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12.03.2014 | Fossile Energien | Im Fokus | Onlineartikel

Fracking steht zwischen Befürwortern und Gegnern

Autor:
Sabine Voith

"Hydraulic Fracturing", kurz Fracking, ist umstritten. Eine objektive Übersicht geben die Springer-Autoren Christiane Habrich-Böcker, Beate Charlotte Kirchner und Peter Weißenberg in dem neu erschienen Buch "Fracking - Die neue Produktionsgeografie".

Fracking ist keine neue Technologie im eigentlichen Sinne. Für Deutschland ist die Methode in der Schiefergasförderung anzuwenden jedoch neu.

Mit der Methode des "hydraulischen Aufbrechens" können Gas- und Ölvorkommen gefördert werden, die in Gesteinsschichten gebunden sind. Das Gestein wird dabei mit einem Gemisch aus circa 94,5 Prozent Wasser, fünf Prozent Sand und etwa 0,5 Prozent chemischer Zusätze aufgebrochen, indem es unter hohem Druck in die Gesteinsschicht gepresst wird.

Unterschieden wird in konventionelle und unkonventionelle Lagerstätten. Bei konventionellen Lagerstätten hat sich Gas in einer undurchlässigen Gesteinsschicht angesammelt und bildet eine Gasblase. Wird diese angebohrt, entweicht das Gas und kann gefördert werden.

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Wenn das Gas nicht diffundieren und sich sammeln kann, bleibt es verteilt in den Gesteinsporen eingeschlossen und befindet sich damit in einer unkonventionellen Lagerstätte. Mit der Fracking-Methode kann Gas aus diesen Poren austreten und durch die unter Druck entstandenen feinen Risse ausströmen.

Die Bedenken gegen die Technik:

  • Mögliche Verunreinigung von Grund- und Trinkwasser
  • Umweltbelastung durch die Flächeninanspruchnahme
  • Negative Effekte auf die Biodiversität oder die Klimabilanz

Eine erste genaue Übersicht über Fracking und den Stand der Technologie geben die Springer-Autoren Christiane Habrich-Böcker, Beate Charlotte Kirchner und Peter Weißenberg im Buchkapitel "Fracking – Fluch oder Segen?"

Inland

Die Mengenpotentiale von Schiefergas in Deutschland schätzt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe als signifikant ein.

Ein Unternehmen, das Fracking erfolgreich einsetzt ist die RWE DEA. Nach Angaben des Unternehmens befinden sich die so genannten "Rotliegend-Erdgaslagerstätten" in rund fünf Kilometer Tiefe. Die Erdgasvorkommen haben sich im tiefen Untergrund in einem Sandstein über Jahrmillionen unter mächtigen, gas- und flüssigkeitsdichten Gesteinsschichten angesammelt. Dies unterscheidet sich zu den USA, wo Shale-Gas-Lagerstätten in geringerer Tiefe liegen. In den konventionellen Lagerstätten setze man das Verfahren seit vielen Jahren ohne negative Auswirkungen erfolgreich ein, so RWE Dea.

Durch die oft einseitige geführte öffentliche Diskussion gegen Fracking gerät zunehmend auch diese konventionelle Erdgasförderung in Deutschland in die Kritik.

Für die unkonventionelle Förderung sieht der Sachverständigenrat für Umweltfragen, SRU, in seiner Stellungnahme "Fracking zur Schiefergasgewinnung - Ein Beitrag zur energie- und umweltpolitischen Bewertung" vom Mai 2013 keine kommerzielle Nutzung. Die Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten für Deutschland gehe nicht mit einer Verbesserung des Klimaschutzes einher. Auch die Energiewende unterstütze es nicht. Eine kommerzielle Nutzung solle wegen der vorhandenen Wissenslücken nicht gestattet werden, die weitere Erforschung müsse auf der Basis von Pilotprojekten erfolgen.

