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Open Access 2021 | OriginalPaper | Buchkapitel

2. Forschungsstand

verfasst von : Sarah Straub, Iris Baumgardt, Dirk Lange

Erschienen in: Berufs- und Arbeitswelt in der politischen Bildung

Verlag: Springer Fachmedien Wiesbaden

Zusammenfassung

In diesem Kapitel werden unterschiedliche Berufswahltheorien vorgestellt und ausgewählte Studien zu den Vorstellungen über die Arbeitswelt von Jugendlichen aus dem deutschsprachigen Raum präsentiert. Anschließend wird die Relevanz von Übergangsfaktoren, wie soziale Herkunft, die Kategorie Geschlecht, der Migrationshintergrund und der Einfluss der Medien, diskutiert. Auf dieser Basis werden Ansätze erörtert, die einen Beitrag zur Verbesserung der beruflichen Orientierung leisten können.
In diesem Kapitel werden ausgewählte Studien aus dem deutschsprachigen Raum zu der zentralen Fragestellung „Welche Vorstellungen haben Jugendliche der 8. Schulstufe1 über die Arbeitswelt?“ präsentiert. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich die Jugendlichen in einer Lebensphase der (beruflichen) Transitionen. Um den Entwicklungsprozess der beruflichen Biografie im Spannungsfeld zwischen Individuum und Gesellschaft begrifflich fassen zu können, werden im ersten Teil verschiedene Berufswahltheorien vorgestellt. Anschließend werden zentrale Untersuchungen zu den Vorstellungen von Jugendlichen zu ihrer Zukunft im Hinblick auf allgemeine Tendenzen, ihre Erwartungen an den Beruf und Aussagen zu der Gestaltung der beruflichen Biografie erörtert. Im dritten Teil wird die Relevanz von Übergangsfaktoren diskutiert. Hier werden Studien in den Blick genommen, die den Einfluss der sozialen Herkunft, der Kategorie Geschlecht, des Migrationshintergrundes oder der Medien auf die berufliche Orientierung untersuchen. Auf dieser Basis werden im vierten Teil Ansätze und Studien erörtert, die einen Beitrag zur Verbesserung der beruflichen Orientierung leisten können. Abschließend werden Forschungsfragen für den empirischen Teil skizziert.

2.1 Entwicklung der beruflichen Biografie im Spannungsfeld zwischen Individuum und Gesellschaft

Die Beratung von Jugendlichen bei der Gestaltung ihrer beruflichen Biografie kann mit unterschiedlichen Zielsetzungen und auf der Basis differenter theoretischer Ansätze zur Berufswahl erfolgen. So ist es zwar die einzelne Person mit ihrer sozialen Herkunft, ihren Schulnoten und ggfs. vorhanden berufspraktischen Erfahrungen usw., die sich für oder gegen einen Ausbildungsplatz, Studiengang bzw. Beruf entscheidet. Gleichzeitig wird diese Entscheidung nicht unabhängig von den gesellschaftlichen Strukturen getroffen, d. h. die aktuelle Situation auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, das Studienplatzangebot, finanzielle Unterstützung während der Ausbildung usw. Diese Aspekte eröffnen oder verschließen möglicherweise den Weg zum Wunschberuf. Werden die Zieldimensionen beruflicher Orientierung bzw. Berufswahltheorien untersucht, zeigen sich unterschiedliche Schwerpunktsetzungen, die vorrangig das eigenaktive Individuum oder gesellschaftliche Strukturen wie Passungsprobleme auf dem Arbeitsmarkt in den Blick nehmen. So kann z. B. eine berufsorientierende Intervention unter der Überschrift „Frauen in MINT-Berufe“ von dem Gedanken getragen sein, geschlechtsspezifische Zuschreibungen zu reflektieren, das Spektrum denkbarer Berufe in der Wahrnehmung von Frauen zu erweitern und so eine möglichst facettenreiche, erfüllende, vielfältige individuelle Gestaltung der beruflichen Biografie für Mädchen und Frauen zu ermöglichen. Auf der anderen Seite kann das Ziel aber vorrangig darin liegen, die Lücken zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu verringern, indem an die Veränderungsbereitschaft der Jugendlichen appelliert wird. Wie wird das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft in den theoretischen Ansätzen zur Berufswahl ausbalanciert? Einige ausgewählte Ansätze werden im Folgenden kurz dargestellt.

2.1.1 Berufswahl als Entwicklungsprozess

Super (1953, 1994) arbeitete bereits in den 1950er Jahren eine Theorie der lebenslangen beruflichen Entwicklung aus, die sich in verschiedene Phasen unterteilt: Wachstum, Exploration, Etablierung, Erhaltung und Abbau. Jugendliche befinden sich bei der Berufswahl in der Phase der Exploration. Sie entwickeln einen Lebensentwurf, den sie in Abhängigkeit von den vorfindlichen gesellschaftlichen und beruflichen Gegebenheiten umzusetzen versuchen. Die berufliche Entwicklung wird als eine dynamische Interaktion von Person und Umwelt verstanden: So wie das berufliche Selbstkonzept den Bezugspunkt für die Planungen der zukünftigen beruflichen Laufbahn darstellt, so hängt das berufliche Selbstkonzept umgekehrt auch von der beruflichen Karriere ab. Supers Theorie wurde teilweise, aber nicht als Gesamtkonzept empirisch überprüft.

2.1.2 Berufswahl als Matching-Prozess

Die Grundannahme dieses differentialpsychologischen Ansatzes besteht darin, dass jeder Mensch bestimmte individuelle Eigenschaften und Fähigkeiten besitzt – und jeder Beruf wiederum ein spezifisches Anforderungsprofil aufweist. Holland (1996) unterscheidet sechs berufliche Interessens- und Persönlichkeitstypen (RIASEC):
  • realistic (handwerklich-technisch),
  • investigative (untersuchend-forschend),
  • artistic (künstlerisch-kreativ),
  • social (erzieherisch-pflegend),
  • enterprising (führend-verkaufend) und
  • conventional (ordnend-verwaltend)
Eine hohe Kongruenz zwischen den Interessen und Fähigkeiten der Person und den Anforderungen der Berufsausbildung („Matching-Men-and-Jobs“) führen dann – so Holland – zu einer größeren Zufriedenheit mit der Arbeit, einer höheren Arbeitsmotivation und besserer Arbeitsleistung. Die Zuordnung von Persönlichkeitstypen und Berufsfeldern wurde in der Berufsberatung für Testverfahren von Jugendlichen aufbereitet (z. B. explorix).
Hollands Theorie überzeugt durch ihre Plausibilität. Sie kann jedoch keine Auskunft darüber geben, wie der eigentliche Berufswahlprozess der Jugendlichen abläuft, wie die Passung zwischen Persönlichkeit und Beruf entsteht und wie sich diese in der weiteren beruflichen Biografie ggfs. ändert. Strukturelle Faktoren, die ggfs. die Berufswahl eingrenzen, finden keinen Eingang in die Überlegungen.

2.1.3 Berufswahl als Entscheidungsprozess

Die Wahl für oder gegen einen Beruf wird aus entscheidungstheoretischer Sicht (Janis und Mann 1979) als Resultat eines rationalen Prozesses verstanden, bei dem die Jugendlichen Informationen zu verschiedenen Berufen sammeln, Alternativen gründlich prüfen und auswerten. Je nach Relevanz der Berufe im Hinblick auf die individuelle Selbstbeurteilung können dann die Berufe in den Blick genommen werden, die interessant und passend erscheinen.
Allein praktisch kommt dieser Ansatz schnell an seine Grenzen: Es ist für Jugendliche nicht möglich, eine allseits informierte Entscheidung zu treffen, weil schlicht die große Anzahl von beruflichen Ausbildungsmöglichkeiten und Studiengängen eine umfassende Analyse verunmöglicht. Vielmehr ist der Umstand, eine Entscheidung ohne Kenntnis aller verfügbaren Informationen treffen zu müssen, ein Wesensmerkmal der Berufswahl an der ersten Schwelle. Weiterhin stellt sich die Frage, inwieweit die Annahme eines so beschriebenen zielorientierten Handelns durch die Jugendlichen Lebensnähe aufweist. Gesellschaftliche Strukturen werden hier nur im Hinblick auf den allgemeinen Zwang zur Entscheidung relevant – das Problem der erfolgreichen (oder erfolglosen) Berufswahl wird in die Hände und Verantwortung des Individuums verlagert.

2.1.4 Berufswahl als Zuweisungsprozess

Aus soziologischer Sicht kann Berufswahl als Zuweisungsprozess (Allokation) von Berufspositionen gedacht werden (Daheim 1970). Das Individuum entwickelt unter dem Einfluss von verschiedenen Personen bzw. Instanzen eigene Orientierungen sowie mit einem Beruf verknüpfte Rollenerwarten und vergleicht diese. Die Zuweisung zu einer Berufsposition verläuft in drei Schritten: durch die elterliche Entscheidung für einen bestimmten Grad an Schulbildung, die (von Lehrkräften, Eltern, Peers und Berufsvertreter*innen beeinflusste) Wahl für eine bestimmte Form der Ausbildung und für eine (von Vorgesetzten und Kolleg*innen abhängige) Wahl zwischen verschiedenen beruflichen Positionen.
Ähnlich gehen Beck et al. (1979) in ihrem Ansatz der „milieukonformen Berufswahl“ der Frage nach, wie es zu der Verteilung von Jugendlichen auf milieuangemessene, d. h. sozial verwandte Berufe kommt. Sie interpretieren die Berufswahl der Jugendlichen als „persönliches Probehandeln“, das als „Vermittlung von subjektiv-sozialen, letztlich herkunftsgeprägten Ausbildungsvoraussetzungen und diesbezüglichen Berufsanforderungen betrachtet werden kann“ (ebd., 22).
Ein soziologisches Verständnis von Berufswahl als Zuweisungsprozess trägt der Relevanz schichtenspezifischer Sozialisation und struktureller Gegebenheiten auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt Rechnung. Jedoch kann mit diesem Ansatz z. B. nicht das allgemein gestiegene Bildungsniveau in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg erklärt werden, das u. a. in einem rasanten Anstieg der Studierendenzahlen seinen Ausdruck findet (vgl. Kniefacz 2018). Wie wird das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft in neueren Ansätzen erfasst?

2.1.5 Aktuelle Ansätze

Die Vorstellung von ‚Berufswahl‘ als ‚einmaliger Akt an der ersten Schwelle‘ rückt in aktuellen Theorien in den Hintergrund. Vielmehr wird die berufliche Laufbahn als „Kette von Übergängen“ (Bußhoff 2015, 17, vgl. Super 1994) konzipiert. Ausdruck dieses erweiterten, auf die gesamte Lebensspanne bezogenen Verständnisses von beruflicher Orientierung sind beispielsweise empirische Untersuchungen zu beruflichen Vorstellungen von Kindern (vgl. Baumgardt 2012) einerseits bzw. die Entwicklung der Laufbahnberatung auch mit Blick auf berufserfahrene Erwachsene (zusammenfassend vgl. Hirschi 2013, 32 ff.) andererseits.
Die Phasen des Übergangs stellen „Transitionen“ dar, d. h. „Verdichtungspunkte von Lern- und Entwicklungsprozessen, im Rahmen derer grundlegende, neue Erfahrungen gemacht und Kompetenzen aufgebaut werden“ (Neuenschwander 2019, 425). Einem konstruktivistischen Verständnis folgend gestaltet das Individuum eigenaktiv seine (berufliche) Entwicklung, wird jedoch gleichzeitig von den „Bedingungen der Kontexte gesteuert“ (ebd.). Damit wird nicht mehr nur allein der/die Jugendliche für den Erfolg oder Misserfolg seiner oder ihrer beruflichen Entwicklung verantwortlich erklärt – vielmehr gerät das Spannungsfeld zwischen dem Individuum und den gesellschaftlichen Strukturen in den Blick.
So konzipieren Herzog et al. – aufbauend auf dem Ansatz der „Entwicklungsaufgaben“ von Havighurst/Robert J. – die berufliche Transition von Jugendlichen als eine Phase, in der Herausforderung und Belastungen bewältigt werden müssen (Herzog et al. 2006). Danach gestaltet das Individuum aktiv seine Lebenswelt und greift dabei auf personale (u. a. hohe Selbstwirksamkeitsüberzeugung, gute Schulleistungen) und soziale Ressourcen (Beratung durch Eltern, Lehrkräfte, …) zurück (vgl. Neuenschwander 2019, 429).
Der Erklärungsansatz von Mitchel/Krumboltz zur beruflichen Entwicklung basiert auf spezifischen Aspekten einer allgemeinen Theorie des sozialen Lernens: Ein Individuum macht – auf der Basis seiner genetischen Ausstattung und beeinflusst von Umweltbedingungen (z. B. Bildungssystem, technologischen Entwicklungen, Anzahl offener Stellen) – Lernerfahrungen. Diese (instrumentellen bzw. assoziativen) Lernerfahrungen führen zu einem individuell unterschiedlichen Selbst- und Umweltbild sowie zu spezifischen Fähigkeiten, Aufgaben zu lösen und zu laufbahnrelevanten Handlungen, die wiederum das Selbst- und Umweltbild verändern (ebd.).
Auch die sozial-kognitive Laufbahntheorie (Social Cognitive Career Theory – SCCT) von Lent et al. bezieht sich auf die soziale Lerntheorie (Lent 2005; Lent et al. 1994). Im Mittelpunkt stehen Selbstwirksamkeits- und Ergebniserwartungen der Personen: „Self-efficacy“ fokussiert auf die Einschätzung eines Individuums im Hinblick auf seine Kompetenzen, bestimmte Handlungen ausführen zu können, um bestimmte Ziele zu erreichen (ebd., 83). „Out-come expectations“ zielen auf die individuellen Überzeugungen zu spezifischen Ergebnissen/Konsequenzen von Handlungen (ebd.). Selbstwirksamkeits- und Ergebniserwartungen beeinflussen die Entwicklung von (beruflichen) Interessen und stehen in einem Zusammenhang mit Lernerfahrungen, in denen Geschlecht, Fähigkeiten und Persönlichkeit relevant sind.
Gottfredson (1981, 1996) bezieht sich mit ihrer Theorie zu beruflichen Aspirationen auf Hollands differentialpsychologischen Ansatz als auch auf Supers Entwicklungstheorie (s. o.). Berufswünsche der Individuen werden als Resultat eines mehrschrittigen Ein- bzw. Ausgrenzungsprozesses verstanden, bei dem das berufliche Selbstkonzept („one’s view of oneself – of who one is“ (ebd., 183)) mit wahrgenommenen beruflichen Anforderungen („images of occupations“ Hall 1969) und der Zugänglichkeit von Berufen verglichen wird. Zentrale Dimensionen für die Eingrenzung beruflicher Aspirationen sind das mit dem Beruf konnotierte Geschlecht, das Prestige des Berufs und das Interesse daran (Gottfredson 1981, 551). Sie unterscheidet vier Entwicklungsphasen: 1) Orientierung an Größe und Macht (3–5 Jahre), 2) Orientierung an Geschlechterrollen (6–8 Jahre), 3) Orientierung an der sozialen Bewertung (9–13 Jahre) und 4) Orientierung am inneren Selbstkonzept (14– …), (vgl. ebd., 555).
Als einer der wenigen Konzeptionen zur Berufswahl bezieht Gottfredson die Kategorie Geschlecht systematisch in die Analyse ein. Besonders fruchtbar erscheint der sozialkonstruktivistische Fokus auf die Perspektive der Individuen. Denn unabhängig davon, ob ein Beruf tatsächlich vorrangig von Frauen oder Männern ausgeübt wird: im Zentrum steht das Bild, das sich das Individuum vom Beruf gemacht hat. Damit eröffnet Gottfredson die Möglichkeit, geschlechtsspezifische Zuschreibungen zu analysieren und gleichzeitig infrage zu stellen.

2.2 Welche Vorstellungen haben Jugendliche von ihrer Zukunft?

In diesem Kapitel wird der Frage nachgegangen, welche Vorstellungen die Jugendlichen von ihrer beruflichen Zukunft haben. Blicken sie optimistisch in ihre Zukunft? Welche Erwartungen haben sie an die Berufs- und Arbeitswelt? Was ist ihnen am Beruf wichtig? Steht die persönliche Selbstverwirklichung in einer als sinnvoll empfundenen beruflichen Tätigkeit im Mittelpunkt – oder geht es eher um einen möglichst hohen Verdienst? Werden überhaupt Pläne gemacht? Zunächst werden die Untersuchungsergebnisse von zentralen österreichischen Studien erläutert. Anschließend werden ausgewählte Untersuchungsergebnisse aus deutschen Studien vorgestellt.

