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Über dieses Buch

Gehirne unter Spannung

Die fortschreitende Digitalisierung verändert unsere Kommunikation, unsere Bildung, unser Sozialleben, nicht zuletzt unsere Wahrnehmung von uns selbst. Wie wirken sich diese Veränderungen inzwischen und zukünftig auf Gesellschaft, Familie und den Einzelnen aus? In welcher Weise beeinflussen WhatsApp, Facebook & Co. den Umgang mit Partnern, Freunden, aber auch uns fremden Netzwerk-Usern? Beschneiden soziale Medien und Algorithmen unsere Autonomie und Mündigkeit; wenn ja - wie können wir uns schützen?

Auch im Bereich der Entwicklung künstlicher Intelligenz machen sich bahnbrechende Innovationen bemerkbar. Kann ein intelligentes System eigentlich Gefühle haben und was lernen wir vor allem daraus über uns selbst?

Fragen wie diese stehen im Mittelpunkt dieses Buches, in dem renommierte Experten verschiedener Fachgebiete die Herausforderungen des digitalen Wandels für den Menschen beleuchten.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Zwischen Sucht und Sehnsucht – zur Ambivalenz neuester Kommunikationsmedien

Die an vielen Stellen deutlich hervortretende Ambivalenz der Digitalisierung wird bereits im ersten Artikel deutlich. Die Journalistin und Literaturwissenschaftlerin Daniela Otto von der Universität Augsburg lotet hierin kritisch die Ambivalenz neuester Kommunikationsmedien aus: einerseits das erfolgreiche Bedienen einer Sehnsucht nach Vernetzung und Teilhabe – andererseits das Suchtverhalten, in das Konsumenten digitaler Medien schnell abgleiten können. Daniela Otto erklärt psychologische Hintergründe für das omnipräsente Streben in soziale Netzwerke und veranschaulicht ihre Thesen anhand ausgesuchter Beispiele aus Kunst- und Medien.
Daniela Otto

Filterblasen und Algorithmenmacht. Wie sich Menschen im Internet informieren

Der Artikel des Kommunikationssoziologen Jan-Hinrik Schmidt vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung in Hamburg zeigt auf, wie sich Nutzer digitaler Medien und Suchmaschinen im Internet informieren. Deutlich wird hierbei, dass digitale Informationstools trotz großer Informationsvielfalt im Netz weniger neutrale Vermittler von Informationen sind, sondern Prinzipien und Mechanismen ins Spiel bringen, wie Inhalte gefiltert, zusammengefasst und verbreitet werden. Hieran schließt unumstößlich die Frage, ob automatisierte Auswahl- und Filterprozesse zu „Filterblasen“ werden, in denen Menschen nur noch solche Inhalte zu Gesicht bekommen, die ihren Interessen entsprechen. Wenn dies der Fall ist; welche gesellschaftlichen Umbrüche würde das langfristig zur Folge haben?
Jan-Hinrik Schmidt

Schule digital – Fokus Gehirn. Neurowissenschaftliche Erkenntnisse zur Wirkung neuer Medien

Ein verändertes Kommunikations- und Informationsverhalten beeinflusst unweigerlich Bildung und Lernen. Die Neurowissenschaftlerin der Hertie-Stiftung Emanuela Bernsmann geht in diesem Zusammenhang der Frage nach, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf die neuronale Entwicklung unserer Kinder hat. Fragen nach der Unterstützung des Wissenserwerbs durch digitale Technologien, ihre Grenzen und sinnvolle Einsatzgebiete werden diskutiert. Bernsmann stellt den aktuellen Stand der neurowissenschaftlichen Forschung zum Thema dar, den das Projekt G_AP (Gehirn-Anwendung-Praxis) der Hertie-Stiftung in den Fokus rückt.
Emanuela Bernsmann

Künstliche Seelen oder „Das Leben der ‚Mäuse‘“

Digitale Instrumente bedeuten auch erweiterte Möglichkeiten wissenschaftlicher Erkenntnis. Der Beitrag des Kognitionspsychologen und Emeritus der Otto-Friedrich- Universität Bamberg, Dietrich Dörner, widmet sich der Seele als Steuerungssystem. Um nichtbeobachtbare seelische Vorgänge nachvollziehen zu können, hat Dörner per Programmierung künstliche Lebewesen erschaffen, die Hunger und Durst haben, ein Bedürfnis nach Wissen, Stolz und Selbstwertgefühl, sexuelles Verlangen und Bedürfnis nach Gruppenzugehörigkeit. Dörner zeigt auf, wie dieses komplexe Erleben und Verhalten mit einer relativ einfachen Struktur simuliert werden kann und künstliche, regelbasierte Systeme so tatsächlich Aufschluss geben können über die Grundstruktur der Seele als „Steuerungsprinzip“.
Dietrich Dörner

Wie real sind virtuelle Realitäten? Über Chancen und potenzielle Risiken von virtuellen Realitäten

