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Der Beitrag untersucht die Bedeutung von Wasserstoff für die Transformation der Sektoren Energie, Industrie und Mobilität im Kontext der europäischen Klimaziele. Dabei wird die Methanpyrolyse als eine vielversprechende Methode zur emissionsarmen Wasserstoffproduktion und zur Klimawandelanpassung durch die Nutzung von festem Kohlenstoff hervorgehoben. Der Artikel analysiert den aktuellen Stand der Wasserstoffproduktion, die Prognosen für die zukünftige Entwicklung und die Herausforderungen bei der Umsetzung emissionsarmer Technologien. Besonders betont wird die Rolle von Wasserstoff in Hochtemperaturprozessen, der Metallurgie und der Mobilität, sowie die potenziellen Anwendungen von festem Kohlenstoff in der Landwirtschaft und im Bauwesen. Die Methanpyrolyse wird als eine wirtschaftliche und nachhaltige Alternative zur Elektrolyse und Dampfreformierung dargestellt, die eine effiziente Nutzung von Erdgas und erneuerbaren Energien ermöglicht. Der Beitrag schließt mit einem Ausblick auf die notwendigen technologischen Entwicklungen und die Bedeutung der Methanpyrolyse für eine erfolgreiche Transformation hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft.
KI-Generiert
Diese Zusammenfassung des Fachinhalts wurde mit Hilfe von KI generiert.
Zusammenfassung
Eine Analyse der jüngsten Forschungsergebnisse lässt den Schluss zu, dass Wasserstoff in zukünftigen Prozesstechnologien und Energiesystemen eine Schlüsselrolle spielen wird, sofern seine Herstellung mit geringem CO2-Fußabdruck realisiert werden kann. In industriellen Prozessen kann emissionsarmer Wasserstoff einen wesentlichen Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasemissionen leisten indem er stofflich (z. B. Reduktionsprozesse in der Metallurgie) bzw. energetisch (z. B. Hochtemperaturprozesse) genutzt wird. Emissionsarmer Wasserstoff ist folglich ein Schlüsselelement der Transformation verschiedener industrieller Prozesse, wie etwa der Stahl- oder Zementherstellung und leistet damit auch einen wichtigen Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasemissionen.
Derzeit sind unterschiedliche Prozesspfade zur Herstellung von emissionsarmem Wasserstoff in Diskussion. Dazu zählt einerseits die Dampfreformierung von Erdgas mit zusätzlicher Abtrennung und Speicherung bzw. Nutzung von CO2 sowie andererseits die Elektrolyse auf Basis der Nutzung erneuerbarer elektrischer Energie. Die Methanpyrolyse stellt eine zusätzliche Alternative dar. Wesentliche Vorteile der Methanpyrolyse für die Produktion großer Mengen an emissionsarmem Wasserstoff für die Industrie sind: (1) Der geringere spezifische elektrische Energiebedarf im Vergleich zur Elektrolyse, (2) die Möglichkeit der Nutzung bestehender Infrastruktur zum Transport von Erdgas und (3) die Produktion von festem Kohlenstoff für unterschiedlichste Anwendungen. Ein Nachteil der Methanpyrolyse besteht darin, dass ihr technologischer Reifegrad eine industrielle Umsetzung im großtechnischen Maßstab noch nicht erlaubt. Daher sind auch Prognosen über die Wirtschaftlichkeit nur mit hoher Schwankungsbreite möglich, wobei verschiedene Analysen grundsätzlich ein positives Bild zeichnen.
Die Montanuniversität Leoben forscht im Hinblick auf die effektive Nutzung von Erdgas intensiv an der Gesamtprozesskette der Methanpyrolyse, der Skalierung unterschiedlicher Technologien der Methanpyrolyse in den Demonstrationsmaßstab sowie insbesondere an der Anwendung von festem Kohlenstoff aus der Methanpyrolyse als Bodenhilfsstoff in der Landwirtschaft. Diese Verwertungsoption ermöglicht (1) die Steigerung der Resilienz von Nutzpflanzen gegenüber Trockenstress, (2) eine Erhöhung der Wasserhaltekapazität von Böden sowie (3) einen Beitrag zum Humusaufbau.
Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
1 Einleitung
Nachhaltigkeit und Klimawandel sind Themen, die für unsere Gesellschaft von großer Bedeutung sind. Die EU-Mitgliedstaaten haben sich mit dem europäischen Green Deal verpflichtet, bis 2050 klimaneutral zu werden, um die globale Erwärmung auf ein Minimum zu reduzieren. Ein wichtiger Faktor auf dem Weg zu diesem zentralen Ziel der europäischen Klimapolitik ist die Geschwindigkeit der Emissionsreduktion, da die Summe der Treibhausgasemissionen während der Transformation in direktem Zusammenhang zum Klimawandel und der globalen Erwärmung steht [1, 2]. Daher ist eine schnelle und umfassende Reduktion der Emissionen erforderlich. In diesem Zusammenhang ist es grundsätzlich sinnvoll, eine Vielzahl von Maßnahmen auf lokaler und globaler Ebene zu betrachten. Dazu zählen unter anderem die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien, die Steigerung der Energieeffizienz in Industrie, Gebäudewärme, Energiebereitstellung und Mobilität, die Stärkung der Kreislaufwirtschaft insbesondere im Kontext der effektiven Ressourcennutzung innerhalb der planetaren Grenzen, die Implementierung bedarfsorientierter Logistik- und Mobilitätskonzepte, die Verbesserung von Bodenmanagement und Bodennutzung sowie insbesondere die Bewusstseinsbildung innerhalb der Gesellschaft im Kontext der genannten Punkte.
Der vorliegende Beitrag betrachtet in diesem Zusammenhang aber nur einen Teilaspekt der oben genannten Maßnahmen und legt den Fokus auf die bedeutende Rolle von Wasserstoff bei der Transformation der Sektoren Energie, Industrie und Mobilität. Um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen, ist es von entscheidender Bedeutung, dass Wasserstoff in ausreichender Menge und Qualität (Reinheit) und an regionalen Rahmenbedingungen angepasst verfügbar ist sowie unter Berücksichtigung der effektiven und verantwortungsvollen Nutzung vorhandener Ressourcen mit geringem CO2-Fußabdruck hergestellt werden kann. In diesem Kontext impliziert der Begriff „effektiv und verantwortungsvoll“ die Nutzung (geogener) Ressourcen zur Bedürfnisbefriedigung im Rahmen eines verantwortungsvollen Ressourcenmanagements entsprechend der Prinzipien der ausgewogenen Nachhaltigkeit. Konkret bedeutet dies, dass die Nutzung von Ressourcen für sinnstiftende Anwendungen unter Minimierung des Eingriffs in das Ökosystem und von Abfallstoffen erfolgt, sofern diese auch in großer Menge und somit für künftige Generationen vorhanden sind. Basierend auf der aktuellen Wasserstoffproduktion sowie den Prognosen zukünftiger Bedarfe und Produktionskapazitäten, wird der Beitrag der Methanpyrolyse zur Wasserstofferzeugung genauer in Betracht gezogen. Bei diesem Prozess entsteht ein zweiter Wertstoff: fester Kohlenstoff. Dieser weist im Kontext der Anpassung an den Klimawandel eine zusätzliche Relevanz auf.
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2 Produktion und Nutzung von Wasserstoff – Status quo und Prognosen für die zukünftige Entwicklung
Derzeit wird der Bedarf an Wasserstoff nahezu ausschließlich durch Dampfreformierung auf Basis fossiler Brennstoffe gedeckt, wobei der überwiegende Anteil für die chemische Industrie verwendet wird, insbesondere für die Produktion von Düngemitteln und in geringerem Umfang für die Synthese von Methanol und weiteren Basischemikalien. Darüber hinaus wird Wasserstoff auch für die Entschwefelung und Raffination von Erdöl eingesetzt. Weitere Anwendungen, wie die stoffliche Nutzung in der metallurgischen Industrie oder die energetische Nutzung, sind derzeit von untergeordneter Bedeutung.