2.2.1 Österreich

Im Jahr 2005 wurde die vom österreichischen Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz in Auftrag gegebene Studie zum Thema Jugend und Beschäftigung. Wege in die Arbeitswelt: Eine Problem- und Bedarfsanalyse aus Sicht von Jugendlichen, jungen Erwachsenen und ExpertInnen veröffentlicht (ebd.). Die Studie setzt sich aus mehreren Teilen (Expert*inneninterviews, qualitative Interviews mit 40 Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 29 Jahren, nicht repräsentative Online-Umfrage, Gruppengespräch/-workshop) zusammen.
Tendenz
Die Autor*innen konstatieren im Hinblick auf die österreichische Jahrtausendwende-Jugend einen „Abschied von der ‚Spaßgesellschaft‘“ – so sei habe der „hedonistische Zeitgeist“ der Jugendlichen der 1990er Jahre einem „pragmatischen Realismus“ Platz gemacht (ebd., 12). Bildung und Ausbildung sind für die Jugendlichen wichtige Themen und gleichzeitig nicht frei von Sorgen: Die größte Zukunftsangst der 11-18jährigen Österreicher*innen besteht darin, später keinen Arbeitsplatz zu finden oder arbeitslos zu werden (ebd., 14). Eine qualitativ hochwertige Schul- bzw. Berufsausbildung und lebensbegleitendes Lernen wird von den Jugendlichen als notwendige Grundlage angesehen, um sich in einer ständig verändernden Berufs- und Arbeitswelt behaupten zu können.
Erwartungen an den Beruf
Die Befragten betonen ihren Anspruch, sich im Beruf selbst verwirklichen zu können – die berufliche Tätigkeit soll den persönlichen Eignungen und Interessen entsprechen. Sie verbinden das große persönliche Interesse mit hoher beruflicher Motivation, um auf diesem Weg ihr „ultimatives Ziel“, nämlich einen sicheren Arbeitsplatz (ebd., 79 ff.) zu erreichen. Sie wissen zwar, dass es diesen Job auf Lebenszeit kaum noch gibt, sehen sich mehrheitlich jedoch als aktive, gestaltende Akteur*innen eines sich dynamisch verändernden Arbeitsmarktes.
Gestaltung der beruflichen Biografie
Auf der Grundlage der erhobenen Daten wurden vier Idealtypen von Jugendlichen im Kontext mit den Herausforderungen der neuen Arbeitswelt herausgearbeitet (ebd., 89–92; 178–180), die anschließend von Großegger weiter empirisch überprüft und ausdifferenziert wurden (Großegger 2014, Bundesministerium für Frauen, Familie und Jugend 2016, 60).
Die „Traditionell-Soliden“ (34,2 %) nehmen die neue Arbeitswelt eher als Überforderung und Krisenszenario wahr. Sie möchten eine Berufswahl realisieren, die Stabilität und Sicherheit bietet (unbefristetes Normalarbeitsverhältnis).
Die „Eigeninitiativen“ (14,6 %) sind motiviert, flexibel, setzen auf Eigenverantwortung und sehen die neue Arbeitswelt nicht als Herausforderung – sondern als Chance, ihr unternehmerisches Selbst einzubringen und die Räume ihrer individuellen Selbstbestimmung zu vergrößern.
Die „Orientierungslosen“ (8,5 %) werden von Großegger als besondere sogenannte Problemgruppe aufgeführt: Mit Bildungsdefiziten, fehlenden Perspektiven bzw. beruflichen Zielen, Mangel an Motivation/Eigeninitiative entsprechen sie als klassische Modernisierungsverlierer*innen kaum den Anforderungen des ersten Arbeitsmarktes.
Sie identifiziert jedoch noch eine weitere, tendenziell problematische und recht große Gruppe: Die „Nicht-Jetzt-AkteurInnen“: Diese Jugendlichen sind unzureichend über die Anforderungen der Berufs- und Arbeitswelt informiert. Sie stellen sehr hohe Ansprüche an den Beruf und die Möglichkeiten, sich darin zu verwirklichen – sind jedoch wenig flexibel bzw. risikobereit. Diese Kombination führt dazu, berufliche Entscheidungsprozesse hinauszuzögern (Großegger 2014, 4 ff.).
Angesichts der tief greifenden Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt stellt die Mehrheit der befragten Jugendlichen die „Sinnhaftigkeit eines Lebensplanes (…) grundsätzlich in Frage“ (Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz 2005, 78). Aus der Perspektive der Jugendlichen wird die Definition von erreichbaren Zielen eher über einen Zeitraum von drei Jahren als sinnvoll, notwendig und motivierend angesehen (vgl. ebd.).
Da die berufliche Biografie nicht mehr als linear verlaufend konzipiert und wahrgenommen wird, sehen sich die Jugendlichen mit Brüchen und Diskontinuitäten konfrontiert: „Selbst gewählte Brückenlösungen“ wie Praktika, Schnupperstudium-Phasen, Jobs oder Auslandsaufenthalte können unerwartete Lücken in der beruflichen Biografie ausbalancieren und abmildern – für die Jugendlichen, die in der Lage sind, diese Transitionen zu meistern. Doch nicht alle Befragten konnten von subjektiv sinnvoll überbrückten Zwischenräumen berichten – sie schilderten vielmehr ein fehlendes Eingebundensein, den Mangel an einer Struktur des Alltags und einem damit verbundenen Abrutsch in eine soziale Desintegrationsspirale “ (ebd., 84).
Die Arbeiterkammer Wien hat die Jugendwertestudie 2011 in Auftrag gegeben (Heinzlmaier/Ikrath 2011). Von Interesse waren die Werte und Einstellungen von 14- bis 29-jährigen österreichischen Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen. Methodisch wurden qualitative und quantitative Verfahren kombiniert: 1) acht Gruppendiskussionen mit 14- bis 19-Jährigen bzw. 20- bis 29-Jährigen; 2) repräsentative quantitative Untersuchung mit Fragebögen, n = 1500 im Alter zwischen 14 und 29 Jahren; 3) 13 fokussierte Einzelinterviews, (vgl. ebd., 19).
Tendenz
Auch für das Jahr 2011 wird den österreichischen Jugendlichen eine pragmatische Grundhaltung attestiert. Das Leben dreht sich um die eigene Person und die Familie, Freund*innen und Bekannte. Gesellschaftliche Veränderungsprozesse stehen nicht im Vordergrund – vielmehr wollen sich die Jugendlichen mit den vorgefundenen Verhältnissen bestmöglich arrangieren. Die Perspektive auf ihre persönlichen Zukunftsaussichten sind optimistisch – der Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen eher von Ambivalenz geprägt (vgl. ebd., 4 ff.).
Erwartungen an den Beruf
Ausbildung und Arbeit sehen die Befragten als zentralen Lebensbereich an. Sie wünschen sich nette Kollegen und einen Beruf, der ihnen Spaß macht. Sie möchten eine interessante Tätigkeit ausüben und sich in der Ausbildung bzw. durch den Beruf selbst verwirklichen. Gleichzeitig wird der Wunsch nach einem sicheren Arbeitsplatz und guter Bezahlung genannt (ebd., 92 ff.). Neben dem Beruf stellt die Freizeit einen wichtigen Lebensbereich für die Befragten dar: 52 % wünschen sich, neben dem Beruf ausreichend Freizeit zu haben – und ein Drittel würde für mehr Freizeit auch auf Karriere oder Einkommen verzichten (ebd., 99). Gleichzeitig geben gerade die jüngeren Befragten an, sehr unter (schulischem) Leistungsdruck zu stehen (ebd., 100 f.). Während bildungsnahe Jugendliche eher „postmaterialistische Selbstverwirklichungsansprüche“ formulieren, nennen bildungsfernere Jugendliche eher „materialistische und praktische Aspekte“ (ebd., 95).
Gestaltung der beruflichen Biografie
In den Einzelinterviews zeigte sich auch hier, dass die Befragten nicht lange vorausplanen. Sie leben stark auf die Gegenwart bezogen und machen – wenn überhaupt – Pläne für einen Zeitraum von maximal drei Jahren (ebd., 107).
Mit Blick auf die berufliche Orientierung waren für die Jugendlichen Gespräche mit der Familie, insbesondere den Eltern, und Freund*innen sowie persönliche Erfahrungen im beruflichen Praxisfeld besonders bedeutsam (ebd., 89 ff.).
Das Bundesministerium für Frauen, Familie und Jugend hat im Jahr 2016 im 7. Bericht zur Lage der Jugend in Österreich unter anderem nach den Erwartungen und Wünschen von jungen Menschen (14–29 Jahre) an Arbeit und Beruf gefragt. Die Untersuchung bezieht sich sekundäranalytisch auf die Studie TRacts des Instituts für Jugendkulturforschung und Kulturvermittlung (vgl. zum Folgenden: ebd., 57 ff.).
Tendenz
Im Hinblick auf die Frage, ob sie nach dem Abschluss der Ausbildung eine Arbeitsstelle finden, zeigen sich die österreichischen Jugendlichen recht optimistisch: 42 % der Befragten waren sich sehr sicher und weitere 42 % zeigten sich sicher, einen Arbeitsplatz zu bekommen. Befürchtungen äußerten die Befragten dahin gehend, keine langfristige Anstellung zu bekommen (21 %) oder den Ort wechseln zu müssen, um eine unbefristete Stelle antreten zu können (18 %) (vgl. ebd., 59).
Erwartungen an den Beruf
Der Wunsch nach einem sicheren Arbeitsplatz steht auch hier für die befragten Jugendlichen ganz oben (vgl. ebd., 58), wobei die Hoffnung auf einen sicheren Beruf für die bis 19-Jährigen bedeutsamer (63,4 %) als für die älteren Befragten (49,7 %) und wiederum für die weiblichen Jugendlichen wichtiger (58 %) als für die männlichen Jugendlichen (53,4 %) ist. Der Wunsch nach einem sicheren Arbeitsplatz ist außerdem bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund (65,4 % im Gegensatz zu 53,6 % bei österreichischen Jugendlichen ohne Migrationshintergrund) sowie bei Jugendlichen mit niedriger/mittlerer Bildung stärker ausgeprägt (63,8 % im Gegensatz zu 48,5 % bei Befragten mit höherer Bildung, vgl. ebd., 57).
Die Aussage „Im Beruf möchte ich mich vor allem selbst verwirklichen“ stellt für die Jugendlichen die zweitwichtigste Dimension dar (43,9 %). An dritter Stelle steht der Wunsch nach einem unbefristeten Arbeitsvertrag (39 %), gefolgt von dem Bestreben, im Berufsleben möglichst unterschiedliche Dinge ausprobieren zu können (36,2 %). Der Aussage, schnell Karriere machen zu wollen, schließen sich nur 17,4 % der Befragten an, wobei dieses Kriterium Männern wichtiger erscheint als Frauen (22,2 % bzw. 13,2 %, vgl. ebd., 57 f.).
Gestaltung der beruflichen Biografie
Hier wird auf die (bereits oben dargestellten) 2005 entwickelten vier Idealtypen von Großegger (die „Traditionell-Soliden“, „Eigeninitiativen“, „Orientierungslosen“ und die „Nicht-Jetzt-AkteurInnen“) zurückgegriffen (s. o.: Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz 2005, vgl. Großegger 2014, Bundesministerium für Frauen, Familie und Jugend 2016, 60).
Die Untersuchungsergebnisse des 7. Berichts zur Lage der Jugend in Österreich aus dem Jahr 2016 können daher als Bestätigung bzw. Ausdifferenzierung der bereits 2005 bzw. 2011 gewonnenen Erkenntnisse gewertet werden.
Eine inhaltlich etwas anders gelagerte Studie sei der Vollständigkeit halber noch erwähnt: die österreichische Kurzexpertise Lehrlinge & die soziale Frage (Großegger 2018), für die bundesweit 400 Lehrlinge nach ihrem Verhältnis zur Politik befragt wurden.
Im Unterkapitel „Wie Lehrlinge ticken“ werden die Relevanzsetzungen der Befragten zusammengefasst. So machen die Lehrlinge deutlich, dass ihnen ein guter Lebensstandard wichtig und die Grundlage dafür ein gutes Einkommen und eine sichere Zukunft ist. Sie arbeiten, um zu leben – und nicht umgekehrt. 60 % stimmen der Aussage zu: „Ich versuche nach der Arbeit bzw. nach der Berufsschule möglichst viel zu erleben“, was unter der Überschrift „erlebnisorientierter Materialismus“ zusammengefasst werden kann (ebd., 6).

2.2.2 Deutschland

Die folgenden fünf Studien untersuchen Vorstellungen, Erwartungen und Wünsche von Jugendlichen aus Deutschland. Unterschiede zu den oben dargestellten österreichischen Untersuchungen sind selten und eher als Ergebnis unterschiedlich gewichteter Fragestellungen zu interpretieren.
In einer Längsschnittuntersuchung des Deutschen Jugendinstituts (DJI) wurde die berufliche Orientierung von Hauptschüler*innen untersucht (Gaupp et al. 2013). Die Basiserhebung des DJI-Übergangspanels erfolgte von 2004–2009 (n = 3.900 Hauptschüler*innen im letzten Schuljahr), die Stuttgarter Basiserhebung erstreckte sich von 2007–2009 (n = 1.216 Hauptschüler*innen) und die Leipziger Schulabsolventenbefragung fand ebenfalls zwischen 2007 und 2009 statt (n = 1.168 Schüler*innen). Die Basiserhebungen wurden mittels Fragebogen im Klassenverband durchgeführt. Ab der ersten Folgebefragung wurden computergestützte telefonische Interviews eingesetzt (ebd., 135 f.).
Tendenz
Bildung und Ausbildung steht bei den befragten Hauptschüler*innen „hoch im Kurs“ (ebd., 139).
Erwartungen an den Beruf
Besonders wichtig für die befragten Jugendlichen war das Kriterium „Sicherer Arbeitsplatz“ (68 %–70 %) bzw. die Chance, in diesem Beruf überhaupt einen Ausbildungsplatz zu bekommen (65 %–82 %), (vgl. ebd., 136). An dritter Stelle steht der Verdienst. Diesem Kriterium folgen dann immaterielle Wünsche wie „genügend Zeit für die Familie zu haben“ (30 %–43 %), der „Wunsch, anderen Menschen zu helfen“ (22 %–30 %), „Umgang mit Technik“ (19 %–21 %) usw. (vgl. ebd., vgl. auch Kapitel 2.3.2 und 2.3.3).
Gestaltung der beruflichen Biografie
Als wichtigste Ratgeber werden von den Jugendlichen ihre Eltern genannt. Geht es um die pädagogischen Fachkräfte, stehen die Lehrkräfte an erster Stelle, gefolgt von den Fachkräften der Berufsberatungen und sozialpädagogischen Mitarbeiter*innen (ebd., 138).
Die Anschlusspläne der befragten Jugendlichen sind größtenteils auf Bildung oder Ausbildung gerichtet – nur eine kleine Minderheit möchte direkt nach der Schule (ohne Ausbildung) arbeiten. Sehr viele Hauptschüler*innen (über 40 % in Stuttgart) möchten weiterhin zur Schule gehen, um den Mittleren Schulabschluss zu erwerben.
Die Autor*innen bilanzieren, dass für diese große Anzahl der Befragten alle berufsorientierenden Programme, die darauf zielen, direkt im Anschluss an den Hauptschulabschluss mit einer Ausbildung zu beginnen, „an den Bedürfnissen und Interessen dieser Jugendlichen vorbei“ gehen würden (ebd., 142). Sie führen aus, dass die Hauptschüler*innen von berufsorientierenden Angeboten generell gut erreicht werden, aber eine Koordination fehlen würde, die diese Programme und Initiativen auf Schulebene verknüpft und so zu „konsistenten Förderkonzepten“ bündelt (ebd.).
Im Berufsorientierungspanel (BOP) wurden die beruflichen Orientierungsprozesse von Jugendlichen in der Sekundarstufe I untersucht (Rahn et al. 2013). Das Berufsorientierungspanel zielte als regionale Vollerhebung auf die Erforschung der beruflichen Orientierungsprozesse von der achten Klasse bis zum Übergang in die Sekundarstufe I und in das Berufsbildungssystem. Alle Achtklässler*innen des Schuljahres 2009/2010 der Untersuchungsregion (Haupt-, Real-, Gesamtschule und Gymnasium) wurden mit einem standardisierten Fragebogen zu insgesamt sechs Messzeitpunkten befragt (Startkohorte: knapp 3.700 Jugendliche), die dargestellten Ergebnisse beziehen sich auf die ersten drei Messzeitpunkte (vgl. ebd., 111).
Gestaltung der beruflichen Biografie
Die Autor*innen kommen zu einem Ergebnis, das Parallelen zur oben aufgeführten Studie des DJI aufweist. Schüler*innen an Real- und Gesamtschulen „denken in der Klasse 8 und auch noch in der Klasse 9 stark in schulischen Karrieren und streben in erstaunlich geringem Maße einen direkten Übergang von der Sekundarstufe I in das duale System der Berufsausbildung an“ (ebd., 120). Den weiteren Schulbesuch als „Notlösung“ zu begreifen, würde daher der Sicht der Jugendlichen nicht gerecht werden.
Ansonsten konstatieren die Autor*innen „heterogene Ausgangslagen“ und „divergente Verläufe“ mit Blick auf die berufliche Orientierung der Jugendlichen während des Untersuchungszeitraumes (ebd., 119). Für einen Teil der Jugendlichen konkretisieren sich ihre beruflichen Aspirationen, für andere Jugendliche werden sie diffuser. Viele Jugendliche wissen am Ende der neunten Klasse nicht, welchen Beruf sie ergreifen wollen. Nicht wenige beginnen zu spät mit der Suche nach einem Ausbildungsplatz – auch wenn sie explizit eine duale Ausbildung anstreben (ebd.). Hauptschüler*innen fühlen sich gut bei der beruflichen Orientierung unterstützt, auch wenn sie am Ende der Klasse 9 noch „erheblichen Unterstützungsbedarf bei der Bewältigung von konkreten Teilaufgaben im Bewerbungsprozess“ sehen (ebd., 120). Inwieweit die berufliche Orientierung mit dem Fokus auf Ausbildungsberufe die Jugendlichen anspricht, die einen weiteren Schulbesuch anstreben, sei dahingestellt. Insgesamt – so die Autor*innen – könne nicht durchgängig von gelingenden Berufswahlprozessen gesprochen werden (ebd., 119).
Die 17. Shell-Jugend-Studie (Shell Deutschland Holding 2016) fragte Jugendliche im Alter zwischen 12 und 25 Jahren nach der Vielfalt ihrer Lebenswelten, nach den ggfs. veränderten Einstellungen und Mustern der Lebensführung (Befragung auf der Grundlage eines standardisierten Fragebogens: n = 2558 und vertiefender Interviews: n = 21), (vgl. Schneekloth/Leven 2016).
Tendenz
Ausgangspunkt der Untersuchung ist die in den vorangegangenen Shell-Studien bestätigte Hypothese einer „Jugend unter Druck“ (Leven/Utzmann 2016, 351). Im Bildungsbereich wachsen die Anteile der Angehörigen der jungen Generation, die höhere Schulabschlüsse erwerben: Nachfrage besteht nach gut qualifizierten Arbeitskräften – Jugendliche ohne Schulabschluss haben auf dem ersten Arbeitsmarkt kaum eine Chance (Leven et al. 2016, 65). Nicht nur die Eltern möchten ihre Kinder daher auf dem Gymnasium sehen – auch die Jugendlichen selbst haben hohe Bildungsaspirationen (ebd., 66).
In der aktuellen Shell-Jugendstudie werden Hinweise für eine Trendwende auf das Lebensgefühl der Jugendlichen gesehen. Es herrscht zwar eine „pragmatische Grundhalten aus Durchhalten, Anpassen, Suchen und Improvisieren“ (Quenzel et al. 2016, 375) vor, gleichzeitig werden Spuren aus „Selbstbewusstsein und Idealismus“ (ebd.) sichtbar. Die Autor*innen erklären diesen Wandel mit der verbesserten Wirtschaftslage in Deutschland.
Die hohen Anforderungen an die Jugendlichen im Hinblick auf ihre Schulabschlüsse bei gleichzeitig häufig eher unsicheren Beschäftigungsverhältnissen sind in einem Zusammenhang mit dem großen Wunsch nach Sicherheit zu sehen. Die Jugendlichen haben einerseits den Anspruch, sich in ihrem Beruf zu entfalten und sie möchten ein erfülltes Leben neben dem Beruf leben. Sie wissen, dass Flexibilität und Mobilität erforderlich sind, um die beruflichen Ziele zu realisieren. Die Jugendlichen erwarten aber umgekehrt auch von ihren zukünftigen Arbeitgebern, die Arbeit flexibel an das eigene Leben anpassen zu können (ebd., 380). Sie wünschen sich „maximale Flexibilität im Beruf, in der Freizeit und in der Familiengestaltung, bei gleichzeitiger hoher Sicherheit durch feste Arbeitsverträge, gute Aufstiegschancen, einen festen Freundeskreis und eine liebevolle und Geborgenheit gebende Familie“ (ebd., 382). Drei Viertel der Jugendlichen erwarten, dass sie ihre Berufswünsche realisieren können (Leven et al. 2016, 74, vgl. auch Abschn. 2.4.1).
Erwartungen an den Beruf
Mit Blick auf den Übergang in die Berufs- und Arbeitswelt sehen die Autor*innen „Bilden und Qualifizieren“ und „Bindung und Partnerschaft“ als die beiden zentralen Entwicklungsaufgaben der Jugendlichen und fragen, wie sie diese Statuspassage meistern (ebd., 47). Wie auch bei den Befragungen der österreichischen Jugendlichen steht bei den Befragten der Shell- Studie der sichere Arbeitsplatz an erster Stelle (95 %). Als weitere bedeutsame Aspekte folgen dann bereits ideelle Überlegungen wie die Möglichkeit, eigene Ideen einbringen zu können (93 %) bzw. eine sinnvolle Tätigkeit auszuüben (90 %), über genügend Freizeit zu verfügen (88 %), etwas Nützliches für die Gesellschaft zu tun (85 %) und anerkannt zu werden (85 %) (vgl. ebd., 79). Erst dann formulieren die Jugendlichen materielle Erwartungen wie ein hohes Einkommen (77 %).
Im Hinblick auf ihre Work-Life-Balance befürchten viele Jugendliche (50 %), dass ihnen aufgrund der Berufstätigkeit zu wenig Freizeit bleiben würde (ebd., 77).
Gestaltung der beruflichen Biografie
Im Hinblick auf die berufliche Orientierung werden vier Typen entlang der Dimensionen ‚Erfüllung‘ vs. ‚Nutzen‘ herausgearbeitet (vgl. ebd., 88 ff.):
1.
Die Durchstarter (37 %)
Ihnen ist beides wichtig: ein hohes Einkommen und das Gefühl, etwas zu leisten – Nutzen und Erfüllung werden in gleicher Weise betont. In dieser Gruppe befindet sich ein deutlicher Anteil aufstiegsorientierter junger Frauen.
 
