Skip to main content
main-content

Tipp

Weitere Artikel dieser Ausgabe durch Wischen aufrufen

Erschienen in: Raumforschung und Raumordnung |  Spatial Research and Planning 2/2017

19.10.2016 | Wissenschaftlicher Beitrag

Genossenschaftliche Prinzipien und genossenschaftliche Alltagspraxis – der gemeinschaftliche Wohnungssektor in Leipzig

verfasst von: Dr. Karin Wiest, M.A. Marie-Luise Baldin, B.Sc. Sophia Hildebrandt, Dr. Giulia Montanari

Erschienen in: Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning | Ausgabe 2/2017

Einloggen, um Zugang zu erhalten
share
TEILEN

Zusammenfassung

Wohnraumverknappung, steigende Miet- und Kaufpreise sowie Diskussionen um das „Recht auf Stadt“ bilden die Kulisse für das aktuelle Interesse an der Genossenschaftsidee in deutschen Großstädten. Im Zentrum steht dabei die Frage, inwieweit genossenschaftliche Wohnmodelle dazu beitragen können, eine sozial gerechtere Wohnversorgung sicherzustellen und die renditegetriebenen Entwicklungen auf den städtischen Immobilienmärkten abzufedern. Neben ihrer wohnungspolitischen Bedeutung erscheinen kooperative Wohnformen als besonders geeignet, um auf die neu entstehenden Wohnbedürfnisse einer individualisierten und alternden Gesellschaft zu reagieren. Die kollektive Organisation von Wohnraum spricht unterschiedliche Bevölkerungsgruppen mit differenzierten Wohnvorstellungen an. Gleichzeitig beeinflussen regionale und lokale Bedingungen die Handlungsmöglichkeiten genossenschaftlicher Akteure im starken Maß. Vor diesem Hintergrund behandelt der Beitrag die spezifische Situation der Bestandsgenossenschaften in der Stadt Leipzig, die nach Jahren des Wohnungsleerstandes, Rückbaus und Mitgliederschwundes zunehmend mit Fragen der sozialen Entmischung, neuen Integrationsaufgaben und des Generationenwechsels konfrontiert sind. Auf der Grundlage einer Befragung von Mitgliedern stellt der Beitrag das Verhältnis von abstrakten Genossenschaftsprinzipien und den Bedürfnissen, Interessen und Praktiken im Alltag der Mitglieder einer Traditionsgenossenschaft in den Mittelpunkt. Einen Referenzrahmen für die Einordnung dieser Ergebnisse bildet das Selbstverständnis der jungen Kollektivhausszene, die sich in den letzten Jahren unter den Bedingungen von Leerständen und Überangeboten auf dem Wohnungsmarkt in Leipzig etablieren konnte.
Fußnoten
1
Zum positiven Einfluss der Genossenschaften auf die Entwicklung städtischer Quartiere vgl. auch Habermann-Nieße/Klehn (2007).
 
2
Beispielsweise sind Kündigungen wegen Eigenbedarfs ausgeschlossen und die Höhe der Nutzungsentgelte ist durch die Satzungen vieler Wohnungsgenossenschaften sozial verträglich geregelt.
 
3
Von politischer Seite bestand eine Abneigung gegenüber dem kleinbürgerlichen Teil der Baugenossenschaftsbewegung (Novy 1983: 28) und dem genossenschaftlichen Siedlungsgedanken, der während des Dritten Reiches im Sinne der nationalsozialistischen „Blut und Boden“-Ideologie aufgegriffen worden war (Kassner/Weiske 2003: 35 f.).
 
4
Hierzu zählen Baugruppen, kleine Genossenschaften, selbstorganisierte Hausprojekte im Rahmen von Vereinen oder dem Mietshäusersyndikat sowie Selbstausbaumodelle (z. B. sogenannte Wächterhäuser und Ausbauhäuser).
 
7
Bei den sächsischen Genossenschaften gilt derzeit die Maßgabe „dass nicht mehr als eine Wohnung pro Haus für Flüchtlinge vorgesehen ist“ (Moritz 2016).
 
8
Wie z. B. die alternative Wohngenossenschaft Connewitz e. G., das Kollektivprojekt SchönerHausen oder die KunterBunte 19 GmbH.
 
