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13.06.2017 | Führungsqualität | Im Fokus | Onlineartikel

Wie ein Schwarzer Schwan Managern Stress verursacht

Autor:
Michaela Paefgen-Laß
4 Min. Lesedauer

Nicht gut: Die einzige Batterie, die bei Managern zuverlässig aufgeladen ist, ist der Akku im Smartphone. Doch die ständige Verfügbarkeit laugt persönliche Reserven aus und stresst. Über die Schattenseiten der Digitalisierung.

"Man kann nicht denken, wenn man es eilig hat", wusste schon der griechische Philosoph Plato. Weltweit vernetzt, rund um die Uhr verfügbar, gläsern, der Kooperation mit anderen, aber auch der Beurteilung durch andere ausgesetzt. Die Digitalisierung hat die Arbeit von Raum und Zeit zwar befreit und neue Arbeitszeitmodelle überhaupt erst möglich gemacht. Das wäre die gute Nachricht. Die schlechte lautet: Die Digitalisierung bringt mit rasanter Geschwindigkeit immer Neues und damit auch Chaos und Hektik in den Arbeitsalltag. Sie fordert ihren Tribut besonders von Führungskräften. Denn ihnen wird Überblick und Sinnstiftung abverlangt. Digital Leader, so will die es Fachliteratur, sind diejenigen Führungskräfte, die mit einem hohen Maß an Sozialkompetenz in einer komplexen Welt unter Zeitdruck Entscheidungen treffen können. Sie sind Enabler und Navigatoren. Stress lass nach ...

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Wandel mit Nebenwirkungen

Die Digitale Transformation setzt Führungskräfte zunehmend unter Druck, so ein Teilergebnis aus dem Manager-Barometer 2016/2017 des Personalberaters Odgers Berndson unter 2.124 Führungskräften in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Neben den Faktoren, die Führungskräfte motivieren und von ihnen als karriererelevant eingestuft werden, wollten die Studienautoren auch erfahren, wie die Digitalisierung das unmittelbare Arbeitsumfeld beeinflusst. Zwar bewerten 80,2 Prozent der befragten Leader die Veränderungen ihrer Arbeit durch den digitalen Wandel als positiv und zählen schnellere sowie einfachere Prozess (53,9 Prozent), bessere internationale Zusammenarbeit (47,9 Prozent) sowie Flexibilisierung der Arbeitszeit (46,5 Prozent) als Hauptvorteile auf. Aber, sie sind auch nicht immun gegen die Nebenwirkungen des Wandels. 

Sämtliche Nachteile des Digitalen Wandels werden im Vergleich zum Vorjahr stärker wahrgenommen. An der Spitze steht der Verlust der persönlichen Kommunikation (67,1 Prozent), gefolgt von der permanenten Erreichbarkeit (58,6 Prozent) und dem Gefühl, dass das Führungsverhalten unter den immer weniger werdenden persönlichen Kontakten leidet (50,7 Prozent). Außerdem spüren immer mehr Chefs den verstärkten Druck durch schneller und transparenter werdende Prozesse (35,1 Prozent). Am deutlichsten gestiegen ist das Gefühl, durch die Digitalisierung kontrolliert zu werden ( von 22,7 auf 31,2 Prozent). Um die Qualität der Führung fürchten und gleichzeitig vom Homeoffice aus arbeiten? Für mehr als 80 Prozent aller befragten Männer und Frauen gehört die Flexibilisierung von Arbeit tatsächlich zu den Vorteilen der Digitalisierung. Diese aber für sich selbst zu beanspruchen scheidet aus. Rund 80 Prozent sind sich einig, Leadership in digitalen Zeiten erfordert neben hohem zeitliches Engagement auch die persönliche Anwesenheit am Arbeitsplatz. Wann atmen Führungskräfte eigentlich noch aus und was geschieht, wenn der Druck noch weiter steigt?

Neurologisch muss sich was tun

"Wer gestresst ist, dient nicht mehr anderen, sondern nur noch sich selbst. Er kann gar nicht mehr anders", warnt Springer-Autor Michaela Kres vor den Auswirkungen des Übeltäters "Beschleuingung" (Seite 33). Chronischer Stress verändert die Zellen im menschlichen Hirn. Die Fähigkeit sich Dinge zu merken und sich zu konzentrieren nimmt ab, Angst und Depression steigen gleichzeitig. Stress setzt eine teuflische Spirale in Bewegung: Motivations- und Selbstheilungskräfte werden schwächer, dadurch sinkt die Produktivität was wiederum Druck und Stress erzeugt. Gibt es ein Entkommen?

Das traditionelle Management stößt am seine Grenzen und braucht, um sich verändern zu können, neurologisches Wissen. Die Digitalisierung sei aufgetaucht wie ein Schwarzer Schwan. Mit diesem Bild aus Nassim Nicholas Talebs gleichnamigen Buch über die Macht unvorhergesehener Ereignisse, beschreibt Springer-Autor Günther Wagner ein Paradox, dem die Führungskraft im Zeitalter von Industrie 4.0 ausgesetzt ist. Schwarze Schwäne, stehen nicht nur für das plötzliche hereinbrechende Ereignis, dass deshalb übersehen wurde, weil der Mensch dazu neigt allzu Hinderliches auszublenden und sich so die Wirklichkeit zu vereinfachen. Sie stehen auch für Hoffnung, dass etwas so kommt, wie man es sich vorstellen kann. Die neuen Führungskräfte, so der Autor müssen sich den Herausforderungen aber offenen Auges stellen, "bewusst und reflektiert mit Technik, Wissenschaft, mit Zufälligkeiten und Verdrängungsmechanismen, mit sich selbst als Mensch und mit ihren Mitarbeitern" (Seite 199).

Gegen den Stress, den die Veränderung unweigerlich im Gepäck trägt, hilft frühzeitiges Resilienzmanagement. Dieses versucht die Widerstandsfähigkeit gegen Einflüsse von Außen zu stärken. Die Krise wird durch persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als bewältigbar erlebt und zur Weiterentwicklung genutzt. "Als Digital Leader bedarf es neben eines profunden technischen und wirtschaftlichen Know-hows, auch eines psychosozial-philosophischen wie auch physikalisch-biologischen Grundlagenwissens", ist Wagners Rat an die Führungskraft der Zukunft (Seite 206).

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

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