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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Zusammenfassung
Die Entdeckung der Unternehmerin — so könnte die seit wenigen Jahren kaum zu ignorierende, teilweise geradezu euphorisch zu nennende publizistische Aufmerksamkeit überschrieben werden, welche die Unternehmerinnen, meist pauschaliert gleichgesetzt mit selbständigen Frauen, erfahren. Als Ausgangspunkt dieser Entdeckung läßt sich das in der zweiten Hälfte der 80er Jahre statistisch registrierte überproportionale Ansteigen selbständiger Frauen in der Bundesrepublik Deutschland lokalisieren. In der Folge dieser von Politik und Medien erfreut aufgegriffenen, rasch zum Gründerinnenboom hochstilisierten Entwicklung, finden sich Unternehmerinnen zunächst als Gegenstand des öffentlichen Interesses. Dies schlägt sich u. a. in einer Fülle von mehr oder minder aussagefähigen Porträts erfolgreicher Unternehmerinnen, in zahlreichen, sich speziell an Frauen richtenden Ratgebern zu Fragen des Sich-Selbständigmachens, in Unternehmerinnentagen, Existenzgründerinnen-Tagungen, Gründerinnenseminaren oder der jährlichen Auslobung einer “Unternehmerin des Jahres” nieder.
Thomas Döbler

2. Die selbständigen Unternehmer

Zusammenfassung
Das Zusammenwirken unterschiedlicher gesellschaftlicher Wandlungsprozesse sowie die jahrzehntelange Vorherrschaft bestimmter Denk- und Wissenschaftsrichtungen können als ursächlich für die im Vergleich zu anderen Forschungsgegenständen fast nischenartig betriebene Unternehmerforschung1 und auch Gründungs- oder Kleinunternehmensforschung betrachtet werden.2 Lange Zeit wurde etwa die Ansicht vertreten, daß Selbständige und Kleinunternehmen gleichsam einen Anachronismus aus der vor- und frühkapitalistischen Wirtschaftsordnung darstellten und sie über kurz oder lang nur noch eine gesellschaftliche Randstellung einnehmen wür-den.3 Diese Vorstellung, die durch den jahrzehntelang anhaltenden Niedergang dieser Gruppe empirisch bestätigt schien, wurde zum einen damit begründet, daß Kleinunternehmer zwischen den beiden Polen der kapitalistischen Produktionsweise, den Produktionsmittelbesitzern, die Arbeitskraft kaufen, und den Arbeitnehmern, die ihre Arbeitskraft verkaufen, stehen. Zwar besitzen auch Kleinunternehmen Produktionsmittel und beschäftigen teilweise Mitarbeiter, sie tun dies jedoch in einer grundsätzlich anderen Art als Großunternehmen; zentral fur ihre Zwitterstellung ist vor allem, daß die Person des Kleinunternehmers und damit die ins eigene Unternehmen “investierte” Arbeitskraft die zentrale Größe im Produktionsprozeß bildet.
Thomas Döbler

3. Theoretische Überlegungen zur Stellung der Frau auf dem Arbeitsmarkt

Zusammenfassung
In der ökonomischen, aber auch soziologischen Theorie und Empirie waren erwerbstätige Frauen lange Zeit so gut wie kein Thema; die Orientierung an den technisch-ökonomischen Gesichtspunkten des Arbeitskräftebedarfs und -einsatzes dominierte die Forschung weitgehend, während die Berufstätigen in der Regel als geschlechtslos begriffen wurden. Der Unterschied zwischen Männern und Frauen war entweder ohne Bedeutung oder der Mann wurde als Normalfall des Berufstätigen aufgefaßt, an dem gemessen die Frau nur als abweichende Randgruppe auftauchte. Teils ist kein einziger Hinweis auf Frauen zu finden, teils werden die Ergebnisse der auf Männer bezogenen Untersuchungen implizit oder explizit auf Frauen übertragen, teils werden Frauen in einem kurzen Exkurs als “Sondergruppe”, als “Problemgruppe” thematisiert und dabei vielfach pauschal mit anderen “Randgruppen” des Arbeitsmarktes, wie Gastarbeitern, Behinderten oder älteren Arbeitnehmern, zusammengefaßt. Indem aber im Zuge der gesellschaftlichen Veränderungen sich die berufliche und gesellschaftliche Situation von Frauen zu einem Gegenstand öffentlichen Interesses entwickelte, wurde zunächst einmal auch die quantitative und qualitative Bedeutung der Frauenerwerbstätigkeit sichtbar. Angesichts des Faktums, daß zwei Fünftel aller Erwerbstätigen in Deutschland weiblichen Geschlechts und einige Wirtschaftszweige und Berufsfelder weitgehend feminisiert sind, erschien es zunehmend problematischer, qua theoretischer Vorentscheidung die Frauen als unbedeutende Minderheit zu ignorieren.
Thomas Döbler

