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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung: Systemtransformation als Theorientest

Zusammenfassung
Die Sozialwissenschaften haben die Transformation der sozialistischen Länder von Anfang an als willkommene Herausforderung ihrer diagnostischen und prognostischen Kompetenz betrachtet. Erschien bereits die deutsche Einheit als “sozialer Großversuch” (Giesen/Leggewie 1991) und “natürliches Experiment” (Offe 1991a), so galt das umso mehr für die mit ungünstigeren Bedingungen konfrontierten Transformationsprojekte jenseits von Oder und Neiße. Nicht weniger als 27 Länder der ehemals Zweiten Welt unterzogen sich im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts tiefgreifenden Wandlungen ihres politischen, wirtschaftlichen und sozialen Systems. Selbst wenn man den Blick auf den europäischen Kontinent beschränkt und jene Fälle ausklammert, in denen die Entwicklung nachhaltig von kriegerischen Auseinandersetzungen geprägt zu sein scheint, bleiben noch immer 13 Transformationsländer als lohnende Objekte vergleichender Studien.1 Sie lohnen eingehende Untersuchungen nicht zuletzt, weil sie im Unterschied zu Ostdeutschland fast ausschließlich auf eigene Ressourcen verwiesen sind, um den historisch beispiellosen Übergangsprozess zu bewältigen. Keines dieser 13 Länder erfährt externe Unterstützung jener Art, wie sie durch den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik mobilisierbar wurde.2 Gleichwohl schweben den Reformeliten dieser Länder dieselben Ziele der Wohlstandsvermehrung und institutionellen Modernisierung vor, wie den Protagonisten der deutschen Einheit. Sozialwissenschaftler kommen folglich nicht daran vorbei, ihr Interesse an den Bedingungen der Möglichkeit gesellschaftlicher Großreformen auf diese nur scheinbar weniger spektakulären Fälle zu richten, da nur diese die wahren Dimensionen des ungewöhnlichen Projekts enthüllen.
Helmut Wiesenthal

2. Muster parlamentarischer Entscheidungsproduktion in Mitteleuropa

Zusammenfassung
Die komparativ angelegte Forschung zur Interdependenz gesellschaftlicher Strukturen, der darauf aufbauenden Propagierung von Interessen und deren politischinstitutioneller Kristallisierung in den Staaten des östlichen Europa steckt noch in den Kinderschuhen.1 Zum einen hängt die Last der empirisch orientierten Feldforschung nach wie vor zu einem guten Teil an Länderspezialisten, die wegen ihrer einzelfallorientierten Perspektive zu schwer vergleichbaren Ergebnissen kommen. Zum anderen impliziert der Kontext der Systemtransformation eine Reihe ungelöster konzeptioneller und theoretischer Fragen, die das Erstellen fruchtbarer Forschungsdesigns nicht erleichtern. Mit dem vorliegenden Text wird ein Versuch unternommen, den Zusammenhang gesellschaftlicher Interessen, institutioneller Strukturen und politischer Performanz am Gegenstand der parlamentarischen Entscheidungsprozesse in Estland, Polen, Tschechien und Ungarn auszuleuchten.
Timm Beichelt

3. Varianten erfolgreicher Privatisierungspolitik —Die Konditionierung und Steuerung der Unternehmensprivatisierung in Estland, Polen und der Tschechischen Republik

Zusammenfassung
Als vor zehn Jahren im Osten Europas und im sowjetischen Teil Asiens die staatssozialistische Ordnung zusammenbrach, blickten nicht nur Dissidenten und Normalbürger optimistisch in die Zukunft. Auch zahlreiche Wirtschaftexperten gingen die anstehenden Reformvorhaben mit großer Zuversicht an. Dagegen richteten Sozialwissenschaftler von Anfang an ihr Augenmerk auf die Risiken, die sie aus der Gleichzeitigkeit von politischer und ökonomischer Systemtransformation erwachsen sahen. Ihre systematische Skepsis bezog sich insbesondere auch auf die Erfolgaussichten für eine volkswirtschaftlich effiziente Privatisierung der staatlichen Großunternehmen, wobei im Kern drei Problemkreise ausgemacht wurden.
Jan Wielgohs

4. Jenseits von Gradualismus und Schocktherapie —Die Sequenzierung der Reformen als Erfolgsfaktor

Zusammenfassung
Zehn Jahre nach dem Beginn der politischen und ökonomischen Umwälzungen in Mittel- und Osteuropa zeigen sich deutliche Differenzen zwischen den verschiedenen Transformationsstaaten. Nimmt man die Höhe des Bruttoinlandsproduktes (BIP bzw. GDP) als Bezugskriterium, dann zeigt sich, dass die in dieser Hinsicht erfolgreichsten Länder, Polen und Slowenien, das Ausgangsniveau von 1989 bereits hinter sich gelassen haben. Die Russische Föderation ist, sofern der gegenwärtige Abwärtstrend anhält, hingegen auf dem besten Weg, die 50-Prozentmarke zu unterschreiten (vgl. Tabelle 1). Noch schlimmer traf es die Ukraine und einige zentralasiatische Transformationsstaaten. Wie lassen sich diese Unterschiede erklären? Warum sind die Wege durch das vorhergesagte ‘Tal der Tränen’ so unterschiedlich?
Jürgen Beyer

5. Ausländische Direktinvestitionen — Eine Herausforderung für die politische Steuerung der Transformation

Zusammenfassung
Ist es möglich, ein kapitalistisches Wirtschaftsystem ohne Kapital aufzubauen? Die Frage verweist auf ein spezifisches Problem, dem sich die Regierungen der postsozialistischen Transformationsstaaten ausgesetzt sahen. Aufgrund der außergewöhnlichen Kapitalmangel-Situation wurde das Ziel der Förderung von ausländischen Direktinvestitionen zu einem zentralen Politikfeld, dem eine herausragende Bedeutung für den gesamten Transformationsprozess zugeschrieben wurde: “Major capital inflow is a must and even a predominant condition of any kind of economic modernization” (Csáki 1995: 107).
Jürgen Beyer

6. Materiale und theoretische Befunde der vergleichenden Transformationsforschung

Zusammenfassung
Die tatsächliche Entwicklung hat die pessimistischen Erfolgsprognosen widerlegt. Zwar meisterten die einzelnen Länder den Systemwechsel und die anschließende Transformation der gesellschaftlichen Teilbereiche auf recht unterschiedliche Weise, doch weisen die Veränderungen in der überwiegenden Zahl der Fälle in die von den Reformeliten gewählte Richtung. Die Unterschiede werden auf ungleiche Ausgangsbedingungen, die oft erst nach dem Systemwechsel erkennbar wurden, und das je spezifische Muster der Reformpolitiken bzw. -Strategien zurückgeführt. Deren Ergebnisse werden im folgenden zunächst für das politische System der neuen Demokratien (II) und sodann für den Umbau des Wirtschaftssystems (III) resümiert. Ein letzter Blick gilt dem Möglichkeitsraum der postsozialistischen Transformationen (IV).
Helmut Wiesenthal

Backmatter

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