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Über dieses Buch

Das vorliegende Frankreich Jahrbuch gibt einen Überblick über soziale und territoriale Unterschiede in Deutschland und Frankreich. Diese betreffen die Lebensrealität einzelner Bevölkerungsgruppen ebenso wie den Zugang zu Dienstleistungen des täglichen Lebens und der öffentlichen Daseinsvorsorge. Ausgangspunkt ist Frankeich, wo das Thema verbunden mit der Gelbwestenbewegung ins Zentrum politischer Aufmerksamkeit gerückt ist. Neben einer empirischen Bestandsaufnahme bestehender Ungleichheiten und ihrer Folgen werden anhand konkreter Fallbeispiele Herausforderungen und Lösungsansätze diskutiert.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Themenschwerpunkt: Soziale und territoriale Ungleichheiten vor dem Hintergrund der Gelbwestenkrise

Gesellschaftlichen und territorialen Zusammenhalt neu denken

Zusammenfassung
Die Fragen, die die sogenannte Gelbwestenkrise im Herbst/Winter 2018–19 ins öffentliche Bewusstsein gerückt hat, werden uns auch in der Nachfolge der Coronakrise weiter beschäftigen: Welchen Anspruch auf gesellschaftliche Teilhabe und persönliche Entfaltung hat der Einzelne in unseren Gesellschaften, welche Pflichten ergeben sich umgekehrt daraus und welche Rahmenbedingungen sind nötig, um beides in Einklang zu bringen? Die beiden Krisen mögen nicht dasselbe Ausmaß haben und die Akzentuierung der Problemlagen ist sicher nicht die gleiche. Trotzdem stellen sich in beiden Fragen nach der Ausgestaltung des Zusammenlebens in unseren politisch verfassten Gemeinwesen.
Eileen Keller

Räumliche Ungleichheiten, politische Teilhabe und das Vertrauen in die Prinzipien der Republik

Zusammenfassung
Die Protestbewegung der „Gelbwesten“, die Frankreich vor allem im Winter 2018–19 in Atem hielt, erlangte weit über Frankreich hinaus große Aufmerksamkeit. Einerseits erklärte sich dieses Interesse aus den spektakulären Bildern, die die Protestbewegung produzierte. Sie schienen die These der „landestypischen Folklore“ des Widerstandes auf der Straße zu belegen, der immer dann aufbrandet, wenn in Frankreich soziale Unzufriedenheit herrscht.
Dominik Grillmayer, Stefan Seidendorf

Die Konstruktion und Erfahrung sozialer Ungleichheiten im heutigen Frankreich

Zusammenfassung
Mit der Wirtschaftskrise Ende der 2000er-Jahre ist in Frankreich und anderen großen europäischen Ländern ebenso wie in den Vereinigten Staaten die Frage der sozialen Ungleichheiten wieder in den Vordergrund getreten. Die wichtigsten Indikatoren für Ungleichheiten weisen nach oben, ohne allerdings explosionsartig zu steigen. Ausgehend von dieser relativen Stabilität werden nachfolgend verschiedene Facetten der französischen Gesellschaft genauer untersucht, um deren interne Spannungen besser verstehen zu können.
Nicolas Duvoux

Sozialräumliche Dimensionen sozialer Ungleichheit in Frankreich

Zusammenfassung
Frankreich in der zweiten Jahreshälfte 2018: Es treten zwei Maßnahmen in Kraft, die zunächst nicht sehr bedeutsam scheinen. Die erste Maßnahme basiert auf wissenschaftlichen Tests, die einen Zusammenhang zwischen der Geschwindigkeit und Verkehrsunfällen aufzeigen, und senkt das Tempolimit auf französischen Landstraßen um zehn Stundenkilometer. Bislang waren es 90 km/h, künftig werden es 80 km/h sein.
Mathieu Perona

Chancen gesellschaftlicher Teilhabe in Deutschland – Ungleichwertige Lebensverhältnisse zwischen Realität und Wahrnehmung

Zusammenfassung
Im Teilhabeatlas haben das Berlin-Institut und die Wüstenrot Stiftung untersucht, welche gesellschaftlichen Teilhabechancen die 401 Landkreise und kreisfreien Städte ihren Bewohnern bieten und wie die Menschen diese vor Ort wahrnehmen. Es zeigte sich, dass es zu einem guten Teil vom Wohnort abhängt, wie gut die Menschen in Deutschland am gesellschaftlichen Leben teilhaben. In zahlreichen Interviews vor Ort schätzten viele ihre Lebensbedingungen zwar weitgehend realistisch ein, wie sie das Leben in ihrer Heimat bewerteten, hing jedoch von verschiedenen Faktoren ab.
Frederick Sixtus

Fakten und Verfehlungen der Metropolbildung à la française. Einige Lektionen aus dem konkreten Fall Bordeaux

