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Über dieses Buch

Die Beiträge des Sammelbandes beleuchten die unterschiedlichen Positionen zum Enhancement im Sport mit dem Schwerpunkt Gendoping. Sie zeigen Perspektiven aus Medizin, Ethik, Recht, Soziologie, Philosophie und Sportwissenschaft auf, welche insbesondere die Debatte prägen, sie diskutieren konträre ethische Positionen (konservativ vs. liberal), erarbeiten Handlungsempfehlungen (Verbot vs. Freigabe) und thematisieren die Probleme der Prävention und der Nachweisbarkeit. Die Publikation trägt zur Entschlüsselung der Diskrepanzen um Gendoping bei, indem sie die unterschiedlichen zugrundeliegenden theoretischen, empirischen, soziokulturellen, rechtlichen, ethischen sowie anthropologischen Standpunkte mit- und gegeneinander ins Gespräch bringt.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Gendoping – Zwischen Fakt, Fiktion und der Fiktion des Faktischen

Zusammenfassung
Gendoping ist ein Versprechen. Zum einen, weil es nicht kann, was es zu können vorgibt. Zumindest sieht es derzeit danach aus. Experimente oder Anwendungen am Athletenkörper, die gezielt molekulargenetische Regulationsmechanismen ansteuern und kontrollieren, sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt nach Expertenauffassung eher unwahrscheinlich. Dokumentierte Gendopingfälle gibt es nicht, die Entwicklung entsprechender Nachweismethoden steckt in den Kinderschuhen.
Swen Körner, Tino Symanzik

Gesellschaft der Steigerung – Kulturen der Optimierung

Frontmatter

Leistungssteigerung oder Leistungsvergleich: Worum geht es in modernen Gesellschaften?

Zusammenfassung
Das Phänomen der Leistungssteigerung ist in modernen Gesellschaften allgegenwärtig. Das ist für den Sport dieser Gesellschaften ganz offenkundig, und dies lässt sich bereits an einer kleinen, aber hoch signifikanten semantischen Verschiebung ablesen. Ein record war ursprünglich, in den Anfängen des modernen Sports, einfach eine (öffentliche und in den Fachblättern veröffentlichte) Ergebnisdokumentation (Eisenberg, 1999) – heute hat sich diese Bedeutung verflüchtigt, denn es geht um Rekordjagd, um Überbietung, um Weltrekorde und deren Verbesserungen.
Volker Schürmann

Das Bessere ist der Feind des Guten. Passt Gendoping in die Logik des „Enhancements“?

Zusammenfassung
Der 16‐jährigen Danielle Bradshaw aus Manchester wurde im Alter von elf Jahren auf eigenen Wunsch ein Unterschenkel amputiert. Der Grund war eine mehrfache Fehlbildung, die Danielle von Geburt an stark beeinträchtigte, sodass sie dauerhaft im Rollstuhl saß und nicht gehen konnte. Die Amputation und anschließende prothetische Versorgung änderten das Leben von Danielle drastisch.
Christoph Asmuth

Grundzüge einer ethischen Folgenbeurteilung gentechnologischen Neuroenhancements

Zusammenfassung
Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, welche besondere Gewichtung einige der aus der allgemeinen Enhancement‐Debatte vertrauten ethischen Problemstellungen gewinnen, wenn gentechnologische Methoden zu Zwecken des Neuroenhancements genutzt werden. Unter Neuroenhancement (NE) soll dabei im Folgenden die weder therapeutisch noch präventiv indizierte Nutzung medizinischer bzw.
Thorsten Galert

Facetten einer Leistungssteigerungsgesellschaft?

Zusammenfassung
Wer in den 1970er und frühen 1980er Jahren in einer durch „1968“ stark geprägten westdeutschen Universitätsstadt vom Kind zum Jugendlichen heranwuchs, wird sich nicht nur an Vokabeln wie „Leistungsterror“‘ erinnern, sondern auch an Autoritätspersonen in Schulen und Vereinen, die uns Minderjährigen ihre – wie wir dachten: ewig gestrigen – Vorstellungen von Leistungsbereitschaft und ‐fähigkeit einzutrichtern versuchten. Dabei waren sie mehr oder weniger erfolgreich.
Christopher Coenen

Gentechnologisches Enhancement in Sport und Gesellschaft

Frontmatter

Zur ethischen Beurteilung des Gendopings bei Tieren und Menschen

Zusammenfassung
Die Frage, mit welchen ethischen Begründungen sich das Verbot des Gendopings legitimieren lässt, führt beim Tierdoping zu anderen Antworten als beim Humandoping. Während bei Tieren deren Individualwohl ein wichtiges Bezugskriterium darstellt, ist bei Menschen deren Selbstbestimmung zentraler Angelpunkt der Argumentation. Es zeigt sich, dass das Individualwohl der Tiere als Kriterium ergänzungsbedürftig ist, wenn Maßstäbe für die Ablehnung gentechnologischer Manipulationen bei Tieren im Sport gesucht werden.
Michael Segets

