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Über dieses Buch

Die Arbeitszeiten in Deutschland gehören zu den kürzesten in der Welt. Dies wird oft lediglich als Standortnachteil betrachtet, anstatt die Chancen zu nutzen, die sich gerade dadurch auf dem Gebiet der betrieblichen Arbeitszeitgestaltung eröffnen. Denn je knapper die Ressource Zeit im Unternehmen ist, desto stärker richtet sich das Augenmerk auf ihren effizienten Einsatz. Immer mehr Unternehmen erkennen, daß der pure Zeitverbrauch nicht etwa ein geeigneter Leistungsmaßstab ist, sondern nur eine wenig aussagekräftige Größe, die sich nicht direkt auf die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens auswirkt. Es kommt vielmehr darauf an, durch die Orientierung am Arbeitsergebnis die nicht-wertschöpfende Zeitverschwendung zu bekämpfen. Effektiv statt exzessiv bzw. ergebnis-statt zeitorientiert zu arbeiten ist die einzig zukunftsweisende Konsequenz aus den kurzen Arbeitszeiten in Deutschland. Die Potentiale flexibler Arbeitszeitgestaltung nutzen die Unternehmen vor allem aus drei Gründen noch immer zu wenig: weil sie die vielfältigen Möglichkeiten der Arbeitszeitflexibilisierung unterschätzen, weil sie das zur Umsetzung erforderliche methodische Know-how nicht besitzen, weil sie den "unbequemen" Einführungsprozeß scheuen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Zusammenfassung
Mit einer Neugestaltung der betrieblichen Arbeitszeitregelungen verbinden sich in vielen Betrieben sehr hohe, aber auch sehr verschiedenartige Erwartungen:
  • Erweiterte Betriebszeiten sollen helfen, kapitalintensive Produktionen am Standort Deutschland zu halten und vielleicht sogar auszuweiten.
  • Zugleich soll auf diese Weise der Faktor Arbeit im Hochlohnland Bundesrepublik attraktiver gemacht werden. In Verbindung mit größerer Flexibilität — das heißt kurzfristiger Anpassungsfähigkeit — der Arbeitszeit sollen zumindest lohn(neben)kostenbedingte Standortnachteile hierdurch abgemildert werden.
  • Durch individuell oder kollektiv verkürzte Arbeitszeiten erhoffen sich viele eine Verringerung der Arbeitslosigkeit.
  • Flexible Arbeitszeiten sollen es den Arbeitnehmern ermöglichen, sich „zeitsouverän“ zu verhalten und auf diese Weise ihren „Zeitwohlstand“ zu mehren.
  • Aufgaben- und kundenorientierte Arbeitszeitregelungen sollen die betrieblichen Abläufe effizienter machen und die Produktivität der Arbeit erhöhen.
Jan Kutscher, Michael Weidinger, Andreas Hoff

Kapitel 2. Schicht- und Dienstplangestaltung in Produktion und Dienstleistung

Zusammenfassung
Die von uns übernommene begriffliche Unterscheidung von „Schichtplan“ und „Dienstplan“ folgt dem allgemeinen Sprachgebrauch — auch wenn wir im Laufe dieses Kapitels noch sehen werden, daß sich bei einem systematischen Vorgehen in der Praxis die Unterschiede zwischen beiden Formen der Einteilung von Arbeitseinsätzen teilweise bis zur Aufhebung verwischen.
Jan Kutscher, Michael Weidinger, Andreas Hoff

Kapitel 3. Arbeitszeitgestaltung bei erweiterten Besetzungszeiten im Dienstleistungsbereich

Zusammenfassung
Wenn zum Beispiel Service- oder Öffnungszeiten von Dienstleistungsunternehmen gegenüber den individuellen Arbeitszeiten der dort Beschäftigten erweitert werden, besteht in aller Regel die Notwendigkeit einer Entkopplung von Besetzungszeit, Besetzungsstärke und Arbeitszeit (zur Methodik siehe auch die Abschnitte 1 – 10 in Kapitel 2). Im Vergleich zu Produktionsunternehmen zeichnen sich die Anforderungen an die betriebliche Personaleinsatzplanung eines Dienstleisters jedoch vor allem durch die beiden folgenden Besonderheiten aus:
  • Kunden kommen nicht „in Schichten“. Daher müssen Dienstleister ihre Besetzungsstärken in der Regel stärker und in kürzeren Zeitabschnitten differenzieren als Unternehmen im Bereich der industriellen Fertigung.
  • Veränderungen von Kundenströmen erfolgen oft sehr kurzfristig. Allein die Tatsache, daß es regnet, kann ein Absenken der Personalstärke von einer Maximal- auf eine Mindestbesetzung (oder umgekehrt) erfordern.
Jan Kutscher, Michael Weidinger, Andreas Hoff

