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2022 | Buch

Frieden ist schwieriger als Krieg

Die Bedeutung narrativer (De-)Legitimationen am Beispiel des kolumbianischen Bürgerkrieges

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Über dieses Buch

Josua Schneider analysiert die Bedeutsamkeit narrativer (De-)Legitimationsstrategien in langanhaltenden und gewaltsamen Konflikten am Beispiel des kolumbianischen Bürgerkrieges. Dabei untersucht er an einem interdisziplinären Schnittpunkt von Philologie, Friedens- und Konfliktforschung und Sozialwissenschaft die Funktion von Narrativen bei der Verstetigung und Beilegung von Konflikten. Konkret werden die Beschaffenheit und der Wandel narrativer Legitimationsprozesse der Bürgerkriegsakteure FARC-Guerilla und kolumbianischer Staat analysiert, und die darin verborgenen Machtmechanismen und Neutralisierungstechniken sowie das zum Ausdruck kommende Ringen um die Deutungsmacht in der diskursiven Auseinandersetzung über die Ursachen und den Verlauf des bewaffneten Konflikts aufgezeigt. Durch den Blick auf die Schlüsselfunktion von (De-)Legitimationsstrategien bei der theoretischen und empirischen Analyse von Bürgerkriegserzählungen kann zugleich aus konfliktsoziologischer Perspektive erklärt und verstanden werden, welche Relevanz die verbale Abrüstung, die Abkehr von Kriegsrhetoriken und der Abbau von Feindbildern für eine nachhaltige Friedensstiftung besitzt.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einführung

Frontmatter
Kapitel 1. Einleitung
Zusammenfassung
Am 26. September 2016 wurde in der kubanischen Hauptstadt Havanna – unter der Mitwirkung der Länder Norwegen, Chile und Venezuela – nach einer vierjährigen Verhandlungsdauer das Friedensabkommen zwischen der kolumbianischen Regierung und der ältesten Guerillagruppe Kolumbiens FARC-EP – Fuerzas Armadas Revolucionarias de ColombiaEjército del Pueblo (zu Deutsch: Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee) unterzeichnet. Damit endete offiziell der Kriegszustand zwischen den beiden bedeutsamsten Akteuren im kolumbianischen Bürgerkrieg, der als ältester Konflikt auf dem lateinamerikanischen Kontinent gilt, dessen Beginn auf die Gründung der FARC im Jahr 1964 zurück datiert wird und der bis dahin nahezu 220.000 Menschen das Leben gekostet hatte Bei der Guerillagruppe handelte es sich um jene Aufstandsbewegung, die am längsten fortbestand und die das größte territoriale und militärische Wachstum erreicht hatte.
Josua Schneider

Forschungsstand

Frontmatter
Kapitel 2. Forschungsstand zu den drei zentralen Strängen der Thematik
Zusammenfassung
Das Forschungsinteresse dieser Arbeit verbindet drei eigenständige wissenschaftliche Interessengebiete und ist in der Schnittmenge der jeweiligen Forschungsfelder verortet. Zunächst soll ein Überblick über die einschlägige Literatur zum kolumbianischen Bürgerkrieg gegeben werden, der im Hinblick auf seine Intensität und Dauer ins Augenmerk zahlreicher Forscher gerückt ist. Vor dem Hintergrund der dieser Studie zu Grunde liegenden Forschungsproblematik sollen dabei auch Arbeiten zu vergangenen Friedensverhandlungen sowie dem jüngst geglückten Friedensprozess Berücksichtigung finden.
Josua Schneider

Theoretischer Rahmen

Frontmatter
Kapitel 3. Begriffsdefinitionen
Zusammenfassung
Im folgenden Kapitel sollen die zentralen Begriffe behandelt werden, die sich aus dem hier gegebenen Untersuchungsinteresse ergeben und die für das weitere Vorgehen einer begrifflichen Eingrenzung bedürfen. Dabei handelt es sich um die Termini des Konfliktes, der Gewalt und des Friedens sowie die der Legitimation, Delegitimation und Legitimität. Abschließend soll auch das mit der Methode dieser Arbeit verknüpfte Diskursverständnis näher beleuchtet werden.
Josua Schneider
Kapitel 4. Dimensionen der Konfliktbearbeitung
Zusammenfassung
Um den Stellenwert von Narrativen für die Bearbeitung von Konflikten zu verdeutlichen und zu klären, wo narrative (de-)legitimierende Strategien konflikttheoretisch zu verorten sind, sollen zunächst die Perspektiven auf die Konfliktbewältigung und die damit verbundenen forschungspragmatischen Herangehensweisen näher beleuchtet werden. Hierzu gilt es, der prozessualen Wesensart der Kriegs- und Konfliktbewältigung Beachtung zu schenken, beginnend bei der anfänglichen Bereitschaft, sich auf Verhandlungen einzulassen über die temporäre Aussetzung kriegerischer Handlungen bis hin zum dauerhaften Gewaltverzicht der betroffenen Parteien und der endgültigen friedlichen Aussöhnung zwischen ihnen.
Josua Schneider
Kapitel 5. Zur Bedeutung von Wahrnehmungsmustern im Kontext langanhaltender und vertrackter Konflikte
Zusammenfassung
Langanhaltende feindliche Beziehungen zwischen Konfliktparteien können aus materiellen Ursächlichkeiten wie divergierenden Gebietsansprüchen und Forderungen nach prekären Ressourcen resultieren, aber auch aus einer Bedrohungswahrnehmung, die von Unterschieden in Werten, Bedürfnissen oder Machtansprüchen herrührt. Theoretische Ansätze, welche die besondere Natur solcher vertrackten Konflikte zu erfassen suchen und ihre Spezifik bei Lösungsansätzen berücksichtigen, lassen sich häufig im Forschungsfeld der Sozialpsychologie verorten. Psychologische Phänomene werden hierbei in ihrem breiten gesellschaftlichen Umfeld betrachtet und aus sozialer als auch kognitiver Sicht beleuchtet.
Josua Schneider
Kapitel 6. Zum sozialwissenschaftlichen Verständnis eines Narrativs
Zusammenfassung
Erzählungen finden sich bereits früh in der Menschheitsgeschichte in allen Kulturen und den sich in ihnen entfaltenden Lebensbereichen. Der Prozess des Erzählens dient nicht nur dazu, beliebige Sachverhalte zu kommunizieren, sondern darüber hinaus um Problemstellungen zu erläutern, Emotionen hervorzurufen und mittels Beeinflussung anderer die eigenen Interessen durchzusetzen. Erzählungen tragen demnach den Anspruch in sich, die Welt erfahrbar zu machen, sie zur gleichen Zeit jedoch auch beeinflussen und gestalten zu wollen.
Josua Schneider

