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23.11.2020 | Führungsqualität | Im Fokus | Onlineartikel

Wie toxische Führungskräfte Unternehmen vergiften

Autor:
Andrea Amerland
5 Min. Lesedauer

Sie drohen, sie mobben, sie lügen: toxische Führungskräfte. In Unternehmen sind Toxiker auf Führungsebene weit verbreitet. Das Problem: Sie drücken die Performance und fügen Unternehmen Schaden zu. Was Firmen dagegen tun können.

Unter der Bezeichnung 'Toxiker' subsumieren wir Menschen, die andere Menschen ohne Skrupel drangsalieren, benutzen und manipulieren, um ihre persönlichen Ziele zu erreichen. Auf den Punkt gebracht: Toxiker streben nach Macht, um ihre egoistischen Motive um jeden Preis zu verwirklichen."

So definieren Heidrun Schüler-Lubienetzki und Ulf Lubienetzk im Buchkapitel "Toxiker?! – Zu Beginn auf den Punkt gebracht" (Seite 3 f.) eine Spezies unter den Beschäftigten, deren zerstörerische Kraft "atemberaubend" sein kann. Denn ein Toxiker ist nach Ansicht der Springer-Autoren ein Wolf im Schafspelz, ein Mitarbeiter, der seine egoistischen und auch geschäftsschädigenden Motive hinter einer eloquenten Fassade so geschickt verbirgt, dass die meisten Kollegen sein wahres Ich nicht erkennen.

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Toxiker und dunkle Triade unter Führungskräften

Dass Toxiker auch unter Führungskräften stark verbreitet sind, wie jetzt das Arbeitgeberbewertungsportal Kununu durch die Auswertung von rund 37.000 Bewertungen (quantitative sowie Textkommentare) ermittelt hat, verwundert nur bedingt. Denn unlängst haben Studien nachgewiesen, dass Führungskräfte oftmals narzisstische, psychopathische oder machiavellistische Züge in sich tragen. Dazu zählt auch das Streben nach Macht. In der Forschungswelt werden diese negativen Facetten einer Führungspersönlichkeit unter dem Begriff der 'dunklen Triade' subsumiert.

Die Autoren der Kununu-Studie verwenden den Begriff 'Toxiker" allerdings etwas anders, als er in der Management-Literatur definiert wird. Toxische Führungskräfte verbergen in der Sprachwelt von Kununu ihre egoistischen Motive nicht hinter einer freundlichen Fassade. Vielmehr treten ihre negativen Eigenschaften offen zutage. Es geht in der Analyse durch das Bewertungsportal um Vorgesetzte, die ihre Mitarbeiter offen drangsalieren, piesacken, kränken, anschreien, demütigen, ignorieren oder anlügen. 

Dem Datenbestand der Jahre 2016 und 2017 entnimmt Kununu, dass in 85 Prozent der 149 untersuchten Unternehmen toxisches Führungsverhalten praktiziert wird, bei mehr als jedem fünften Arbeitgeber (21 Prozent) herrscht demnach sogar ein ausgesprochen toxisches Führungsklima.

Toxische Führungskräfte schaden der Performance

Das miese Führungsverhalten, so weist die Studie nach, verschlechtert nicht nur das Arbeitsklima, sondern auch die Performance. So wurden Unternehmen, in denen Toxiker stark verbreitet sind, schlechter bewertet (3,3) als Firmen, in denen Führungskräfte seltener ihr Gift versprühen (3,5). Insgesamt lautet das Studienfazit: Je zufriedener die Mitarbeiter mit der Führungsqualität sind, desto besser schneidet das jeweilige Unternehmen auch beim Thema Performance ab.

Die Gründe für den Zusammenhang von schlechtem Führungsverhalten und Performance beschreiben die Psychologinnen Sandra Julia Schiemann und Eva Jonas in einem Artikel in der Zeitschrift  "Organisationsberatung, Supervision, Coaching". "Besonders die Mitarbeiter/innen der narzisstischen Führungskräfte leiden darunter: Sie fühlen sich emotional erschöpft, angespannt und depressiv, können nicht mehr so produktiv arbeiten und sehen keine Handlungsoptionen." (Seite 254)

Toxiker sind zumeist coachingresistent

Ist eine toxische Führungskraft erst einmal an Bord, wird es für Unternehmen schwierig durch Personalentwicklungsmaßnahmen eine Verhaltensänderung zu bewirken, warnen die beiden Expertinnen. Denn zumeist kommen nach den Erfahrungen von Psychologen solche Klienten nicht freiwillig zum Coaching und bringen daher auch keinerlei Eigenmotivation mit, ihre Persönlichkeit positiv weiterzuentwickeln.

