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13.09.2017 | Geldpolitik | Im Fokus | Onlineartikel

Kreditinstitute müssen weiter durchhalten

Autor:
Barbara Bocks

Die deutsche Wirtschaft brummt, aber die Europäische Zentralbank ändert ihre Geldpolitik vorerst nicht. Und bei einem späteren Kurswechsel gibt es einiges zu beachten.

Die Finanzierungssituation der deutschen Wirtschaft ist auch zur Jahresmitte 2017 unverändert positiv. Die Absatzlage der deutschen Unternehmen sowie die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) seien die Gründe für diesen "Überfluss an Eigen- und Fremdkapital", heißt es in einer Publikation der Beratungsgesellschaft Capmarcon von Anfang September. Im Zehn-Jahresvergleich von Dezember 2006 bis Juni 2017 hat sich das Kreditvolumen der Regionalbanken mit 60,2 Prozent auf insgesamt 156,4 Milliarden Euro am meisten gesteigert, noch vor den Kreditgenossenschaften mit einer Steigerung von 53,9 Prozent auf insgesamt 254,2 Milliarden Euro.

Kreditvolumen der Bankengruppen im 10-Jahres-Vergleich*
BankengruppeDezember 2006Juni 2017Veränderung in Prozent
Sparkassen269,1363,3+35,0%
Kreditgenossen165,1254,2+53,9%
Landesbanken201,1156,7- 22,1%
Regionalbanken97,6156,4+60,2%
Auslandsbanken143,7140,4- 2,3%
Großbanken150,6126,1- 16,3%
Realkredite141,787,3-38,4%
Sonderbanken76,764,4- 16,1%
* Kreditvolumen in Milliarden Euro (ohne Ausleihungen an Finanzdienstleister und Wertpapierpensionsgeschäfte)



Quelle: Capmarcon (eigene Berechnung, Basis: Deutsche Bundesbank)

Das gesamte Kreditvolumen der Banken für die deutsche Wirtschaft hat laut der Beratungsgesellschaft im ersten Halbjahr 2017 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum 2016 um fast vier Prozent zugenommen. Bei Auslandsbanken waren es um neun Prozent. "Aber auch Kreditgenossenschaften und Sparkassen verstärkten ihre Engagements um sieben beziehungsweise fünf Prozent“, so Hans-Werner Grunow, Geschäftsführer bei Capmarcon. In den vergangenen zwölf Monaten sanken laut Capmarcon die Kreditzinsen über alle Laufzeiten um rund 15 Basispunkte.

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Weiterhin sorgt die Aussage der EZB, dass sie die Leitzinsen erst ändern werde, wenn das Aufkaufprogramm beendet sei, für Verstimmung in der Branche. "Trotz anhaltend guter Konjunktur und einer Inflationsrate, die nicht mehr weit vom mittelfristigen Ziel der EZB entfernt ist, werden die Geschäftsbanken im Euro-Raum wohl bis ins Jahr 2019 hinein mit einer Strafsteuer für die Überschussliquidität belastet werden", prophezeit Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken (BdB). Sein Vorschlag an die EZB bis ins Jahr 2019 lautet daher: "Als kurzfristigen Entlastungsschritt sollte die EZB einen Freibetrag für die Überschussliquidität einführen – eine Maßnahme, die die Notenbanken in der Schweiz und in Japan schon seit längerem nutzen". Auch Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), ist die derzeitige Geldpolitik der Notenbank ein Dorn im Auge: "Den Ausstieg immer weiter aufzuschieben, macht die Sache am Ende nicht einfacher", betont er zu der jüngsten Entscheidung der EZB, die das Anleihenankaufprogramm vorerst weiterführen wird.

Bei den Anleihenkäufen oder Zinsen ansetzen?

Die Wirtschaftsprofessoren Horst Gischer, Bernd Herz und Lukas Menkhoff sind ebenfalls der Ansicht, dass die EZB so schnell wie möglich ihre Geldpolitik ändern sollte. Aus ihrer Sicht stellt sich allerdings die technische Frage, ob die Notenbank dafür die Anleihenkäufe schrittweise reduzieren oder die Zinsen wieder erhöhen sollte. Die beiden Alternativen und deren Vor- und Nachteile diskutieren sie in ihrem Beitrag "Wie soll die EZB aus ihrer unkonventionellen Geldpolitik aussteigen"? in der August-Ausgabe der Zeitschrift "Wirtschaftsdienst" (Seite 571 bis 576). Die Federal Reserve, die Notenbank der USA, habe beispielsweise ab Anfang 2014 ihre Netto-Anleihenkäufe reduziert und anschließend im Dezember 2015, wie zuvor angekündigt, die Leitzinsen erhöht.

Unabhängig davon, wie die EZB den Ausstieg aus der derzeitigen Geldpolitik gestaltet, sehen die Professoren die EZB in der Pflicht, die Öffentlichkeit proaktiv über ihre Planung und Entscheidungsprozesse zu informieren: "Die positiven Wirkungen eines Ausstiegs aus der Niedrigzinsphase hängen letztlich ganz wesentlich davon ab, wie gut die EZB den weiteren Verlauf dieses Prozesses der Öffentlichkeit vermitteln kann".

Beim Ausstieg Gefahr der Euro-Aufwertung vermeiden

Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank, verweist in einem Marktkommentar zu dieser EZB-Zinsentscheidung darauf, wie schwierig die Vorbereitungen sein werden, wenn die EZB die Zinsen wieder normalisieren möchte. "Schon Draghis Rede aus dem Juni, in der er erstmals vorsichtig Bewegungen in Richtung Zinsnormalisierung andeutete, heizte die Euro-Rallye nochmals richtig an und trieb den Euro auf fast 1,20 US-Dollar", so Lang. Jetzt seien Formulierungen gefragt, die den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik ankündigen, ohne gleichzeitig weiteren Zündstoff für eine erneute Euroaufwertung zu bieten.

Dass eine Zinsnormalisierung sinnvoll ist, daran zweifelt aber auch Lang nicht. Dies liegt aus Sicht des Volkswirts unter anderem daran, dass die Wirtschaft im Euroraum in diesem Jahr mit rund zwei Prozent gewachsen ist und der Ausblick günstig bleibt: Auch der Arbeitsmarkt spielt seiner Einschätzung nach derzeit mit und die Arbeitslosigkeit liege inzwischen unter ihrem langfristigen Durchschnitt, mit weiterhin sinkender Tendenz.

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