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07.06.2019 | Geldpolitik | Nachricht | Onlineartikel

EZB kassiert über 21 Milliarden Strafzinsen von Banken

Autor:
Angelika Breinich-Schilly

Die Negativzinsen auf ihre Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) kosten europäische Institute Milliarden Euro pro Jahr. Besonders betroffen sind deutsche, französische und niederländische Geldhäuser, so eine aktuelle Analyse.

Die Einführung von Strafzinsen durch die EZB vor fünf Jahren kostete die Eurozonen-Banken bislang 21,4 Milliarden Euro. Diese Summe geht vor allem zu Lasten von Instituten aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Hamburger Fintechs Deposit Solutions. Der zufolge mussten Banken der drei Länder von 2016 bis 2018 über zwölf Milliarden Euro an die EZB leisten. Davon entfielen auf deutsche Häuser 5,7 Milliarden Euro. Französische Banken zahlten 4,1 Milliarden Euro und niederländische Institute immerhin noch 2,5 Milliarden Euro. Das sind laut Studie 69 Prozent der Gesamtlast der Eurozone-Banken. Und diese Strafzinsstrategie wird nach einer Entscheidung des EZB-Rats am vergangenen Donnerstag in der litauischen Hauptstadt Vilnius vorerst bleiben. 

Ertragsbelastung in Deutschland hoch

In Relation zu den Erträgen falle die Belastung der deutschen Banken überdurchschnittlich stark aus, heißt es in der Analyse. So entspreche die Summe der Negativzinszahlungen hiesiger Institute einer Reduzierung ihres Vorsteuerergebnisses um 9,1 Prozent, während es im Rest der Eurozone im Schnitt nur 4,3 Prozent sind. 

Doch nicht nur Geldhäuser der Eurozone leiden: Der Studie zufolge zahlten auch Schweizer Banken von 2016 bis 2018 umgerechnet bereits 4,7 Milliarden Euro Strafzinsen an die Schweizerische Nationalbank (SNB). In Relation zu den Erträgen entsprachen die Negativzinszahlungen im Jahr 2017 einem Abzug von mehr als 13 Prozent.

Hohe Kosten und niedrige Einnahmen

Allerdings schlagen sich deutsche Banken laut einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens Pricewaterhouse Coopers (PwC) im Privatkundengeschäft im internationalen Vergleich zusätzlich besonders schlecht. Wie PwC ermittelte, erwirtschafteten sie nur 159 Euro pro Kunde im Jahr. Italienische Geldhäuser erzielen fast doppelt so hohe Gewinne und Schweizer Banken sogar rund 455 Euro pro Kunde. So kommen bei deutschen Banken neben den hohen Kosten noch niedrige Einnahmen hinzu.

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