Kapitel 4. Arbeitszeitmodelle für Büro und Verwaltung

Zusammenfassung
Mitte der 60er Jahre wurde in der Bundesrepublik Deutschland ein Konzept entwickelt, zunächst auf Tagungen diskutiert und Ende der 60er Jahre erstmals praktisch umgesetzt. Es sollte die bis dato — jedenfalls auf dem Papier — starren Arbeitszeitsysteme in Verwaltungen in Bewegung bringen: die gleitende Arbeitszeit. Sie ist im übrigen eine der wenigen sozialen Innovationen, die von Deutschland aus zumindest einen Teil der Welt eroberten: Im englischen Sprachraum ist sie heute beispielsweise unter dem Begriff „Flexitime“ (oder in jüngerer Zeit auch als „Flextime”) bekannt — wenn auch nicht annähernd so verbreitet wie hierzulande. Flexible Arbeitszeit in Büro und Verwaltung wird meist — wie wir in diesem Kapitel zeigen werden: fälschlicherweise — in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der Gleitzeit betrachtet.
Jan Kutscher, Michael Weidinger, Andreas Hoff

Kapitel 5. Flexible Jahresarbeitszeitmodelle

Zusammenfassung
„Jahresarbeitszeit“ wird seit einigen Jahren geradezu als Zauberwort verwendet: Von der Flexibilisierung der Arbeitszeit in dem Sinne, daß die vertragliche Arbeitszeit erst im Durchschnitt eines Jahres erreicht werden muß, versprechen sich viele Unternehmen schlichtweg die Ideallösung bezüglich der Anpassung des betrieblichen Arbeitsangebots an die Nachfrage. Vor einer „Jahresarbeitszeit-Euphorie“ wollen wir an dieser Stelle jedoch warnen. Denn der schöne Fall, daß die Jahres-Sollarbeitszeit tatsächlich genau eingehalten wird, kann nur dann eintreten, wenn alle unbekannten Größen des Besetzungsbedarfs (Auftragsverlauf, Produktivitätszuwachs, Krankenstand etc.) planbar wären und auch so wie geplant eintreffen würden — ein denkbar unrealistischer Fall.
Jan Kutscher, Michael Weidinger, Andreas Hoff

Kapitel 6. Hochflexible Arbeitszeitmodelle

Zusammenfassung
Das Adjektiv „flexibel“ (von lateinisch „flexibilis“) wird in den heutzutage dominierenden Bedeutungen „biegsam, elastisch, geschmeidig, anpassungsfähig, wendig“ erst seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verwendet. In der Bundesrepublik erfreuen sich flexible Arbeitszeitmodelle insbesondere seit der „Arbeitszeitverkürzungswelle“ in den 80er Jahren zunehmender Aufmerksamkeit. Heute wird in Deutschland der Arbeitszeitflexibilität angesichts der im internationalen Vergleich hohen Lohnkosten bei gleichzeitig sehr kurzen Arbeitszeiten allgemein ein großer Stellenwert für die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zugemessen.
Jan Kutscher, Michael Weidinger, Andreas Hoff

Kapitel 7. Umsetzung betrieblicher Arbeitszeitmodelle

Zusammenfassung
Flexible Arbeitszeitgestaltung ist — wie aus den vorangegangenen Kapiteln dieses Buches deutlich wurde — weder eine bequeme Angelegenheit noch ein „Kinderspiel“. Das gilt gleichermaßen für den Umsetzungsprozeß. Denn wie jede Maßnahme der Organisationsentwicklung rüttelt auch die Einführung flexibler Arbeitszeiten an vielen liebgewonnen Gewohnheiten und festgefahrenen Verhaltensmustern. Nur Organisationen, die permanent „in Bewegung bleiben“, können sich den sich ständig ändernden Anforderungen ihrer Umgebung anpassen: Diese Aussage gilt auch, vielleicht sogar in ganz besonderem Maße, für den betrieblichen Umgang mit der Arbeitszeit.
Jan Kutscher, Michael Weidinger, Andreas Hoff

Backmatter

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