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Open Access 2022 | OriginalPaper | Buchkapitel

7. Fragen nach der Ausprägung eines Glaubens an Big Data und dessen Einfluss auf Einstellungen zum Einsatz von KI-Anwendungen

verfasst von: Marco Lünich

Erschienen in: Der Glaube an Big Data

Verlag: Springer Fachmedien Wiesbaden

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Zusammenfassung

Die Auswirkungen der gesellschaftlichen Perspektive auf die digitalisierte Welt verdienen es, umfassend analysiert und kritisiert zu werden. Über ihre positiven und negativen Auswirkungen lässt sich jedoch nur diskutieren, wenn man kollektive Wahrnehmungen zunächst tatsächlich aufzeigen kann. Es bedarf daher zuallererst einer empirischen Bestandsaufnahme der Ausprägung und Reichweite jener zuvor skizzierten Elemente einer kognitiven Erwartungshaltung, die als ausgeprägter Glaube an daten-induzierte Erkenntnis und Nutzen bestehen soll.
Die Auswirkungen der gesellschaftlichen Perspektive auf die digitalisierte Welt verdienen es, umfassend analysiert und kritisiert zu werden. Über ihre positiven und negativen Auswirkungen lässt sich jedoch nur diskutieren, wenn man kollektive Wahrnehmungen zunächst tatsächlich aufzeigen kann. Es bedarf daher zuallererst einer empirischen Bestandsaufnahme der Ausprägung und Reichweite jener zuvor skizzierten Elemente einer kognitiven Erwartungshaltung, die als ausgeprägter Glaube an daten-induzierte Erkenntnis und Nutzen bestehen soll. Ziel ist es daher, die Wahrnehmung bezüglich des Wesens und der Konsequenzen umfassender digitaler Datensammlung und -verwertung einer empirischen sozialwissenschaftlichen Analyse zuzuführen. Der Glaube an Big Data kann dabei nicht in den digitalen Datenmengen selbst gefunden werden. Er lässt sich nur in den Köpfen der Menschen verorten, die die gesellschaftlichen Erzählungen über digitale Daten und Wissen, insbesondere im öffentlichen Diskurs, aufnehmen und vor dem Hintergrund individueller (Primär-)Erfahrungen einordnen und bewerten. Die vorhergehenden Ausführungen haben dabei deutlich gemacht, dass dieser Diskurs unter den Vorzeichen der voranschreitenden Digitalisierung auf das Entstehen einer Wissensgesellschaft abstellt, zu deren grundlegenden Elementen die ubiquitäre Durchdringung und Verwendung von IuK gehört. Mit Blick auf die im Rahmen dieser Digitalisierung entstehenden und verarbeiteten digitalen Daten wurden die wesentlichen Charakteristika von Big Data herausgearbeitet. Gleichzeitig wurde jedoch auch deutlich, dass die an Big Data gestellten Erwartungen nicht immer eingelöst werden können und bezüglich ihres Wesens und ihrer Konsequenzen problembehaftet sind. Es stellt sich mithin die Frage, inwieweit die deutsche Bevölkerung entsprechende Erwartungen an einen Erkenntnis- und Nutzengewinn durch digitale Daten, bestehend aus den Erwartungsdimensionen bezüglich der Richtigkeit, des Wissensgewinns sowie des individuellen und gesellschaftlichen Nutzens (siehe Abschnitt 6.​2.​1), tatsächlich hegt und in einem zusammenhängenden Glaubenssystem integriert hat. Deshalb werden zunächst folgende allgemeine Forschungsfragen formuliert, die beantwortet werden sollen:
  • FF1: Inwieweit lässt sich der Glaube an Big Data in seinen mehrdimensionalen Bezugspunkten von Überzeugungen als empirisches Konstrukt messen?
  • FF2: Welche Ausprägung haben die einzelnen Überzeugungen eines Glaubens an Big Data und in welcher Beziehung stehen sie zueinander?
Erst anschließend lassen sich eventuelle Konsequenzen des als BDGS beschriebenen Wahrnehmungsmusters für Einstellungen und soziales Handeln untersuchen, die, wie zuvor diskutiert, vielfach in der Literatur thematisiert werden. Dabei interessieren vor allem die vermeintlichen Auswirkungen des Glaubens bezüglich digitaler Daten für Legitimation und Delegitimation von Handeln und Entscheiden in der Datengesellschaft, wenn es um den fortschreitenden Einsatz datenverarbeitender Computeranwendungen geht. Es stellt sich die Frage, inwieweit eine kognitive Aktivierung des BDGS einen Einfluss auf entsprechende kognitive, affektive und konative Komponenten der Einstellung nimmt, die in unterschiedlichen Situationen zum Tragen kommen (Maio et al., 2018). So kann über mögliche Auswirkungen von gesellschaftsweiter Einführung und Verbreitung einer Innovation vorzüglich gestritten werden: Tatsächliche Konsequenzen zeigen sich mitunter erst mit einiger zeitlicher Verzögerung. Oft ist im Nachhinein nicht mehr fein säuberlich herauszuarbeiten, welchen Einfluss die individuelle und gesellschaftliche Wahrnehmung und die hieraus erwachsene Erwartungshaltung auf die Diffusion von Innovationen tatsächlich hatten. Umso wichtiger ist es, fortlaufend und anhand möglichst aktueller Beispiele zu untersuchen, auf welche Erwartungshaltung technische Innovationen in der Bevölkerung treffen und wie diese auf die Implementierung der Systeme reagiert. Dies soll bezüglich des Einsatzes von datenbasierten Systemen Künstlicher Intelligenz nachfolgend untersucht werden. Hierbei soll folgende Forschungsfrage beantwortet werden:
  • FF3. Inwiefern wirken sich Überzeugungen des Glaubens an große digitale Datenbestände auf Einstellungen zum Einsatz von KI-Anwendungen aus?
Mit empirischer Evidenz fundiert kann so ein gesellschaftlicher Diskurs über den Einsatz datensammelnder und -verwertender Computertechnik informiert werden. Die öffentliche Meinung als Treiber zukünftiger Entwicklungen kann dann – so die Hoffnung – reflektiert Innovationen und Maßnahmen legitimieren bzw. althergebrachte Ansätze delegitimieren und somit den Weg für eine aktive Gestaltung kommender Wandlungsprozesse ebnen. Immerhin befinden wir uns erst unmittelbar am Anfang der Digitalisierung und ihrer Konsequenzen für die Gesellschaft. Es handelt sich mithin um einen langfristigen Prozess, der in den kommenden Jahrzehnten den sozialen Wandel in Deutschland und der Welt beeinflusst. Dieser Wandel soll und wird zivilgesellschaftlich und politisch gestaltet werden. Die nachfolgenden Erkenntnisse sind ein erster allgemeiner Beitrag zu einer dringend notwendigen empirisch angeleiteten Selbstreflexion über die gesellschaftliche Perspektive auf den vielfach diskutierten digitalen Wandel.
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Metadaten
Titel
Fragen nach der Ausprägung eines Glaubens an Big Data und dessen Einfluss auf Einstellungen zum Einsatz von KI-Anwendungen
verfasst von
Marco Lünich
Copyright-Jahr
2022
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-36368-0_7

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