2.
Die Idealisten (18 %)
Die Karriereorientierung ist nicht stark ausgeprägt, ihnen geht es vielmehr um die Erfüllung und das Gefühl, mit der beruflichen Tätigkeit etwas zu leisten. Diese Gruppe wird dominiert von jungen Frauen aus der Bildungselite.
 
3.
Die Bodenständigen (27 %)
Für diese Jugendlichen ist der Nutzen der beruflichen Tätigkeit zentral. Die Karriere, gute Aufstiegsmöglichkeiten und geregelte Arbeitszeiten sind wichtig, weniger bedeutsam ist der Wunsch nach Erfüllung. In dieser Gruppe finden sich sehr viele junge Männer.
 
4.
Die Distanzierten (18 %)
 
In dieser Gruppe werden keine hohen Ansprüche an die berufliche Tätigkeit gestellt. Hier gibt es vorrangig junge Männer aus der Mitte der Gesellschaft, die sich ggfs. noch keine großen Gedanken über ihre Erwartungen gemacht haben.
Allen vier Typen gemeinsam ist das oben erwähnte Bedürfnis nach einem sicheren Arbeitsplatz und auf eine ausgewogene Work-Life-Balance. Arbeit ist wichtig – und Familie, Freunde und Freizeit auch: „Familie, Bildung, Beruf, Zukunft: Am liebsten alles“ (ebd., 47).
In der dritten McDonald’s Ausbildungsstudie aus dem Jahr 2017 wurden 1564 Jugendliche im Alter zwischen 18 und 25 Jahren (darunter 416 Schüler*innen, 153 Student*innen, 535 Auszubildende, 398 Erwerbstätige und 62 Arbeitslose/Nichterwerbstätige) auf der Basis eines standardisierten Fragebogens interviewt (McDonald’s Deutschland 2017, 98). Die Studie zielt darauf ab, den Jugendlichen Gehör zu verschaffen, sodass sie „ihre persönliche Einschätzung der Bildungs- und Berufschancen und ihre Vorschläge für die Verbesserung der Situation artikulieren können“ (ebd., 5).
Tendenz
Insgesamt ist das Vertrauen in die eigene Leistung und in die Aufstiegschancen in Deutschland gewachsen (ebd., 30 ff.). Dieser Befund wird insbesondere auf die unteren sozialen Schichten und jugendliche Migrant*innen bezogen. Die Jugendlichen schauen optimistisch in die Zukunft und sind motiviert und leistungsbereit (ebd., 92). Nur eine „möglichst gute Bildung rüstet für den Ernstfall“ (ebd.). Daher bemühen sich die Jugendlichen um möglichst qualifizierte Schul- und Bildungsabschlüsse.
Erwartungen an den Beruf
Die Ergebnisse schließen in großen Teilen an die der Shell-Jugendstudie an – die Erwartungen der Jugendlichen sind groß: Bei der Frage, welche Aspekte bei einem Beruf für die Jugendlichen besonders wichtig sind, findet der Aspekt, dass die Arbeit Spaß machen möge, die meisten Zustimmungswerte (72 %). An zweiter Stelle steht der Wunsch nach einem sicheren Arbeitsplatz (63 %). Es folgen weitere immaterielle Erwartungen wie „ein Beruf, der meinen Fähigkeiten und Neigungen entspricht“ (53 %), „nette Arbeitskollegen“ (47 %), „Anerkennung der eigenen Leistung“ (39 %), eine „Arbeit, die mich ganz erfüllt“ (39 %), „abwechslungsreiche Tätigkeit“ (37 %), Arbeit, die sich „gut mit Privatleben und Familie vereinbaren lässt“ (35 %) (vgl. ebd., 55). Aussagen mit materiellen Bezügen finden sich eher im unteren Teil der Tabelle: „Bezahlung, die sich an der Leistung orientiert“ (33 %), „gute Aufstiegsmöglichkeiten“ (28 %) und „hohes Einkommen“ (23 %) sind für die Jugendlichen wichtig, aber nicht so bedeutsam wie die Sicherheit des Arbeitsplatzes und Erfüllung durch die berufliche Tätigkeit (vgl. ebd.).
Gestaltung der beruflichen Biografie
Die Vielfalt an beruflichen Möglichkeiten wird von den Jugendlichen ambivalent erlebt. Die Situation, unter einer Vielzahl von Optionen auswählen zu müssen, wird von 47 % der Schüler*innen als Belastung empfunden (ebd., 73). Gleichzeitig freuen sich 68 % der Schüler*innen auf die Zeit nach der Schule (ebd., 74). Die beruflichen Pläne der Schüler*innen ab 15 Jahren sind „überwiegend vage“ (ebd., 75). Nur 42 % der befragten Jugendlichen fühlen sich über ihre beruflichen Möglichkeiten nach der Schule ausreichend informiert (ebd., 66).
Die befragten Schüler*innen nutzen vorrangig ihre Eltern (86 %), Freund*innen (74 %), das Internet (70 %), Familienangehörige (62 %), eigene berufspraktische Erfahrungen (60 %) und Gespräche mit Lehrkräften (55 %) als Informationsquellen (ebd., 68).
Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIPP) veröffentlichte 2018 den Datenreport zum Berufsbildungsbericht in Deutschland (Bundesinstitut für Berufsbildung 2018). Darin werden u. a. ausgewählte Forschungsergebnisse des BIBB-Forschungsprojektes „Bildungsorientierungen“ vorgestellt (ebd., 437 ff.). Bezogen auf die duale Ausbildung wird mit Fokus auf Jugendliche in der 9. Klasse untersucht, „welchen Bildungsangeboten Jugendliche ihre Aufmerksamkeit zuwenden und welchen nicht, und welche individuellen und sozialen aber auch institutionellen Faktoren bei ihren Bildungsentscheidungen und ihrer Berufswahl eine Rolle spielen“ (ebd., 437).
Tendenz
Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt at sich zugunsten der Jugendlichen verändert: Das Angebot von Ausbildungsplätzen ist stärker als deren Nachfrage gestiegen. Das Ausbildungsplatzangebot ist im Jahr 2017 – im Vergleich zum Vorjahr – gestiegen, denn zum einen entscheiden sich mehr Jugendliche für ein Studium statt für eine duale Berufsausbildung, zum anderen sinkt die Zahl der Jugendlichen in Deutschland (vgl. ebd., 9). Gleichzeitig bleiben Passungsprobleme als „zentrale Herausforderung“ bestehen (ebd., 10).
Erwartungen an den Beruf
Auf der Basis der BA/BIBB-Bewerberbefragung aus dem Jahr 2014 wurden die für die Jugendlichen wichtigen Rahmenbedingungen im Hinblick auf den Beruf bzw. Betrieb herausgearbeitet. Für den Beruf finden 80 bis 90 % der untersuchten Jugendlichen ein „hohes Einkommen, gute Arbeitsmarktchancen und gute Aufstiegsmöglichkeiten, aber auch genügend Zeit für Freizeit und Familie wichtig“. Ein Betrieb wird in den Augen der Jugendlichen dann attraktiv, wenn er sich als langfristiger Arbeitgeber präsentiert. Dazu gehören ein gutes Betriebsklima (93 %), ein sicherer Arbeitsplatz (90 %) und sehr gute Übernahmechancen (86 %). Für die Ausbildung wünschen sie sich eine gute Erreichbarkeit des Betriebes z. B. durch Wohnortnähe (75 %) und planbare Freizeit (27 %), (vgl. ebd., 438 f.).
Kriterien wie „Erfüllung im Beruf“ oder „Selbstentfaltung“ werden hier – im Gegensatz zu den vorangegangenen Studien – nicht aufgeführt, was möglicherweise mit dem Fokus der Fragestellung auf die „Rahmenbedingungen“ des Berufs/Betriebs zu erklären ist.

2.2.3 Zusammenfassung

Ausbildung und Arbeit sind für die befragten Jugendlichen wichtige Lebensbereiche. Sie nehmen die Vielzahl der beruflichen Optionen, die ihnen offenstehen, als ambivalent wahr: Die Fülle an Möglichkeiten verschärft für nicht wenige den Druck, sich für den einen Ausbildungsweg (und damit gegen viele andere) entscheiden zu müssen. Um den Veränderungen der Berufs- und Arbeitswelt begegnen zu können, streben sie einen möglichst hochwertigen Schulabschluss und eine gute berufliche Ausbildung an. Eine eher pragmatische Grundhaltung, die verhalten optimistisch in die persönliche Zukunft blickt, findet sich sowohl bei den befragten Jugendlichen aus Österreich wie auch aus Deutschland. Das zentrale Ziel aller befragten Jugendlichen ist es, einen sicheren Arbeitsplatz zu erlangen. Die übrigen Erwartungen der Jugendlichen hinsichtlich der für sie relevanten Kriterien eines Berufs (Erfüllung, Selbstbestimmung, Verdienst, Kolleg*innen, Verhältnis Arbeit – Freizeit usw.) variieren leicht in den Untersuchungen.
Eine längere Lebensplanung erscheint den Jugendlichen angesichts einer sich dynamisch verändernden Lebenswelt als überflüssig – die nächsten drei Jahre sehen sie als motivierenden überschaubaren Zeitraum an, um Pläne zu machen. Sie verstehen ihren Lebenslauf nicht als linear, vielmehr werden Brüche und Diskontinuitäten als Teil der beruflichen Biografie erlebt.
Studien aus Deutschland weisen darauf hin, dass ein erheblicher Teil der Hauptschüler*innen weiterhin die Schule besucht und damit den Abschluss verbessern möchte – inwieweit dieser Befund auf österreichische Jugendliche übertragbar ist, kann aufgrund der vorliegenden Studien nicht beantwortet werden.
Im Hinblick auf die Gestaltung der beruflichen Biografie wurden „die Jugendlichen“ in verschiedene Idealtypen unterteilt. So hat die österreichische Studie ‚Jugend und Beschäftigung‘ die Kategorien der ‚Traditionell-Soliden‘, ‚Eigeninitiativen‘, ‚Orientierungslosen‘ und ‚Nicht-Jetzt-AkteurInnen‘ erarbeitet (Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz 2005). Die Shell-Studie dagegen orientiert sich an den Dimensionen ‚Erfüllung‘ versus ‚Nutzen‘ und unterscheidet zwischen den ‚Durchstartern‘, ‚Idealisten‘, ‚Bodenständigen‘ und ‚Distanzierten‘ (Shell Deutschland Holding 2016). In beiden Konzepten finden sich Kategorien/Gruppen, die auf einen besonderen Bedarf an beruflicher Orientierung verweisen (z. B. die ‚Orientierungslosen‘ bzw. die ‚Distanzierten‘).
Berufsorientierung kann und soll die Jugendlichen dazu einladen, einen möglichst facettenreichen, vielfältigen und erfüllenden Entwurf ihrer zukünftigen Biografie zu gestalten. Berufliche Transitionen sind einerseits individuelle Prozesse, andererseits finden sie in gesellschaftlichen Strukturen statt, die den Weg zum Schul-, Ausbildungs- oder Berufsabschluss erleichtern oder erschweren können. Für die berufliche Orientierung von Jugendlichen sind die äußeren Einflüsse von besonderem Interesse, die das für den/die individuelle/n Jugendliche/n vorstellbare berufliche Spektrum unzulässig verengen. So wird vermutlich der Sohn aus einem Akademikerhaushalt mit einem alteingesessenen familieneigenen Bauunternehmen weniger Ermunterung institutioneller oder persönlicher Art für die Aufnahme eines Maschinenbau-Studiums benötigen als die Tochter einer aus Polen eingewanderten Altenpflegerin. Der erreichte Schulabschluss stellt eine zentrale Weggabelung dar. Mit Blick auf die soziale Herkunft lässt sich fragen, wie viele Jugendliche überhaupt einen Schulabschluss erlangen, der sie zum Studium berechtigt – und wer von diesen Jugendlichen aus einem Arbeiter*innen- bzw. Akademiker*innenhaushalt kommt. Ein weiterer Einflussfaktor ist die Kategorie Geschlecht. Wieso schließen junge Männer und Frauen ganze Berufsgruppen wie den Pflegebereich bzw. Berufe auf dem Bau wechselseitig aus? Und wie können die Grenzen des Vorstellbaren durchlässiger gehalten werden – für junge Frauen und Männer?
Als weiterer Faktor, der berufliche Orientierungsprozesse beeinflussen kann, wird der Migrationshintergrund von Jugendlichen angesehen. Wieso ist es für Jugendliche mit Migrationshintergrund – bei gleichen Voraussetzungen hinsichtlich ihrer Schulnoten usw. – schwieriger, einen Ausbildungsplatz zu erhalten als für Jugendliche ohne Migrationshintergrund? Abschließend wird auf die Rolle der Medien im Zusammenhang mit beruflichen Orientierungsprozessen von Jugendlichen eingegangen.

2.3 Übergangsrelevante Faktoren

Die Entscheidung für oder gegen einen Beruf kann durch verschiedene Faktoren wie die soziale Herkunft, Geschlecht, einen möglichen Migrationshintergrund oder auch durch mediale Vorbilder beeinflusst werden. Im Folgenden soll die Relevanz dieser Übergangsfaktoren anhand von ausgewählten Forschungsergebnissen diskutiert werden.

2.3.1 Soziale Herkunft

Im Hinblick auf die weitere berufliche Orientierung stellt der erreichte Schulabschluss eine wichtige Voraussetzung dar. Je nach Abschluss öffnen oder verschließen sich Türen zu Ausbildungsberufen, Studiengängen und darauf aufbauenden beruflichen Entwicklungen. Sowohl in Österreich als auch in Deutschland stehen die Bildungsabschlüsse der Jugendlichen in einem engen Zusammenhang mit ihrer sozialen Herkunft.
Statistik Austria stellt 2018 dar, dass das Bildungsniveau der österreichischen Bevölkerung insgesamt gestiegen ist (Statistik Austria 2018). Schwach ausgeprägt ist jedoch die Bildungsmobilität – „Bildungschancen werden in Österreich nach wie vor zu einem großen Teil ‚vererbt‘“ (ebd., 1). So erreichen von den 25-bis 44-Jährigen, deren Eltern einen Pflichtschulabschluss haben, nur 7 % einen Hochschulabschluss. Und Kinder aus Akademikerhaushalten haben eine achtfach höhere Chance, einen Hochschulabschluss zu erwerben als Kinder aus bildungsfernen Haushalten (ebd., 4).
Auch nach der 17. Shell-Jugendstudie haben sich die Bildungserfolge aller sozialen Schichten, d. h. auch die der bildungsfernen Schichten, in den letzten Jahren erhöht. Die Unterschiede zwischen den Schichten haben sich jedoch nicht verändert: „Auch heute noch sind die Chancen eines Jugendlichen, das Abitur zu erreichen, mehr als doppelt so hoch, wenn sein Vater selbst das Abitur besitzt“ (Leven et al. 2016, 68). Der erreichte Schulabschluss stellt wiederum das Sprungbrett in die Berufs- und Arbeitswelt dar – die „soziale Herkunft bestimmt die Bildungslaufbahn“ (ebd., 66). So waren von den befragten Jugendlichen ohne Schulabschluss zum Zeitpunkt der Befragung mehr als die Hälfte arbeits- bzw. erwerbslos – während es bei den Abiturient*innen nur 7 % waren (ebd., 69).
Weitere Einflüsse der sozialen Herkunft auf die Bildungsbiografie sehen die Autor*innen der Shell-Studie u. a. in folgenden Bereichen:
Werden im Hinblick auf die Berufswahl die Dimensionen „Nutzen- bzw. Erfüllungsorientierung“ unterschieden, so sind Jugendliche aus den unteren sozialen Schichten vorrangig nutzenorientiert (Fokus auf ein hohes Einkommen und gute Aufstiegsmöglichkeiten, ebd., 82).
Die Erwartung der Jugendlichen, ihren Berufswunsch zu realisieren, ist in den unteren Schichten deutlich geringer als bei Jugendlichen der oberen Mittelschicht (46 % zu 80 %, s. ebd., 75).
Die McDonald’s Ausbildungsstudie aus dem Jahr 2017 zeichnet in diesem Zusammenhang einen positiven Trend nach: Danach bewerteten noch im Jahr 2013 40 % der 15- bis 24-Jährigen aus der unteren Schicht die „Aufstiegschancen eines Menschen aus einfachen Verhältnissen“ positiv – während es in der vorliegenden Studie 55 % sind (McDonald’s Deutschland 2017, 30). Die Autor*innen werten den Anstieg der Zahlen als Indiz, dass der Aufwärtstrend auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt „mittlerweile auch jene Schichten erreicht hat, die bisher vom Arbeitsmarkt weitgehend ausgeschlossen waren“ (ebd., 31).
Angesichts der oben dargestellten hartnäckigen Vererbung von Bildungschancen bleibt abzuwarten, ob es sich bei dieser positiven Einschätzung ihrer Berufschancen eher um ein Wunschdenken der Jugendlichen handelt oder ob sich dieser Trend empirisch nachweisen lassen wird.