Virtuelle Realität (VR) wird derzeit vielerorts als „Technologie der Zukunft“ beschrieben. Schon jetzt treffen VR-verwandte Technologien auf das Interesse der breiten Öffentlichkeit, wie der bahnbrechende Erfolg von Pokémon Go zeigt. Der Kognitionswissenschaftler Stephan de la Rosa (Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen) erläutert in seinem Beitrag, was in unserem Kopf passiert, wenn wir uns in virtuelle Realitäten begeben und woraus sich der realistische Wahrnehmungseindruck ergibt. Auch vielfältige Potenziale für Wissenschaft und Therapie werden diskutiert, ohne eventuelle Gefahren unbeachtet zu lassen.
Stephan de la Rosa

Süchtig nach Internet? – Zwischen intensivem Spaß und Suchtverhalten

Der Projektleiter der Sektion „Suchtmedizin und Suchtforschung“ des Universitätsklinikums Tübingen, Kay Uwe Petersen, wirft einen Blick auf das Suchtpotenzial, das moderne digitale Lebenswelten mit sich bringen. Wenn Menschen die Kontrolle über ihr Online-Verhalten verlieren, beispielsweise mit Online-Spielen oder Binge-Watching nicht aufhören können, obwohl akut wichtige familiäre, schulische oder berufliche Angelegenheiten zu regeln sind, dann liegt ein Suchtmuster vor. Was eint Internetsucht mit anderen Süchten, inwiefern unterscheidet sie sich? Und welche therapeutischen Wege gibt es? Diesen und weiteren Fragen geht Petersen nach.
Kay Uwe Petersen

Virtuelle Gewaltphänomene: die Psychologie digitaler Aggression und digitaler Hasskulturen

Hetzkampagnen, Pöbeleien, Shitstorms, Cybermobbing – unser digitales Sozialverhalten weicht oft eklatant von üblichen Vorstellungen sozialer Regeln oder moralischen Verhaltens ab. Die Sozialpsychologin und Leiterin des Instituts für Cyberpsychologie und Medienethik in Köln, Catarina Katzer, wirft einen Blick auf Gewaltphänomene im virtuellen Raum und diskutiert die psychologischen Dynamiken digitaler Aggression und digitaler Hasskulturen, die sich besonders aus entkörperlichtem Handeln sowie physischer und emotionaler Distanz ergeben. Katzer zeigt auf, welche kurz- und langfristigen Auswirkungen Cybermobbing auf betroffene Menschen und Unternehmen hat und warnt schließlich davor, dass wir Menschen unser Gefühl für Ethik und Moral einbüßen und falsche Einstellungen zu einem Bestandteil unseres moralischen Mind-Sets werden können, sollten wir nicht neue Regeln zum sozialen Umgang im virtuellen Raum schaffen.
Catarina Katzer

Algorithmen statt Autonomie? – Warum uns die Digitalisierung nicht aus der Verantwortung entlässt

Auch der Philosoph Michael Pauen, Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin und Sprecher der Berlin School of Mind and Brain betont die menschliche Verantwortung für virtuelles Handeln. Sein Credo: Statt uns Angst vor Algorithmen einjagen zu lassen, sollten wir erkennen, dass hinter den Computern letztlich immer Menschen stehen. Wenn die Digitalisierung unsere Autonomie einschränkt, statt neue Freiheitsspielräume zu eröffnen, dann liegt dies also lediglich an unserem Umgang mit Computern. Pauen entlarvt allerdings auch die sozialen Dynamiken, die Autonomie erschweren.
Michael Pauen

Die Psyche ist konservativ: über die Kosten der Beschleunigung im Alltag

Der Frankfurter Psychotherapeut, Philosoph und Soziologe Robert Schurz wagt eine überaus kritische Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Beschleunigung und sozialen Entfremdung, die mit der Digitalisierung einhergeht. Schurz verdeutlicht, wie das menschliche Gehirn sich durch verschiedene Mechanismen der Belastungskompensation an eine veränderte soziale Umwelt anzupassen versucht und welche pathologischen Auswirkungen sich ergeben, wenn die Gesellschaft sich nicht nach diesen Kompensationsformen ausrichtet.
Robert Schurz

Stressresilienz: Neue Perspektiven aus der neuropsychologischen Forschung

Die Neurowissenschaftlerin Michèle Wessa von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz zeigt Wege auf, digitalem Stress eine Widerstandskraft entgegenzusetzen. Stressresilienz ist die Kraft, die mobilisiert werden muss, um trotz chronischer Belastungen und schwerwiegenden Lebensereignissen psychisch gesund zu bleiben. Wessa erläutert, dass Resilienz keine starre Eigenschaft ist, sondern eher als dynamische Fähigkeit dazu führt, dass wir erfolgreich aus einer schwierigen Situation hervorgehen. Die neuropsychologischen Grundlagen dieser Fähigkeit werden im Artikel Wessas näher beleuchtet.
Michèle Wessa

Schöne neue Welt – Nicht ironisch gemeint!

Mit einer ebenso treffsicheren wie ermutigenden Kolumne über die „schöne neue Welt“ der Digitalisierung beschließt Journalist und Podcaster Arvid Leyh das Thema dieses Bandes. Stehen angesichts von Datenkontrolle und Kommunikationsverlust die Zeichen wirklich nur auf Verdruss und Zukunftspessimismus – oder birgt die Digitalisierung vielleicht sogar das Potential, menschliche Leben, die Zukunft unserer Schulbildung, ja sogar unseren Planeten zu retten?
Arvid Leyh

Backmatter

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