4. Theoretische Verknüpfung frauenbezogener Arbeitsmarktforschung mit der Unternehmer- und Gründungsforschung

Zusammenfassung
Wie sich im vorangegangen Abschnitt gezeigt hat, wird eine Vielzahl alternativer Erklärungen der geschlechtsspezifiischen Diskriminierung am Arbeitsmarkt vorgeschlagen. Bei einer Gegenüberstellung von neoklassischen und institutionellen Ansätzen ist das primäre Abgrenzungskriterium zwischen den beiden Paradigmen darin zu sehen, daß die neoklassische Theorie von der Grenzproduktivitätstheorie ausgeht und im Rahmen der Gleichgewichtsanalyse Mobilitätshemmnisse, Barrieren auf dem Arbeitsmarkt und Abweichungen von dem Prinzip der Entlohnung nach dem Grenzprodukt als exogene Störungen betrachtet, während die institutionellen Segmentierungstheorien diese Abweichungen und Störungen als endogen verursacht analysieren.1 Als Ursachen der institutionellen Regeln und Arbeitsmarktspaltungen wird auf ökonomische und technologische Entwicklungen, mitunter auch auf hier nur angedeutete Herrschaftsinteressen hingewiesen.
Thomas Döbler

5. Gründungs- und unternehmerinnenrelevante Ressourcen

Zusammenfassung
Bei einer prozeßhaften Betrachtung der Gründung und Entwicklung eines Unternehmens wird dieser Prozeß gerne in Analogie zum Produkt-Lebenszyklus abgebildet. Die Phase, in der die Aktivitäten zur Errichtung des Unternehmens stattfiinden, stellt die gelegentlich auch als Vorbereitungsphase bezeichnete Vorgründungsphase dar. In diese Periode fallen alle vorbereitenden Analyse- und Planungsaktivitäten, die der Errichtung des Unternehmens dienen, wie z. B. die Zielplanung, Alternativenentwicklung, Durchführbarkeitsstudien, Ausführungsplanung. Auf Basis dieser Vorarbeiten vollziehen sich in der Umsetzungsphase dann alle Vorgänge, die das Unternehmen als sozial, rechtlich und wirtschaftlich selbständiges Gebilde ins Leben rufen. Während Vorgründungs- und Umsetzungsphase als Teilphasen des Gründungsprozesses betrachtet werden und insofern der Periode der Produktentwicklung im Modell des Produkt-Lebenszyklus vergleichbar scheinen, beginnen mit dem Ende des Gründungsprozesses, meist datiert auf den Markteintritt, die im Produkt-Lebenszyklus mit Marktperiode umschriebenen Entwicklungsphasen des Unternehmens.1 Die sich der Umsetzung, der Gründung anschließende Entwicklung des Unternehmens wird dabei meist in drei Phasen untergliedert: in eine Frühentwicklungsphase, in eine Entwicklungsphase II und in eine Entwicklungsphase III. Da in der Umsetzungsphase nur Kosten verursacht, aber noch keine Umsätze erzielt werden, entspricht diese Phase der “Nur-Kostenphase”; mit den ersten Umsätzen beginnt defiinitionsgemäß die Frühentwicklungsphase, mit dem Eintritt in die Gewinnzone die Entwicklungsphase II.
Thomas Döbler

6. Methodisches Design der Unternehmerinnenstudie

Zusammenfassung
Um den interessierenden Objektbereich untersuchen, die formulierten Hypothesen überprüfen oder auch neue entwickeln zu können, ist es in der empirischen Forschung in der Regel aus Zeit- und Kostengründen nicht möglich, alle Elemente des Bereichs, das heißt, alle Fälle, für welche die Hypothesen Geltung beanspruchen, zu untersuchen1; auch in der vom Verf. durchgeführten Studie, war es notwendig, eine Auswahl aus der Grundgesamtheit aller baden-württembergischen Unternehmerinnen zu treffen. Nun setzt aber auch eine Auswahl von Elementen aus der Gesamtheit aller Elemente, also das Ziehen einer Stichprobe, elementar voraus, daß die Grundgesamtheit, im vorliegenden Fall die Unternehmerinnen in Baden-Württemberg, angebbar und empirisch defiinierbar ist. Bedingung ist ferner, daß die Stichprobe ein verkleinertes Abbild der Grundgesamtheit hinsichtlich der Heterogenität der Elemente und hinsichtlich der Repräsentativität der für die Hypothesenprüfung relevanten Variablen darstellt und daß die Einheiten oder Elemente der Stichprobe defiiniert sind2. Schließlich sollte auch das Auswahlverfahren angebbar sein. Grundsätzlich beruht die Möglichkeit, Stichproben zu ziehen, auf vorhandenen Vollerhebungen, die entweder periodisch (z. B. Volkszählung) oder kontinuierlich (z. B. amtliche Meldestatistiken) durchgeführt werden.
Thomas Döbler