In der Regel zeigen sie sich verschlossen, können kein kritisches Feedback annehmen, lassen die Fähigkeit zur Selbstreflexion vermissen und sehen in den anderen das Problem, aber nicht in sich selbst: "Meiner Erfahrung nach ist das Veränderungspotenzial sehr gering, und man kann als Coach kaum wirksam sein", lautet etwa das Resümee der Beraterin und Trainerin Karin von Schumann, das in der Zeitschrift "Organisationsberatung, Supervision, Coaching" zitiert wird. (Seite 256)

Doch was können Unternehmen gegen toxische Führungskräfte tun? Wie kann der Arbeitsplatz entgiftet werden?, so wie es Heidrun Schüler-Lubienetzki und Ulf Lubienetzki in einem Buchkapitel zum Thema formulieren. Die Handlungsempfehlungen der verschiedenen Springer-Autoren gehen in eine ähnliche Richtung. So besteht Einigkeit, dass eine ethische Unternehmenskultur, die von Werten, Wertschätzung, Team- und Mitarbeiterorientierung geprägt ist, ein wirksames Mittel ist, um das negative Handeln von Toxikern im Sande verlaufen zu lassen. Doch eine ethische Unternehmenskultur entsteht nicht über Nacht und lässt sich insbesondere in großen Konzernen nur langsam etablieren.  

Der Schaden durch toxische Führungskräfte ist groß 

Zeigt sich im Coaching via 360-Grad-Feedback bei einer toxischen Führungskraft auf Dauer keiner Besserung, bleibt nur noch die Trennung als Lösung. Denn der Schaden, den sie anrichten, ist nach Einschätzung von Heidrun Schüler-Lubienetzki und Ulf Lubienetzki immens (Seite 118). Toxiker:

  • kosten viel Geld. Sie sind sehr, sehr teuer.
  • verursachen Konflikte.
  • spielen mit unfairen, skrupellosen Mitteln.
  • werden Ihren guten Ruf vernichten.
  • binden Ressourcen und Kapazitäten.
  • vermindern die Innovationskraft und schaden der Kreativität.
  • zerstören das Betriebsklima.
  • schaden (auf Dauer) dem Geschäftserfolg.
  • machen krank.
  • verändern sich nicht und haben keinen Leidensdruck.
  • veranlassen gute Leute, das Unternehmen zu verlassen.
  • verschlechtern die Leistungen ihrer Mitarbeiter und Kollegen.

Um sich vor diesem Rattenschwanz an negativen Folgen durch Toxiker zu schützen, ist nach Ansicht des Experten für Management-Diagnostik, Kai Externbrink, und des Wirschaftspsychologen Moritz Keil Prävention die beste Maßnahme. Diese müsse bereits bei der Personalauswahl beginnen, schreiben sie im Buchkapitel "Intervention". Eine Psychopathie-Checkliste kann nach Ansicht der beiden Springer-Autoren helfen, Toxiker bereits im Vorstellungsgespräch zu erkennen. 

Die Pschopathie-Checkliste

Dimension 1: Ausnutzen anderer zum eigenen Vorteil

Dimension 2: Impulsivität

  • Sprachgewandter Blender mit oberflächlichem Charme, unterhaltsam
  • Erheblich übersteigertes Selbstwertgefühl, Fähigkeitsüberschätzung
  • Krankhaftes Lügen und Betrügen als Bestandteil des Umgangs mit anderen
  • Manipulatives, trickreiches Verhalten, um Vorteile zu realisieren
  • Fehlende Reue beziehungsweise Anteilnahme
  • Oberflächliche Gefühle, flacher Affekt
  • Gefühlskälte, Mangel an Empathie
  • Fehlende Verantwortungsübernahme
  • Stimulationsbedürfnis, Erlebnishunger
  • Beabsichtigter parasitärer Lebensstil
  •  Geringe Verhaltenskontrolle, reizbar, Aggressionsneigung bei Frustration
  • Frühzeitige Verhaltensprobleme (vor dem 12. Lebensjahr, z. B. Diebstahl)
  • Fehlen langfristiger Ziele und einer realistischen Lebensplanung
  • allgemeine Impulsivität
  • Jugendkriminalität
  • Verstoß gegen Bewährungsauflagen im Erwachsenenalter

Quelle: "Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie in Organisationen" (2018), Seite 69.

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