2.3.2 Geschlecht

Die geschlechtsspezifische Segregation des Ausbildungs- und Arbeitsmarktes ist ein weltweites Phänomen (zusammenfassend vgl. z. B. Wetterer 2002; Überblick zu Ausbildung und Studium in Deutschland siehe Faulstich-Wieland 2016b, 9 ff., für die Schweiz vgl. Wehner et al. 2016). Bezogen auf Österreich hat das Arbeitsmarktservice die relevanten Daten für Österreich im „Gleichstellungsindex Arbeitsmarkt“ zusammengestellt (Arbeitsmarktservice Österreich 2017). Frauen haben demnach deutlich schlechtere Werte bei der Beschäftigungs- und Einkommenssituation im Vergleich ‚vor/nach Karenz‘ als Männer, es gibt klare Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen, Frauen sind seltener in Leitungspositionen präsent – aber sie haben die besseren Werte im Hinblick auf bildungsspezifische Faktoren (vgl. ebd., 8)2 Im Folgenden werden ausgewählte Ergebnisse zu Unterschieden und Gemeinsamkeiten der Berufswünsche von jungen Frauen und Männern reflektiert, ihre Schwerpunktsetzungen zu der Frage ‚Gelderwerb‘ vs. ‚Berufung‘ vorgestellt und Untersuchungsergebnisse zum Thema ‚Vereinbarkeit von Familie und Beruf‘ präsentiert.
Berufswünsche von jungen Frauen und Männern: Unterschiede
Sowohl bei der Studienwahl als auch in der beruflichen Bildung zeichnen sich geschlechtsspezifische Disparitäten ab: Frauen entscheiden sich weiterhin für sprach- und kulturwissenschaftliche Studiengänge und holen im Hinblick auf anspruchsvolle Berufe im Sozial- und Gesundheitsbereich (z. B. Medizin) auf. Sie bleiben in den männlich dominierten MINT-Studiengängen deutlich unterrepräsentiert – ein „Trend, der für alle OECD-Länder gleichermaßen charakteristisch ist“ (Makarova/Herzog 2013, 176), bereits bei Kindern im Grundschulalter zu beobachten ist (vgl. Baumgardt 2012, 201 ff.) und sich bei 15-Jährigen „deutlich abzeichnet“ (Makarova/Herzog 2013, 176). Welche Ausbildungsberufe wünschen sich junge Frauen und Männer?
Im 7. Bericht zur Lage der Jugend in Österreich werden die beliebtesten Lehrberufe aufgeführt. Zu den am häufigsten genannten Ausbildungsberufen der jungen Männer zählen die Metall- und Elektroberufe, eine Ausbildung im Handels- oder Verkehrsbereich oder ein Beruf auf dem Bau. Die am stärksten nachgefragten Berufe bei den jungen Frauen lagen im Bereich Handel/Verkehr oder in der Ausbildung als Frisörin bzw. im Bürobereich – in diesen Bereichen suchen mehr als die Hälfte der Bewerberinnen einen Ausbildungsplatz (vgl. Bundesministerium für Frauen, Familie und Jugend 2016, 36).
Ähnliche Ergebnisse zeigen sich, wenn ausschließlich die Berufswünsche von Jugendlichen in Österreich mit Migrationshintergrund in den Blick genommen werden: Laut AMS Arbeitsmarktservice Wien wünschen sich die jungen Frauen eine Ausbildung im Bereich der Gesundheits- bzw. Körperpflege (z. B. Friseurin), im Handel oder Büro – während die jungen Männer eine Ausbildung in einem handwerklichen, technischen oder mechanischen Beruf vorziehen (AMS Wien 2007). Für beide Geschlechter ähnlich interessant sind Berufe im Handel und in der Gastronomie (ebd., 33).
In der Längsschnittuntersuchung des Deutschen Jugendinstituts (Gaupp et al. 2013) nennen die befragten Hauptschüler*innen vergleichbare Berufswünsche (nach Häufigkeit, zum Folgenden vgl. ebd., 137): Die Mädchen möchten medizinische Fachangestellte, Kauffrau im Einzelhandel, Frisörin, Bürokauffrau, Kinderpflegerin, Erzieherin, Verkäuferin, Gesundheits- und Krankenpflegerin, Hotelkauffrau bzw. Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin werden. Die Wunschberufe der Burschen sind Mechatroniker, Kaufmann im Einzelhandel, in der Industriemechaniker Betriebstechnik, Elektroanlagenmonteur, KfZ-Mechatroniker, Maler/Lackierer, Koch, Tischler, Fachinformatiker für Anwendungstechnik und Metallbauer.
Das Berufsfeld der Jugendlichen ist teilweise sehr eng: Ungefähr die Hälfte der Nennungen der Jugendlichen bezieht sich auf diese Top-Ten-Berufe-Liste. Deutlich wird auch, dass es nur einen Ausbildungswunsch gibt, der sowohl auf der Liste der beliebtesten Mädchen- als auch der beliebtesten Burschenberufe auftaucht: Kauffrau/-mann im Einzelhandel. Bei den Mädchen ist ansonsten eine starke Konzentration auf Dienstleistungsberufe, bei den Burschen auf die gewerbliche-technischen Berufe zu beobachten.
In der McDonald’s Ausbildungsstudie wurden die Jugendlichen nicht nach ihren Ausbildungswünschen gefragt. Vielmehr wurden sie gebeten, die Attraktivität von Branchen für junge Menschen einzustufen, die eine Ausbildung machen wollen. Die Antworten zeigen „unterschiedliche Prioritäten von Männern und Frauen (…): Männer halten für junge Menschen, die eine Ausbildung machen wollen, alle Berufe für überdurchschnittlich attraktiv, die mit Technik zu tun haben, Frauen hingegen alles sozialen und medizinischen Berufe sowie Ausbildungsberufe aus den Bereichen Touristik und Textil“ (McDonald’s Deutschland 2017, 57). Diese Befunde sind in mehrfacher Hinsicht problematisch. Im Hinblick auf die Geschlechtergerechtigkeit ist die geschlechtsspezifische Segregation des Arbeitsmarktes Ausdruck eines ungleichen hierarchischen Machtverhältnisses zwischen Männern und Frauen. Ausgehend von Passungsproblemen auf dem Arbeitsmarkt werden zudem vorhandene Potenziale verschenkt, wenn junge Frauen und Männer aufgrund von stereotypen geschlechtsspezifischen Zuschreibungen ganze Berufsgruppen (z. B. MINT vs. Pflege) für uninteressant bzw. nicht vorstellbar halten. Auf der Ebene des Individuums zielt berufliche Orientierung und Beratung auf die Balance zwischen Eignung/Interesse für den Beruf und den beruflichen Anforderungen und damit nicht auf die Eingrenzung von Berufswünschen, sondern auf die Entgrenzung von geschlechtsstereotyp zugewiesenen Handlungsoptionen.
Mit geschlechtsspezifischen beruflichen Orientierungsmaßnahmen wird nun die Hoffnung verbunden, den Blick junger Frauen und Männer für „geschlechtsuntypische“ Berufe zu öffnen und so das für sie jeweils vorstellbare berufliche Spektrum zu erweitern. Das Ziel, eine Kategorie in den Blick zu nehmen, die eigentlich überwunden werden soll, stellt jedoch eine besondere Herausforderung für die gendersensible Berufsorientierung dar:
Unterschiedliche Berufswünsche von Mädchen und Burschen können im Kontext von Sozialisationstheorien (z. B. Heinz 2000; Herzog 2002) betrachtet werden. Sozialisationstheoretische Ansätze erklären das unterschiedliche geschlechtsspezifische Berufswahlverhalten mit sozialen Erwartungen an Burschen und Mädchen, die zur Übernahme typisierter Geschlechterrollen führen. So werden z. B. die „‘hausarbeitsnahen‘ Präferenzen von Frauen in Berufswahl und –praxis“ (Beck-Gernsheim/Ostner 1978, 275) mit ihren biografisch erworbenen Fähigkeiten z. B. für pflegende oder erzieherische Aufgaben als Ausdruck eines „weiblichen Arbeitsvermögens“ (ebd.) erklärt. Auch ein geschlechtsspezifisch unterschiedlich ausgerichtetes Interesse an Mathematik und Naturwissenschaften gerät in den Blick: So werde zum Beispiel die Einstellung der Mädchen zu den Naturwissenschaften „durch eine Vorliebe für <helfende Berufe> bestimmt, in denen naturwissenschaftliche Kenntnisse zwar durchaus gefordert sind, aber in ‚dienender‘ Funktion“ (Makarova/Herzog 2013, 178).
Bilden gibt jedoch generell zu Bedenken, dass die Frage nach geschlechtsspezifisch unterschiedlichem (Berufswahl-)Verhalten nahezu „zwangsläufig auf die Konstruktion eines männlichen und weiblichen Sozialcharakters“ hinauslaufe. Damit aber – so Bilden – „vollziehen wir die polarisierende gesellschaftliche Konstruktion der zwei Geschlechter einfach nach und reproduzieren den schematisierenden Dualismus von männlich-weiblich“ (ebd., 279).
Wie kann die Reproduktion von geschlechtsspezifischen Zuschreibungen vermieden werden, ohne gleichzeitig die Kategorie Geschlecht in Gänze auszublenden?
Berufswünsche von jungen Frauen und Männern: Gemeinsamkeiten?
Aktuelle Studien fokussieren stärker die Gemeinsamkeiten zwischen jungen Männern und Frauen in der beruflichen Orientierung als nach geschlechtsspezifischen Unterschieden zu suchen. Nicht zufällig stellt die Berufswahltheorie von Gottfredson den Rahmen für einige dieser Untersuchungen dar – ist diese doch eine der wenigen Konzeptionen, die die Kategorie Geschlecht systematisch einbindet.
In ihrer Studie „Undoing Circumscription?“ nimmt Scholand berufsbezogene Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Mädchen und Burschen in den Blick (ebd.). Befragt wurden 253 Achtklässler*innen aus Hamburger Stadtteilschulen mittels Fragebogen nach ihrem Interesse für (vorgegebene) Berufe und einer Selbsteinschätzung zum Wissen über die jeweiligen Berufe (ebd., 68 ff.).
Untersuchungsleitend war die Frage, inwiefern sich eine „geschlechtsstereotype Eingrenzung der Interessen (zeigt – d.V.) – also ein doing circumscription – oder werden Gemeinsamkeiten zwischen Burschen und Mädchen sichtbar – findet also ein undoing circumscription statt?“ (ebd., 59). Scholand folgt der Berufswahltheorie von Gottfredson in der Annahme, dass Jugendliche, die ihren Berufswunsch nicht realisieren können, im ersten Schritt zu Kompromissen bei ihren Interessen bereit sind, also die berufliche Bandbreite wieder weiter auffächern. Im zweiten Schritt werden auch Berufe mit geringerem Prestige erwogen. Erst danach steht ggfs. eine Verschiebung der Geschlechtergrenze zur Disposition. Diese Art der Kompromissfindung kann – so Scholand – als „undoing circumscription“ bezeichnet werden (ebd., 62). Erwartungsgemäß zeigen sich in den Antworten der Jugendlichen geschlechtsspezifische Unterschiede – aber auch Gemeinsamkeiten. Für Mädchen und Burschen sind Berufe interessant, die mit der „Modellierung von Körpern zu tun haben: Fitnesstrainer/in bei den Burschen und Modedesigner/in bei den Mädchen“ (ebd., 70). Ebenso war der Beruf Grafikdesigner*in und Rechtsanwalt*in bei Mädchen und Burschen beliebt (ebd.). Der Autorin gelang es, ein berufliches Feld herauszuarbeiten, in dem weder Mädchen noch Burschen Gefahr laufen, dass ihre Berufswahl als geschlechtsunangemessen sanktioniert wird (ebd., 79).
Gleichzeitig finden sich geschlechtsbezogene Präferenzen bzw. Ablehnungen von Berufen (z. B. Maschinenbauerin bei den Mädchen, Sozialpädagoge bei den Burschen) und Ausschlüsse aufgrund des fehlenden Prestiges (Altenpfleger*in, Reinigungskraft), (vgl. ebd.). Inwiefern das doing oder undoing circumscription überwiegt, konnte auf der Basis der erhobenen Daten „nicht eindeutig beantwortet“ werden (ebd., 80).
Auch Faulstich-Wieland interessierte sich für Gemeinsamkeiten und Unterschiede von männlichen und weiblichen „Auszubildenden in geschlechtsuntypischen Berufen“ (ebd.). Für ihre Studie wurden 23 narrative Interviews (9 Frauen, 14 Männer) mit Auszubildenden in „geschlechtsuntypischen“ Berufen geführt. Untersucht wurde die Frage, was die Auszubildenden dazu bewegt hat, ihren („geschlechtsuntypischen“) Beruf zu ergreifen und welche Rolle die schulische Berufsorientierung bzw. andere Einflussfaktoren dabei gespielt haben (ebd., 86).
Wie kam es dazu, dass sich die jungen Männer und Frauen für einen „geschlechtsuntypischen“ Ausbildungsberuf entschieden haben?
Gemeinsam ist den befragten Frauen und Männern in „geschlechtsuntypischen“ Ausbildungsberufen, dass sie die berufliche Orientierung in der Schule als kaum unterstützend wahrgenommen und eine individuelle Beratung vermisst haben. Hilfreich für die Berufswahl waren nach Aussagen der Jugendlichen vor allem berufliche Praktika (ebd., 110). Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass es vor allem jenen Jugendlichen gelang, ihren „geschlechtsuntypischen“ Wunschberuf zu verfolgen, die im Vorfeld ein klares Berufsbild entwickelt haben (ebd., 113).
Junge Frauen berichten häufiger von emotionaler (nicht inhaltlicher) Unterstützung durch Familie und Freund*innen. Sie beschreiben sich als „handwerkliche interessiert“ bzw. „für körperliche Arbeit geeignet“ (ebd., 110). Sie berichten von einem fehlenden Überblick über ihre Möglichkeiten in verschiedenen Berufsfeldern, der auch nicht durch die Familie oder Freunde kompensiert werden konnte. Auch wenn sie sich bei der Konfrontation mit Vorurteilen in ihrem beruflichen Umfeld durchaus allein gelassen fühlen, steht die Genderfrage für die jungen Frauen nicht im Vordergrund (ebd.).
Die jungen Männer geben an, dass das Geschlechterverhältnis bei der Wahl ihres Berufes kein relevanter Aspekt war. Einige Männer berichten von Widerständen oder Unverständnis der Eltern/Freund*innen in Bezug auf ihre Berufswahl. In der Ausbildung wiederum freuen sie sich, andere junge Männer zu finden. Im Anschluss an die Ausbildung möchten sie sich durch beruflichen Aufstieg oder Wechsel von ihren aktuellen Kolleginnen absetzen (ebd., 111 f.).
Angesichts dieser unterschiedlichen Befunde stellt sich die Frage, inwiefern es sich bei der Wahl eines „geschlechtsuntypischen“ Berufes um das Ergebnis eines gelungenen, intensiven beruflichen Orientierungsprozesses der Jugendlichen handelt – oder ob sich manche von ihnen einfach keine großen Gedanken über ihren Ausbildungsberuf gemacht haben.
Rahn/Hartkopf untersuchten auf der Basis der Daten des Berufsorientierungspanels (BOP, siehe oben) die Frage, „ob bzw. inwieweit es Unterschiede bei der Herausbildung geschlechtsuntypischer Berufswahlen zwischen den Geschlechtern gibt“ (ebd., 116). Als Bezugstheorie wird die Berufswahltheorie von Gottfredson 1996 angeführt (vgl. zum Folgenden ebd., 117 f.).
Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Berufswünsche der befragten Achtklässler*innen deutlich nach Geschlecht unterscheiden und sich überhaupt nur 2 % der Befragten für „geschlechtsuntypische“ Berufe interessieren (ebd., 119). Das berufliche Spektrum der Mädchen ist enger als das der Burschen (ebd., 120). Die Mädchen nennen häufiger einen Burschenberuf als die Burschen einen Mädchenberuf (ebd.). Das geringe Interesse für „geschlechtsuntypische“ Ausbildungen verweist auf die Berufswahltheorie von Gottfredson: Am wenigsten Kompromissbereitschaft ist nach Gottfredson bei beruflichen Optionen zu erwarten, die die Geschlechtsidentität bedrohen – daher sind, ihrer Theorie nach, spontane Entscheidungen für eine „geschlechtsuntypische“ Wahl unwahrscheinlich.
Vor diesem Hintergrund haben die Autor*innen nach den Effekten des Girls‘/Boys‘ Day gefragt: Konnten die Jugendlichen nachhaltig für „geschlechtsuntypische“ Berufe interessiert werden? Um diese Frage zu beantworten, wurden die Berufswünsche der Jugendlichen zu verschiedenen Messzeitpunkten erhoben und systematisch zwischen am Girls‘/Boys‘ Day teilnehmenden und nicht teilnehmenden Jugendlichen verglichen. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Es finden sich „keine signifikanten Unterschiede zwischen teilnehmenden und nicht teilnehmenden Jugendlichen“ (ebd., 123), d. h. „per Saldo lässt sich kein Effekt der am stärksten verbreiteten Maßnahme zur Förderung geschlechtsuntypischer Berufswahlen nachweisen“ (ebd., 126).
Die folgende Analyse von Determinanten des Übergangs von Jugendlichen mit „geschlechtsuntypischen“ Berufswünschen basiert auf einer geringen Fallzahl (17 Jugendliche, davon zwölf weiblich und fünf männlich) und ist daher nur begrenzt aussagekräftig.
Die angehenden Mechanikerinnen und Köchinnen schildern, dass sie ihren Berufswunsch schon früh hatten, dieser ihrem Interesse entspricht und sie engagiert die Ausbildungsplatz- suche vorangetrieben haben. Die Eltern – insbesondere die Väter – sind ebenfalls in Facharbeiterberufen tätig und unterstützen die Berufswahl ihrer Töchter. Demgegenüber erscheint die Bewerbungsaktivität der zukünftigen weiblichen Fachkräfte für Lagerlogistik bzw. der Informationstechnischen Assistentinnen weniger optimal zu verlaufen. Ausbildungsberufe werden spät oder gar nicht als Wunschberufe genannt (vgl. ebd., 126 f.).
Bei den jungen Männer mit dem Ausbildungsberuf Friseur bzw. Kinderpfleger und Pferdewirt fällt auf, dass die Berufe erst spät auf der Liste der Wunschberufe auftauchen und sie sich nicht wirklich aktiv um einen anderen Ausbildungsplatz beworben haben. Ihr beruflicher Orientierungsprozess wirkt „weniger interessengeleitet und engagiert“ (ebd., 128). Der angehende Kinderpfleger schildert deutlich, dass er diese Ausbildung niemandem raten würde (ebd.).
