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18.11.2022 | Forderungsmanagement | Nachricht | Online-Artikel

Unternehmen erwarten 2023 schwindende Zahlungsmoral

verfasst von: Angelika Breinich-Schilly

2:30 Min. Lesedauer
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Die Folgen der Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg und hohe Energie- und Rohstoffpreise setzen der deutschen Wirtschaft zu. Damit Unternehmen liquide bleiben, müssen Kunden Rechnungen pünktlich zahlen. Doch das erwarten viele Betriebe aus der Chemie-, Bau- und Transportbranche in der Zukunft nicht.

In der Chemie-, Bau- und Transportbranche geht mehr als die Hälfte der Betriebe für das kommende Jahr von einer Verschlechterung der Zahlungsmoral ihrer Unternehmenskunden (B2B) aus. Zu diesem Ergebnis kommt die im November veröffentlichte Untersuchung des Kreditversicherers Atradius, für die im Sommer 2022 rund 200 Entscheider aus kleinen, mittelständischen und Großunternehmen befragt wurden. "Die aktuellen politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen sorgen für eine tiefe Verunsicherung, denn die verlangsamten Zahlungsabläufe bei B2B-Kunden können zu anhaltenden Cashflow-Problemen führen", erläutert Frank Liebold, Country Director Deutschland bei Atradius.

Chemiebranche sieht Wachstumschancen skeptisch

40 Prozent der Entscheider aus der Chemiebranche sorgen sich im Hinblick auf einen länger anhaltenden Abschwung der weltweiten Konjunktur. Zwar sind 59 Prozent der Unternehmen optimistisch, was ihr eigenes Wachstum und das Zahlungsverhalten von Kunden in den kommenden zwölf Monaten angeht. Im vergangenen Jahr lag dieser Wert allerdings bei 83 Prozent. Grund hierfür ist das steigende Risiko für Zahlungsausfälle von B2B-Kunden und daraus resultierende Liquiditätsengpässe. 

Baubranche leidet auch unter steigenden Zinsen

Ähnlich bange blickt die Baubranche in die Zukunft: 61 Prozent der Befragten schätzen ihre Wachstumsaussichten für das nächste Jahr negativ ein und nur ein knappes Drittel (31 Prozent) hofft auf eine positive Entwicklung des Zahlungsverhaltens ihrer Kunden. Im vergangenen Jahr waren das noch 64 Prozent. Aber auch steigende Preise für Baumaterialien sorgen bei 78 Prozent der Befragten für trübe Aussichten. Hinzu kommen geopolitischen Spannungen, Lieferkettenstörungen, steigende Energiekosten, das Fehlen von Fachkräften sowie von Preisgleitklauseln. Stark steigende Zinsen und restriktiver agierende Banken führen zu einem Rückgang bei den Investitionen und einem rückläufigen Auftragsbestand.

Lieferkettenproboleme belasten Transporteure 

Von einer schlechteren Zahlungsmoral ihrer B2B-Kunden im kommenden Jahr geht auch der Transportsektor aus. Nur 36 Prozent der befragten Transporteure erwartet eine Verbesserung. Im Vorjahr lag der Anteil noch bei 64 Prozent. Experte Liebold macht hier für nicht nur den langsamen oder ausbleibenden Aufschwungs verantwortlich, sondern auch die anhaltenden Störungen der Lieferketten, die sich auf diese Branche besonders stark auswirken.

Ein Vielzahl an Branchen betroffen

Von einer steigenden Zahl verspätet oder nicht gezahlter Rechnungen haben auch zehn von 13 befragten Branchen in einer Umfrage des Kreditversicherers Coface im Juli 2022 berichtet. Dort meldeten neben der Pharma- und Chemieindustrie auch Holz verarbeitende Betriebe und Firmen aus der Textil- und Kleindungsbranche eine schlechtere Zahlungsmoral. 

Für das erste Halbjahr 2022 ermittelte auch eine Erhebung des Datendienstleisters Creditreform bei Lieferanten und Kreditgebern im B2B-Geschäft einen durchschnittlichen Zahlungsverzug von 10,51 Tagen. Hierfür hat das Unternehmen rund 3,9 Millionen Rechnungsbelegen aus seinem Debitorenregister Deutschland (DRD) untersucht. Insbesondere in Industriebranchen wie Chemie und Kunststoffe sowie Metall oder Elektro zahlten Kunden ihre Rechnungen mit zunehmender Verspätung, heißt es dort. 

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