In zukünftigen Energiesystemen und industriellen Anwendungen kann Wasserstoff eine wesentliche Rolle im Sinne der Erreichung der Klimaziele spielen. Wasserstoff kann dabei (1) direkt als Energieträger für Hochtemperaturprozesse dienen, (2) stofflich genutzt werden, (3) im Schwerverkehr eine Alternative zu fossilen bzw. elektrisch betriebenen Fahrzeugen, Schiffen oder Flugzeugen darstellen sowie (4) die großvolumige Speicherung von elektrischer Energie über längere Zeiträume gewährleisten bzw. unterstützen.
Die Umstellung von Hochtemperaturprozessen (wie z. B. Zement‑, Stahl‑, Feuerfest- oder Glasherstellung) auf elektrische Alternativen ist in der Regel nur in begrenztem Umfang oder mit erheblichem Aufwand möglich. In diesen Bereichen bieten Energieträger mit geringem CO2-Fußabdruck die Möglichkeit zur Emissionsreduktion. Ein Beispiel für die stoffliche Nutzung von Wasserstoff ist dessen Verwendung in der Metallurgie als Ersatz für Kohlenstoff bei der Reduktion von Erzen, wodurch die prozessbedingten Emissionen der Schwerindustrie verringert werden können.
Darüber hinaus kann Wasserstoff dazu genutzt werden, CO2 in andere Moleküle zu konvertieren und somit eine stoffliche (beispielsweise in Kunststoffen) oder energetische Nutzung (beispielsweise im Rahmen von synthetischen Kraftstoffen) zu ermöglichen. Der Ursprung des CO2 kann dabei grundsätzlich aus der Verbrennung fossiler Energieträger, aus der Verwendung von organischen Reststoffen (Biomasse bzw. Abfall) oder aus der Nutzung von CO2-haltigen Rohstoffen liegen. Mit Blick auf eine nachhaltige Reduktion von Treibhausgasemissionen ist dabei CO2 aus biogenen Reststoffen zu bevorzugen. Die Nutzung von Wasserstoff ermöglicht in diesem Kontext die Implementierung eines Kohlenstoffkreislaufs durch die Transformation von CO2 in andere Moleküle und in weiterer Folge auch zu langlebigen Produkten (z. B. Kunststoffe) und trägt so zur Reduktion der prozessbedingten Emissionen dieser Industriezweige bei.
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Im Bereich der Mobilität bietet Wasserstoff einen Vorteil im Vergleich zur direkten Verwendung von elektrischer Energie, denn die Energiespeicherung in Batterien in elektrischen Fahrzeugen ist mit einem erheblichen Materialaufwand sowie zusätzlichem Gewicht verbunden. Daher hat Wasserstoff als Energieträger, insbesondere bei schweren Fahrzeugen und großer Reichweite, einen Vorteil gegenüber batterieelektrischen Fahrzeugen.
Darüber hinaus kann Wasserstoff dazu beitragen, elektrische Überschussenergie in großen Mengen und über längere Zeiträume zu speichern. So kann etwa die im Sommer gewonnene, erneuerbare Energie aus Photovoltaik in Wasserstoff umgewandelt werden. Ausgediente Erdgaslagerstätten ermöglichen die Speicherung großer Mengen an Wasserstoff unter Tage über Monate hinweg. In weiterer Folge wird die gespeicherte Energie z. B. im Winter wieder umgewandelt und somit nutzbar.
2.1 Status quo bei der Produktion von Wasserstoff
Analysen der Internationalen Energieagentur (IEA) zum globalen Wasserstoffmarkt basierend auf der Entwicklung der vergangenen Jahre zeigen, dass für das Jahr 2024 mit einer Wasserstoffproduktion von etwa 100 Mio. t gerechnet wird (Abb. 1; [1]). Die Deckung der Nachfrage erfolgte weiterhin primär durch lokale Produktion in Industrieregionen, während der internationale Handel von untergeordneter Bedeutung bleibt. China nimmt bei der Produktion eine führende Position ein und hat einen Anteil von nahezu 30 % der globalen Produktion. Es folgen die Vereinigten Staaten und der Nahen Osten mit einem Anteil von jeweils etwa 14 % und Indien mit 9 %.
Abb. 1
Produktion von Wasserstoff in Abhängigkeit unterschiedlicher Technologien und Region (adaptiert aus [1]). Die Schätzung für 2024 ist eine Prognose basierend auf den beobachteten Daten und Trends bis Juni 2024
Die vorliegenden Daten und Trends zeigen eine anhaltende Abhängigkeit der Wasserstoffproduktion von fossilen Rohstoffen. Mit einem Anteil von etwa zwei Dritteln an der Gesamtproduktion dominiert der Prozess der Dampfreformierung aus Erdgas. Weitere 20 % der globalen Wasserstoffproduktion entstammen der Kohlevergasung, wobei dieser Prozess hauptsächlich in China durchgeführt wird. Darüber hinaus werden weltweit mehr als 15 % des Wasserstoffs als Nebenprodukt in Raffinerien und in der petrochemischen Industrie, bei Verfahren wie der Naphtha-Reformierung, produziert [1].
Die Produktion von emissionsarmem Wasserstoff hat in den letzten zwei Jahren geringfügig zugenommen, liegt nach wie vor aber unter einer Million Tonnen pro Jahr. Dies entspricht weniger als 1 % der weltweiten Produktionsmenge. Der Großteil dieses emissionsarmen Wasserstoffs wird derzeit aus fossilen Brennstoffen und gleichzeitiger Abscheidung und Nutzung bzw. Speicherung von CO2 (Carbon Capture Use/Storage | CCUS) gewonnen, während die Wasserstoffproduktion mittels Wasserelektrolyse nach wie vor eine untergeordnete Rolle spielt. Im Jahr 2024 lag die globale elektrolytische Wasserstoffproduktion etwas unter 100 kt Wasserstoff, wobei der Hauptanteil mit rund 75 % auf China, Europa und die Vereinigten Staaten entfällt [1].
Bei der Herstellung von Wasserstoff aus Erdgas mittels Dampfreformierung werden Treibhausgase, umgerechnet in CO2-äquivalente Emissionen, im Ausmaß von etwa 10 bis 12 kg CO2,eq pro kg Wasserstoff freigesetzt [3, 4]. Bei der Herstellung von Wasserstoff basierend auf Kohlevergasung werden etwa 22 bis 26 kg CO2,eq pro kg Wasserstoff produziert [3]. Bei der Elektrolyse werden keine direkten Prozessemissionen frei. Der CO2-Fußabdruck des Wasserstoffs setzt sich in diesem Fall einerseits aus den Emissionen der Energieherstellung und andererseits aus den Emissionen bei der Herstellung und Installation der Elektrolyseure zusammen, wobei dieser Anteil bei entsprechendem Nutzungsgrad einen relativ geringen Beitrag darstellt. Bei der Elektrolyse kommt es also bei den spezifischen Emissionen zu einer relativ hohen Spannbreite, welche derzeit im günstigsten Fall bei ungefähr 0,7 kg CO2,eq pro kg Wasserstoff liegen (Nutzung erneuerbarer Energie aus Wasser- oder Windkraft) [3]. Bei der Nutzung von elektrischer Energie entsprechend dem Durchschnitt der globalen Stromherstellung würden Emissionen von etwa 24 kg CO2,eq pro kg Wasserstoff freigesetzt werden [3].
