimaschutzes und der Anpassung an den Klimawandel in der Siedlungsentwicklung berücksichtigen. Anhand beispielhafter Indikatoren wird aufgezeigt, wie auf Basis der im Modell berechneten Landnutzungsszenarien die Siedlungsentwicklung und deren Auswirkung auf Klimaschutz- und Klimaanpassungsziele quantitativ bewertet werden kann. In weiten Teilen basieren diese Indikatoren auf bereits bekannten Ansätzen zur Messung nachhaltiger Siedlungsentwicklung. Als ein wesentliches Ergebnis lässt sich festhalten, dass durch die modellhafte Abbildung der Siedlungsentwicklung in verschiedenen Szenarien Zielkonflikte zwischen Klimaanpassungs- und Klimaschutzstrategien deutlich werden und dies genutzt werden kann, um Entscheidungsträger bei der Beurteilung der Wirkung von Maßnahmen und Instrumenten zu unterstützen. Auf diese Weise kann dazu beigetragen werden, in politischen Strategien zur nachhaltigen Siedlungsentwicklung Aspekte des Klimaschutzes und der Anpassung an den Klimawandel besser aufeinander abzustimmen.
Roland Goetzke

9. Indikator für ein Monitoring der landschaftlichen Attraktivität Deutschlands

Die kommunale Landschaftsplanung hat unter anderem die Aufgabe, für die Erhaltung und Entwicklung einer für die Erholung attraktiven Natur und Landschaft Sorge zu tragen. Sie vermag zwar in der Regel nicht, Einfluss auf Aspekte des Landschaftsbildes wie die Reliefvielfalt oder den Anteil an Küstenlinien zu nehmen. Sehr wohl kann Landschaftsplanung dagegen die Landschaftsstruktur und die Vielfalt der Landschaftselemente gestalten.
Der Beitrag fokussiert auf die Entwicklung einer Methodik, welche eine bundesweite Berechnung auf Grundlage von Geoinformationsdaten erlaubt und zukünftig regelmäßig wiederholt werden kann. Unter der landschaftlichen Attraktivität wird hier das natürliche Landschaftspotenzial für eine naturbezogene Erholung verstanden. Der Indikator wird anhand von sieben gleichwertigen Parametern zur menschlichen Nutzung und zur Landschaftsstruktur abgeleitet.
Die Ergebnisse zeigen, dass es auf der Basis der ausgewählten Parameter möglich ist, die landschaftliche Attraktivität Deutschlands abzuschätzen und räumlich zu differenzieren. In den Berechnungsergebnissen des Indikators heben sich Regionen mit erwartungsgemäß hoher landschaftlicher Attraktivität für die Erholung deutlich ab. So beschreiben die Klassen „sehr attraktiv“ und „besonders attraktiv“ Landschaften, welche wesentlich attraktiver sind als der bundesdeutsche Durchschnitt. Dies sind vor allem Gebiete an den Küsten, in den Alpen sowie in waldreichen Mittelgebirgen. In der Klasse „durchschnittlich attraktiv“ befinden sich Landschaften, welche deutschlandweit betrachtet von durchschnittlicher Vielfalt und Landschaftsstruktur sind. In der Klasse „weniger attraktiv“ befinden sich meist strukturarme, vor allem intensiv landwirtschaftlich genutzte Gebiete. „Kaum attraktive“ Landschaften zeichnen sich durch niedrige Werte aller sieben Parameter aus, was ein Hinweis auf dichte Bebauung und geringe Natürlichkeit der Landnutzung ist.
Durchschnittlich attraktive Landschaften erfüllen bereits Naherholungsfunktionen, wobei sehr bzw. besonders attraktive Landschaften vor allem auch Ziele für naturbezogenen Tourismus darstellen und dafür in der Regel überregional bekannt sind.
Bei der Methodik wurde besonderer Wert darauf gelegt, dass diese leicht nachvollziehbar ist und ohne Gewichtungen auskommt. Zukünftig soll die Methodik noch um einen Parameter der technischen Überprägung, beispielsweise durch Windräder, Photovoltaik-Freiflächenanlagen o. ä., erweitert werden. In Zukunft wird angestrebt, diesen aggregierten Indikator regelmäßig zu erheben, um Aussagen zur Entwicklung der landschaftlichen Attraktivität über einen längeren Zeitraum zu beobachten und diese für Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit aufzuzeigen
Christian Stein, Ulrich Walz

10. Räumliche Regressionsansätze zur Charakterisierung des Status quo von Flächenbestand, Bodenversiegelung und Zersiedelung