Die unglückliche Genese der Sichtweisen der Trainingswissenschaft: Konsequenzen für die Praxis im (Hoch‐)Leistungsbereich

Zusammenfassung
Die Lehrbuchliteratur und zahlreiche Monographien der Trainingswissenschaften vermitteln den Eindruck, die mit Training verbundenen Mechanismen der muskulären bzw. zellulären Anpassung seien hinreichend bekannt. Weiter herrscht auf Seiten der sportpraktischen Anwendung eine überwiegend klare Vorstellung der damit verbundenen Trainingsinhalte. Dies verdeutlichen auch immer wieder Stellungnahmen einzelner Funktionsträger im deutschen Spitzensportsystem, wonach nämlich die notwendigen Inhalte bezüglich des Trainings im (Hoch‐)Leistungsbereich ausreichend bekannt seien und endlich einmal mit entsprechender Konsequenz umgesetzt werden müssten.
Ulrich Hartmann

Gentechnologische Methoden und molekulare Strategien in Doping und Enhancement

Zusammenfassung
Die vervielfältigten Möglichkeiten, die körperliche Leistungsfähigkeit durch Manipulationen zu verändern, ist eine logische Konsequenz der pharmakologischen Forschungsbemühungen und der Ergebnisse der Grundlagenforschung der vergangenen Jahrzehnte. Wurde dies anfangs nur als zusätzliche Gefahr für den Leistungssport wahrgenommen und im Zusammenhang mit Doping diskutiert, so zeigt sich in der Zwischenzeit, dass mehr denn je auch der Breitensport hiervon betroffen ist.
Patrick Rene Diel

Unternehmer im Dopingmarkt – Gendoping als neues Geschäftsfeld

Zusammenfassung
Die Entdeckungsquote identifizierter Dopingkonsumenten ist über die Zeit relativ stabil, wenn man die Aufklärungsquote von Welt Anti Doping Agentur (WADA) bzw. Nationaler Anti Doping Agentur (NADA) in Deutschland betrachtet (vgl. Pitsch, Emrich & Klein, 2005, 2007; Pitsch, Maats & Emrich, 2009; Pitsch & Emrich, 2012; Pitsch, 2009, 2011). Wie immer, wenn sich soziale Verhaltensweisen und institutionelle Regelungen trotz des Versuchs ihrer Eindämmung bzw.
Eike Emrich, Christian Pierdzioch

Prävention, Kontrolle, Recht

Frontmatter

Wirklichkeit und Möglichkeit professionalisierten Handelns am Beispiel der Anti‐Doping‐Beauftragten

Zusammenfassung
Es gibt nahezu keine Sportart, die nicht schon mit Dopingvorwürfen konfrontiert wurde. Doping wird im Kontext medialer Berichterstattung über Spitzensport reflexartig mitgeliefert – entweder durch öffentlichkeitswirksame Unterstellungen oder anhand überführter Athleten. Die Präsenz zeigt sich auch darin, dass staatliche Sendeanstalten investigativ‐journalistische Beiträge, z.B. des ARD‐Dopingexperten Hajo Seppelt, finanzieren.
Annika Steinmann

Labordiagnostische Ansätze zum Nachweis von Gendoping

Zusammenfassung
Gendoping, der Versuch einer Leistungsmanipulation unter Verwendung von Nukleinsäuren, Nukleinsäuresequenzen oder genmodifizierten Zellen, war von Anfang an mit dem Nimbus einer mutmaßlich prinzipiellen Nicht‐Nachweisbarkeit behaftet, der schwer nachvollziehbar ist. Eine drastische Veränderung körpereigener Regulationsmechanismen – sei es auf genetischer oder biochemischer Ebene –, wie sie für signifikante Leistungssteigerung erforderlich ist, sollte zwingend auch zu Sekundäreffekten führen, die zumindest Ansätze für analytische Nachweise liefern können.
Detlef Thieme

Genetische Tests im Sport: Können wir schon empirische Evidenz von empirischem Nonsens unterscheiden?

Zusammenfassung
„Schöne neue Welt“. Wäre es nicht schön, wenn wir vor all den Mühen und schweißtreibenden Anstrengungen wüssten, ob wir oder unsere Kinder einmal zur Weltelite gehören können? Ob wir im sportlichen Bereich eine Chance haben, zu den Top 10 der schnellsten Sprinter oder ausdauerndsten Menschen zu gehören? – Vermeintliche „direct‐to‐consumer“ genetische Tests sollen Aufschlüsse über die sportlichen Fähigkeiten geben (Collier, 2012).
Elmo Neuberger, Perikles Simon

Ausgewählte rechtliche Aspekte zum Gendoping in Deutschland

Zusammenfassung
Beim Doping im Leistungs‐ und Spitzensport handelt es sich nicht mehr um Einzelfälle, sondern um ein gravierendes und weltweites Phänomen. Die Verstrickungen betrafen auch deutsche Leistungs‐ und Spitzensportler. Doping ist aber längst nicht nur ein Problem des Leistungssports, sondern erstreckt sich inzwischen auf den Freizeit‐, Breiten‐ und Jugendsport.
Markus Parzeller

Backmatter

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