Die Emissionen für die Produktion von Wasserstoff für das Jahr 2023 werden gemäß den Analysen der IEA auf etwa 920 Mio. t CO2,eq geschätzt [1]. Dies entspricht knapp 2 % der globalen Emissionen an Treibhausgasen.
2.2 Zukünftige Trends für die Produktion und Nutzung von Wasserstoff
Der historische Trend des globalen Wasserstoffbedarfs ist nicht das Ergebnis politischer Maßnahmen für die Nutzung von Wasserstoff in neuen Anwendungen, sondern ist vielmehr auf globale Energietrends zurückzuführen. Der Großteil dieses Anstiegs ist traditionellen Anwendungen von Wasserstoff (z. B. stoffliche Nutzung in industriellen Prozessen und Erdölraffination) zuzuschreiben. Die steigende Produktion basiert dabei fast ausschließlich auf der Grundlage fossiler Ressourcen. Diese Entwicklung trägt jedoch nicht zur Eindämmung des Klimawandels bei. Der Einsatz von Wasserstoff in neuen Anwendungsbereichen, wie der Schwerindustrie, dem Verkehr, der Herstellung von synthetischen Kraftstoffen auf Wasserstoffbasis oder der Stromerzeugung und -speicherung, die für den Übergang zu sauberer Energie von entscheidender Bedeutung sind, blieb bis dato marginal und liegt bei weniger als 0,1 % der weltweiten Nachfrage [1].
Die Internationale Energieagentur prognostiziert für das aktualisierte Netto-Null-Emissionen-Szenario für 2050 (NZE-2050-Szenario) ein jährliches Wachstum des Wasserstoffbedarfs um 6 % bis zum Ende dieses Jahrzehnts. Demzufolge wird der jährliche Wasserstoffbedarf im Jahr 2030 bei mehr als 150 Mio. t liegen, wobei nahezu 40 % (knapp 60 Mio. t) auf neue Anwendungen entfallen werden [1]. Zu den genannten Anwendungen zählen insbesondere die stoffliche Nutzung von Wasserstoff als Reduktionsmittel in Prozessen der Direktreduktion für die Herstellung von direkt reduziertem Eisen (DRI) oder auch der Einsatz in der Wasserstoffplasmaschmelzreduktion, Anwendungen in der Mobilität sowie als Ausgangsstoff für die Herstellung von synthetischen Kraftstoffen und Ammoniak. Darüber hinaus ist die Verwendung in der Veredelung von Biokraftstoffen, die energetische Nutzung für Hochtemperaturanwendungen in der Industrie sowie die Nutzung zur Stromspeicherung und -erzeugung zu erwarten (Abb. 2).
Gemäß dem NZE-2050-Szenario der IEA wird der jährliche globale Wasserstoffbedarf im Jahr 2050 mit etwa 530 Mio. t prognostiziert, wobei davon ausgegangen wird, dass rund 300 Mio. t Wasserstoff durch Elektrolyse hergestellt werden [5]. In Bezug auf die Einhaltung der Klimaziele kommt der Produktionsroute und den damit verbundenen Emissionen sowie der Nutzung der vorhandenen Ressourcen innerhalb der planetaren Grenzen eine besondere Bedeutung zu.
Abb. 2
Wasserstoffbedarf in unterschiedlichen Sektoren sowie globalen Regionen. Historische Daten sowie die Prognose für 2030 im Rahmen des Netto-Null-Emissionen-Szenarios für 2050 (adaptiert aus [1]). Die Schätzung für 2024 ist eine Prognose basierend auf den beobachteten Daten und Trends bis Juni 2024. „Andere Anwendungen“ beinhalten Gebäudewärme und Veredlung von Biokraftstoffen
Im NZE-2050-Szenario der IEA sollte die jährliche Produktion von emissionsarmem Wasserstoff im Jahr 2030 bereits auf etwa 66 Mio. t angewachsen sein [1]. Aus den derzeit angekündigten Projekten lassen sich im besten Fall etwa 49 Mio. t Wasserstoff pro Jahr erwarten, wovon 37 Mio. t durch Elektrolyse und 12 Mio. t durch Dampfreformierung mit CCUS erzeugt werden sollen. Allerdings können nur etwa 7 % dieser Menge als gesichert angesehen werden (die Entscheidung über das finanzielle Investment wurde bereits getroffen) [1].
Aus dem Bericht der IEA geht darüber hinaus hervor, dass von den für das Jahr 2030 angekündigten Projekten zur Wasserstoffproduktion mittels Elektrolyse etwas mehr als 22 Mio. t pro Jahr auf Projekte entfallen, deren Fokus auf der Nutzung von elektrischer Energie aus Photovoltaik, Onshore-Wind- oder Offshore-Windkraft sowie einer Kombination dieser Energieherstellungsrouten zum Betrieb des Elektrolyseurs liegt. Für jene Projekte, für die ein Standort festgelegt ist, wurde das optimale Verhältnis zwischen Produktionskapazität für erneuerbare Energien und Elektrolyseurkapazität bestimmt, um das potenzielle Minimum der nivellierten Produktionskosten zu ermitteln. Dieses optimale Verhältnis hängt stark von der Art der Stromerzeugung und regionalen Rahmenbedingungen ab und liegt zwischen etwa 1,1 und etwa 2,5 [1]. Die daraus resultierenden Ergebnisse geben Aufschluss über die Menge an emissionsarmem Wasserstoff, die bis zum Ende des Jahrzehnts kostengünstig produziert werden könnte (Abb. 3). Zur Erreichung der angestrebten Wasserstoffproduktion von annähernd 22 Mio. t jährlich wird unter Berücksichtigung des spezifischen Energiebedarfes für die Elektrolyse die Installation von erneuerbarer Energieerzeugung mit einer Kapazität von rund 1200 TWh erforderlich. Im Hinblick auf die im Jahr 2023 erzielte Strommenge aus Photovoltaik und Windkraft von etwa 3935 TWh [6] erscheint diese zusätzliche Installation, auch im Hinblick auf die insgesamt notwendige Transformation der gesamten Energiebereitstellung, als ein signifikantes und ambitioniertes Unterfangen bis zum Jahr 2030.
Abb. 3
Kosten für die Wasserstoffproduktion durch Elektrolyse mit Strom aus Photovoltaik bzw. Windkraft für angekündigte Projekte für das Jahr 2030 unter Berücksichtigung von Kostenschätzungen entsprechend dem NZE-2050-Szenario (adaptiert aus [1])
Der asiatisch-pazifische Raum weist in Bezug auf die Produktionskosten die größten Vorteile auf, wobei der Großteil des Volumens auf Wasserstoff aus Photovoltaik-Strom in China zurückzuführen ist. Im NZE-2050-Szenario könnte etwa eine Million Tonnen Wasserstoff zu Kosten von unter 3 USD/kg Wasserstoff produziert werden [1]. Für Europa wird eine Menge der elektrolytischen Wasserstoffproduktion von fast 9 Mio. t pro Jahr prognostiziert. Allerdings würde in diesem Fall der Großteil der Produktion aus erneuerbarer Energie zu Kosten von über 4 USD/kg Wasserstoff realisiert werden [1]. Unter Berücksichtigung der angekündigten Projekte ist aus heutiger Sicht zu erwarten, dass im NZE-2050-Szenario bis ins Jahr 2030 lediglich eine Menge von etwa einer Million Tonnen Wasserstoff pro Jahr zu geringeren Kosten im Vergleich zur Dampfreformierung aus Erdgas produziert werden kann. Etwa 12 Mio. t Wasserstoff pro Jahr können gemäß den Prognosen nur zu Kosten produziert werden, die um mindestens 1,5 USD/kg Wasserstoff höher als bei der Dampfreformierung aus Erdgas liegen.