In diesem Beitrag wird die Wirkung ausgewählter Einflussgrößen auf den Status quo des Flächenbestands (Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche an der Gemeindefläche), der Zersiedelung und der Bodenversiegelung in Deutschland mit Methoden des „Urban Data Mining“ (vgl. Behnisch 2009) ergründet. Im Fokus stehen die bivariaten Zusammenhänge sowie die Anwendung und der Vergleich verschiedener Regressionsmethoden. Gegenübergestellt werden die klassische lineare Regression, die simultane autoregressive Regression sowie die geografisch gewichtete Regression, um zu veranschaulichen, dass das Berücksichtigen räumlicher Komponenten, wie Autokorrelation und räumliche Heterogenität, essenziell ist. Im Vergleich der globalen und lokalen Regressionsmodelle wird deutlich, dass sich globale Regressionsmodelle nur bedingt für Untersuchungsgebiete der Größe Deutschlands eignen. Zu groß sind die lokalen Unterschiede der verschiedenen Gemeinden und Regionen, die zwingend berücksichtigt werden müssen.
Martin Behnisch, Hanna Poglitsch

Über den Wandel der Flächennutzung

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11. Konzeptionelle Überlegungen zu Längs- und Querschnittsanalysen im Kontext von Flächennutzungsuntersuchungen

Die Analyse der Landnutzung und Landnutzungsveränderung hat in der Regel den raumzeitlichen Kontext zu implementieren. Raum und Zeit dienen dabei der Organisation und Ordnung der den Nutzungseinheiten zugrundegelegten Attribute. Während Querschnittsuntersuchungen das gleichzeitige Wirken der Attributeigenschaften zum Ziel haben, sind es in Längsschnittuntersuchungen die sich im Zeitverlauf verändernden Qualitäten und Quantitäten. In jedem Fall ist dabei die Überlagerung des räumlichen, zeitlichen und attributiven Maßstabs zu berücksichtigen, der aufgrund seiner unterschiedlichen und variablen Bezugsgrößen zu einer Zunahme der Komplexität führt.
Der Beitrag thematisiert diese Komplexitätssteigerung von Längs- und Querschnittsanalysen (LQA), indem er zunächst auf die modelltheoretischen Grundlagen abstellt und dabei auch Bottom-Up-Ansätze (Agentenbasierte Verfahren) sowie Top-Down-Ansätze (System Dynamics Verfahren) beschreibt. Darauf folgend wird die Problematik von analytisch aufeinander abgestimmten Raum- und Zeiteinheiten für LQA skizziert. Einen weiteren Schwerpunkt nimmt die Frage ein, welcher theoretische und methodologische Erkenntnisfortschritt in LQA für die Beurteilung von Landnutzung und Landnutzungsveränderung liegt. Hierbei wird insbesondere auf die häufig unterstellte Kausalität von Zusammenhängen der Nutzung und Nutzungsdynamik eingegangen. Im abschließenden Kapitel wird dann die Rolle der Emergenz, also das Wechselspiel der unterschiedlichen Maßstabsebenen, für LQA besprochen.
Andreas Koch, Andreas Eisl

12. Akteure im Kontext des Wandels von Flächennutzungen

Flächeninanspruchnahme ist in der Schweiz ein gewichtiges Thema, insbesondere weil die besiedelbare Fläche knapp ist. Ziel dieses Kapitels ist, mit drei Gemeindeporträts aufzuzeigen, wie in den letzten vier Jahrzehnten verschiedene Akteure direkt und über unterschiedliche Steuerungsmechanismen Einfluss auf die Flächennutzung ausgeübt haben. Anhand der drei Schweizer Gemeinden Nyon, Schlieren und Sils/Segl werden konkrete Flächennutzungsveränderungen nachgezeichnet. Anschliessend wir aufgezeigt, welche Akteure mit welchen Steuerungsmechanismen Einfluss auf diesen Wandel genommen haben.
Der Wandel der Flächennutzung, welcher in den porträtierten Gemeinden exemplarisch illustriert wurde, ist ausserordentlich komplex. Die Beispiele veranschaulichen zudem die Vielfalt der Möglichkeiten auf die Flächennutzung einzuwirken. In den drei porträtierten Gemeinden wird ersichtlich, dass die Lenkung der Flächennutzung nicht alleine über Regulierung verläuft. Meist handelt es sich um eine Kombination von Regulierung, Verhandlung und aktiver Bodenpolitik. Welche Form der Steuerung in den einzelnen Gemeinden vorherrscht, wird wesentlich von den Akteuren bestimmt. Auf jeden Fall zeig die Untersuchung, dass eine Kombination von innovativen, den örtlichen Gegebenheiten angepassten Maßnahmen und die engagierte Zusammenarbeit der relevanten Akteure nötig ist, um die zukünftige Flächeninanspruchnahme in eine wünschbare Richtung zu steuern.
Gierina Cathomas, Anna M. Hersperger