Literatur
Zurück zum Zitat Abel, F. (2015): Potenzial für gemeinschaftliche Wohn- und Lebensformen in Leipzig. In Statistischer Quartalsbericht der Stadt Leipzig 2, 29–31. Abel, F. (2015): Potenzial für gemeinschaftliche Wohn- und Lebensformen in Leipzig. In Statistischer Quartalsbericht der Stadt Leipzig 2, 29–31.
Zurück zum Zitat Amann, R.; von Neumann-Cosel, B. (2002): Die Wirklichkeit der Utopie: Von den jungen Wilden zu etablierten Genossenschaften. In: Wohnbund-Informationen 3, 2–4. Amann, R.; von Neumann-Cosel, B. (2002): Die Wirklichkeit der Utopie: Von den jungen Wilden zu etablierten Genossenschaften. In: Wohnbund-Informationen 3, 2–4.
Zurück zum Zitat Baldin, M.-L. (2015): Wohnungsgenossenschaften im Spannungsfeld von Mitgliederorientierung und Wohnungsmarkt. Eine organisationssoziologische Untersuchung am Beispiel der UNITAS eG Leipzig. Masterarbeit, Technische Universität Chemnitz. Baldin, M.-L. (2015): Wohnungsgenossenschaften im Spannungsfeld von Mitgliederorientierung und Wohnungsmarkt. Eine organisationssoziologische Untersuchung am Beispiel der UNITAS eG Leipzig. Masterarbeit, Technische Universität Chemnitz.
Zurück zum Zitat BBSR – Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (2014): Neues Wohnen – Gemeinschaftliche Wohnformen bei Genossenschaften. Bonn. BBSR – Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (2014): Neues Wohnen – Gemeinschaftliche Wohnformen bei Genossenschaften. Bonn.
Zurück zum Zitat Beck, U. (1986): Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt am Main. Beck, U. (1986): Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt am Main.
Zurück zum Zitat Beetz, S. (2005): Mitgliederbeziehungen in Wohnungsgenossenschaften. Gestaltungsmöglichkeiten zwischen Unternehmertum, Partizipation und Nachbarschaft. Berlin. Beetz, S. (2005): Mitgliederbeziehungen in Wohnungsgenossenschaften. Gestaltungsmöglichkeiten zwischen Unternehmertum, Partizipation und Nachbarschaft. Berlin.
Zurück zum Zitat Beetz, S. (2007): Wohnungsgenossenschaften und Nachbarschaften. In: Informationen zur Raumentwicklung 4, 241–249. Beetz, S. (2007): Wohnungsgenossenschaften und Nachbarschaften. In: Informationen zur Raumentwicklung 4, 241–249.
Zurück zum Zitat Bernt, M. (2005): Stadtumbau im Gefangenendilemma. In: Weiske, C.; Kabisch, S.; Hannemann, C. (Hrsg.): Kommunikative Steuerung des Stadtumbaus. Interessengegensätze, Koalitionen und Entscheidungsstrukturen in schrumpfenden Städten. Wiesbaden, 109–130. Bernt, M. (2005): Stadtumbau im Gefangenendilemma. In: Weiske, C.; Kabisch, S.; Hannemann, C. (Hrsg.): Kommunikative Steuerung des Stadtumbaus. Interessengegensätze, Koalitionen und Entscheidungsstrukturen in schrumpfenden Städten. Wiesbaden, 109–130.
Zurück zum Zitat BMVBW – Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen (2004): Wohnungsgenossenschaften – Potenziale und Perspektiven. Bericht der Expertenkommission Wohnungsgenossenschaften. Kurzfassung. Berlin. BMVBW – Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen (2004): Wohnungsgenossenschaften – Potenziale und Perspektiven. Bericht der Expertenkommission Wohnungsgenossenschaften. Kurzfassung. Berlin.
Zurück zum Zitat Bülow, E. (2014): Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Leipziger Wohnungsgenossenschaften in der Wahrnehmung ihrer Bewohner am Beispiel der Wohnungsgenossenschaft Unitas eG. Masterarbeit, Universität Leipzig. Bülow, E. (2014): Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Leipziger Wohnungsgenossenschaften in der Wahrnehmung ihrer Bewohner am Beispiel der Wohnungsgenossenschaft Unitas eG. Masterarbeit, Universität Leipzig.