Basierend auf angekündigten Projekten, die PV-Solaranlagen, Onshore-Windkraftanlagen, Offshore-Windkraftanlagen oder eine hybride Konfiguration dieser Energieträger als Stromquelle für einen Elektrolyseur an einem bestimmten Standort, der bis 2030 in Betrieb genommen werden soll. Zusätzlich wurden Annahme für eine optimale Überdimensionierung der erneuerbaren Energien an jedem Standort getroffen, um die nivellierten Kosten der Wasserstoffproduktion zu minimieren. Die Investitionskosten für Solaranlagen beträgt 380–1300 USD/kW; die Investitionskosten für Windkraftanlagen betragen USD 980–3260/kW (Onshore) bzw. 1770–4300 USD/kW (Offshore). Der CO2-Preis wird mit 15–140 USD/t berücksichtigt. Die Kapitalkosten betragen 6–20 %. Wasserkosten sind nicht enthalten. Weitere technisch-ökonomische Annahmen können [1] entnommen werden.
Abb. 4 zeigt eine Übersicht der Kosten für die Wasserstoffproduktion aus unterschiedlichen Prozesspfaden für das Jahr 2023 und im Vergleich zur Prognose für das Jahr 2030 für das NZE-2050-Szenario. Dabei zeigt sich, dass traditionelle Prozessrouten, basierend auf fossilen Ressourcen, selbst unter Berücksichtigung der zusätzlichen Kosten für die dabei anfallenden CO2-Emissionen, einen Kostenvorteil gegenüber der Elektrolyse aufweisen. Diese Erkenntnis unterstreicht die Bedeutung entsprechender finanzieller Unterstützung für die Wettbewerbsfähigkeit geplanter Projekte, die auf rein erneuerbaren Prozessrouten basieren.
Abb. 4
Kosten für die Wasserstoffproduktion für unterschiedliche Produktionsrouten für das Jahr 2023 sowie für das Jahr 2030 im NZE-2050-Szenario (adaptiert aus [1]). Kostenspannen spiegeln die regionalen Unterschiede bei den Preisen für fossile Brennstoffe, Kosten für erneuerbare Energien, CO2-Preise, die Investitions- und Betriebskosten für Technologien sowie die Kapitalkosten wider. Der Erdgaspreis beträgt 5–21 USD/MBtu für 2021, 6–51 USD/MBtu für 2022, 3–35 USD/MBtu für 2023 und 1–15 USD/MBtu für das NZE-2050-Szenario im Jahr 2030. Der Kohlepreis beträgt 9–270 USD/t für 2023 und 1–120 USD/t für das NZE-2050-Szenario im Jahr 2030. Die nivellierten Produktionskosten für Strom aus Photovoltaik betragen 20–120 USD/MWh für 2023 und 14–90 USD/MWh für das NZE-2050-Szenario im Jahr 2030, bei einem Kapazitätsfaktor von 12–35 %. Die nivellierten Produktionskosten für Onshore-Windstrom betragen 23–110 USD/MWh für 2023, 22–100 USD/MWh für das NZE-2050-Szenario im Jahr 2030, mit einem Kapazitätsfaktor von 15–53 %. Die nivellierten Produktionskosten für Offshore-Windstrom betragen 55–230 USD/MWh für 2023, 36–145 USD/MWh für das NZE-2050-Szenario im Jahr 2030, mit einem Kapazitätsfaktor von 32–67 %. Die Investitionskosten für den Elektrolyseur belaufen sich für das NZE-2050-Szenario im Jahr 2030 auf 950 USD/kW und umfassen das Elektrolyseursystem einschließlich aller Hilfskomponenten sowie der Kosten für Beschaffung, Installation und Technik sowie Unvorhergesehenes; der Kapazitätsfaktor des Elektrolyseurs wird als derselbe wie der des erneuerbaren Kraftwerks angenommen. Die Kapitalkosten betragen 6–20 %. Der schraffiert dargestellte Bereich stellt die Auswirkungen des CO2-Preises dar, der für das NZE-2050-Szenario für das Jahr 2030 mit 15–140 USD/t CO2 angenommen wird. Die Kosten für die Wasserstofferzeugung aus erneuerbaren Energien sind auf 12 USD/kg H2 begrenzt. Die Wasserkosten sind nicht enthalten. Weitere technisch-ökonomische Annahmen können [1] entnommen werden
2.3 Alternative Prozessrouten für die Produktion von Wasserstoff
Da die für eine signifikante Reduktion globaler Treibhausgasemissionen erforderlichen großen Mengen an emissionsarmem Wasserstoff entsprechend der gegenwärtigen Prognosen nicht ausschließlich auf nachhaltige Weise hergestellt werden können, besteht ein Bedarf zur Entwicklung zusätzlicher Wasserstoffproduktionsrouten. Potenzielle alternative Produktionsrouten für emissionsarmen Wasserstoff sind:
Vergasung oder Pyrolyse von Biomasse zu Synthesegas, welches entweder direkt genutzt oder von dem Wasserstoff abgetrennt wird
Fermentation von Biomasse zu Biogas mit anschließender Dampfreformierung
Natürlich vorkommender Wasserstoff
Methanpyrolyse
Wasserstoff kann aus biologischen Ressourcen (entweder in Form von Biomasse oder aus Abfall- bzw. Reststoffströmen) mit Hilfe unterschiedlicher Technologien erzeugt werden. Diese Route bietet das Potenzial, emissionsarmen Wasserstoff mit einer sehr geringen Emissionsintensität zu erzeugen, wobei diese sogar negativ sein kann, wenn das freiwerdende CO2 abgetrennt und für Produkte mit langandauernder CO2-Bindung genutzt oder gespeichert wird. Die Emissionsintensität bioenergiebasierter Routen ist grundsätzlich jedoch stark abhängig von einer Vielzahl von Faktoren, wie beispielsweise den vorgelagerten Emissionen in der Lieferkette oder der Zusammensetzung der Biomasse, ganz besonders im Fall von Abfallstoffströmen [1, 4, 5]. Ein wesentlicher Nachteil dieser Produktionsroute ist der geringere Wasserstoffgehalt im Ausgangsstoff sowie generell die Verfügbarkeit von Biomasse bzw. Biomassereststoffströmen. Darüber hinaus sollte im Sinne der Nachhaltigkeit und effektiven Nutzung von Ressourcen eine kaskadische Nutzung von Biomasse, insbesondere bei holzartiger Biomasse, angestrebt werden.
Natürlich vorkommender Wasserstoff wird im Untergrund der Erde kontinuierlich durch eine Reihe von chemischen Reaktionen produziert, die die Oxidation von Eisenmineralien, die Radiolyse von Wasser, die Reifung organischer Stoffe sowie die Ausgasung aus dem Erdmantel umfassen. Eine wachsende Zahl von Entdeckungen unterirdischer Wasserstoffvorkommen weckt das Interesse an natürlichem Wasserstoff als Ergänzung zu anderen emissionsarmen Wasserstoffproduktionstechnologien. Natürlicher Wasserstoff weist im Produktionsprozess eine hohe Regelmäßigkeit auf, was im Gegensatz zur Erzeugung aus erneuerbaren Energien, mit der Ausnahme von Wasserkraft, steht. Erste Prognosen weisen darauf hin, dass das Wasserstoffpotenzial der Erde den aktuellen Bedarf übersteigt und potenziell zur Deckung des zunehmenden Bedarfs im Rahmen von Dekarbonisierungsszenarien beitragen könnte. Allerdings sind detaillierte geologische Untersuchungen über natürliche Wasserstoffvorkommen heute noch nicht umfangreich verfügbar, was ein umfassendes Verständnis seiner Entstehung, Migration und kommerziellen Verwertbarkeit erschwert. Erste Studien weisen darauf hin, dass die Lebenszyklusemissionen der natürlichen Wasserstoffproduktion niedrig (unter 1 kg CO2 pro kg Wasserstoff), aber während der Lebensdauer einer Bohrung durchaus variabel sein können. Die Schätzung von Produktionskosten gestaltet sich auf Grund der derzeit vorliegenden Daten noch als äußerst schwierig [1, 4, 5].
