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04.01.2019 | Führungsqualität | Im Fokus | Onlineartikel

Gute Entscheidungen reifen über Nacht

Autor:
Michaela Paefgen-Laß

"Schlaf mal drüber", ist ein gängiger Ratschlag aus der Hausapotheke unter Freunden. Von Managern und Führungskräften dagegen werden rationale Entscheidungsprozesse erwartet. Innehalten und das Unterbewusstsein arbeiten zu lassen, trauen sich nur wenige.  

Dem Gedanken, Entscheidungen auf die lange Bank zu schieben, sie nicht an Ort und Stelle zum Abschluss zu bringen, sondern sie von der Arbeit mit in den Feierabend, ins Schlafzimmer, in die Nacht zu nehmen, schwingt ehrlicherweise kaum Beruhigendes mit. Schließlich haben wir gelernt, wichtige Dinge sofort zu erledigen, mit Verstand abzuwägen und dem Bauchgefühl im Zweifel lieber eine Abfuhr zu erteilen. Unsere Angst dahinter: Was wir mit in die Nacht nehmen, raubt uns den Schlaf. Doch gerade bei komplexen Entscheidungen ist das verkehrt herum gedacht, wie niederländische Sozialpsychologen bewiesen und im "Harvard Business Review" beschrieben haben. 

Empfehlung der Redaktion

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Worauf muss ich bei der Entscheidungsfindung achten?

Dieses Kapitel bietet Ihnen praxisnahe, nützliche, umfangreiche Handreichungen für sehr verschiedene Lebenslagen: für Kaufentscheidungen, Finanzanlagen, medizinische Fragen, politische Diskussionen und vieles mehr. 

Wenn der Verstand kapituliert

Bei komplexen Entscheidungen werden wir fokussiert, suchen nach rationalen Verfahren und logischen Kriterien. Wer die so gesammelten Informationen mit in den Schlaf nimmt, überlässt es dem Unterbewusstsein, Relevantes von Nebensächlichem zu trennen und kann am nächsten Morgen frei auf die Fakten blicken und sicher entscheiden. Wer direkt unter Druck entscheidet, lässt sich eher von Vielfalt und Kleinkram verwirren. Das Gehirn ist ein guter Filter und trennt nützliche Information von nutzlosem Wissen, sofern wir ihm gestatten, die Arbeit für uns zu erledigen während wir uns entspannt zurück legen, schlafen, Musik hören oder einfach eine Runde durch den Wald joggen. "Our unconscious can process large amounts of information — as long as we give it time to do so", schreiben die Autoren Amy Cuddy und Marten Bos. 

Das "rational-analytische Kalkül" grenzt gerade deswegen Entscheidungsspielräume ein, weil es zu viele Daten "ernst" nimmt, erklären die Springer-Autoren Martin Sauerland und Peter Gewehr in ihrem Buchkapitel über Entscheidungstechniken. "Paradoxerweise sind rationale Verfahren dann besonders gut, wenn die Situation einfach strukturiert ist. In komplexen Situationen hingegen bieten sich eher intuitive Methoden an" (Seite 93). Grund dafür ist die beschränkte Kapazität des Bewusstseins, es kann Informationen nur linear abarbeiten. Die komplexe Situation wird verzerrt dargestellt. Das Unterbewusstsein dagegen hat mehr Kapazitäten, kann Daten parallel verarbeiten und urteilt ganzheitlicher. Plus: Die Intuition weiß, was relevant ist und was nicht. Wer der Entscheidung also eine "Inkubationszeit" im Unterbewusstsein einräumt, entscheidet besser. 

Bauch vs. Kopf - Ein Mythos?

Wie aber lässt sich in fordernden und wichtigen Entscheidungsszenarien genau darauf vertrauen? Ist ein sicheres Bauchgefühl nicht nur eine angeborene Charaktereigenschaft und dürfen sich Führungspersönlichkeiten in komplexen Situation guten Gewissens darauf verlassen? Zur Beruhigung: Intuition speist sich immer aus Erfahrungswissen, erlerntem Wissen und kumulierten Erfahrungen. All' dieses Wissen und diese Erfahrungen sind uns ebenso bewusst wie uns die Notwendigkeit bewusst ist, eine intuitive Entscheidung treffen zu müssen. Letztlich kann es sogar vorkommen, das "man bewusst intuitive Urteile trifft, weil man dies für eine in einem bestimmten Gegenstandsbereich rationale Vorgehensweise hält", schreiben die Autoren über Entscheidungsmythen und Entscheidungstabus (Seite 76). 

Fazit: Einmal Überschlafen, Bauchgefühl, Intuition, Ratio, Bewusstsein, Unterbewusstsein - aus dem Chaos der Begrifflichkeiten hilft zu Wissen: Je schwieriger die Entscheidung, desto mehr Raum baucht sie im Unterbewusstsein durch Schlaf oder eine andere Ablenkung. Und, Intuition ist häufig nichts anderes als das Handeln nach irgendwann erlernten und automatisierten Mustern, die das Unterbewusstsein bei Bedarf wieder zu Tage fördert. 

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Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2017 | Supplement | Buchkapitel

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