Fall Bodensee

Wie wichtig das Argument des Schutzes von Grund- und Trinkwasser ist, zeigen die Schlagzeilen die vor Kurzem ein Fracking-Vorhaben am Bodensee machte. 4,5 Millionen Menschen werden mit Trinkwasser aus dem See versorgt. In einer "Lex Bodensee" schloss die Politik nun die Anwendung von Fracking im Einzugsbereich von Seen aus, die als Trinkwasserquellen dienen.

Alle örtlichen Fraktionen sprachen sich gegen Fracking aus. Doch Landesumweltminister Franz Untersteller genehmigte Erkundungen der deutschen Tochter der britische Firma Parkyn Energie, die zur international tätigen 3Legs-Ressourcces-Gruppe gehört. Das Unternehmen beantragte 2009 die Erlaubnis zur Erkundung von insgesamt 2.600 Quadratkilometer großen Gasfeldern. Die Erlaubnis lief im Mai 2012 ab und wurde nun verlängert.

Ein weiterer Konzern, die Bell Exploration Ltd., der ebenfalls seit 2009 Erkundungen auf dem 1.500 Quadratkilometer großen Gasfeld unternahm, hat seine Ende August 2013 ausgelaufene Konzession nicht verlängert.

Der Fall widerspricht der These, das Öl- und Gasförderung mittels Fracking in Deutschland politisch praktisch chancenlos ist.

Ausland

Fracking gilt als Methode, die sich vor allem in den USA bewährt hat. Die Schiefergasförderung in den USA hat zu einem starken Preisverfall von Erdgas beigetragen und die Wettbewerbsfähigkeit der US-Industrie gestärkt.

Doch laut Meldung der Süddeutsche Zeitung vom 9. Januar flossen 2013 insgesamt nur noch 3,4 Milliarden Dollar in Beteiligungen an Schiefergas- und Schiefervorkommen. 2012 sei mehr als doppelt so viel Kapital investiert worden. Im Vergleich zu 2011 schrumpften die Investitionen 2013 sogar auf ein Zehntel. Die Zeitung bezieht sich auf Daten des amerikanischen Beratungsunternehmen IHS Herold.

Das Beratungsunternehmen zieht eine ernüchternde Bilanz: Für Energiefirmen und ihre Geldgeber habe sich der Boom bislang nicht ausgezahlt. Es sei mehr Geld in Land, Ausrüstung und Förderung investiert worden, als sie mit dem Verkauf von Schiefergas und -öl eingebracht habe.

Einen umstrittenen Ausblick für 2014 gab die US-Energiebehörde EIA heraus. Sie prognostiziert eine steigende Schiefergasproduktion bis 2040.

Europa

Auf europäischer Ebene gibt es gegensätzliche Positionen. Einige Staaten wie Bulgarien oder Frankreich haben sich gegen Fracking-Vorhaben ausgesprochen, andere hoffen auf energiewirtschaftliche Vorteile.

Die weltweite Schiefergasförderung hat bereits heute einen Einfluss auf die Preisverhältnisse der Energieträger in Europa. Grundsätzlich erhöht die globale Schiefergasförderung das Angebot an fossilen Energien und wirkt preisdämpfend. Bisher hat sie jedoch vor allem zu sinkenden Kohlepreisen geführt, da die USA in großem Umfang Kohle durch Gas substituieren und diese nach Europa exportieren.

Den Boom des Frackings in den USA und das Aufkommen der Methode in Deutschland besprechen die Springer-Autoren Dieter Lohmann und Nadja Podbregar im Buchartikel "Erdgas aus Schiefer".

Meinungen

Ein großer Streitpunkt sind die Umweltrisiken. Die Befürworter halten sie für beherrschbar, die Gegner nicht. Berichte aus den USA melden Freisetzungen gefährlicher Substanzen, die mit gravierenden Umweltfolgen verbunden sind.