Eine weitere vielversprechende Technologie zur Herstellung von emissionsarmem Wasserstoff ist die Methanpyrolyse. Dabei wird Methan in Abwesenheit von Sauerstoff in Wasserstoff und festen Kohlenstoff gespalten. Um eine entsprechende Umsetzung von Methan zu erhalten wird die Methanpyrolyse grundsätzlich bei Temperaturen über 1000 °C durchgeführt. Für diesen Prozess sind prinzipiell folgende Prozessrouten bekannt: (1) Zersetzung im Plasma, (2) Thermo-katalytische Zersetzung und (3) Thermische Zersetzung. Diese Prozessrouten unterscheiden sich im technologischen Reifegrad, der Skalierbarkeit sowie in der Qualität (Reinheit) der beiden Produkte Wasserstoff und Kohlenstoff [7].
Die aktuellen Herausforderungen für die künftige industrielle Umsetzung der Methanpyrolyse sind (1) die Skalierbarkeit von Prozessen, die kontinuierlich und ressourceneffizient betrieben werden können, und (2) die Erzeugung von hochwertigen Kohlenstoffprodukten für kleine Märkte sowie die Entwicklung preisgünstiger Verwertungspfade für Massenmärkte wie Bauindustrie und Landwirtschaft. Ein Vorteil der im Zuge der Methanpyrolyse angestrebten effektiven Nutzung der Ressource Erdgas besteht in der Tatsache, dass Erdgas einerseits noch längerfristig verfügbar ist und andererseits durch die vorhandene Infrastruktur auch leicht transportiert bzw. regional verteilt werden kann.
Hinsichtlich der Treibhausgasemissionen besteht ein wesentlicher Vorteil der Methanpyrolyse darin, dass der Prozess eine nahezu vollständige Vermeidung direkter CO2-Emissionen ermöglicht und stattdessen fester Kohlenstoff als wertvolles Nebenprodukt entsteht. Die spezifischen Emissionen von Wasserstoff aus der Methanpyrolyse stammen fast ausschließlich aus zwei Quellen: (1) der Lieferkette des Methans sowie (2) den Emissionen aus der Energiebereitstellung [1, 4, 7].
3 Methanpyrolyse – Produktion von Wasserstoff und Kohlenstoff
Die wesentlichen Grundlagen der Methanpyrolyse wurden bereits im vorherigen Abschnitt dargelegt; weiterführende Details können der einschlägigen Fachliteratur entnommen werden (vgl. [7‐14]). Im folgenden Abschnitt werden wesentliche Überlegungen zum Beitrag der Methanpyrolyse für die Produktion von emissionsarmem Wasserstoff mit Fokus auf industrielle Anwendungen diskutiert. Dabei erfolgt eine Einordnung der Methanpyrolyse im Kontext der aktuell verfügbaren bzw. erfolgversprechenden Technologiepfade.
Wie bereits in Abb. 2 dargestellt, beträgt der jährliche Bedarf an Wasserstoff für industrielle Anwendungen entsprechend des NZE-2050-Szenarios im Jahr 2030 etwas mehr als 70 Mio. t. Wesentliche Anwendungen sind dabei die stoffliche Nutzung in metallurgischen Prozessen, wie z. B. der Direktreduktion von Eisenerzen oder bei der Wasserstoffplasmaschmelzreduktion sowie die energetische Nutzung für Hochtemperaturprozesse. Diese Anwendungen ermöglichen in Bezug auf die Reduktion von Treibhausgasemissionen einen großen Hebel bei der industriellen Transformation, stellen aber in der Regel keine hohen Anforderungen an die Reinheit des Wasserstoffs. In der Realität werden mit Blick auf eine zukünftige, emissionsarme Industrieproduktion dafür aber punktuell hohe Mengen an emissionsarmem Wasserstoff benötigt.
Wesentliche Parameter zum Vergleich verschiedener Produktionstechnologien für Wasserstoff sind (1) die produktspezifischen Emissionen, (2) der spezifische Energiebedarf sowie (3) die Produktionskosten. Abb. 5 zeigt einen Vergleich ausgewählter Technologiepfade für die beiden erstgenannten Parameter.
Abb. 5
Spezifischer Energiebedarf und ökologischer Fußabdruck ausgewählter Wasserstoffproduktionstechnologien. Beim spezifischen Energiebedarf handelt es sich ausschließlich um jenen Energiebedarf, der im jeweiligen Prozess zur Herstellung von Wasserstoff zugeführt werden muss; der Energieinhalt von Methan ist für die Dampfreformierung und auch die Methanpyrolyse nicht berücksichtigt. Die detaillierte Argumentation für diese Überlegung sowie weitere Details werden im folgenden Text näher erläutert
Wie bereits dargestellt, haben die produktspezifischen Emissionen der Wasserstoffproduktion entlang der gesamten Wertschöpfungskette einen wesentlichen Einfluss auf die Erreichung der globalen Klimaziele [2, 3, 16]. Entsprechend der Erneuerbaren-Energie-Richtlinie der EU (Renewable Energy Directive III | RED III, [16]) muss der CO2,eq-Fußabdruck für die zukünftige Wasserstoffproduktion unter dem festgelegten Grenzwert von 3,38 kg CO2,eq pro kg Wasserstoff liegen. Dieser Grenzwert entspricht einer Reduktion von 70 % gegenüber der aktuellen Produktion von Wasserstoff durch Dampfreformierung aus Erdgas. Die im folgenden genannten Daten zum ökologischen Fußabdruck beziehen sich immer auf eine komplette Lebenszyklusanalyse der gesamten Wertschöpfungskette (cradle-to-gate | von der Wiege bis zum Werkstor) unter Berücksichtigung aller relevanten Treibhausgasemissionen.
Die produktspezifischen Emissionen von Wasserstoff aus der Dampfreformierung von Erdgas (Steam Methane Reforming | SMR) liegen bei etwa 10 bis 12 kg CO2,eq pro kg Wasserstoff [1, 4, 16‐18]. Bei der Kombination von Dampfreformierung mit anschließender Abtrennung und Speicherung bzw. Nutzung von CO2 (SMR mit Carbon Capture Use/Storage | SMR + CCUS) können die Treibhausgasemissionen in Abhängigkeit des Trenngrades von CO2 deutlich reduziert werden. Der resultierende ökologische Fußabdruck liegt im Bereich von etwa 1,5 bis 4 kg CO2,eq pro kg Wasserstoff [1, 4, 17‐19].
Bei der Herstellung von Wasserstoff mittels Elektrolyse hängt der ökologische Fußabdruck in großem Maße vom ökologischen Fußabdruck der eingesetzten Energie ab. Der in Abb. 5 dargestellte Bereich bezieht sich auf den Energieeinsatz aus erneuerbaren Quellen: Wasserkraft, Windkraft und Photovoltaik. Ein wesentlich kleinerer Teil des ökologischen Fußabdruckes bei der Elektrolyse stammt aus der restlichen Wertschöpfungskette und beinhaltet unter anderem die Wasserbereitstellung inklusive Wasseraufbereitung sowie die mit der Herstellung der Elektrolyseure verbundenen Emissionen. Hier zeigt sich auch ein kleiner Unterschied zwischen einzelnen Technologien der Elektrolyse. Der resultierende ökologische Fußabdruck liegt im Bereich von etwa 0,7 bis 1,6 kg CO2,eq pro kg Wasserstoff [1, 4]. Mit Hilfe dieser Prozessvariante können die Vorgaben entsprechend RED III also jedenfalls erreicht werden. Allerdings ist in diesem Zusammenhang anzumerken, dass der zuvor genannte ökologische Fußabdruck ausschließlich unter Verwendung erneuerbarer Energie gültig ist. Wird für die Elektrolyse z. B. der europäische Strommix verwendet, zeigt sich ein deutlich höherer ökologischer Fußabdruck als bei der Dampfreformierung von Erdgas (siehe Abschn. 2.1).