7. Deskriptive Ergebnisse der baden-württembergischen Unternehmerinnenstudie

Zusammenfassung
Bei einer ersten globalen Betrachtung aller 165 Fragebögen fällt auf, daß zwar der Stichprobenziehung entsprechend die befragten Unternehmerinnen aus allen Teilen des Bundeslandes Baden-Württemberg kommen, der badische Landesteil allerdings mit rund 30 Prozent Anteil an der Untersuchung bevölkerungsmäßig unterrepräsentiert ist. Da keine Vergleichsdaten vorliegen, kann jedoch nicht entschieden werden, ob sich hierin eine empirische Ungleichverteilung der Unternehmerinnen widerspiegelt1 oder ob eine systematische Verzerrung zugunsten württembergischer Unternehmerinnen durch das methodische Design hervorgerufen wird. Da aber die ‘badische’ Unternehmerin nicht von der ‘württembergischen’ unterschieden wird, dürfte diese geographisch-bevölkerungs-mäßige Ungleichverteilung keine grundlegenden Einschränkungen hinsichtlich der inhaltlichen Analyse und Interpretation der ‘baden-württembergischen’ Unternehmerin bewirken.
Thomas Döbler

8. Analyse der Unternehmerinnen-Ressourcen

Zusammenfassung
Im theoretischen Teil wurden das Humankapital und die Netzwerke der (angehenden) Unternehmerin sowie deren Verfügung über monetäre Mittel als diejenigen Ressourcen-komplexe diskutiert, die zentral für den Aufbau von Erfolgspotentialen sind. Die Vorge-hensweise bei der Datenanalyse lehnt sich dieser Argumentationsweise weitgehend an; so werden zunächst die die jeweiligen Ressourcenkomplexe operationalisierenden Variablen statistisch geprüft und, sofern vorhanden, mit Daten von sowohl geschlechtsspezifischen als auch -unspezifischen Fremduntersuchungen verglichen. Wie erwähnt, soll das Daten-material aber nicht allein deskriptiv ausgewertet, sondern durch die inhaltlich begründeten Differenzierungen nach Gründungsart und Eintragung ins Handelsregister bereits konse-quent auf die theoretisch abgeleiteten Überlegungen bezogen werden. Der separaten Res-sourcenbetrachtung folgt eine, die Ressourcen mit ihren Wechselbeziehungen untereinander zusammenfassende Analyse ihrer Wirkungen auf einzelne Erfolgspotentiale.
Thomas Döbler

9. Ressourceninterdependenzen und deren Wirkungen auf das Unternehmen

Zusammenfassung
Ähnlich wie schon bei der Einzelanalyse werden auch bei der integrativen Betrachtung von Ressourcen und Erfolgspotentialen nicht die grundsätzlichen Schwierigkeiten, die jede Unternehmensgründungsperson zu bewältigen hat und die in einer ressourcenorientierten Argumentation sehr pointiert als Wettbewerbsnachteile gefaßt werden können1, dargestellt, vielmehr soll hier eine möglichst konsequente Konzentration auf die identifizierbaren frauenspezifischen Ressourcenzusammenhänge und -kombinationen erfolgen, um hieraus typisch weibliche Erfolgspotentiale ableiten zu können, was in dem hier verwendeten Sinne meint, die Charakteristika der “weiblichen Unternehmen” begründet herauszuarbeiten.
Thomas Döbler

10. Fazit und Ausblick

Zusammenfassung
Während noch bis in die 70er Jahre hinein Frauen überwiegend aufgrund von familiären Veränderungen, vorwiegend aufgrund eines Erbes von Eltern oder Ehemann, in eine un-ternehmerische Tätigkeit “rutschten”, die Mehrzahl der damals relativ und absolut wenigen Unternehmensgründerinnen also Übernehmerinnen waren, hat sich dieses Bild seit einigen Jahren grundlegend gewandelt: Die typische Unternehmerin von heute gründet originär. Aber weniger diese Verlagerung in der Art der Gründung, vielmehr der hiermit zu-sammenhängende, fast dramatisch zu nennende Anstieg der Gründungen durch Frauen überhaupt, lenkte vor allem die publizistische, teilweise auch die politische, noch zurück-haltend allerdings die wissenschaftliche Aufmerksamkeit auf dieses Phänomen.
Thomas Döbler

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