Zu den Chemikalien, die beim Fracking eingesetzt werden und Umweltschützer auf den Plan rufen, zählen Kaliumchlorid, Isopropanol, Zitronensäure, Boratsalze, Dimethylformamid und Glutardialdehyd. Sie sollen die Anlagen vor Korrosion schützen, Bakterien abtöten und als Schmier- und Verflüssigungsmittel dienen.

Die RWE Dea hingegen verwendet nach eigenen Angaben beim Fracking ausschließlich zugelassene nicht giftige und nicht umweltgefährdende Produkte, die überwiegend auch im Alltag verwendet werden. Auch werden hierzulande Verfahren ohne Chemikalien, wie zum Beispiel die Verwendung von Propangas in Gelform, getestet.

Das Umweltbundesamt äußert sich in seinem Gutachten "Umweltauswirkungen von Fracking bei der Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten" vom Dezember 2012 zur Thematik.

Neben den chemischen Zusätzen, die hauptsächlich das Grundwasser gefährden sollen, ist der immense Wasserbedarf ein Diskussionsthema. In den USA werden je Gasquelle zwischen acht und 19 Millionen Liter Wasser benötigt. Bei etwa 50 000 Quellen, die jährlich in den USA gebohrt werden, liegt der Wasserbedarf bei bis zu 530 Milliarden Litern Wasser.

Die Risikofelder des Franking-Einsatzes und Meinungen aus Gutachten zu diesem Thema nehmen die Springer-Autoren Christiane Habrich-Böcker, Beate Charlotte Kirchner, Peter Weißenberg im Buchkapitel "Die Argumente der Gegner unter der Lupe" in Augenschein.

Fazit

Das Thema "unkonventionelles Erdgas" wird hierzulande vor allem aus der Forschungs- und-Entwicklungssicht betrachtet. Es herrscht eine großen Unsicherheit über die zukünftigen Marktentwicklungen. Es müssen erst Erkenntnisse über das Potential und die Machbarkeit in der Praxis gewonnen werden.

Vor Beginn eines Shale-Gas-Projekts muss sichergestellt sein, dass die verfügbare Technik vorgegebene Umwelt-Standards erfüllt. Wegen zu erwartenden hohen Auflagen in Deutschland, könnte Fracking in Deutschland teuer und damit unattraktiv werden.

Zu den technischen Anforderungen an alle Prozesselemente des Frackings gehören:

  • Sicherstellen, dass keine Verunreinigung der zur Gewinnung von Trinkwasser genutzten Grundwasserschichten erfolgt.
  • Risiken ausschließen, die aus der Entsorgung des Flowbacks entstehen könnten.
  • Langfristige hydrogeologische Folgen abklären.
  • Zuverlässige Prognosemodelle für die deutschen geologischen Formationen entwickeln.
  • Langfristige Dichtigkeit von Bohrlöchern und Gasförderanlagen sicherstellen.
  • Klären von Unfallrisiken, insbesondere auch von kleinen Erdbeben, die durch Bohrvorgänge oder das Verpressen des Flowbacks ausgelöst werden könnten.
  • Klimabilanz des Schiefergases ermitteln.

Detailliert gehen die Springer-Autoren Martin Faulstich und Mechthild Baron im Zeitschriftenartikel "Fracking — für die Energiewende entbehrlich" auf die Umweltfragen für Deutschland ein.

Bezüglich der Preisentwicklung ist nach heutigem Kenntnisstand innerhalb der nächsten Jahre kein maßgeblicher Einfluss einer deutschen Schiefergasförderung auf die Erdgaspreise zu erwarten, da die potenziellen Fördermengen im globalen Vergleich gering sind und eine kommerzielle Erschließung fraglich ist.

Neue Erkenntnisse könnte das zweite Fracking-Gutachten des Umweltbundesamtes bringen, das im Mai 2014 erscheinen wird.

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

01.07.2013 | Fachaufsätze | Ausgabe 7-8/2013

Fracking — für die Energiewende entbehrlich

2012 | OriginalPaper | Buchkapitel

Erdgas aus Schiefer

Quelle:
Im Fokus: Bodenschätze
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