Der ökologische Fußabdruck der Methanpyrolyse liegt unterhalb des Grenzwertes entsprechend RED III, wenn der Energiebedarf aus erneuerbaren Quellen stammt und das Erdgas einen entsprechend geringen ökologischen Fußabdruck aus seiner Wertschöpfungskette mitbringt. Im Fall von Erdgas betrifft dies die Emissionen aller Treibhausgase im Zusammenhang mit der Exploration, der Förderung und dem Transport (inklusive allfälliger Umwandlungsschritte) von Erdgas von der Lagerstätte bis zum Standort der Methanpyrolyse.
Um den ökologischen Fußabdruck unterschiedlicher Technologien der Methanpyrolyse abzuschätzen, wurde eine Lebenszyklusanalyse nach ISO 14040/14044 durchgeführt [20]. Die beiden von der Montanuniversität Leoben derzeit in Entwicklung befindlichen Technologien der Methanpyrolyse, nämlich einerseits der Pyrolyse im flüssigen Metallbad sowie andererseits der Plasmalyse, zeigen einen sehr ähnlichen ökologischen Fußabdruck. Für Methanpyrolyse am Standort Österreich ergibt sich dabei beim Einsatz erneuerbarer Energie aus Wasser- oder Windkraft sowie der Nutzung von Erdgas aus Norwegen ein ökologischer Fußabdruck von etwa 1,7 bis 2,5 kgCO2,eq pro kg Wasserstoff [19]. Würde anstelle von Erdgas Biogas als Methanquelle eingesetzt werden, dann kann der resultierende Wasserstoff auch einen negativen ökologischen Fußabdruck haben. Um für diesen Fall genauere Daten zu erhalten, müssten zusätzliche Parameter berücksichtigt werden, die nicht im Umfang der Studie zur Lebenszyklusanalyse enthalten waren.
3.2 Spezifischer Energiebedarf
Der im Folgenden für unterschiedliche Prozessrouten dargestellte spezifische Energiebedarf bezieht sich ausschließlich auf jene Energiemenge, die im Prozess zugeführt werden muss, um Wasserstoff zu produzieren. Dabei werden ausschließlich technische Daten unter Berücksichtigung der jeweiligen realen Prozesseffizienz verwendet. Im Sinne einer Bilanzierung nach dem 1. Hauptsatz der Thermodynamik müssten grundsätzlich der Energieinhalt aller Ausgangsstoffe ebenfalls berücksichtigt werden. Der Energieinhalt von Methan wird dabei explizit nicht berücksichtigt, da diese Energiemenge nur dann nutzbar gemacht werden kann, wenn Methan mit Sauerstoff zu Wasser und Kohlendioxid umgewandelt wird. Diese Art der Nutzung steht jedoch im Widerspruch zu Nachhaltigkeits- und Klimaschutzzielen, da hier erhebliche Mengen an Treibhausgasen freigesetzt werden würden. Die traditionelle Verwendung von Erdgas ist somit keine sinnvolle Option, weshalb auch die Nutzung des damit verbundenen Energieinhalts in zukünftigen Szenarien zu minimieren bzw. zu eliminieren ist. Da Methan bzw. Erdgas jedoch keine knappe Ressource ist, gilt es sinnvolle und effektive Nutzungsoptionen, abseits des thermodynamischen Gleichgewichtes mit Sauerstoff, zu entwickeln. Basierend auf dieser Tatsache ist es sinnvoll, nur den zusätzlichen (elektrischen) Energiebedarf der einzelnen Prozessrouten zur Herstellung von emissionsarmem Wasserstoff zu vergleichen. Ein wesentliches Ziel der technologischen Entwicklung der Methanpyrolyse besteht folglich in der effektiven, sinnstiftenden Nutzung der Ressource Erdgas bei minimalen Treibhausgasemissionen im Vergleich zur aktuellen Nutzung. Darüber hinaus zielt die Methanpyrolyse insbesondere auch auf eine vollständige Nutzung von Erdgas ab, einerseits durch die Anwendung von Wasserstoff in industriellen Prozessen und andererseits durch die stoffliche Nutzung von festem Kohlenstoff ohne in der Anwendung weitere Emissionen freizusetzen.
Für die Herstellung von Wasserstoff aus Erdgas mittels Dampfreformierung ist ein spezifischer Energieaufwand von etwa 8 bis 11 kWh pro kg Wasserstoff erforderlich [1, 4, 17‐19]. Wird zusätzlich zur Dampfreformierung auch die Abscheidung und Speicherung bzw. Nutzung der anfallenden CO2-Emissionen implementiert, dann steigt der Energiebedarf in Abhängigkeit der Abscheideeffizienz leicht an. Hier sind zusätzliche Prozessschritte, wie z. B. die kryogene Reinigung oder die Verdichtung für den Transport, ebenfalls zu berücksichtigen, weshalb sich die Schwankungsbreite in Abb. 5 etwas vergrößert.
Für die Elektrolyse ergibt sich ein spezifischer Energiebedarf von etwa 50 bis 55 kWh pro kg Wasserstoff [1, 4, 17]. Dabei zeigen sich nur leichte Unterschiede zwischen verschiedenen Technologien wie der Alkalischen Elektrolyse (AEL) und der PEM-Elektrolyse (Proton Exchange Membrane | Protonen-Austauschmembran). Eine Reduktion des spezifischen Energiebedarfes um etwa 20 % wäre theoretisch durch die Hochtemperatur-Festoxid-Elektrolyse möglich, wobei diese Technologie in Kombination mit gekoppelten Prozessen mit nutzbarem Energieüberschuss, wie z. B. die Methan- oder Methanolsynthese, besonders vorteilhaft ist [4].
Der spezifische Energiebedarf für die Methanpyrolyse liegt im großtechnischen Maßstab bei etwa 12 bis 15 kWh pro kg Wasserstoff [1, 4]. Ein wesentlicher Parameter ist in diesem Zusammenhang die Reinheit des Produktgases. Bei zu geringer Umsetzung von Methan zu Wasserstoff und festem Kohlenstoff ist eine zusätzliche Gasaufbereitung notwendig. Dies beeinflusst nicht nur den spezifischen Energiebedarf, sondern auch die Investitionskosten. Der Vorteil der Methanpyrolyse besteht darin, dass die Zusammensetzung des Produktgases durch die Wahl der Prozessroute und Prozessparameter im Hinblick auf die jeweilige Anwendung von Wasserstoff abgestimmt bzw. optimiert werden kann.
Der Vergleich des spezifischen Energiebedarfs für die Herstellung von Wasserstoff zeigt, dass bei begrenzter Verfügbarkeit an erneuerbarem Strom durch Methanpyrolyse etwa die vier- bis fünffache Menge an Wasserstoff hergestellt werden kann.
