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12.06.2019 | Führungstools | Interview | Onlineartikel

"Führungskräfte sind in Psychologie nicht geschult"

Autor:
Andrea Amerland

Psychologische Kenntnisse helfen dabei, Mitarbeiter mit Fingerspitzengefühl zu führen. Daher sollten Führungskräfte auf diesem Gebiet auf jeden Fall Wissen erwerben, betont Springer-Autor Eric Lippman und erklärt, in welchen Situationen sie davon profitieren. 

Springer Professional: Warum sind psychologische Kenntnisse für Führungskräfte wichtig?

Eric Lippmann: Viele Fachpersonen werden auch heute in den Unternehmen zu Führungskräften befördert, weil sie gute Professionals sind. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie in ihrem Werdegang auch etwas über Führung gelernt haben, geschweige denn, sich die entsprechenden psychologischen Kenntnisse angeeignet haben. Neben den Kenntnissen ist es aber auch wichtig, dass die Führungspersonen neben den kognitiven Kompetenzen über die emotionale Intelligenz verfügen, welche für Führung wichtig ist. Nicht zuletzt sind sie dann in der Lage, in verschiedenen Situationen adäquat zu handeln.

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Handbuch Angewandte Psychologie für Führungskräfte

Führungskompetenz und Führungswissen

Das erfolgreiche Handbuch für Praktiker - bislang bekannt als "der Steiger-Lippmann" - fasst das gesamte, für Führungskräfte aller Ebenen relevante Wissen der Psychologie in einem Werk zusammen und ist, nun schon in der 5. Auflage ein bewährter Ratgeber.

Inwieweit sind Führungskräfte nach Ihren Erfahrungen auf dem Gebiet der Psychologie versiert?

In der Regel sind sie in Psychologie nicht geschult, eher im Bereich der Betriebswirtschaft. Selbst Personen aus dem psychologischen, pädagogischen oder medizinischen Bereich verfügen nicht über spezifisches psychologisches Wissen, das für die Führung relevant ist. Doch für die Führung von Personen, auch in nicht hierarchischen Systemen, ist es wichtig, über verschiedene psychologische Kenntnisse zu verfügen. 

Hat Psychologie denn ausreichend Einzug in die Leadership-Seminare, die Führungskräfteentwicklung gehalten?

Allgemein kann ich das nicht so genau sagen. Wir am Institut für Angewandte Psychologie führen seit 1947 Führungsseminare auf der Basis der Angewandten Psychologie durch. Somit hat bei uns die Psychologie eine lange Tradition, die in der Schweiz sicher auch ausgestrahlt hat auf viele andere Anbieter. Auch in Deutschland dürften viele Führungskräfteentwicklungen auf der Psychologie basieren. Wichtig dabei ist aber die alte Frage, wie es gelingt, das Wissen in den Führungsalltag so zu transferieren, dass es für die Betroffenen auch im Alltag spürbar wird, dass die Personen psychologisch geschult worden sind.

Was sind besondere psychologische Herausforderungen für Führungskräfte?

Ich zähle ein paar Themenfelder auf: Mit dem Rollenkonzept werden die Erwartungsfelder umschrieben, welche auf Führungskräfte im Spannungsfeld der eigenen Person und der Organisation einwirken. Idealerweise decken sich die Erwartungen seitens der Person und der Organisation, im Alltag gibt es da aber immer Kalibrierungsbedarf, das macht aber die Führung besonders anspruchsvoll und spannend.

Aber Führung beginnt eigentlich bei der Führung der eigenen Person. Darunter sind Themen gemeint wie etwa mit den eigenen Ressourcen gut umgehen, persönliche Arbeitstechnik, Rhetorik und Auftreten.

Ein weiteres wichtiges Feld dreht sich um das Thema Probleme lösen und Entscheidungen treffen. Wie gehen Führungskräfte Probleme an, entweder alleine oder in der Gruppe beziehungsweise mit dem eigenen Team, wie entscheiden sie richtig und haben sie genügend kreative Potenziale, um Entscheidungen gut vorzubereiten.

Wie sieht es mit Kommunikation, Coaching und Personalführung aus?

Der ganze Bereich der Kommunikation ist grundlegend für die Führungstätigkeit: Wie werden Gespräche geführt, Feedback adäquat gegeben oder verfügt die Führungskraft auch über die Fähigkeit des Storytellings? Kommunikation ist Grundlage für die Arbeit in und mit Gruppen, dazu gehören aber auch Kenntnisse über das Funktionieren von Gruppen und Teams. Eine besondere Form der Kommunikation sind Beratungssituationen, die für Führungskräfte auch immer zentraler werden. In welcher Form sind etwa Coachingtechniken in der Führung anwendbar, wo sind die Möglichkeiten und Grenzen?

Wissen über Organisationsinstrumente und Prinzipien der Organisationsgestaltung gehört auch zum Grundhandwerk einer Führungsperson.

Die Personalgewinnung, -entwicklung und das Trennungsmanagement sind aus meiner Sicht zentrale Themen. Die Auswahl der richtigen Personen für das eigene Team ist wohl die wichtigste (präventive) Führungshandlung.

Information, Wissensmanagement und Motivation und Führung mit Zielen sind darüber hinaus Klassiker in der Führungsweiterbildung, besonders auch in der Arbeitswelt 4.0.

Schließlich gehört das Management komplexer Führungssituationen zum Anspruchsvollsten, was Führungskräfte über Jahre lernen. Darunter gehören die Themen Projekt- Konflikt- und Change Management, welche zusammenhängen. Speziell dann der Umgang mit Diversity (darunter gehören auch Personen mit psychischen Verhaltensauffälligkeiten), aber auch mit Macht und Mikropolitik.

Und wie können Führungskräfte diese Herausforderungen meistern? 

Wir empfehlen das Buch neben dem Einsatz in Führungsseminaren auch als Grundlage zu nehmen für sogenannte Leadership-Zirkel: Das sind moderierte Gruppen, in denen sich Führungskräfte regelmäßig treffen und aktuelle Fragestellungen aus ihrem Führungsalltag besprechen, mit dem Ziel, zu konkreten Anliegen konkrete Handlungsideen zu erhalten. Dies ist eine sehr gute Form, um Herausforderungen zu meistern, erstens, weil das Lernen just in time erfolgt, zweitens, weil es auch eine sehr gute Anlage ist, um voneinander zu lernen. Solche Gruppen können auch ohne Leitung stattfinden.

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