Der Übergang in „geschlechtsuntypische“ Ausbildungen kann mit Blick auf die befragten Mechanikerinnen und Köchinnen als Ergebnis einer gelungenen beruflichen Orientierung verstanden werden. Die Aussagen der übrigen Jugendlichen deuten jedoch darauf hin, dass deren „geschlechtsuntypische“ Berufswahlentscheidungen möglicherweise eher als Ausdruck einer „Notlösung“, also als Resultat einer ungünstig verlaufenden beruflichen Orientierung zu interpretieren ist. Dies scheint besonders bei den schlecht bezahlten, typischen „Frauen“-Berufen der Fall zu sein, wenn sie von jungen Männern angesteuert werden. Die Autor*innen stellen daher die Vermutung auf: „Wenn es sich bei dem geschlechtsuntypischen Beruf um einen Beruf mit niedrigem Prestigewert handelt, basieren Einmündungsprozesse in geschlechtsuntypische Berufsausbildungen eher nicht auf kompetenten Berufswahlen“ (ebd., 129).
Die folgende Studie stellt ebenfalls einen Zusammenhang zwischen dem wahrgenommenen Prestige/Verdienst und der geschlechtsspezifischen Zuordnung her:
Auf der Grundlage einer Befragung von Schüler*innen in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2015 (Stichprobe: knapp 2.000 Befragte in der 9. bzw. 10. Klasse aus Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien, siehe Matthes 2019, 126) wird die Frage untersucht, warum Berufe von Jugendlichen (nicht) gewählt werden. Ausgangspunkt der Arbeit ist die Überlegung, dass es bei der Berufsfindung sowohl „Attraktions- als auch Aversionsfaktoren“ gibt und dass „Aversionsfaktoren einen intervenierenden Effekt auf die Wirkung von Attraktionsfaktoren“ haben (ebd., 33). Im Fokus steht die Perspektive der Jugendlichen selbst und deren Bedürfnis nach sozialer Anerkennung. Wenn der Beruf etwas darüber aussagt, wer die Person ist – dann stellt sich bei der beruflichen Orientierung die Frage, als welche Person ich in Zukunft von anderen wahrgenommen werden möchte. Reale oder antizipierte Reaktionen von Eltern und Peers auf verschiedene Berufswünsche beeinflussen demnach den Berufsfindungsprozess. „Weil Menschen ein Bedürfnis nach sozialer Anerkennung haben und Berufe in westlichen Industrienationen wie Deutschland eine ‚Visitenkartenfunktion‘ besitzen, werden Berufe, deren Wahl eine unvorteilhafte Verortung im sozialen Raum vermuten lässt, in der Berufsfindung (zumeist unbewusst) eher ausgeschlossen – und zwar auch dann, wenn die Tätigkeiten eigentlich zu den eigentlichen beruflichen Interessen passen“ (ebd., 163).
Die Untersuchung bestätigt den Einfluss von erwarteten Reaktionen von Dritten auf die Berufswahl: Die Neigung im Sinne von ‚Vorstellbarkeit‘, einen Beruf zu ergreifen, steigt, wenn die vermutete Reaktion von Freunden bzw. Familie positiv ausfällt (Bundesinstitut für Berufsbildung 2018, 442 f.).
Interessant ist nun, welche Berufe im Umfeld positiv bzw. negativ konnotiert werden. Sowohl von der Familie als auch seitens der Peers sind umso positivere Rückmeldungen zu erwarten, wenn.
  • in dem Beruf ihrer Ansicht nach wenige Personen mit Hauptschulabschluss den Beruf erlernen,
  • der vermutete Verdienst hoch ist und
  • der Beruf als typisch für das jeweilige Geschlecht angesehen wird (ebd., 444 f.).
Im Umkehrschluss können die Untersuchungsergebnisse verstehen helfen, warum sich Schüler*innen gegen Ausbildungsberufe entscheiden, die von ihnen als „Hauptschülerberuf“, schlecht bezahlt und „geschlechtsuntypisch“ wahrgenommen werden. Diese Ergebnisse verweisen auf die Berufswahltheorie nach Gottfredson (s. o.): Danach stellen zentrale Dimensionen für die Eingrenzung beruflicher Aspirationen das mit dem Beruf konnotierte Geschlecht, das Prestige des Berufs und das Interesse dar (Gottfredson 1981, 551).
Gelderwerb vs. Berufung
Auch die für die Jugendlichen relevanten Kriterien für und Erwartungen an einen Beruf an sich (vgl. Abschn. 2.2) können nach Gemeinsamkeiten im Hinblick auf weibliche bzw. männliche Jugendliche untersucht werden. Inwiefern stellt z. B. die Relevanz eines guten Einkommens ein zentrales Kriterium für alle Jugendlichen dar – oder ist der Verdienst weiterhin klassisch ein zentrales Kriterium für männliche Jugendliche?
Im BIBB-Forschungsprojekt „Berufsorientierung junger Frauen“ (Puhlmann et al. 2011) greifen die Autorinnen geschlechtsspezifisch unterschiedliche berufliche Interessen auf. Sie gehen jedoch davon aus, dass gerade diese „Differenzsetzungen die Vorstellung (nähren – d. V.), dass die Berufsorientierungsprozesse junger Frauen und junger Männer unterschiedlich verlaufen würden und daher zu geschlechtssegregierter Beteiligung an Ausbildung führten“ (ebd., 2). Daher zielt ihre Untersuchung darauf, derartige „Differenzsetzungen zu vermeiden und so individuelle und institutionelle Veränderungen bei der Berufsorientierung herauszuarbeiten“ (ebd., 3). Befragt wurden 429 Auszubildende (medizinische Fachangestellte, KfZ-Mechatroniker*in, Informatikkaufleute, IT-Systemkaufleute, Kaufleute im Einzelhandel) zwischen 16 und 32 Jahren in Form von halbstandardisierten Einzelinterviews (ebd., 5). Als Ergebnis der Interviewanalyse konnten insbesondere Gemeinsamkeiten der jungen Frauen und Männer im Hinblick auf ihre berufliche Orientierung herausgearbeitet werden:
So werden kaum Unterschiede zwischen den jungen Frauen und Männern festgestellt, wenn es um die Kriterien für die Berufswahl geht: Der „Spaß am Beruf“, die „berufliche Eignung“, der Wunsch, „überhaupt einen Ausbildungsplatz zu bekommen“, die „Aufstiegschancen“, die „Höhe der Ausbildungsvergütung“, das „Ansehen des Berufs“ und der Wunsch, „anderen Menschen helfen“ zu können, war für die weiblichen und männlichen Befragten ähnlich wichtig.3
Dennoch führen die Autorinnen auch Unterschiede zwischen Männern und Frauen auf. Für die befragten jungen Männern waren die Kriterien „Hobby im Beruf verwirklichen“, „mit modernen Maschinen umgehen“ und „möglichst viel Geld verdienen“ wichtiger als den jungen Frauen. Für diese war die „Sicherheit vor Entlassung“ bedeutsamer (ebd., 11).
Ähnliche Ergebnisse zeigt die McDonald’s Ausbildungsstudie. Auch hier tendieren die weiblichen Befragten stärker zum Kriterium „Sicherheit“ während die männlichen Befragten die Höhe des Einkommens hervorheben. Zwar sind für die jungen Männer und Frauen der Spaß an der Arbeit und die Sicherheit des Arbeitsplatzes bedeutsame Kriterien, allerdings sind beide Aspekte für Frauen wichtiger als für Männer (Spaß: 75 % zu 69 % bzw. Sicherheit: 66 % zu 60 %). Umgekehrt ist für die männlichen Jugendlichen ein hohes Einkommen wichtiger als für die weiblichen Befragten (27 % zu 19 %) (vgl. McDonald’s Deutschland 2017, 56).
Die 17. Shell-Jugendstudie fragte ebenfalls nach geschlechtsspezifischen Gemeinsamkeiten und Differenzen. Unterschieden werden die Dimensionen „Nutzen- bzw. Erfüllungsorientierung“. Werden diese Dimensionen entlang der Kategorie Geschlecht analysiert, tendieren die Frauen eher zur Erfüllungsorientierung. Nicht das hohe Einkommen (Nutzen), sondern der Wunsch nach Erfüllung im Beruf steht für sie im Fokus (Leven et al. 2016, 82 f.).
Diese Ergebnisse entlang der Kategorie Geschlecht überraschen nicht wirklich. Schließlich sind eher professions- vs. vokationsbezogene Schwerpunktsetzungen im Hinblick auf das Berufsverständnis bereits bei Kindern im Grundschulalter vorzufinden (Baumgardt 2012, 232 f.). Allerdings ist zu betonen, dass es sich hier um graduelle Unterschiede zwischen Männern und Frauen handelt – generell sind ein hohes Einkommen und der Wunsch nach Erfüllung im Beruf für Frauen und Männer ein wichtiges Kriterium.
Vereinbarkeit von Kindern und Karriere
Inwiefern ist das Thema ‚Vereinbarkeit von Kindern und Karriere‘ für die Jugendlichen relevant?
Die vom österreichischen Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz in Auftrag gegebene Studie zum Thema „Jugend und Beschäftigung“ (ebd.) untersuchte auch die Frage der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die Antworten der jungen Frauen und Männer weisen auf ein eher traditionelles Rollenverständnis hin. Beim Thema Kinderwunsch und -betreuung erschien es für die befragten Frauen normal, die Berufstätigkeit für die Betreuung des Kindes zu unterbrechen. Die befragten Männer mit Kinderwunsch gingen jedoch davon aus, dass nicht sie als Vater des Kindes, sondern die Mutter in Elternzeit gehen würde (ebd., 80).
In der österreichischen Jugendwertestudie 2011 (Heinzlmaier/Ikrath 2011) wurden die Jugendlichen ebenfalls zu ihrer Familienplanung befragt. Für 14- bis 19-jährige Jugendliche und insbesondere für aufstiegsorientierte junge Frauen kann bilanziert werden: „Berufliche Integration und finanzielle Selbständigkeit haben Vorrang vor der Familiengründung“ (ebd., 35). In den Gruppendiskussionen zeigte sich, dass sich bildungsnahe Österreicher*innen eher als ein Team verstehen möchten, in dem die Verantwortung für Kinderbetreuung, Haushalt, Gelderwerb zwischen den Partner*innen ausgehandelt wird. Frauen aus bildungsferneren Milieus geben an, sich zunehmend gegen traditionelle Rollenbilder zur Wehr zu setzen und die Verantwortung der Männer einzufordern (ebd., 36 f.).
Im 7. Bericht zur Lage der Jugend in Österreich aus dem Jahr 2016 wurden den Jugendlichen ebenfalls Fragen zur Work-Life-Balance gestellt. Es zeigt sich: Arbeiten ist nicht alles. Neben der Arbeit wünschen sich die Jugendlichen, noch ausreichend Zeit für Hobbys (38,7 %) und Familie zu haben (47 %). Die Zustimmungswerte unterscheiden sich hier deutlich zwischen Männern und Frauen: Zeit für die Familie ist nur für 38,2 % der männlichen Jugendlichen bedeutsam – im Gegensatz zu 54,6 % der weiblichen Jugendlichen (Bundesministerium für Frauen, Familie und Jugend 2016, 59).
Auch die McDonald’s Ausbildungsstudie hat die Jugendlichen zur Relevanz der Vereinbarkeit von Kindern und Karriere befragt: Danach legen junge Frauen großen Wert auf einen Beruf, der sich gut mit Familie und Kindern vereinbaren lässt (44 %) – sehr viel mehr als die männlichen Befragten (26 %) (vgl. McDonald’s Deutschland 2017, 56).
Schuchart et al. erforschten 2016 die Studienorientierung von Männern und Frauen im Verlauf der Sekundarstufe II (ebd.). Befragt wurden 2092 Schüler*innen der Oberstufe von 39 beruflichen Schulen und 11 Gesamtschulen zu Beginn und Ende der Oberstufe (vgl. ebd., 6 ff.). Danach steigt die Studienabsicht von Männern und Frauen, wenn mit dem Studium die Erwartung verbunden wird, dass die „Arbeitsmarktchancen verbessert“ werden könnten bzw. dass ein Studium zu einem „sinnvollen Beruf“ führen würde (ebd., 17). Im Unterschied zu den befragten Männern ist für die Studierabsichten der Frauen zusätzlich relevant, wenn ihre Überzeugung steigt, dass sie mit dem Studium dem Ziel „eine Familie gründen“ näher kommen (ebd.).
Die Autor*innen der 17. Shell-Jugendstudie (Shell Deutschland Holding 2016) verweisen in verschiedenen Bereichen auf Zusammenhänge zwischen Gender und Berufswahl in Deutschland. Zum Themenkomplex „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ zeigten sich geschlechtsspezifisch unterschiedliche Antworten zu der Frage, inwiefern sich die Frage nach Kindern aktuell stellt und wie sich die jungen Männer und Frauen die eigene Elternrolle im Zusammenhang mit der Ausübung eines Berufs vorstellen können (Leven et al. 2016, 80 ff.). 64 % der Befragten äußern einen Kinderwunsch – diese Zahl ist jedoch im Vergleich zu den letzten Jahren rückläufig (ebd., 62 f.). In den vertiefenden Interviews erläutern die jungen Männer, dass sie sich zunächst beruflich etablieren möchten, bevor sie sich mit der Frage ‚Kinder – ja oder nein‘ befassen wollen (Leven/Utzmann 2016, 299). Der Rückgang wird interpretiert als Sorge der Jugendlichen, ihre berufliche Karriere nicht mit dem Kinderwunsch unter einen Hut bringen zu können. Auch hier unterscheiden sich die Befunde deutlich nach dem Geschlecht der Befragten:
Die Möglichkeit, zu Hause zu arbeiten, ist für fast ein Drittel der jungen Frauen wichtig (Männer: 23 %). Auch wünschen sich deutlich mehr Frauen als Männer, dass die Arbeitszeit unkompliziert an sich veränderte Lebensumstände angeglichen werden kann (42 % zu 37 %). Als Eltern möchten Frauen deutlich häufiger als Männer Teilzeit arbeiten (62 % zu 25 %) (Leven et al. 2016, 85). Die Autoren interpretieren diese Befunde jedoch nicht als Ausdruck traditioneller geschlechtsspezifischer Rollenvorstellungen. Vielmehr sehen sie bei den Frauen den Wunsch nach beidem: Sie „möchten Berufserfolg und Karriere – und hier liegt der Unterschied zur Mehrheit der jungen Männer – mit einem aktiven Familienleben kombinieren“ (ebd., 86). Hier schließen sich also die Familien- und Berufsorientierung nicht aus, im Gegenteil: Sie sind eng miteinander verwoben.
Zusammenfassung
Vor dem Hintergrund der geschlechtsspezifischen Segregation des Ausbildungs- und Arbeitsmarktes ist die Relevanz der Kategorie Geschlecht für die berufliche Orientierung nicht zu übersehen. Jedoch stellt sich der Umgang mit einer Kategorie, die es zu überwinden gilt, als Herausforderung dar.
Unterschiedliche Berufswünsche von jungen Frauen und Männern werden in den Studien untersucht und gefunden: Frauen bevorzugen eher eine Ausbildung im Bereich der Gesundheits- bzw. Körperpflege, im Handel oder Büro, während sich Männer vorrangig für den handwerklich-technischen Bereich interessieren. Die Suche nach Gemeinsamkeiten zwischen weiblichen und männlichen Jugendlichen verschiebt das Bild – aber nur geringfügig: Es konnte zwar ein berufliches Feld identifiziert werden, das junge Frauen und Männer sanktionsfrei anwählen können, gleichwohl werden weiterhin Berufe aufgrund von geschlechtsbezogenen Präferenzen angesteuert bzw. abgewählt.
Für die wenigen, die sich für einen „geschlechtsuntypischen“ Ausbildungsberuf entschieden haben, schien der Gender-Aspekt während der beruflichen Orientierung keine große Rolle zu spielen. Als hilfreich wurden vielmehr Praktika für die Entwicklung eines klaren („geschlechtsuntypischen“) Berufsbildes genannt. Für einige der befragten Jugendlichen liegt jedoch die Vermutung nahe, dass deren Entscheidung für eine „geschlechtsuntypische“ Ausbildung eher als Notlösung bzw. Resultat einer ungünstig verlaufenden beruflichen Orientierung zu werten ist. Als zielführend können weitere Untersuchungen im Anschluss an Gottfredson angesehen werden, die verstehen helfen, warum sich Hauptschüler*innen gegen Berufe entscheiden, die von ihnen als schlecht bezahlt, „geschlechtsuntypisch“ und bildungsfern („Hauptschülerberuf“) wahrgenommen werden.
Auch im Hinblick auf mögliche Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Männern und Frauen bezogen auf die Kriterien für einen Beruf ergibt sich ein ‚sowohl – als auch‘: Für weibliche und männliche Jugendliche ist ein hohes Einkommen und der Wunsch nach Erfüllung im Beruf ein zentraler Aspekt. Allerdings ist der Verdienst den jungen Männern, die Erfüllung den jungen Frauen jeweils etwas wichtiger.
Für den Girls‘/Boys‘ Day als die Maßnahme zur Veränderung von „geschlechtstypischen“ Berufswünschen konnte kein nachhaltiger Effekt nachgewiesen werden.
Auch die Frage nach der Relevanz von Vereinbarkeit von Kindern und Karriere wird von weiblichen und männlichen Jugendlichen unterschiedlich beantwortet. Für aufstiegsorientierte junge Frauen haben die berufliche Integration und finanzielle Selbständigkeit Vorrang vor der Familiengründung. Ansonsten können sich Frauen deutlich eher als Männer vorstellen, die Berufstätigkeit für die Betreuung eines Kindes zu unterbrechen, zu Hause/in Teilzeit zu arbeiten, mehr Freizeit für die Familie zu haben usw. Die Shell-Studie interpretiert diesen Befund jedoch nicht als traditionelles weibliches Rollenverständnis. Vielmehr sehen sie die Frauen (im Gegensatz zu den Männern) in dem Bestreben, beides zu verwirklichen: beruflichen Erfolg und Karriere sowie ein aktives Familienleben.