3.3 Wasserstoffkosten
Neben dem ökologischen Fußabdruck und dem spezifischen Energiebedarf spielen ökonomische Gesichtspunkte eine entscheidende Rolle bei der Planung und Umsetzung von Projekten zur Nutzung von Wasserstoff. Wie bereits in Abschn. 2.2 dargestellt, gibt es markante Unterschiede bei den Produktionskosten von Wasserstoff für unterschiedlich Prozessrouten, die auch in sich ebenfalls eine relativ große Spannweite aufweisen. Dies liegt unter anderem in der Tatsache begründet, dass einzelne Projekte zur Wasserstofferzeugung nicht im Sinne der bestmöglichen globalen Nutzung in Bezug auf die Erzeugung erneuerbarer Energie optimiert werden, sondern auf regionale Wasserstoffbedarfe, insbesondere der Industrie, abgestimmt sind. Damit können Transportkosten von Wasserstoff minimiert werden, was bei den geplanten Projekten insgesamt zu einer höheren Wirtschaftlichkeit bei etwas höheren Produktionskosten führt.
In Abhängigkeit der Distanz des Wasserstofftransports kann dieser entweder über Pipelines, mittels Schiffen oder aber auch Trailern erfolgen. Bei jeder Transportart ergeben sich zahlreiche weitere Möglichkeiten, wie unter anderem die Nutzung bestehender Infrastruktur (z. B. Umwidmung bestehender Pipelines für Erdgas), den Transport in Form von flüssigem (kryogenen) Wasserstoff, oder aber auch die Umwandlung in andere Energiemoleküle wie Methanol, Methan oder Ammoniak eventuell gekoppelt mit zusätzlicher Infrastruktur zur Rückwandlung in Wasserstoff. Grundsätzlich zeigen aktuelle Analysen und Prognosen, dass der Transport über größere Distanzen zu teils erheblichen zusätzlichen Kosten für die Nutzung von Wasserstoff an bestimmten Standorten führen kann. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass der Transport von Wasserstoff mittels Pipelines für kürzere Strecken und großen Mengen wirtschaftlicher im Vergleich zum Schiffstransport ist. Die für die Auswahl des Transportszenarios entscheidende Grenze der Transportdistanz hängt hier von zusätzlichen Faktoren, wie z. B. der Möglichkeit der Nutzung bereits heute bestehender Infrastruktur, ab und liegt nach heutigen Prognosen jedenfalls größer 1000 bis 2000 km [1]. Gemäß jüngsten Prognosen belaufen sich die Transportkosten für Wasserstoff mittels Pipelines im Jahr 2030 im Rahmen des NZE-2050-Szenarios pro 1000 km auf etwa 0,5 bis 2 USD pro kg Wasserstoff. Für den Schiffstransport werden Kosten von etwa 1,7 bis 3,6 USD pro kg Wasserstoff erwartet, wobei die Entfernung eine nahezu vernachlässigbare Rolle spielt [1].
Darüber hinaus spielen regionale bzw. nationale Förderungen, die Möglichkeit zur Nutzung vorhandener Transportinfrastruktur sowie die Entfernung zu geplanten Wasserstoffversorgungsnetzen bei der Umsetzung von Projekten zur Herstellung und Anwendung von Wasserstoff eine wesentliche Rolle [1].
In Abb. 6 wird ein Vergleich der Produktionskosten unterschiedlicher Prozessrouten auf Basis der Daten aus dem Jahr 2024 dargestellt. Die Produktionskosten von Wasserstoff mittels Elektrolyse sind in hohem Maße von den Kosten für die Energiebereitstellung abhängig. Darüber hinaus spielen die Anlagennutzung, insbesondere in Verbindung mit der Verfügbarkeit von erneuerbarer Energie, sowie die Investitionskosten eine zusätzliche Rolle. Die Produktionskosten von Wasserstoff mittels Methanpyrolyse sind demgegenüber hauptsächlich von den Kosten für Methan abhängig. Die Investitionskosten für die Pyrolyse, die Kosten für die zusätzlich erforderliche elektrische Energie sowie der Erlös von Kohlenstoff beeinflussen die Produktionskosten von Wasserstoff ebenfalls.
Abb. 6
Kosten für die Wasserstoffproduktion für unterschiedliche Produktionsrouten basierend auf Daten für das Jahr 2024 (adaptiert aus [4])
Die Analyse zeigt, dass die Methanpyrolyse eine wirtschaftliche Alternative zu anderen emissionsarmen Produktionstechnologien für die Herstellung von Wasserstoff darstellt. Darüber hinaus ist es grundsätzlich möglich, Methan mit der heute vorhandenen Infrastruktur weitläufig zu verteilen und so eine Vielzahl möglicher Industrieprozesse durch eine dezentrale Methanpyrolyse direkt am Standort mit Wasserstoff zu versorgen. Bei entsprechender technologischer Entwicklung der Methanpyrolyse ermöglicht dies unter anderem eine raschere Transformation lokaler Industrie mit kleineren oder mittleren Wasserstoffbedarfen in Regionen mit größerer Entfernung eines in Planung befindlichen Wasserstoffkernnetzes. In diesem Zusammenhang spielen insbesondere wirtschaftliche Aspekte in Verbindung mit der Verfügbarkeit erneuerbarer Energie eine maßgebliche Rolle. Wesentlich ist für diese Überlegungen aber die Tatsache, dass Wasserstoff aus der Methanpyrolyse in der Regel einen deutlich geringeren Reinheitsgrad aufweisen wird und die Verwertung des festen Kohlenstoffs im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit in der Planung und Umsetzung eine zentrale Rolle einnehmen muss.
3.4 Verwertungsoptionen für Kohlenstoff
Die unterschiedlichen Prozesstechnologien der Methanpyrolyse erlauben die Herstellung von Kohlenstoffprodukten mit unterschiedlicher Morphologie und Reinheitsgrad. Unter diesen Prozesstechnologien liefert die Methanpyrolyse im flüssigen Metallbad eine bemerkenswerte Bandbreite, die eine Vielzahl an potenziellen Kohlenstoffprodukten ermöglicht. Diese Bandbreite ist abhängig von der jeweiligen Legierungszusammensetzung und den gewählten Prozessparameter. Daraus ergibt sich die Möglichkeit, flexibel auf geänderte Bedarfe in potenziellen Kohlenstoffmärkten zu reagieren und somit die zusätzliche Wertschöpfung durch festen Kohlenstoff leichter zu realisieren. Die Pyrolyse mittels Plasma ermöglicht dagegen eine insgesamt höhere Kohlenstoffqualität.
Aus der Perspektive einer nachhaltigen Produktion ist in diesem Zusammenhang die Verwertung des Kohlenstoffprodukts aus der Methanpyrolyse von entscheidender Bedeutung. Für jedes Kilogramm Wasserstoff fallen drei Kilogramm Kohlenstoff, größtenteils mit geringer Schüttdichte, an. Mögliche Anwendungen umfassen einerseits Hightech-Anwendungen, wie beispielsweise Hochleistungswerkstoffe, Energiespeichersysteme wie Superkondensatoren oder mikroporöse Tanks auf Kohlenstoffbasis für die Wasserstoffspeicherung, wobei letztere jedoch voraussichtlich nur in geringen Mengen benötigt werden. Darüber hinaus sind Massenanwendungen von Kohlenstoff mit deutlich geringerem Deckungsbeitrag von Relevanz, wie beispielsweise die Bodenverbesserung in der Landwirtschaft oder die Verwendung als Rohstoff für die Herstellung nachhaltiger Baumaterialien. Die genannten Verwertungsoptionen von Kohlenstoff können in verschiedenen Bereichen einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten.