Historische Einordnung

Frontmatter
Kapitel 7. Historische Darstellung des kolumbianischen Konfliktes und die Rolle der FARC
Zusammenfassung
Länger als ein halbes Jahrhundert wurde der interne bewaffnete Konflikt Kolumbiens von der Konfrontation zwischen der subversiven marxistischen FARC-Guerilla und dem kolumbianischen Staat beherrscht. Von allen Guerillagruppen, die sich im Laufe des kolumbianischen Bürgerkrieges herausgebildet hatten, war die FARC nicht nur die erste, sondern auch die mit der höchsten Zahl an Kombattanten und auch jene, welche die größte Gefahr für die institutionelle Struktur des Landes darstellte. Der Konflikt zwischen der FARC und dem Staat hat eine Jahrzehnte lang anhaltende Spirale von Gewalt, Gegengewalt und daraus resultierenden Verstößen gegen die Menschenrechte herbeigeführt.
Josua Schneider

Empirie

Frontmatter
Kapitel 8. Methodisches Design der empirischen Analyse
Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit will die Entstehung und Entwicklung der (de-)legitimierenden Konfliktnarrative der zwei Hauptakteure im kolumbianischen Bürgerkrieg untersuchen. Methodisch wird hierbei an ein Legitimationsverständnis nach Schneider (2012) und Kelman (2001) sowie dem Ansatz Willy Viehövers (2014, 2012, 2011) zur soziologischen Narrationsanalyse angeknüpft. Die Untersuchung der Konfliktnarrative folgt im Grunde einem inhalts- und dokumentenanalytischen Vorgehen, das sich durch die Schwerpunktsetzung auf (De-)Legitimationsmuster auszeichnet. Damit wird der Grundannahme Rechnung getragen, dass Konflikt- und Bürgerkriegsnarrative grundsätzlich legitimierende Narrative darstellen. Narrative als willentliche Konstruktion zu betrachten und ihnen eine Urheberschaft zu unterstellen, die bewusst Handlungen hervorzurufen sucht, bietet die Möglichkeit, ideologische Deutungskonflikte zwischen den Akteuren erfassen zu können.
Josua Schneider
Kapitel 9. Empirische Analyse der Narrative der Konfliktakteure Staat und FARC-Guerilla
Zusammenfassung
Im Folgenden sollen die öffentlichen Narrative des Staates und der FARC einschließlich der Argumentationsmuster, entlang derer die Konfliktakteure ihre Erzählungen konstruieren, beleuchtet werden. Die Analyse des narrativen Konstruktionsprozesses fußt auf der Untersuchung der zu Grunde liegenden De- und Legitimationsstrategien. Dabei wird der Grundannahme gefolgt, dass sich Konfliktnarrative nicht aus sich selbst heraus definieren, sondern dass sie vielmehr in Abgrenzung zum Rivalen und dessen Version der Wirklichkeit konstituiert werden.
Josua Schneider

Fazit

Frontmatter
Kapitel 10. Resümierende Betrachtung
Zusammenfassung
Im Hinblick auf die übergeordnete forschungsleitende Fragestellung dieser Arbeit, welche Bedeutung narrative Strategien der Legitimation und Delegitimation in vertrackten Konflikten und deren Bearbeitung haben, wurde der Blick auf einen aus drei Phasen bestehenden Untersuchungszeitraum innerhalb der Jahre 1961–2016 während des kolumbianischen Bürgerkriegs gerichtet. Im vorangegangenen Kapitel erfolgte die analytische Betrachtung der Konfliktnarrative des kolumbianischen Staates und der FARC durch die systematische Auswertung einzelner Reden, Verlautbarungen und Kommuniqués. Das Hauptaugenmerk lag dabei neben den Strukturelementen der jeweiligen Erzählungen insbesondere auf den Delegitimations- und Legitimationsstrategien, die sich gemäß den Erkenntnissen der theoretischen Grundlegung dieser Arbeit wiederum oft aus den jeweiligen Konfliktnarrativen ableiten lassen.
Josua Schneider
Backmatter
Metadaten
Titel
Frieden ist schwieriger als Krieg
verfasst von
Josua Schneider
Copyright-Jahr
2022
Electronic ISBN
978-3-658-40294-5
Print ISBN
978-3-658-40293-8
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-40294-5

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