2.3.3 Migrationshintergrund

In einigen Studien werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund im Kontext der Berufsorientierung untersucht.4 Einige ausgewählte Resultate werden im Folgenden dargestellt:
In Österreich wurden 2007 Jugendliche mit Migrationshintergrund, Mitarbeiter*innen des Arbeitsmarktservice Wien und Expert*innen mit dem Ziel befragt, den Beratungsprozess des AMS für diese Zielgruppe zu verbessern (Befragung von 236 Jugendlichen mit Migrationshintergrund mittels Fragebogen/geschlossenen Fragen, 8 Interviews mit AMS-Mitarbeiter*innen sowie 4 Expert*inneninterviews, vgl. AMS Arbeitsmarktservice Wien 2007, 8 f.). Auffällig ist, dass 61 % der befragten Jugendlichen angaben, dass sie ihre Berufswahl allein, d. h. ohne elterliche Unterstützung oder Hilfe getroffen hätten (ebd., 34). Nur ein Zehntel der befragten Jugendlichen kann in der aktuellen beruflichen Situation auf die Unterstützung der Eltern zählen.
Die Autor*innen der Studie interpretieren diesen Befund als „geringe Unterstützungsbereitschaft“ seitens der Eltern für ihre Kinder (ebd., 33). Hier stellt sich die Frage, inwieweit die Interpretation als fehlende „Bereitschaft“ der Eltern nicht zu kurz gegriffen ist: Aus der SI- NUS-Milieu-Studie wissen wir, dass in Familien mit Migrationshintergrund in Deutschland die Leistungsbereitschaft und der Wille zum Aufstieg stark ausgeprägt ist (Wippermann/Flaig 2009). Und gleichzeitig können die Eltern einer Migrantenfamilie ihr Kind nur selten konkret (z. B. bei den Hausaufgaben oder der Suche nach einem Ausbildungsplatz) unterstützen (vgl. Hummrich 2002, Beicht/Granato 2010). Möglicherweise geht es bei den Aussagen der Wiener Jugendlichen weniger um die fehlende Bereitschaft als um das unzureichende Wissen ihrer Eltern um das österreichische Berufs-, Bildungs- und Ausbildungssystem, das sie ggfs. gar nicht oder nur teilweise aus eigener Anschauung kennen. Letztlich bleibt es bei dem Befund, dass über 60 % der in der Wiener AMS-Studie befragten Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei zentralen Fragen und Entscheidungen im Hinblick auf ihre berufliche Laufbahn auf sich allein gestellt sind (AMS Arbeitsmarktservice Wien 2007, 34).
Daher wundert es nicht, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund die Angebote des AMS eigeninitiativ und „überdurchschnittlich oft“ (ebd., 40 f.) nutzen. Sie erwarten vom AMS konkrete Hilfe, z. B. die Vermittlung einer Arbeits- oder Lehrstelle (60 % bzw. 68 %). Mehr als die Hälfte der Jugendlichen gibt an, mit der Beratung vor Ort zufrieden zu sein (ebd., 44).
Auch die AMS-Mitarbeiter*innen wünschen sich mehr Zeit für die Jugendlichen. Wichtig erscheint ihnen zudem eine kontinuierliche Betreuung, um gemeinsam die individuellen beruflichen Perspektiven erarbeiten zu können. Angesichts der sehr selbstständigen beruflichen Orientierung von vielen Jugendlichen sehen sie eine früh einsetzende intensive schulische Berufsorientierung und niedrigschwelligen Zugang zu Berufsinformationen als erforderlich an (ebd., 53). Auch sollte der Arbeitsmarktservice bei den Unternehmen für die Einstellung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund werben (ebd., 55).
Die Längsschnittsuntersuchung des Deutschen Jugendinstitutes (Gaupp et al. 2013) befragte die Hauptschüler*innen ebenfalls zur Rolle ihrer Eltern. Im Zentrum stand hier jedoch nicht die Unterstützung durch die Eltern, sondern die Wünsche der Eltern im Hinblick auf die Berufswahl ihrer Kinder. Für nur 10 % der Jugendlichen deutscher Herkunft waren die Wunschvorstellungen der Eltern ein wichtiges Kriterium. Dagegen wollte ein Drittel der Jugendlichen mit einem türkischen Migrationshintergrund die beruflichen Vorstellungen ihrer Eltern berücksichtigen (ebd., 137).
In der Shell-Jugendstudie wurden die Jugendlichen zu der Frage, inwiefern sie ihren Berufswunsch realisieren können, befragt. Dabei stellte sich heraus, dass einem guten Fünftel der Jugendlichen, die nicht mehr zur Schule gehen, der für ihren Wunschberuf erforderliche Abschluss fehlt. Jugendliche mit Migrationshintergrund berichten deutlich häufiger von ihrer fehlenden schulischen Qualifikation (42 %) als Jugendliche ohne Migrationshintergrund (18 %) (vgl. Leven et al. 2016, 74).
Dieser Befund wird durch den Berufsbildungsbericht 2018 bestätigt. Danach verfügten 38 % der Bewerber*innen mit Migrationshintergrund über einen Schulabschluss, der für die von ihnen angestrebten Ausbildungsberufe in Deutschland zu niedrig war – dies traf ‚nur‘ für 30 % der Bewerber*innen ohne Migrationshintergrund zu (Bundesinstitut für Berufsbildung 2018, 240).
Die Frage nach möglicherweise fehlenden schulischen Qualifikationen wurde in der McDonald’s Ausbildungsstudie von 2017 so nicht gestellt. Vielmehr wurde nach der Einschätzung für Aufstiegsmöglichkeiten von Menschen aus einfachen Verhältnissen gefragt. Jugendliche Migrant*innen sehen diese Möglichkeiten in Deutschland zunehmend positiv: Der Zustimmungswert stieg von 51 % (aus dem Jahr 2013) auf 63 % für das Jahr 2017 (vgl. McDonald’s Deutschland 2017, 31).
Dieser Einschätzung aus der Perspektive von Jugendlichen steht jedoch die Bilanz des Berufsbildungsberichts 2018 gegenüber, nach der Bewerber*innen mit Migrationshintergrund „signifikant schlechtere Chancen (haben – d. V.), in eine betriebliche oder duale Ausbildung einzumünden“ (Bundesinstitut für Berufsbildung 2018, 245). Diese Chancennachteile können dem BIBB zufolge nicht allein mit (fehlenden) schulischen Qualifikationen oder spezifischen berufsbezogenen Interessen der Jugendlichen erklärt werden. Die Ursachen werden eher bei den Betrieben vermutet: Möglicherweise haben die Schulabschlüsse der Jugendlichen mit Migrationshintergrund für die Unternehmen einen „geringeren ‚Signalwert‘“ oder es werden von den Betrieben „andere als unmittelbar leistungsbezogene Kriterien“ im Hinblick auf die Auswahl von Bewerber*innen angelegt (ebd., 246).
Diese diplomatische Zusammenfassung der Ergebnisse schließt direkt an die Studie von Granato an, die berufliche Orientierung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund untersucht hat (Granato 2013). Sie fokussiert in ihrem Beitrag den Befund, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund in Deutschland „selbst mit den gleichen Voraussetzungen in Bezug auf Schulabschluss, Schulnoten, soziale Herkunft und soziale Einbindung sowie ausbildungs- marktrelevanten Merkmalen schlechtere Chancen haben, einen vollqualifizierenden Ausbildungsplatz zu erhalten als junge Frauen und Männer ohne Migrationshintergrund“ (ebd., 153). Sie fragt vor dem Hintergrund struktureller Ausgrenzung nach weiteren Einflussgrößen, die mit dem Migrationshintergrund in Zusammenhang stehen.
Die geringeren Einmündungschancen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in eine Ausbildung können demnach nicht auf ein ggfs. fehlendes Engagement der jungen Männer und Frauen zurückgeführt werden: Eine „unzureichende Bildungsorientierung oder weniger intensive Ausbildungsplatzsuche sind als Erklärungsmöglichkeit (…) auszuschließen, da solche Unterschiede zwischen jungen Frauen bzw. jungen Männern mit und ohne Migrationshintergrund nicht nachweisbar sind“ (ebd., 155, vgl. Beicht/Granato 2010). Eine mögliche Erklärung wird vielmehr in den „Rekrutierungsstrategien und Selektionsprozessen von Betrieben“ vermutet (Granato 2013, 155).
Zusammenfassung
Jugendliche mit Migrationshintergrund sehen mehrheitlich optimistisch in ihre berufliche Zukunft. Die Studienergebnisse zeigen jedoch Handlungsbedarf auf. Jugendlichen mit Migrationshintergrund fehlt häufig der für ihren Ausbildungsberuf angestrebte Schulabschluss. Mehr als die Hälfte der befragten österreichischen Jugendlichen mit Migrationshintergrund gibt an, die Berufswahl allein, d. h. ohne Unterstützung der Eltern, getroffen zu haben. Sie sind daher in besonderem Maße auf institutionelle Beratungsangebote angewiesen, die sie auch überdurchschnittlich oft nutzen. Für Jugendliche mit Migrationshintergrund in Deutschland ist zu bilanzieren, dass sie bei gleicher Qualifikation schlechtere Chancen haben, einen Ausbildungsplatz zu erhalten als Jugendliche ohne Migrationshintergrund. Dieser Befund wird explizit nicht mit dem fehlenden Engagement o.ä. der Jugendlichen erklärt, sondern mit den Auswahlprozessen aufseiten der Betriebe. Inwieweit dieses Ergebnis auch auf Österreich übertragbar ist, kann hier nicht beantwortet werden.

