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Über dieses Buch

Flussauen sind Lebensadern der Landschaft und das Rückgrat der Artenvielfalt. Ihr biolo- scher Reichtum gleicht dem tropischer Regenwälder. Sie sind unersetzlich im europäischen Biotopverbund. Eine besondere Rolle für die Artenvielfalt nimmt in Auen die Vielzahl der Gewässer ein, die in unterschiedlichster Form vom Grund- oder Flusswasser abhängen und mit diesem in unt- schiedlichem Ausmaß in Verbindung stehen. Die Vielfalt der Auengewässer ist einmalig. Auengewässer sichern die Quernetzung von Fluss und Aue, sie durchfließen die Aue wie ein fein verzweigtes Adernetz. In ihnen pulsiert das Leben. Altwässer sind eine besonders bed- tender Lebensraum der Auengewässer, in ihnen zeichnen sich noch Jahrhunderte lang alte Flussläufe ab. Sie sind die großen Adern, die vom Fluss in die Aue abzweigen. Je nach Alter und Entstehungsgeschichte können sie ganz vielfältig gestaltet sein. An ihnen lässt sich Flussgeschichte ablesen – auch weit außerhalb heutiger überschwemmter Auen. Sie geben der gesamten historischen Aue ein charakteristisches Kleinrelief, ein Gesicht. Die verschiedenen Stadien der Altwässer sind unersetzbarer Lebensraum für viele daran - bundene Arten. Auch natürlicherweise würde ein durch Flussverlagerung abgetrennter Flu- lauf im Laufe der Zeit verlanden, während anderswo ein neuer Arm entsteht. Die natürliche Dynamik in der Aue ist charakteristisch für jeden einzelnen Fluss, das ständige Werden und Vergehen sichert die Artenvielfalt.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung – Entstehung und Entwicklung von Altwässern

Altgewässer werden durch ihre Strömungsverhältnisse charakterisiert. Sie entstehen durch Abtrennung von Flussarmen vom Fluss und deren nachfolgender Isolierung. Besteht zwischen dem Fluss und dem abgetrennten Flussarm noch eine direkte Verbindung, die zur Durchströmung des Gewässers führt, so spricht man von einem Altarm. Wird diese Verbindung unterbrochen, so dass das Gewässer nur noch temporär, z.B. im Hochwasserfall, durchströmt wird, entsteht das Altwasser, also ein Stillgewässer. Ein Totarm wird nur noch vom Qualm- bzw. Grundwasser gespeist.
Volker Lüderitz, Dominique Remy

2. Genese von Altwässern

Die natürliche Abtrennung von Flussarmen ist eine durch die Dynamik der Flüsse begründete Erscheinung. Infolge Erosion und Sedimentation verlagert der frei fließende Fluss fortwährend seinen Lauf. Bei flach geneigtem Untergrund erfolgt eine Mäandrierung, bei stärker geneigtem Untergrund eine Furkation. Im Mittelelbegebiet tritt nahezu ausschließlich die Mäandrierung auf.
Gerhard Böttge, Dominique Remy, Christian Kunz

3. Lebensraum Altwasser im Initial-, Optimal- und Terminalstadium

Altgewässer sind natürliche Landschaftselemente in den breiteren Auen. Zu den natürlich entstandenen Altgewässern sind im Zuge der anthropogenen Nutzung der Auen durch ingenieurtechnische Maßnahmen wie Laufverkürzungen und Bau von Umfluten, künstliche Altgewässer hinzugekommen. Alle Typen, natürliche wie künstliche, stellen wichtige aquatische Lebensräume in der heutigen, oft weitgehend ausgeräumten Kulturlandschaft dar. Altgewässer beherbergen außerdem zahlreich typische und zunehmend gefährdete Arten und Lebensgemeinschaften.
Dominique Remy, Uta Langheinrich, Otfried Wüstemann, Volker Lüderitz, Andreas Hoffmann, Wulf Pohle

4. Typisierung und Bewertung für die leitbildorientierte Sanierung von Altwässern

Ökosysteme, wie die Natur an sich, entziehen sich im philosophischen Sinne der Bewertung durch den Menschen. Natürliche Systeme sind – für sich genommen – weder „gut“ noch „schlecht“. Eine Bewertung wird dann sinnvoll, wenn Ökosysteme durch den Menschen gestört werden, sie wird notwendig, wenn menschliche Aktivitäten diesen Störungen im Sinne einer Renaturierung entgegensteuern (Zerbe et al. 2008).
Volker Lüderitz, Christian Kunz, Otfried Wüstemann, Dominique Remy, Bernd Feuerstein

5. Sanierung und Revitalisierung von Altwässern

Die Notwendigkeit der Sanierung und Revitalisierung von Altwässern wird begründet (vgl. Kap. 1) mit der
  • Gefahr des verlandungsbedingten Verschwindens der Altwässer (landschaftsgenetisch),
  • an das räumliche und zeitliche Koexistieren unterschiedlicher Entwicklungsphasen gebundenen hohen Biodiversität (ökologisch),
  • Gewährleistung der Erlebbarkeit einer vielfältig strukturierten Auenlandschaft (landschaftsästhetisch) und
  • der Aufrechterhaltung bzw. erneuten Ermöglichung einer Nutzung für die Binnenfischerei (wasser- und fischereiwirtschaftlich).
Andreas Hoffmann, Dominique Remy, Gerhard Böttge, Christian Kunz, Bernd Feuerstein, Volker Lüderitz, Uta Langheinrich

6. Ausblick

Das Ursachengefüge für die Beeinträchtigung von Altwässern wird auch mittel- und langfristig Bestand haben. Auch wenn beispielsweise die Elbe als natürliches Gewässer eingestuft wurde, das bis 2027 den Guten Ökologischen Zustand im Sinne der WRRL erreichen soll, bleibt sie sowohl eine Bundeswasserstraße als auch ein Gewässer in einer überwiegend intensiv genutzten Kulturlandschaft.
Volker Lüderitz

Backmatter

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