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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Dieses Vorwort von Franz Beckenbauer aus einem Buch „über die Ausländer der Bundesliga“ könnte tatsächlich auch für diese Arbeit geschrieben worden sein. In diesem kurzen Auszug finden sich viele jener Eigentümlichkeiten des Fußballs, die mich auf die Idee zu dieser Untersuchung gebracht haben. Bemerkenswert ist vor allem die Art und Weise, in der nationale und ethnische Stereotypisierungen verwendet werden, die uns aus der Fußballberichterstattung vertraut sind, die wir aber gleichzeitig in keinem anderen sozialen Kontext als dem Fußball für legitim erachten. Nirgendwo anders als im Fußball wird so selbstverständlich über „angeborene“ Merkmale von Afrikanern oder „Nord- und Südländern“ sinniert, nirgendwo sonst kann man in unserer Gesellschaft tausende Menschen beobachten, die sich dabei amüsieren, inbrünstig die Nationalhymne zu singen oder sich die Gesichter in den Farben ihres Herkunftslandes anzumalen. Und das Erstaunlichste dabei ist, dass diese Verhaltensweisen uns ganz normal erscheinen.
Marion Müller

1. Geschichte des modernen Sports und des Fußballs

Ausgangspunkt der folgenden historischen Analyse ist die Frage nach den Ursachen für die prominente Bedeutung nationaler, ethnischer und geschlechtlicher Zugehörigkeiten im Fußball. Wieso kommen im Fußball regelmäßig nationale und ethnische Stereotypisierungen zur Anwendung und gelten darüber hinaus anders als in anderen Funktionskontexten auch noch als legitim? Warum werden Ausländerbeschränkungen und Geschlechtersegregation im Fußball nicht als partikularistische Ausschlüsse erlebt? Eine erste Annäherung an diese Fragen erfolgt durch die Untersuchung der historischen Hintergründe bzw. des Zustandekommens dieser Phänomene. Seit wann fungieren ethnische, nationale und geschlechtliche Differenzen überhaupt als Beobachtungsschemata im Fußball, und was sind die Ursachen dieser Entwicklungen? Durch eine Analyse der zeithistorischen Zusammenhänge werden oberflächliche alltagstheoretische Erklärungsversuche entkräftet, die auf die Macht der Gewohnheit verweisen („Das war schon immer so!“). Stattdessen soll anhand einer Rekonstruktion der Entstehungsgeschichte des Fußballs gezeigt werden, seit wann, unter welchen Umständen und mit Hilfe welcher Begründungen die drei Teilungsdimensionen Nation, Ethnie und Geschlecht zu Kriterien der Grenzziehung und des sozialen Ausschlusses wurden.
Marion Müller

2. Auf’m Platz: Erste Annäherung und methodische Erläuterungen

Da weder das Funktionssystem Sport noch der Fußball als Gesamtphänomen Gegenstand einer empirischen Untersuchung sein können, wurde für die empirische Analyse auf einzelne Fußballklubs als konkrete soziale Kontexte zurückgegriffen. Den Rahmen der untersuchten Interaktionen bildeten also formale Organisationen, die gleichzeitig eine eigenständige Untersuchungsebene mit einer eigenen Funktionslogik darstellen (vgl. Luhmann 2005b). Da die Fußballorganisationen aber nicht nur den Hintergrund der untersuchten Phänomene bilden, sondern als autonome Ebene der Systembildung verstanden werden, soll im Folgenden anhand einiger einführender Beschreibungen ein erster „Eindruck“ der drei untersuchten Vereine vermittelt werden. Wichtige Eckdaten sind die Geschichte der Klubs, ihr organisatorischer Aufbau, inklusive Funktionsrollen bzw. Akteure108, und die Örtlichkeiten109 wie Stadion und Geschäftsstelle. Hierbei geht es um die Binnenstrukturen der Organisation, den Grad an Professionalität und Arbeitsteilung und die damit verbundene Entwicklungsdynamik. Außerdem werden Selbst- und Fremdwahrnehmung der Klubs untersucht. Im Hinblick auf die zentrale Frage der Arbeit nach der Bedeutung ethnischer und nationaler Zugehörigkeit werden auch erste Randdaten zur Zusammensetzung der Mannschaft erläutert. Insgesamt lassen sich sowohl viele Gemeinsamkeiten als auch deutliche Unterschiede zwischen den drei Klubs feststellen, die bereits belegen, dass es sich beim deutschen Profifußball um ein durchaus heterogenes Untersuchungsfeld handelt.
Marion Müller

3. Innenansichten des Profifußballs: Ergebnisse der ethnographischen Untersuchung

Die ethnographische Analyse ist in fünf Abschnitte unterteilt, in denen die Welt des Profifußballs aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet wird. Im Zentrum der Untersuchung steht aber immer der Zusammenhang zwischen askriptiven, körperbezogenen Personenmerkmalen, wie der ethnischen, der nationalen sowie der geschlechtlichen Zugehörigkeit, und deren Relevanz für die Beobachtung und Zurechnung fußballerischer Leistung. Insbesondere interessiert hier die Bedeutung dieser zugeschriebenen Merkmale für die Frage der sozialen Inklusion. In einem ersten Abschnitt werden zunächst die sozialen Interaktionen auf dem Fußballfeld beobachtet und die Bedeutung des Körpers in diesen Situationen physischer Kopräsenz herausgearbeitet (3.1). Dabei werden Phänomene wie der Handschlag, die intensive Berührungskultur unter Fußballern, Rituale der Soldarisierung und der Polarisierung sowie der Ehrbegriff im Fußball untersucht. Die Ergebnisse dieser ersten Beobachtungsstudie bilden die Basis und den Hintergrund für die nachfolgenden Untersuchungen.
Marion Müller

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