Zusammenfassung
In den letzten rund dreißig Jahren haben wir in Frankreich, wie auch anderswo in Europa, intensive Umwälzungen in der Art und Weise erlebt, wie Räume organisiert sind, aber auch in der Lebensweise der Einwohner und in ihrem Verhältnis zum Alltagsraum. Aufgrund der Auswirkungen von Globalisierung und Deindustrialisierung sind Arbeitsmarktregionen verschwunden oder haben sich verlagert, während das Wachstum einer auf digitaler Technologie und Freizeitaktivitäten basierenden Dienstleistungsgesellschaft neue Anziehungspunkte um große Städte und Küstengebiete herum geschaffen hat. Gleichzeitig haben der Niedergang der Landwirtschaft, die Krise der kleinen Läden und die Überalterung auf dem Land zur Verödung mancher ländlicher Gebiete geführt, die heute sehr spürbar ist, auch wenn der Traum vom Haus auf dem Land im kollektiven Lebensmodell „à la française“ nach wie vor sehr präsent ist.
Jean-Baptiste Rigaudy

Der Niedergang der Provinz. Abgehängte Regionen oder der legitime Lebensstil der unteren Schichten

Zusammenfassung
Gegen die immer stärker um sich greifende Tendenz, alles als „peripheres Frankreich“ zu bezeichnen, das von den großen Städten entfernt liegt, gilt es daran zu erinnern, dass die ländlichen Gegenden Frankreichs genauso durch ökonomische Ungleichheiten fragmentiert sind wie die urbanen Räume. Ich meinerseits habe zu ländlichen Räumen gearbeitet, von denen ich als abgehängte Regionen spreche. Diese unterscheiden sich von der Mehrheit der ländlichen Gebiete in Frankreich, deren Bevölkerung wächst und die über einen Lebensstandard verfügen, der dem in den Städten recht ähnlich ist.
Benoît Coquard

Leben im Kreisverkehr!? Konflikte um Gleichwertigkeit und neue Soziale Orte in Ostdeutschland

Zusammenfassung
Der Kreisverkehr ist aus der Perspektive des Straßenbaus ein Knotenpunkt der Verkehrsführung und Mobilitätslenkung. Nicht mehr und nicht weniger. Zu einem gesellschaftspolitischen Thema, das europaweit behandelt wurde, avancierte der Kreisverkehr erst durch die Gelbwestenbewegung in Frankreich.
Berthold Vogel

Ende des Lockdowns für die demokratische Debatte. Grand Débat national und Convention Citoyenne pour le climat

Zusammenfassung
Die spektakulären Bilder von Menschen in reflektierenden Sicherheitswesten, die sich selbst Gelbwesten nannten (ich werde sie mit GW abkürzen) und Samstag für Samstag auf den Champs-Élysées der Polizei trotzten, die ihrerseits bisweilen von Schlägern überrannt wurde, welche sich am Stadtmobiliar austobten und einmal sogar plündernd in das Mahnmal des Arc-de-Triomphe einbrachen, haben die Dauernachrichtenkanäle überflutet und sind um die ganze Welt gegangen. Auch die Bilder von Präsident Macron, wie er sich in stundenlangen (zwei bis acht Stunden) Frage-Antwort-Marathonsitzungen einem breiten Publikum stellt, wurden stark mediatisiert. Im Publikum waren Bürgermeister, gewählte Volksvertreter, junge Auszubildende, Kinder, Frauen, Bewohner bestimmter Regionen oder bestimmter Stadtviertel, Vereine und Verbände, Akteure des ökologischen Wandels und Intellektuelle.
Bernard Reber

Was steckt hinter den „partizipativen Listen“? – Analyseelemente aus dem französischen Kommunalwahlkampf 2020

Zusammenfassung
Durch die weltweite Corona-Pandemie geriet der Wahlkalender in Frankreich im Frühjahr 2020 stark durcheinander und es kam zur Verschiebung des geplanten zweiten Wahlgangs der Kommunalwahlen um drei Monate. Trotz der hohen Enthaltung bei den Kommunalwahlen 2020, mit lokal zum Teil extrem hohen Werten, von denen man jedoch nicht weiß, ob sie ausschließlich auf die Gesundheitskrise zurückzuführen sind, verkörpert der Bürgermeister weiterhin eine Form der politischen Nähe und ist eine von den Bürgern anerkannte und geschätzte Persönlichkeit. Die Kommunalwahlen zeichnen sich vor diesem Hintergrund durch ein Paradoxon aus: Während die tatsächliche Reichweite der Macht der kommunalen Exekutive vor allem aufgrund des Machtzuwachses der interkommunalen Ebene weitgehend relativiert werden kann, werden Kommunalwahlen von der Bevölkerung noch immer als wichtiges demokratisches Moment wahrgenommen.
Guillaume Gourgues, Vincent Lebrou, Jessica Sainty

Backmatter

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