2.3.4 Medien

Welche Vorstellungen über die Berufs-und Arbeitswelt werden Jugendlichen medial vermittelt? Inwiefern beeinflussen Medien die Entstehung von Berufswünschen und die Erwartungen der Jugendlichen an die Arbeitswelt? Über welche Medien können Jugendliche in ihrer beruflichen Orientierung erreicht werden, das heißt, welche Medien nutzen sie und welche stellen eine Informationsquelle dar, der sie vertrauen?
Medien und die Entstehung von Berufswünschen
Gehrau/Vom Hofe 2013 interessierten sich für die Darstellung von Berufen in Fernsehserien und deren Einfluss auf die Berufsvorstellungen von Jugendlichen. Die Untersuchung besteht aus zwei Teilen: 1) Inhaltsanalyse der für die Zielgruppe besonders beliebten Fernsehserien und 2) Befragung von jugendlichen Rezipient*innen (1.300 Schüler*innen aller Schulformen maximal zwei Jahre vor Schulabschluss mittels Fragebogen (vgl. ebd., 125 ff.).
Ausgangspunkt der Studie war die Überlegung, dass viele Jugendliche eine unrealistische Vorstellung zu den Anforderungen und Tätigkeiten ihres Wunschberufes haben. Die Autor*innen fragen in diesem Kontext nach dem Einfluss von Fernsehserien. Sie gehen von der These aus, dass die Berufswelt der Fernsehserien nicht der realen Berufswelt entspricht, weder mit Blick auf die Verteilung der Berufe noch hinsichtlich der dargestellten beruflichen Tätigkeiten (ebd., 125).
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Darstellung von Berufen in Fernsehserien vom „echten Leben“ unterscheidet. In den Serien ist eine „Verengung des Berufsspektrums“ (ebd., 127) zu beobachten. Die Bereiche Gesundheit, Verwaltung bzw. Verteidigung, Gastronomie und Dienstleistungen sind dominant vertreten. Handwerkliche oder technische Berufe und körperliche Arbeit kommen kaum vor, das Berufsleben wird – häufig aus der Perspektive von Leitungspersonen – als „locker“ und „unbeschwert“ beschrieben und ist mit einem hohen Verdienst verbunden (ebd.). Korrelationen konnten u. a. im Hinblick auf den Konsum der Jugendlichen bezogen auf bestimmte Serien festgestellt werden: „Wer viele der untersuchten Serien schaute, der meinte signifikant öfter, Ärzte sähen gut aus und hätten ein aufregenderes Berufsleben“ (ebd., 129). Fernsehserien tragen dazu bei, dass die Rezipient*innen ein „verzerrte(s) Berufsbild“ (ebd., 130) entwickeln und eine „selektive (…) Berufswahl“ (ebd.) treffen. Chancen sehen die Autor*innen für unpopuläre Berufe, die durch Fernsehserien eine verstärkte Sichtbarkeit herstellen könnten.
Im Rahmen des Berufsorientierungspanels BOP (Rahn et al. 2013) wurden in Nordrhein- Westfalen in den Jahren 2009–2013 ca. 3.700 Achtklässler*innen aller Schulformen (Eingangsbefragung) untersucht. Weyer et al. 2016 haben auf der Basis der BOP-Daten (jeweils erstes Halbjahr der 9. und 10. Klasse) die Frage untersucht, „in welchem Ausmaß man mit Einflüssen von Medieneffekten auf die Berufsorientierung im Allgemeinen sowie auf die Entwicklung von Berufswünschen im Besonderen rechnen“ kann (ebd., 109). Aus den Antworten offener Impulse zur Entstehung des Wunschberufes wurden verschiedene Items konstruiert (eigene Fähigkeiten und Interessen, Eltern, Praktikum, Verwandte/Bekannte, Medien, weil ich es schon immer wollte, Potenzialcheck, Freunde, Schule oder sonstiges (vgl. ebd., 115)), die den Jugendlichen vorgelegt wurden.
Für die Entstehung des Berufswunsches war aus Sicht der Befragten vor allem das Kriterium „Interesse und Fähigkeiten“ am bedeutsamsten, gefolgt von Eltern und Verwandten/Bekannten. „Medien“ als Erklärung für die Begründung des Wunschberufes steht auf dem vierten Platz, gefolgt vom Praktikum, Freunden, dem Potenzialcheck und der Angabe, dass „ich das schon immer werden wollte“ (ebd.).
Die Autor*innen interessierten sich weiter für die Frage, welche Begründungen der Berufswünsche mit der Nennung von Medien als Begründung korrelieren (vgl. ebd., 117). Hier zeigte sich, dass Massenmedien v. a. dann „Berufswünsche an(regen – d. V.), wenn sie mit den Interessen und Fähigkeiten der Befragten korrespondierten“ (ebd., 118). Weiterhin schlossen sich die eigene Erfahrung aus Praktika einerseits und Medieneinflüsse andererseits tendenziell aus. Mit anderen Worten: „Medien konnten also eher dann Einfluss auf den Berufswunsch entfalten, wenn der Berufswunsch nicht durch Praktikumserfahrung unterfüttert war, Medienerfahrung also reale Erfahrungen mit Berufen ersetzte“ (ebd., 119).
Die Autoren untersuchten außerdem die Berufswünsche, die besonders oft auf die Inspiration von Medien zurückgeführt werden konnten, in demografischer Hinsicht. Kaum bzw. keine Einflüsse lassen sich im Hinblick auf das Geschlecht bzw. den Migrationshintergrund feststellen. Deutliche Unterschiede zeigen sich jedoch hinsichtlich der Schulform. Hauptschüler*innen begründen ihre Berufswünsche nur sehr selten mit Medien, während die Werte von Gymnasialschüler*innen fast doppelt so hoch sind (ebd., 121). Dieser Befund lässt sich mit den unterschiedlichen berufspraktischen Erfahrungen der befragten Neunt- und Zehntklässler*innen in einen Zusammenhang bringen. Schüler*innen auf dem Gymnasium verfügen in der Regel über weniger berufsbezogene praktische Erfahrungen als Hauptschüler*innen. So weisen die Ergebnisse darauf hin, dass Medien für Berufswünsche offenbar dann an Relevanz gewinnen, „wenn realweltliche Erfahrungen und Anforderungen in den Hintergrund treten, weil sie nicht oder noch nicht vorhanden sind“ (ebd.). Die Autoren bilanzieren, dass medial vermittelte Berufswünsche immer noch besser seien als das Fehlen von Berufswünschen. Um das Risiko von Bildungsabbrüchen zu verringern, sollten jedoch die medial entstandenen Vorstellungen systematisch mit berufspraktischen Erfahrungen unterfüttert werden (vgl. ebd., 123).
Welche Medien nutzen und welchen vertrauen die Jugendlichen?
Im 7. Bericht zur Lage der Jugend in Österreich wird deutlich, dass im Jahr 2016 die Nutzung von digitalen Medien eine Selbstverständlichkeit darstellt: Knapp 95 % der 14- bis 29-Jährigen besitzen ein Smartphone und 95 % der 14- bis 19-Jährigen geben an, „gestern“ das Internet genutzt zu haben (Bundesministerium für Frauen, Familie und Jugend 2016, 12). Für viele Jugendliche steht dabei jedoch nicht die Suche nach Informationen, sondern nach Musikvideos und der Austausch im Social-Media-Bereich im Vordergrund (ebd.).
In einer Expertise des Deutschen Jugendinstituts untersuchte Beierle 2013 den Einfluss von u. a. Peers und Neuen Medien auf die Berufsorientierung auf die Berufsorientierung (ebd., 7). Befragt wurden 32 Jugendliche (aus dem 8., 9. und 10. Jahrgang) in Form von Gruppendiskussionen (ebd., 36 f.). Die Autorin kommt zu dem Ergebnis, dass der Einfluss der Gleichaltrigen auf den Berufsorientierungsprozess „eher diffus“ sei (ebd., 48). Dagegen werden auch in dieser Studie Eltern und Familienangehörige als durchwegs wichtige Ansprechpersonen für die Jugendlichen zum Thema ihrer beruflichen Entwicklung benannt. Eltern, Verwandte und Bekannte nehmen zudem nicht selten eine Gatekeeper-Funktion ein, indem sie z. B. den Kontakt zu Betrieben herstellen und so einen Praktikums- oder Ausbildungsplatz vermitteln (ebd., 39).
Die Jugendlichen nutzen interaktive Online-Medien wie Facebook oder WhatsApp – allerdings nicht für die berufliche Orientierung. Als vertrauenswürdige Informationsquellen im Internet werden insbesondere die Seiten der Bundesagentur für Arbeit (planetberuf, berufe.net, Jobbörse) genannt, die für die Jugendlichen durch die schulische Berufsorientierung einen hohen Bekanntheitsgrad aufweisen. Allerdings werden diese Angebote nicht als attraktiv wahrgenommen: Es sei schon an der Sprache zu erkennen, dass es sich um Filme handeln würde, die von Erwachsenen inszeniert seien und von Jugendlichen nur gespielt werden (ebd., 43). Computergesteuerte Testverfahren werden von den Befragten nur eingeschränkt als bedeutsam erachtet, stattdessen bevorzugen sie ein persönliches Berufsberatungsgespräch (ebd., 42 f.). Als besonders relevant für die berufliche Entwicklung war in den Augen der Jugendlichen das Praktikum (ebd., 44). Um kurz und zielgerichtet Informationen bei Fachkräften der Berufsberatung abrufen zu können, würden sich die Jugendlichen eine Chat-Funktion wünschen (ebd., 50). Schulgebundene Patenprojekte, bei denen die Übergangsphasen der Jugendlichen durch etwas ältere Jugendliche begleitet werden (z. B. den Einstieg in das Studium), werden ebenfalls als interessant angesehen (ebd., 51).
In der 17. Shell-Jugendstudie wurden die Jugendlichen in Deutschland zu ihrer Internetnutzung befragt (Leven/Schneekloth 2016, 140 ff.). Neben Unterhaltungszwecken wird das Internet von den Jugendlichen als Informationsquelle (jeglicher Art bzw. für Schule, Ausbildung oder Beruf) genutzt. Dabei zeigen sich Unterschiede nach Alter und Schicht der Befragten: Mit zunehmendem Alter steigt z. B. die Häufigkeit, im Internet nach Informationen für die Schule, Ausbildung oder Beruf zu nutzen (mindestens einmal pro Tag nutzt nur jede und jeder Fünfte der 12- bis 14-Jährigen das Netz, während es bei den 22- bis 25-Jährigen 49 % sind). Auch mit Blick auf die soziale Herkunft zeigen sich Differenzen. „Je höher die Herkunftsschicht, umso häufiger nutzen die Jugendlichen im Alltag das Internet als Informationsquelle“ (ebd., 144).
In der McDonald’s Ausbildungsstudie 2017 bewerten 60 % der Befragten Internetseiten zum Thema Ausbildung, Studium oder Beruf als grundsätzlich vertrauenswürdige Informationsquelle. Als besonders vertrauenswürdige Informationsquelle wurden Gespräche mit Berufstätigen (73 %) eingestuft – soziale Netzwerke werden von den Jugendlichen dagegen kaum als hilfreich für die Beschaffung von beruflichen Informationen empfunden (14 %) (vgl. McDonald’s Deutschland 2017, 70).
Eine Studie im Auftrag der österreichischen Rundfunks und Telekom Regulierungs-GmbH (Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH 2018) untersucht die Sehgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen mit dem Fokus auf Video-on-Demand-Produkten. Die Befragung per Telefon und in Fokusgruppen geben Anlass zu der Vermutung, dass „die heute unter 30-jährigen stark in Richtung Videonutzung tendieren, die das lineare Fernsehen ablösen oder in den Hintergrund drängen wird“ (ebd., 34).
In der JIM-Studie 2018 wird der mediale Alltag von Jugendlichen in Deutschland untersucht (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2018). Die repräsentative Stichprobe bestand aus 1.200 Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren, die telefonisch befragt wurden (ebd., 3).
Die Ergebnisse geben Aufschluss darüber, wie sich die Jugendlichen Informationen verschaffen und an welchen Orten der digitalen Welt sie sich bevorzugt aufhalten.
97 % der Jugendlichen verfügen über ein eigenes Smartphone, einen eigenen Computer/Laptop besitzen 71 % (vgl. ebd., 72). 91 % der befragten Jugendlichen haben täglichen Zugang zum Internet, wobei mit 35 % der größte Anteil auf den Bereich der Kommunikation entfällt, gefolgt vom Bereich Unterhaltung (31 %). Knapp 25 % der Nutzungszeit wird für Spiele verwendet und nur 10 % für die Suche nach Informationen. Mädchen verbringen einen größeren Teil ihrer Zeit mit Kommunikation (41 % im Vergleich zu 30 % bei den Burschen). Im Gegenzug wird von den Burschen ein Drittel ihrer Zeit für Spiele verwendet (im Vergleich zu 10 % bei den Mädchen).
Bei der kommunikativen Nutzung liegt WhatsApp vorne (95 % der Jugendlichen), gefolgt von Instagram (67 %) und Snapchat (54 %). Nur noch wenige Jugendliche (15 %) nutzen Facebook regelmäßig (vgl. ebd., 73).
Die Jugendlichen besorgen sich im Internet vorwiegend Informationen mittels Suchmaschinen wie Google und Co (85 %). YouTube ist für zwei Drittel der Jugendlichen ebenfalls wichtig, um sich über ein Thema zu informieren. YouTube stellt damit für die Jugendlichen ein wichtigeres Rechercheinstrument dar als Wikipedia, das erst auf dem dritten Platz folgt und von einem Drittel regelmäßig genutzt wird (vgl. ebd., 74).
Die steigende Bedeutung von YouTube wird von einer aktuellen Studie des Rates für Kulturelle Bildung bestätigt: Die Plattform stellt ein Leitmedium für die Jugendlichen dar. YouTube (86 %) wird nach Whatsapp (92 %) am zweithäufigsten genutzt – und zwar auch für die Vertiefung schulischen Wissens (Rat für Kulturelle Bildung e. V. 2019, 7 f.).
Zusammenfassung
Medien haben einen Einfluss auf die berufliche Orientierung. Die Untersuchungen geben Hinweise darauf, dass in Serien eine Verengung des beruflichen Spektrums zu beobachten ist. Der Konsum von Serien kann zu der Entwicklung von verzerrten Berufsbildern und zu einer selektiven Berufswahl der Jugendlichen beitragen.
Der Einfluss von Medien auf Berufswünsche steht in einem Zusammenhang mit berufspraktischen Erfahrungen der Jugendlichen: Mediale Einflüsse gewinnen dann an Relevanz für die berufliche Orientierung, wenn reale berufliche Erfahrungen (noch) nicht vorhanden sind.
Wie informieren sich die Jugendlichen? Der Umgang mit dem Smartphone/die Nutzung des Internets stellt eine Selbstverständlichkeit dar. In kommunikativer Hinsicht sind aktuell WhatsApp, Instagram und Snapchat für die Jugendlichen wichtig – Facebook wird nur noch von wenigen Jugendlichen genutzt. Diese interaktiven Online-Medien werden allerdings nicht für die berufliche Orientierung oder Informationsbeschaffung genutzt.
Als vertrauenswürdige Informationsquelle im Internet werden von den Jugendlichen in Deutschland vorrangig die Seiten der Bundesagentur für Arbeit genannt, die jedoch als nicht attraktiv wahrgenommen werden. Angestiegen ist die Nutzung von YouTube als Rechercheinstrument (nach der Nutzung von Suchmaschinen) und noch vor Wikipedia.
Sehr deutlich ist die zentrale Bedeutung der Eltern für die berufliche Orientierung – sie werden von den Jugendlichen als wichtigste Informationsquelle, Ansprechperson und auch Türöffner genannt, dicht gefolgt vom beruflichen Praktikum.

2.4 Unterstützung der beruflichen Orientierung

Ausgehend von den vorliegenden Forschungsergebnissen werden in diesem die Kapitel Ansätze und Studien reflektiert, die einen Beitrag zur Verbesserung der beruflichen Orientierung leisten können. Zunächst werden Faktoren, die einen Einfluss auf berufliche Transitionen der Jugendlichen haben können (soziale Herkunft, Geschlecht, Migrationshintergrund, Medien) in den Blick genommen. Abschließend wird eine Studie präsentiert, in der die Jugendlichen mit ihren Wünschen und Perspektiven im Kontext ihrer beruflichen Orientierung selbst zu Wort kommen.
Soziale Herkunft
Die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen sind nach wie vor eng mit der sozialen Herkunft verknüpft. Eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe besteht darin, die herkunftsbezogenen Chancenungleichheiten wirklich abzubauen (vgl. Quenzel et al. 2016, 385). Inwiefern kann Berufsorientierung einen Beitrag dazu leisten, diese Ungleichheiten nicht weiter zu verstärken?
Eltern und institutionelle Beratungsangebote
Eltern geben Bildungschancen an ihre Kinder weiter (Statistik Austria 2018). Sie sind für die Jugendlichen wichtige Gesprächspartner*innen, Informationsquellen, Berater*innen und Türöffner*innen zu Praktikums- oder Ausbildungsplätzen – dies erwähnen diverse Studien (Beierle 2013, 39, Gaupp et al. 2013, 138, McDonald’s Deutschland 2017, 95). Die herausgehobene Bedeutung der Eltern für berufliche Orientierungsprozesse wird durch eine Schweizer Studie besonders deutlich.
Gebhardt et al. haben die Relevanz von Unterstützungsangeboten aus der Sicht von Jugendlichen während des Berufsorientierungsprozesses untersucht (ebd.). Befragt wurden 343 Schweizer Jugendliche aus Real- und Sekundarschulen mittels eines Fragebogens zu zwei Messzeitpunkten (Ende 8. Schuljahr und Ende 9. Schuljahr), (vgl. ebd., 7 ff.).
Die Autor*innen kommen zu dem Ergebnis, dass aus Sicht der Jugendlichen die Eltern für die berufliche Orientierung eine zentrale Rolle einnehmen. Die Jugendlichen geben an, nicht nur von den Eltern unterstützt zu werden (95 %), sondern sie hören auch auf sie (ebd., 17). Im zeitlichen Verlauf der Berufsorientierung stieg die Bedeutung der Eltern als Beratungsinstanz für ihre Kinder sogar noch an. An zweiter Stelle stehen Lehrpersonen (die in der Schweiz die berufliche Orientierung durchführen) als eine für die Jugendlichen wichtige Ressource (ebd., 10). Das Internet stellt für zwei Drittel der befragten Jugendlichen eine wichtige Informationsquelle für die berufliche Orientierung dar.
Untersucht wurde auch, inwiefern es einen Zusammenhang zwischen der Nutzung von Unterstützungsangeboten und einer erfolgreichen Lehrstellensuche gibt. Hier zeigt sich die besondere Stellung der Eltern: „Jugendliche, denen am Ende des 9. Schuljahrs eine Zusage für eine Lehrstelle vorlag, hatten schon ein Jahr zuvor angegeben, häufiger Unterstützung von den Eltern zu erhalten und sie schätzen die Elternunterstützung auch als hilfreicher ein als jene, die bei der Lehrstellensuche erfolglos blieben“ (ebd., 18). Die Jugendlichen, die sich erfolglos beworben hatten, griffen häufiger auf die Unterstützung der Berufsberatung zurück. Sicherlich lassen sich die Befunde der Schweizer Studie nicht in Gänze auf Österreich übertragen. Dennoch stellt sich angesichts der großen Bedeutung der Eltern für die erfolgreiche berufliche Orientierung ihrer Kinder die Frage, wie die Jugendlichen unterstützt werden können, die wenig Unterstützung von ihren Eltern erhalten. In der Wiener Jugendwertestudie von 2011 gaben die befragten bildungsnahen Jugendlichen an, sich erforderliche Informationen eigenständig im Internet oder auf Informationsveranstaltungen zu beschaffen. Für die Befragten aus bildungsfernen Milieus waren dagegen die berufsbezogenen Erfahrungen und die persönliche Beratung beim AMS bedeutsam (Heinzlmaier/Ikrath 2011, 90). Auch Jugendliche mit Migrationshintergrund gaben häufig an, bei der der Gestaltung ihrer beruflichen Biografie auf sich allein gestellt zu sein (vgl. Abschn. 2.3.3). Wie können die Jugendlichen, die von ihren Eltern nicht hinreichend/zielführend begleitet werden, in ihren beruflichen Orientierungsprozessen unterstützt werden?
Notwendig ist hier der Ausbau institutioneller beruflicher Beratung (Gebhardt et al. 2015, 19, vgl. auch Neuenschwander 2013, 206). Mehr Zeit für persönliche Gespräche, Kontinuität, eine Ansprechperson als Berufsberater*in – das wünschen sich die österreichischen Jugendlichen, sowohl diejenigen mit (AMS Arbeitsmarktservice Wien 2007, 45) als auch die ohne Migrationshintergrund (Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz 2005, 162).
Bedeutung von Lehrkräften
Die Rolle von Lehrer*innen für die Berufsorientierung der Jugendlichen wurde ebenfalls in der Schweizer Studie angesprochen. Düggeli und Kinder konzipieren drei Aufgabenbereiche für die schulische Berufsorientierung. Wie können Lehrkräfte Jugendliche auf ihrem Weg der beruflichen Orientierung unterstützen? Die Autor*innen benennen als Ziel die Stärkung der individuellen Handlungsfähigkeit von Schüler*innen und identifizieren die drei Unterstützungsbereiche „Wissensaufbau“, „Selbstwirksamkeit“ und „Sinnfindung“ (Düggeli/Kinder 2013, 211). So wird die Handlungsfähigkeit von Jugendlichen gestärkt, wenn sie über berufswahlbezogenes Wissen verfügen (z. B. berufsbezogene Interessen und Fähigkeiten, Berufsfelder, Einzelberufe, Bewerbungsschreiben usw., ebd., 213). Die Dimension ‚Selbstwirksamkeit‘ lässt sich „als Überzeugung der Jugendlichen verstehen, in Bezug auf ein bestimmtes berufswahlbezogenes Ziel erfolgreich handeln zu können“ (ebd., 214), also zum Beispiel ein Bewerbungsgespräch absolvieren zu können. Als dritter Aspekt fließt die „Sinnbildung“ in berufliche Orientierungsprozesse ein: Die Jugendlichen denken nicht nur über ihren Beruf, sondern auch über Sinnfragen der Lebensgestaltung nach.
Im Zusammenhang mit der sozialen Herkunft ist insbesondere die Dimension der Selbstwirksamkeit von Bedeutung: Drei Viertel der für die Shell-Jugendstudie befragten Jugendlichen erwarten, dass sie ihre Berufswünsche realisieren können (Leven et al. 2016, 74). Die Zahlen ergeben jedoch ein anderes Bild, wenn die soziale Herkunft der Jugendlichen berücksichtigt wird: Über 80 % der Angehörigen der oberen Mittelschicht sind davon überzeugt, die beruflichen Vorstellungen verwirklichen zu können, während dies bei den Jugendlichen aus der unteren Schicht nicht einmal die Hälfte erwartet (46 %, vgl. ebd., 75). Hier können Lehrkräfte einen wichtigen Beitrag zur Selbstwirksamkeit in Bezug zur beruflichen Biografie leisten.
Geschlecht
Die beruflichen Orientierungsprozesse von jungen Männern und Frauen finden in einem „komplexen Zusammenspiel von strukturellen, soziokulturellen, institutionellen, familiären und individuellen“ (Makarova/Herzog 2013, 180) Faktoren statt. Wird das Individuum als eigenaktives Subjekt seiner beruflichen Orientierung gesehen, dann werden strukturelle oder familiäre Faktoren als einflussreich, aber nicht als abschließend determinierend verstanden. Wie können nun die Vorstellungs- und Handlungsspielräume für alle Geschlechter erweitert werden?
Um geschlechtsspezifischen Ungleichheiten zu verringern, werden im österreichischen Gleichstellungsindex Arbeitsmarkt „das Aufbrechen traditioneller Ausbildungswege und Berufsbilder, der Zugang zu Leitungsfunktionen, die Bewertung von Arbeit, die Erhöhung der Väterbeteiligung bei der Kindererziehung und bei Haushaltstätigkeiten sowie eine umfassendere Bereitstellung qualitativ hochwertiger Betreuungsinfrastruktur“ gefordert (Arbeitsmarktservice Österreich 2017, 8, für Deutschland vgl. Quenzel et al. 2016, 386). Welchen Beitrag kann berufliche Orientierung hier leisten?
Berufswünsche von jungen Frauen und Männern
Die geschlechtsspezifische Segregation des Arbeitsmarktes ist bereits an der ersten Schwelle, der Einmündung in den Ausbildungsmarkt, zu beobachten. Im Hinblick auf die bevorzugten Ausbildungsberufe der jungen Frauen und Männer lassen sich Gemeinsamkeiten und Unterschiede finden – wobei die Unterschiede überwiegen: Berufe werden u. a. aufgrund von geschlechtsbezogenen Präferenzen an- bzw. abgewählt.
Eine der prominentesten berufsorientierenden Maßnahmen in Deutschland, die auf das geschlechtsspezifische Berufswahlverhalten abzielt, ist der Girls‘ bzw. Boys‘ Day. An diesem Tag können und sollen ausnahmsweise auch jüngere Schüler*innen berufliche Erfahrungen sammeln, was im Hinblick auf die Forderung nach einer frühzeitig einsetzenden systematischen beruflichen Orientierung zu begrüßen ist. Inwiefern sind hier stimulierende Effekte im Hinblick auf „geschlechts(un)typische“ Berufswünsche zu erwarten?
Nach Gottfredson (Gottfredson 1996) ist die Verschiebung der beruflichen Optionen entlang der Dimension „Geschlecht“ die letzte, die – wenn überhaupt – von den Jugendlichen vollzogen wird. Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, wenn punktuellen berufsorientierenden Maßnahmen wie dem Girls‘ Day empirisch keine Stimulierungseffekte nachgewiesen werden können (vgl. Rahn/Hartkopf 2016, 129). Generell ist bei geschlechtspolarisierende Maßnahmen zu befürchten, dass Stereotypen eher reproduziert als überwunden werden: „Das Festhalten am Konzept Männer- vs. Frauenberufe unterstützt vor allem eine ‚geschlechtstypische‘ und weniger eine ‚geschlechtsuntypische‘ Berufsentscheidung und Berufseinmündung“ und eröffnet daher gerade nicht einen breiten Blick in die berufliche Zukunft (Puhlmann et al. 2011, 4).
Offen bleibt, wie geschlechtsstereotype Berufswahlen verringert werden können. Gottfredson schlägt statt kurzfristiger Interventionen wie den Girls‘/Boys‘ Day langfristige, breit angelegte Maßnahmen vor, die darauf zielen, geschlechtsspezifische Stereotype der kommenden Generationen abzuschwächen. Bereits in der Grundschule sollten Kinder berufliche Lebenswelten, in denen alle Geschlechter auf verschiedenen Ebenen präsentiert werden, kennen lernen. Das Ziel liegt nicht darin, „geschlechtstypische“ berufliche Optionen abzuwerten, sondern den Kindern adäquate Vorbilder und Beispiele anzubieten: „Guidance systems neither can nor should instruct students that sex-typed choices are wrong or less worthy, but they can help keep children’s sex-type bounderies fluid by providing counterstereotypic examples“ (Gottfredson 2005, 92, vgl. auch Makarova/Herzog 2013, 181).
Kracke/Driesel-Lange fokussieren die Frage, wie die „beharrliche Tendenz zu geschlechtstypischen Berufswahlen (…) so aufgebrochen werden kann, dass sich Jugendliche bei der Berufswahl stärker an ihren individuellen Interessen und Fähigkeiten orientieren, als die Frage, welcher Beruf typischerweise für sie als Junge oder Mädchen passen könnte“ (ebd., 166). Als zentrale Aspekte einer gendersensiblen Berufsorientierung diskutieren sie die Individualisierung der beruflichen Orientierung und die Qualifikation von Lehrkräften, Berufsberater*innen usw.
Eine individualisierte Berufsorientierung geht davon aus, dass es nicht den oder die Jugendliche gibt, sondern dass die „Lebenswelten und damit auch geschlechterbezogene Perspektiven auf Beruf, Familie, Beziehungen und Lebensentwürfe sehr pluralistisch geprägt sind“ (ebd., 170). Für die Gestaltung von gendersensiblen Lernprozessen verweisen sie auf die Selbstbestimmungstheorie der Motivation (Deci/Ryan 1993): Danach können berufsorientierende Maßnahmen motivationssteigernd wirken, wenn.
  • den Jugendlichen ein hoher Grad an Selbstbestimmung eingeräumt wird (das heißt, sie können Inhalte/Aktivitäten/methodische Zugänge möglichst frei nach ihren Interessen wählen),
  • sich die Jugendlichen als kompetent erleben (das heißt, sie weder über- noch unterfordert werden: Orientierung an der individuellen statt an der sozialen Bezugsnorm)
  • sich die Jugendlichen sozial eingebunden fühlen (das heißt, sie fühlen sich willkommen und als Teil einer Gruppe) (vgl. Kracke/Driesel-Lange 2016, 171 f.).
Jedoch greift auch eine individualisierte Berufsorientierung zu kurz, wenn sie sich ausschließlich auf die zukünftige Berufstätigkeit bezieht und nicht ‚das übrige Leben‘ – die reproduktive Sphäre – miteinbezieht.
Vereinbarkeit: Produktion und Reproduktion
Ob mit einem „geschlechtstypischen“ oder einem „geschlechtsuntypischen“ Beruf: Mit der Familiengründung steigt die Wahrscheinlichkeit wieder, die via Geschlecht zugeschriebenen Aufgaben zu übernehmen (vgl. Wehner et al. 2016, 33). Geschlechtsspezifische Aufgabenverteilungen, die Vereinbarkeit von Kind und Karriere sowie strukturelle Voraussetzungen wie Kinderbetreuungsmöglichkeiten müssen demnach in beruflichen Orientierungsprozessen ebenfalls reflektiert werden. Damit steht nicht mehr ‚nur‘ die Gestaltung der beruflichen Biografie zur Diskussion, sondern auch die Frage nach der Gestaltung des zukünftigen Lebens. Wird die Sphäre von Produktion und Reproduktion nicht separat, sondern aufeinander bezogen betrachtet, vergrößert sich der Inhaltsbereich von beruflicher Orientierung. Berufsorientierung auf der Basis des „erweiterten Arbeitsbegriffs“ (Lemmermöhle-Thüsing et al. 1990, 15 Bd. 2) nimmt nicht nur den zukünftigen Beruf/die Erwerbsarbeit („Welchen Beruf möchte ich ergreifen? Was ist mir für meine berufliche Tätigkeit wichtig?“) in den Blick, sondern auch die reproduktive Sphäre („Wie und mit wem möchte ich leben? Gehören Kinder dazu? Wer kümmert sich um den Haushalt/die Familie?“). Die Antizipation von Berufstätigkeit und Elternschaft/Familienvorstellungen wird für beide Geschlechter bedeutsam.
Berufsorientierende Materialien
Im Hinblick auf die oben von Gottfredson angesprochenen adäquaten Beispiele bzw. Vorbilder in der Berufs- und Arbeitswelt stellt sich die Frage, wie Frauen und Männer in Wort und Bild in berufsorientierenden Materialien repräsentiert werden.
In ihrer Studie „Yes I can!“ fragten Vervecken/Hannover, inwiefern geschlechtergerechte Sprache als Instrument zur Förderung der Selbstwirksamkeit von Grundschulkindern (Belgien und Deutschland) in Bezug zu traditionellen Männerberufen angesehen werden kann (ebd., 77, ausführliche Darstellung des methodischen Vorgehens vgl. ebd., 79 f.). Als Ergebnis der linguistischen Intervention führen sie an, dass Männerberufe, die in männlicher und weiblicher Form aufgeführt wurden, von den Kindern mit einem niedrigeren sozialen Status verbunden wurden – im Vergleich zu Berufen, die im generischen Maskulinum dargestellt wurden. Außerdem fühlten sich die Kinder sicherer, eine für diese Arbeit erforderliche Eignungsprüfung ablegen zu können, wenn die männlichen und weiblichen Berufsbezeichnungen verwendet wurden – anders als bei Berufen, die im generischen Maskulinum präsentiert wurden (vgl. ebd., 85). Diese Forschungsergebnisse geben Anlass zu der Hoffnung, dass die Verwendung von geschlechtergerechter Sprache in der Berufsorientierung dazu führen kann, Kinder in ihrer Zuversicht zu stärken, auch in traditionell männlichen konnotierten Berufen Erfolg zu haben.
Im BIBB-Forschungsprojekt „Berufsorientierung junger Frauen“ (Puhlmann et al. 2011) wurden berufsorientierende Materialien (Internetseiten und Berufsorientierungshefte) analysiert (ebd., 6). Die Autorinnen weisen in ihrer Bilanz auf die Notwendigkeit hin, diese Materialien so zu überarbeiten, dass in Bild und Text alle Geschlechter in allen beruflichen Bereichen und Ebenen repräsentiert werden (vgl. ebd., 28 f.).

