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17.02.2020 | Geldpolitik | Nachricht | Online-Artikel

EZB-Vetreterin verteidigt Negativzinsen

verfasst von: Jan F. Wagner

2 Min. Lesedauer
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Eine Vertreterin der Europäischen Zentralbank (EZB) hat die Negativzinsen für Bankeinlagen bei der EZB als wirksam verteidigt. Diese hätten unter anderem zu moderaten Wachstumszahlen im Euroraum geführt.

Seit Juni 2014 müssen Kreditinstitute aus dem Euroraum einen Strafzins von minus 0,5 Prozent zahlen, wenn sie überschüssige Liquidität bei der Zentralbank lagern. Die EZB hat außerdem ihren Leitzins auf null gesetzt und durch ein Anleihekaufprogramm massive Liquidität in den Markt gebracht. Mit diesen Maßnahmen will die Zentralbank die Banken dazu bringen, mehr Kredite zu vergeben und somit die Konjunktur im Euroraum zu stimulieren.

Niedrige Arbeitslosigkeit und Wachstumszahlen sprechen für EZB-Geldpolitik

Laut Katrin Assenmacher, Leiterin der geldpolitischen Strategieabteilung bei der EZB, ist dies auch weitgehend gelungen. Beispiele dafür seien die moderaten Wachstumszahlen für den Euroraum in den vergangenen zwei Jahren mit rund 1,5 Prozent oder auch die niedrige Arbeitslosigkeit in Deutschland mit etwa drei Prozent. 

"Vielleicht finden manche die Entwicklung nicht positiv genug, aber angesichts der Schwere der Finanz- und Euro-Schulden-Krisen ist die Bilanz gar nicht so schlecht", sagte Assenmacher auf einer Veranstaltung des Bankenverbands in Frankfurt. "Ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent mag nicht wahnsinnig viel sein, aber erlauben Sie mir zu sagen, dass wir eine sehr reif entwickelte Wirtschaft haben. Wir haben auch Preisstabilität und einen positiven Arbeitsmarkt", betonte die Zentralbank-Expertin.

Allerdings belastet die Zinspolitik der EZB die Kreditinstitute in zweifacher Hinsicht. Erstens tun sie sich schwer, die Strafzinsen an ihre Kunden weiterzugeben, weil sie diese nicht verlieren wollen. Außerdem sind die Margen im Kreditgeschäft aufgrund der niedrigen Marktzinsen – welche die EZB indirekt beeinflusst – unter Druck. Laut Christian Thimann, Chef des Versicherers Athora Deutschland, sind Negativzinsen nichts anderes als eine Zumutung für die Banken und ihre Kunden. "Niemand verleiht freiwillig Geld, um später weniger Geld zurückzubekommen. Das ist ein fundamentales Problem, was die Menschen spüren und was das Vertrauen leider entzieht", sagte er.

Negativzinsen erschweren die Bepreisung des Risikos

Thimann stellte außerdem fest, dass die niedrige Zinspolitik der EZB und nicht deren Negativzinsen zur konjunkturellen Erholung in Europa geführt hätte. Da es keinen sachlichen Grund mehr für ihre Existenz gäbe, gehörten die Negativzinsen abgeschafft. Diese Meinung teilte auch James von Moltke, Finanzvorstand bei der Deutsche Bank. Je länger die EZB den jetzigen geldpolitischen Kurs fortsetze, desto schwerer werde es für die Banken das Risiko bei Krediten richtig zu bepreisen. Dies wirke sich negativ auf die Profitabilität der Institute und deren internationale Wettbewerbsfähigkeit aus, sagte von Moltke.

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