Zurück zum Zitat Crome, B. (2007): Entwicklung und Situation der Wohnungsgenossenschaften in Deutschland. In: Informationen zur Raumentwicklung 4, 211–221. Crome, B. (2007): Entwicklung und Situation der Wohnungsgenossenschaften in Deutschland. In: Informationen zur Raumentwicklung 4, 211–221.
Zurück zum Zitat Fürstenberg, F. (1995): Zur Soziologie des Genossenschaftswesens. Berlin. Fürstenberg, F. (1995): Zur Soziologie des Genossenschaftswesens. Berlin.
Zurück zum Zitat Habermann-Nieße, K.; Klehn, K. (2007): Der Beitrag von Wohnungsgenossenschaften zur Quartiersentwicklung. In: Informationen zur Raumentwicklung 4, 223–232. Habermann-Nieße, K.; Klehn, K. (2007): Der Beitrag von Wohnungsgenossenschaften zur Quartiersentwicklung. In: Informationen zur Raumentwicklung 4, 223–232.
Zurück zum Zitat Helfrich, S.; Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.) (2012): Commons. Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat. Bielefeld. Helfrich, S.; Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.) (2012): Commons. Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat. Bielefeld.
Zurück zum Zitat Hettlage, R. (1987): Genossenschaftstheorie und Partizipationsdiskussion. Göttingen. Hettlage, R. (1987): Genossenschaftstheorie und Partizipationsdiskussion. Göttingen.
Zurück zum Zitat Kassner, J.; Weiske, C. (2003): Reformarchitektur in Chemnitz. Ein Architekturführer durch die Sozial- und Baugeschichte der Stadt. Chemnitz. Kassner, J.; Weiske, C. (2003): Reformarchitektur in Chemnitz. Ein Architekturführer durch die Sozial- und Baugeschichte der Stadt. Chemnitz.
Zurück zum Zitat Klemisch, H.; Boddenberg, M. (2012): Zur Lage der Genossenschaften – tatsächliche Renaissance oder Wunschdenken? In: WSI Mitteilungen 65, 8, 570–580. Klemisch, H.; Boddenberg, M. (2012): Zur Lage der Genossenschaften – tatsächliche Renaissance oder Wunschdenken? In: WSI Mitteilungen 65, 8, 570–580.
Zurück zum Zitat Klemisch, H.; Vogt, W. (2012): Genossenschaften und ihre Potenziale für eine sozial gerechte und nachhaltige Wirtschaftsweise. Studie im Auftrag der Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung. Bonn. Klemisch, H.; Vogt, W. (2012): Genossenschaften und ihre Potenziale für eine sozial gerechte und nachhaltige Wirtschaftsweise. Studie im Auftrag der Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung. Bonn.
Zurück zum Zitat König, B. (2004): Stadtgemeinschaften. Das Potenzial der Wohnungsgenossenschaften für die soziale Stadtentwicklung. Berlin. König, B. (2004): Stadtgemeinschaften. Das Potenzial der Wohnungsgenossenschaften für die soziale Stadtentwicklung. Berlin.
Zurück zum Zitat König, B. (2007): Herausforderungen der Stadtentwicklung: Wohnungsgenossenschaften und die Privatisierung öffentlicher Wohnungsbestände. In: Informationen zur Raumentwicklung 4, 233–240. König, B. (2007): Herausforderungen der Stadtentwicklung: Wohnungsgenossenschaften und die Privatisierung öffentlicher Wohnungsbestände. In: Informationen zur Raumentwicklung 4, 233–240.
Zurück zum Zitat Metzger, J. (2015): Genossenschaften als Alternative zur Gentrifizierung? In: Raumplanung 179, 3, 28–33. Metzger, J. (2015): Genossenschaften als Alternative zur Gentrifizierung? In: Raumplanung 179, 3, 28–33.