2.4.1 Migrationshintergrund

Jugendliche mit Migrationshintergrund benötigen unter anderem (vgl. zusammenfassend Granato 2013, 155):
  • Chancengleichheit bei Unternehmen und Betrieben durch anonymisierte Bewerbungsverfahren
  • Mentoring insbesondere in den Übergangsprozessen („Türöffner“ bei Unternehmen)
  • eine frühzeitig einsetzende, kontinuierliche berufliche Orientierung, die sich ganzheitlich auf die Berufs- und Lebensplanung bezieht
(Zu der Notwendigkeit der institutionellen Beratung für diese Zielgruppe vgl. Abschn. 2.4.1.)

2.4.2 Medien

Medien und Berufswünsche
Der Einfluss von Medien hinsichtlich der Entstehung von Berufswünschen konnte in mehreren Untersuchungen nachgewiesen werden: Der Konsum von Serien kann bei den Rezipient*innen zu der Entwicklung von verzerrten Berufsbildern und zu einer selektiven Berufswahl beitragen (vgl. Gehrau/Vom Hofe 2013). Der mediale Einfluss auf Berufswünsche ist in einem Zusammenhang mit den berufspraktischen Erfahrungen der Jugendlichen zu sehen. Um das Risiko von Ausbildungsabbrüchen zu verringern, sollten daher die durch Medien entstandenen Vorstellungen mit berufspraktischen Erfahrungen angereichert werden (vgl. Weyer et al. 2016). Die Bedeutung der beruflichen Praktika wird von den Jugendlichen im Übrigen in zahlreichen Studien als wichtig herausgestellt (vgl. u. a. Heinzlmaier/Ikrath 2011, 89 ff., McDonald’s Deutschland 2017, 68, Faulstich-Wieland 2016a, 110, Beierle 2013, 44).
Virtuelle Orte der Jugendlichen
Expert*innen, die zur Weiterentwicklung des Informationsangebotes des AMS befragt wurden, empfehlen zusätzlich zum Ausbau vom persönlichen Beratungsangebot eine ‚aufsuchende‘ Ansprache der Zielgruppen (AMS Arbeitsmarktservice Österreich 2018, 97 ff.). Wo sind die Jugendlichen virtuell zu finden, wozu nutzen sie das Internet und welchen Seiten vertrauen sie?
Jugendliche informieren sich online vorrangig mit Hilfe von Suchmaschinen, über YouTube und Wikipedia. Sie kommunizieren über WhatsApp, Instagram und Snapchat (vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2018, 74). Als vertrauenswürdig, aber unattraktiv werden von Jugendlichen in Deutschland die Internetseiten der Bundesagentur für Arbeit eingestuft (Beierle 2013, 43).
Die Jugendlichen virtuell da zu erreichen, wo sie sich sowieso aufhalten, hieße demnach das mediale berufsorientierende Angebot zu aktualisieren, auszubauen und sprachlich angemessen an die Zielgruppe zu adressieren (AMS Arbeitsmarktservice Österreich 2018, 97 ff.). Denkbar wären zum Beispiel Chat-Funktionen für kurze Nachfragen der Jugendlichen an die Berufsberatung oder aber von Auszubildenden selbst gedrehte YouTube-Videos über ihre jeweilige Ausbildung (anstelle von Videos, die von Erwachsenen für Jugendliche inszeniert werden, vgl. Beierle 2013, 43).

2.4.3 Perspektive der Jugendlichen

Hier kommen die Jugendlichen mit ihren Perspektiven selbst zu Wort: Welche Faktoren sind aus ihrer Sicht relevant im Hinblick auf berufliche Transitionsentscheidungen? Und welche Unterstützung wünschen sich die Jugendlichen?
In der Studie „Jugend und Beschäftigung“ (Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz 2005) wurden Gruppendiskussionen mit österreichischen Jugendlichen und Expert*innen aus dem Arbeits- und Bildungsbereich/der schulischen und außerschulischen Jugendarbeit durchgeführt. Verbesserungsmöglichkeiten der beruflichen Orientierung wurden aus der Perspektive der Jugendlichen in folgenden Bereichen gesehen (ebd., 156–157; 162–163):
Die österreichischen Jugendlichen wünschen sich ein Beratungsangebot, das sich als eine Institution an einem festen Standort manifestiert und verschiedenste Angebote bereitstellt (Job- und Praktikavermittlung, Bildungs-, Berufs- und Arbeitsmarktberatung, Rechtsberatung). Jobvermittlung und Berufsberatung gehören aus Sicht der Jugendlichen zusammen und sind ein wichtiger Bereich,
  • bei dem schulische berufsorientierende Maßnahmen schon frühzeitig beginnen sollen und regelmäßig fortgeführt werden,
  • der – auch in aufsuchender Form – in schulische Maßnahmen integriert ist,
  • der bei individuellem Bedarf eingefordert werden kann,
  • mit zielgruppenadäquaten Internetportalen arbeitet,
  • und mit einem Job-Cafe als niedrigschwellige arbeitsweltbezogene Kommunikationsplattform für Jugendliche untereinander oder auch für Berufspraktiker*innen und Jugendliche darstellt.
Hier fällt auf, dass der Wunsch nach direkter persönlicher Kommunikation von den Jugendlichen deutlich benannt wird – digitale Informationsangebote aber selbstverständlich auch erwartet werden.

2.5 Reflexion

Die ausgewählten Untersuchungen zu den Vorstellungen von Jugendlichen zur Berufs- und Arbeitswelt dienen als Ausgangspunkt für die folgenden empirischen Erhebungen. Grundsätzlich wird hier Berufswahl als Transitionsprozess verstanden, bei dem das Individuum eigenaktiv seine (berufliche) Entwicklung gestaltet, es jedoch gleichzeitig von den „Bedingungen der Kontexte gesteuert“ wird (Neuenschwander 2019, 425). Für die empirische Erhebung können folgende Forschungsfragen bzw. –bereiche identifiziert werden:
  • Zukunftsvorstellungen
    Auf der Basis der vorliegenden Studien stellt sich die Frage, wie österreichische Jugendliche am Ende der Sekundarstufe I aktuell in die Zukunft sehen. Hält der vorsichtig-optimistische Trend an? Stellt die Vielfalt der beruflichen Optionen eher eine Chance oder vielmehr eine Belastung für sie dar? Welche Berufswünsche verfolgen sie? Haben sie Vorstellungen dazu, mit wem und wie sie in Zukunft leben möchten? Und glauben sie daran, ihre Berufswünsche und allgemeinen Lebensvorstellungen auch realisieren zu können?
    Von Interesse sind außerdem die Erwartungen, die die Jugendlichen an ‚ihren‘ Beruf stellen: Steht der Wunsch nach einem „sicheren Arbeitsplatz“ weiterhin an erster Stelle? Und wie wichtig ist den Jugendlichen das spätere Einkommen bzw. die Erfüllung im Beruf?
    Mit Blick auf etwaige Berufswünsche muss zunächst reflektiert werden, ob die Jugendlichen eigentlich schon den Schulabschluss erlangt haben, den sie anstreben, oder ob sie einen weiterführenden Schulbesuch anvisieren.
  • Übergangsrelevante Faktoren
    Bezogen auf die soziale Herkunft werden keine grundsätzlich neuen Erkenntnisse im Sinne einer stärkeren Bildungsmobilität erwartet. Interessant ist jedoch im Anschluss an die Schweizer Studie die Frage nach der unterstützenden Rolle der Eltern im beruflichen Orientierungsprozess. Vor allem mit Blick auf bildungsferne Jugendliche und Jugendliche mit Migrationshintergrund stellt sich die Frage, welche Unterstützungsangebote aus Sicht der Jugendlichen eine ggfs. fehlende oder unzureichende Unterstützung durch ihre Eltern auffangen würden.
    Im Hinblick auf die Kategorie Geschlecht sind die aktuellen Berufswünsche der jungen Frauen und Männer und der Vergleich von möglichen Gemeinsamkeiten und Unterschieden von Bedeutung. Für die Erklärung der An- oder Abwahl von Berufswünschen hat die Berufswahltheorie von Gottfredson fruchtbare Ergebnisse hervorgebracht. Ihr Ansatz erfasst das wahrgenommene Geschlecht und orientiert sich nach dem Interesse und dem Prestige eines Berufs, verbleibt damit aber tendenziell in einem binären Verständnis von Geschlecht. Wie geht es diesen Jugendlichen in einer weitgehend geschlechtssegregierten Berufs- und Arbeitswelt?
    Weiterhin sind die Vorstellungen und Wünsche der Jugendlichen zum berufsorientierenden Informationsangebot von Interesse: Welchen Stellenwert hat in ihren Augen die Möglichkeit der persönlichen Beratung? Welche Informationen können und sollten online (wo genau?) verfügbar sein? Welche Verbesserungsmöglichkeiten sehen sie?
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Fußnoten
1
Entspricht der 4. Klasse Sek I in Österreich und der 8. Klasse in Deutschland.
 
2
Die vorliegenden Studien erfragen überwiegend die Kategorien „männlich“ und „weiblich“, nicht „divers“ o. ä. Daher finden im vorliegenden Text Begriffe wie „junge Männer“ und „junge Frauen“ Verwendung.
 
3
Deutlich wird der differenzierte Blick der Autorinnen in der Analyse des Items „anderen Menschen helfen“, das den männlichen und weiblichen Befragten nahezu gleich wichtig ist (64,7 % und 64,5 %, siehe Puhlmann et al. 2011, 12). Eine traditionelle Interpretation liefe auf das Interesse der Befragten für sozial-pflegerische bzw. erzieherische berufliche Tätigkeiten hinaus. Das Kriterium kann jedoch auch verstanden werden als „etwas tun, was anderen Menschen nützt“. In dieser Auslegung würde es erklären, warum das Item auch von angehenden KfZ-Mechatroniker*innen für relevant erachtet wird (wenn auch nicht in demselben Ausmaß wie für die medizinischen Fachangestellten), (vgl. ebd.).
 
4
Der Begriff „Migrationshintergrund“ wird in den Studien teilweise unterschiedlich definiert – aus Platzgründen werden hier jedoch nur die Ergebnisse der Untersuchungen präsentiert. Gleichwohl wünschen sich die Jugendlichen, dass ihre Berater*innen mehr Zeit für sie zur Verfügung haben mögen (ebd., 45).
 
Metadaten
Titel
Forschungsstand
verfasst von
Sarah Straub
Iris Baumgardt
Dirk Lange
Copyright-Jahr
2021
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-34304-0_2