Die Anwendung von Kohlenstoff in der Landwirtschaft ist besonders vielversprechend. Der Kohlenstoff aus der Methanpyrolyse zeigt beim Einbringen in die oberste Bodenschicht eine ähnliche Wirkung wie Biokohle, nämlich die Verbesserung der Wasserhaltekapazität und der Nährstoffspeicherung. Damit einhergehend zeigt sich eine deutliche Erhöhung der Resilienz von Pflanzen gegenüber Trockenstress. Ein wesentlicher Parameter für die Anwendung von Kohlenstoff in der Landwirtschaft ist die chemische Zusammensetzung bzw. die Abwesenheit von Schwermetallen oder polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAKs) [21‐23]. Der in den Boden eingebrachte Kohlenstoff trägt zusätzlich zum Aufbau von Humus in degradierten Böden bei und hat so das Potenzial, einen wesentlichen Beitrag zur Bodengesundheit zu leisten [24]. Die Anwendung von Kohlenstoff im Boden führt zu keinen zusätzlichen Emissionen; der Kohlenstoff bleibt dauerhaft im Boden gebunden, wie z. B. auch bei den Terra preta Böden im Amazonas. Durch die erhöhte Nährstoffspeicherung in der obersten Bodenschicht durch den Kohlenstoff wird einerseits das Auswaschen von Nährstoffen in tiefergelegene Bodenschichten bzw. das Grundwasser deutlich verringert. Andererseits folgt aus der Anwendung von Kohlenstoff im Boden auch ein mögliches Einsparungspotenzial von künstlichem Dünger, was wiederum einen positiven Beitrag zur Reduktion der Treibhausgasemissionen leisten kann [21‐23].
4 Schlussfolgerungen und Ausblick
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass zur Erreichung der Klimaziele eine drastische Reduktion von Treibhausgasemissionen auf globaler Ebene erforderlich ist. Dies bedeutet, dass eine rasche Transformation aller Sektoren möglichst schnell umgesetzt werden muss. Im Sinne einer effektiven Nutzung von Ressourcen kommt in diesem Zusammenhang der gezielten technologischen Entwicklung emissionsarmer Produktionsprozesse eine bedeutende Rolle zu.
Neben der Steigerung von Prozesseffizienz und der verstärkten Nutzung von erneuerbarer elektrischer Energie kann Wasserstoff einen entscheidenden Beitrag leisten, sofern er in großen Mengen emissionsarm hergestellt werden kann und auch regional in der entsprechenden Qualität (Reinheit) verfügbar ist. Einen wesentlichen Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasemissionen kann Wasserstoff dabei vor allem in der stofflichen Nutzung, beispielsweise für Reduktionsprozesse in der Metallurgie, oder aber auch in der energetischen Nutzung, beispielsweise für Hochtemperaturprozesse, leisten. Für diese Anwendungsszenarien ist eine hohe Reinheit des Wasserstoffs im Vergleich zu wirtschaftlichen Gesichtspunkten in der Regel von untergeordneter Bedeutung. Zusätzlich ist der ökologische Fußabdruck von Wasserstoff von essentieller Bedeutung für eine nachhaltige Transformation dieser Industrieprozesse.
In Anbetracht der zuvor dargelegten Überlegungen ist eine zukünftige Wasserstoffproduktion nicht mehr ausschließlich durch das heute vornehmlich angewendete Verfahren der Dampfreformierung aus Erdgas zu realisieren. Eine potenzielle Erweiterung stellt die Kombination mit der Abtrennung des dabei entstehenden CO2 in Verbindung mit nachfolgender Speicherung oder Nutzung dar. Diese Erweiterung könnte durch die Anpassung bestehender Anlagen realisiert werden und würde zu einer Reduktion der Treibhausgasemissionen in der Wasserstoffproduktion von etwa 60 bis 70 % führen. Allerdings ist es fraglich, ob die verfügbaren Kapazitäten zur dauerhaften Speicherung bzw. Nutzung von CO2 langfristig ausreichen.
Eine weitere Technologie zur Herstellung von emissionsarmem Wasserstoff ist die Elektrolyse mit erneuerbarer elektrischer Energie, die bereits heute einen hohen technologischen Reifegrad aufweist und auch mit entsprechend großer Produktionskapazität umgesetzt werden kann. Ein wesentlicher Vorteil der Elektrolyse besteht darin, dass einerseits Wasserstoff mit hoher Reinheit hergestellt werden kann und andererseits, im Fall der PEM-Elektrolyse, auch eine große Flexibilität der Produktion in Abhängigkeit von der Verfügbarkeit erneuerbarer elektrischer Energie besteht. Ein wesentlicher Nachteil der Elektrolyse besteht jedoch in dem hohen spezifischen Energiebedarf für die Wasserstoffproduktion. Dieser muss zusätzlich zur bestehenden Energieversorgungsinfrastruktur installiert werden. In Abhängigkeit der regionalen Gegebenheiten muss für eine optimale Wasserstoffproduktion eine Überkapazität der Energiebereitstellung installiert werden, die teils deutlich über der Kapazität der Elektrolyse liegt. Regionen, die sich durch günstige Bedingungen für die Produktion von Wasserstoff mittels Elektrolyse auszeichnen, weisen in der Regel eine geringe Überkapazität der Energieerzeugung auf. Diese Regionen befinden sich meist in Gebieten mit hohem Potenzial für die Erzeugung erneuerbarer Energie durch Photovoltaik oder Wind. Da in diesen Regionen oftmals ein geringer Wasserstoffbedarf besteht, ist eine langfristige Planung hinsichtlich des Transports und der Verteilung von Wasserstoff unerlässlich. Dies erfordert erhebliche Investitionen und stellt eine logistische Herausforderung dar.
Die Methanpyrolyse ist eine interessante Alternative zur Produktion von emissionsarmem Wasserstoff für industrielle Prozesse, welche im Forschungszentrum für Wasserstoff und Kohlenstoff intensiv vorangetrieben wird. Wasserstoff kann mit Hilfe dieser Prozessroute wirtschaftlich in großen Mengen durch Nutzung erneuerbarer Energie hergestellt werden. Ein wesentlicher Vorteil der Methanpyrolyse im Vergleich zur Elektrolyse besteht darin, dass mit Hilfe einer bestimmten Menge an erneuerbarer elektrischer Energie etwa vier bis fünf Mal so viel Wasserstoff hergestellt werden kann. Dies kann wie im Fall der Elektrolyse in Regionen mit hoher Verfügbarkeit von erneuerbarer Energie mit anschließendem Transport von Wasserstoff erfolgen. Darüber hinaus kann die bestehende Infrastruktur für den Transport von Methan (Erdgas) genutzt, und der Wasserstoff mittels dezentraler Methanpyrolyseanlagen direkt am Standort der Anwendung hergestellt werden. Ein Nachteil der Methanpyrolyse liegt in der geringeren Reinheit des produzierten Wasserstoffs. Aus technologischer Sicht ist dies jedoch für einen großen Teil der industriellen Anwendungen nicht wesentlich. Ein weiterer wesentlicher Nachteil besteht darin, dass die Methanpyrolyse noch nicht im industriellen Maßstab verfügbar ist und dass Verwertungsoptionen für festen Kohlenstoff aus der Methanpyrolyse noch weiterentwickelt werden müssen.
Für eine rasche und zielgerichtete industrielle Transformation ist es unerlässlich, verschiedene Konzepte zur Bereitstellung von erneuerbarer elektrischer Energie und Wasserstoff, in Abhängigkeit regionaler Rahmenbedingungen, verfügbar zu haben. Daher ist die weitere Entwicklung und Evaluierung des jeweiligen Potenzials verschiedener technologischer Prozessrouten in Demonstrationsanlagen von entscheidender Bedeutung. Die Methanpyrolyse stellt darüber hinaus eine sinnvolle Alternative zur aktuellen Nutzung von Erdgas im Sinne einer effektiven Nutzung von Ressourcen dar.
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Die im Laufe eines Jahres in der „adhäsion“ veröffentlichten Marktübersichten helfen Anwendern verschiedenster Branchen, sich einen gezielten Überblick über Lieferantenangebote zu verschaffen.