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31.03.2021 | Führungsqualität | Im Fokus | Onlineartikel

Warum empathische Führung gerade jetzt so wichtig ist

Autor:
Andrea Amerland
3:30 Min. Lesedauer

Empathische Fähigkeiten sind für Führungskräfte nicht mehr nice-to-have, sondern ein Must-have. Denn in der aktuellen Corona-Situation brauchen Mitarbeiter nicht nur technische Hilfsmittel fürs Homeoffice, sondern auch emotionale Unterstützung.
 

Etwa ein Drittel (33 Prozent) aller Arbeitnehmer fühlt sich in der Pandemie-Situation nicht ausreichend mental von ihrem Arbeitgeber unterstützt, so das Randstad-Arbeitsbarometer aus dem zweiten Halbjahr 2020. Es mangelt den Befragten an empathischer Führung, die auf die besonderen emotionalen Herausforderungen der Corona-Krise eingeht.  

Da jeder sechste Fehltag laut BKK Gesundheitsreport 2020 auf psychische Probleme zurückzuführen sei, appelliert Andreas Bolder, Director Group Human Resources bei Randstad Deutschland, an Arbeitgeber, diese Entwicklung ernst zu nehmen und bei den psychischen Auswirkungen der Krise genauer hinzusehen.  

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Digital Leadership, Agile Change und die Emotion Economy

Emotion als Erfolgsfaktor der digitalen Transformation

Dieses Buch zeigt einen innovativen Weg auf, wie Führungskräfte Emotionen in Teams und Organisationseinheiten besser verstehen und somit die agile Entwicklung im Rahmen der digitalen Transformation von Unternehmen positiv beeinflussen können. Denn die Digitalisierung ändert auch die Zusammenarbeit der Mitarbeiter und die Rolle der Führungskräfte.

Bislang lag der Fokus der meisten Unternehmen darauf, den Digitalisierungsprozess voranzutreiben. So geben 77 Prozent der befragten Arbeitnehmer an, über das nötige Equipment zu verfügen, um die Digitalisierung in ihrem Beruf zu bewerkstelligen. Doch über die technische Ausstattung hinaus brauchen Beschäftigte in der Krise auch emotionalen Support, um sich zu motivieren, die im Homeoffice fehlende soziale Interaktion zu kompensieren und die krisenbedingten Veränderungsprozesse bewältigen zu können. 

Empathie und Klarheit sind Führungskompetenzen

Daher gehört für Springer-Autor Torsten Schrör Empathie neben Klarheit zu den essenziellen Führungskompetenzen, schreibt er auf Seite 37 des Buchkapitels "Kraftvoll führen in der Krise". "Wenn die Führungskraft diese beiden Aspekte mit präzisen Inhalten kommunizieren kann, haben Mitarbeiter*innen eine verlässliche Ausrichtung und einen orientierungsgebenden Handlungsrahmen." Doch nicht alle Manager verfügen über die Kompetenz, emotional intelligent in Krisenzeiten zu führen und stellen sich dieser Weiterentwicklungsaufgabe auch nicht. Die Konsequenz: Mitarbeiter "verkrampfen immer mehr und schauen wie paralysiert, kaninchengleich auf die Schlange Krise", so dass "keine nachhaltig wirksame Motivation oder positive Energie für den Weg aus der Krise entsteht", warnt der Autor. 

Wie Empathie entsteht und was sie bewirkt

Doch wie gehe ich in der Führung mit Emotionen um?, fragt die Arbeits- und Organisationspsychologin Mona Spisak. Der Ruf nach Empathie in der Führung werde immer lauter, weil eine solche Emotionsarbeit die Basis jeder Zusammenarbeit und der tragende Pfeiler für den Führungserfolg sei. Die Bereitschaft und Fähigkeit, "sich an die Seite eines anderen Menschen zu stellen und ihm einfühlsam zu helfen", entstehe unter bestimmten Voraussetzungen:

  • Empathie braucht Gelassenheit und emotionale Selbstregulation: Das heißt, eine gewisse Aufnahmebereitschaft ist erforderlich, die nur mit Selbstkontrolle möglich ist, also der Fähigkeit, den eigenen Ärger zu dämpfen.
  • Physische Synchronisation hilft der Empathie: Erkenntnisse der Sozialpsychophysiologie zeigen, dass sich der Austausch von Emotionen verstärkt, wenn die körperlichen Bewegungen der Partner aufeinander abgestimmt sind (zum Beispiel Beine bei beiden übereinander geschlagen).
  • Ein klarer, starker Gefühlsausdruck erleichtert Empathie: "Im Wissen, dass Menschen sich von den Gefühlen anderer bewegen lassen, müssten Führungskräfte auf ihre emotionale Expressivität achten und diese im Sinne von Führungskompetenz entwickeln."

Sind diese Voraussetzung gegeben, kann die Empathie der Führungskraft, mehr Hilfsbereitschaft in der Belegschaft und Teamwork fördern sowie aggressives Verhalten unter den Mitarbeitern vermindern, erläutert Spisak auf Seite 119/120.

Kommunikation ist die Säule empathischer Führung

Um Empathie in der Führung zu transportieren, braucht es natürlich auch entsprechende Kommunikation. Anette B. Christl und Angelika Scheuer sprechen in diesem Zusammenhang von einer empathisch bedürfnisorientierten Kommunikation. Im Buchkapitel "Leadership der Zukunft" definieren die Springer-Autorinnen vier Prinzipien, mit deren Hilfe Feedback konstruktiv und leicht annehmbar formuliert wird (Seite 77):

  1. Beobachtungen frei von Anschuldigungen beschreiben, ohne etwas hineinzuinterpretieren oder zu verallgemeinern,
  2. ein authentisches selbstverantwortetes Gefühl mitteilen, das aus dieser Situation entstanden ist, weil
  3. ein Bedürfnis – zum Beispiel das höchstmögliche Potenzial – gerade nicht erfüllt ist,
  4. und gegebenenfalls eine konkret umsetzbare Bitte formulieren, die beiden Gesprächspartnern ermöglicht, ihrem wahrem Potenzial näherzukommen.

Fazit: Empathisches Führungsverhalten ist grundsätzlich empfehlenswert. Denn gekonnte empathische Führung leistet einen wichtigen Beitrag zum individuellen Erfolg einer Führungskraft, aber auch, um Unternehmensziele zu erreichen. Doch nicht alle Personalverantwortlichen bringen diese Kompetenz mit. Unternehmen sollten daher geeignete Trainings- und Personalentwicklungsmaßnahmen zur freiwilligen Teilnahme anbieten. Gerade jetzt in der schwierigen Corona-Zeit werden Mitarbeiter davon profitieren.

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