13. Bilanzierung zur Siedlungs- und Verkehrsflächenentwicklung

Die Umsetzung einer nachhaltigen Flächenpolitik erfordert ein Monitoring, welches nicht nur den jeweils aktuellen Stand der Nutzungsartenanteile an der Gesamtfläche bilanziert, sondern auch den konkreten Wandel der Nutzungsarten hochauflösend beschreiben kann. Zum Prozessverständnis und zur Beurteilung der Triebkräfte der Siedlungsentwicklung sind Aussagen zur Vor- und Nachnutzung von Flächen erforderlich. Vor diesem Hintergrund ist am Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) ein Verfahren entwickelt worden, mit dem Flächennutzungsänderungen unter Verwendung von aufbereiteten amtlichen Geobasisdaten (ATKIS Digitales Basis-Landschaftsmodell) identifiziert werden können, wobei geometrische und semantischen Korrekturen vorgenommen werden, um Fehlklassifizierungen weitgehend ausschließen zu können. Auf Grundlage dieses Verfahrens werden in diesem Artikel deutschlandweite Analyseergebnisse zur Flächenneuinanspruchnahme von Siedlungs- und Verkehrsflächen (SuV-Flächen), differenziert nach Bundesländern und bestimmten Nutzungsarten, für die Bezugsjahre 2010 und 2015 vorgestellt. In einem Fazit wird auf die Voraussetzungen für eine geobasisdatenbasierte Erhebung der Flächenneuinanspruchnahme Bezug genommen sowie künftig zu erbringende Ergänzungen des Datenbestandes benannt, die eine Erhöhung der Ergebnisvalidität herbeiführen können.
Martin Schorcht, Tobias Krüger, Gotthard Meinel

14. Messung Messung der Zersiedelung Zersiedelung ermöglicht Monitoring Monitoring und stärkere Berücksichtigung in der Planung

Die steigende Zersiedelung hat gravierende langfristige Auswirkungen. Daher sollte Zersiedelung in der Stadt- und Regionalplanung künftig vermieden werden. Dieses Kapitel klärt die Definition von Zersiedelung und stellt eine Methode zur Messung der Zersiedelung vor (Z bzw. Weighted Urban Proliferation, WUP). Quantitative Angaben zur Zersiedelung werden dazu benötigt, um die Wirksamkeit von Maßnahmen und Verordnungen zu überprüfen, die zur Begrenzung der Zersiedelung dienen sollen. Vier Beispiele illustrieren den Grad der Zersiedelung in Deutschland, in der Schweiz, in Europa und in zwei Stadtregionen aus Nordamerika (Montreal und Quebec City, im Vergleich mit Zürich). Die Messgröße Z kann beim Vergleich von Planungsalternativen eingesetzt werden: Planer und Entscheidungsträger können Zersiedelung künftig vermeiden, indem sie verschiedene Planungsszenarien hinsichtlich ihres Beitrags zur Erhöhung oder Verringerung der Zersiedelung vergleichen. Daten zum Grad der Zersiedelung sind außerdem nützlich für die Umweltbeobachtung und für die Einführung von Ziel- und Grenzwerten für die Zersiedelung. Es ist zu erwarten, dass die Zersiedelung in Deutschland, in der Schweiz und in Europa generell weiter ansteigen wird. Daher läuft in der Schweiz derzeit die Volksinitiative „Zersiedelung stoppen – für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung“. Sie wurde am 21. Oktober 2016 bei der Bundeskanzlei eingereicht und wird demnächst zur Abstimmung kommen. Dieses Kapitel stellt abschließend die Initiative vor, da sie Ausdruck eines steigenden Problembewusstseins in der Bevölkerung ist und Hoffnung gibt, das Problem der Zersiedelung künftig besser zu vermeiden.
Jochen A. G. Jaeger, Christian Schwick, Ernest I. Hennig, Marco Schwarzak, Tobias Krüger, Martin Behnisch, Tomas Soukup, Erika Orlitova, Naghmeh Nazarnia, Felix Kienast

Zusammenfassung

Frontmatter

15. Zusammenfassung

Ausgewählte Autorinnen und Autoren aus verschiedensten Forschungs- und Planungsinstitutionen stellen eine breite Vielfalt an aktuellen Forschungsansätzen zur Umwidmung von Freiflächen in Siedlungs- und Verkehrsflächen (Flächeninanspruchnahme) in Deutschland vor. Der erste Themenblock „Grundlagen der Flächeninanspruchnahme“ trägt einleitenden Charakter. Der zweite Themenblock „Ansatzpunkte zur Erklärung von Flächennutzung und Flächeninanspruchnahme“ zielt darauf ab, Einflussgrößen flächennutzungsspezifischer Strukturen und Entwicklungen herauszuarbeiten und erklärende Modellvorstellungen zu formulieren. Der dritte Themenblock „Über Zustand und Struktur der Flächennutzung“ setzt sich mit dem Versuch auseinander, auf Basis von Messgrößen und empirisch-analytischen Vorgehensweisen den Status quo der Flächennutzung und der Flächeninanspruchnahme zu beschreiben und zu erklären. Der vierte Themenblock “Über den Wandel der Flächennutzung“ steht im Kontext von konzeptionellen Überlegungen und qualitativen wie auch quantitativen Untersuchungen zu multitemporalen Eigenschaften der Flächennutzung.
Martin Behnisch, Odette Kretschmer, Gotthard Meinel

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