Zurück zum Zitat Montanari, G.; Terbeck, F. (2013): Wohngenossenschaften in Leipzig: Standorte und Leerstände. In: Statistischer Quartalsbericht der Stadt Leipzig 3, 30–33. Montanari, G.; Terbeck, F. (2013): Wohngenossenschaften in Leipzig: Standorte und Leerstände. In: Statistischer Quartalsbericht der Stadt Leipzig 3, 30–33.
Zurück zum Zitat Montanari, G.; Wiest, K. (2014): Kommunale und genossenschaftliche Wohnungsbestände in Deutschland. In: Nationalatlas aktuell 8, 3, 3. Montanari, G.; Wiest, K. (2014): Kommunale und genossenschaftliche Wohnungsbestände in Deutschland. In: Nationalatlas aktuell 8, 3, 3.
Zurück zum Zitat Notz, G. (2011): Theorien alternativen Wirtschaftens. Fenster in eine andere Welt. Stuttgart. Notz, G. (2011): Theorien alternativen Wirtschaftens. Fenster in eine andere Welt. Stuttgart.
Zurück zum Zitat Novy, K. (1983): Genossenschafts-Bewegung. Zur Geschichte und Zukunft der Wohnreform. Berlin. Novy, K. (1983): Genossenschafts-Bewegung. Zur Geschichte und Zukunft der Wohnreform. Berlin.
Zurück zum Zitat Pätzold, R. (2014): Neues Wohnen – Gemeinschaftliche Wohnformen bei Genossenschaften. In: Difu-Berichte 4, 6–7. Pätzold, R. (2014): Neues Wohnen – Gemeinschaftliche Wohnformen bei Genossenschaften. In: Difu-Berichte 4, 6–7.
Zurück zum Zitat Ringle, G. (2014): Genossenschaftliche Solidarität auf dem Prüfstand. Wismar. = Wismarer Diskussionspapiere 3/2014. Ringle, G. (2014): Genossenschaftliche Solidarität auf dem Prüfstand. Wismar. = Wismarer Diskussionspapiere 3/2014.
Zurück zum Zitat Schmid, P. (2015): Ein Plädoyer für einen starken genossenschaftlichen Wohnungsbau. In: Wohnen 5, 56–57. Schmid, P. (2015): Ein Plädoyer für einen starken genossenschaftlichen Wohnungsbau. In: Wohnen 5, 56–57.
Zurück zum Zitat Schönig, W. (1995): Wohnungsgenossenschaften in den Neuen Bundesländern. Eine Unternehmensform im Zeichen kooperativer Tradition, transformationsgeprägter Gegenwart und zukünftigen Förderungspotentials. Regensburg. Schönig, W. (1995): Wohnungsgenossenschaften in den Neuen Bundesländern. Eine Unternehmensform im Zeichen kooperativer Tradition, transformationsgeprägter Gegenwart und zukünftigen Förderungspotentials. Regensburg.
Zurück zum Zitat Stadt Leipzig (2014): Statistisches Jahrbuch 2014. Leipzig. Stadt Leipzig (2014): Statistisches Jahrbuch 2014. Leipzig.
Zurück zum Zitat Stadt Leipzig (2015): Wohnungspolitisches Konzept. Fortschreibung 2015. Leipzig. Stadt Leipzig (2015): Wohnungspolitisches Konzept. Fortschreibung 2015. Leipzig.
Zurück zum Zitat Tenz, E. M. (2013): Genossenschaften als Träger des sozialen Wohnens. Chancen, Grenzen, Perspektiven. In: Planerin 24, 4, 30–31. Tenz, E. M. (2013): Genossenschaften als Träger des sozialen Wohnens. Chancen, Grenzen, Perspektiven. In: Planerin 24, 4, 30–31.
Zurück zum Zitat Voß, E. (2008): Solidarische Ökonomien als Alternativen zum Neoliberalismus. In: Giegold, S.; Embshoff, D. (Hrsg.): Solidarische Ökonomie im globalisierten Kapitalismus. Hamburg, 62–64. Voß, E. (2008): Solidarische Ökonomien als Alternativen zum Neoliberalismus. In: Giegold, S.; Embshoff, D. (Hrsg.): Solidarische Ökonomie im globalisierten Kapitalismus. Hamburg, 62–64.
Zurück zum Zitat Wiest, K.; Schmidt, G. (2015): Gemeinsam statt einsam – Wohnprojekte in Leipzig. In: ARL-Nachrichten 45, 1, 20–22. Wiest, K.; Schmidt, G. (2015): Gemeinsam statt einsam – Wohnprojekte in Leipzig. In: ARL-Nachrichten 45, 1, 20–22.
Metadaten
Titel
Genossenschaftliche Prinzipien und genossenschaftliche Alltagspraxis – der gemeinschaftliche Wohnungssektor in Leipzig
verfasst von
Dr. Karin Wiest
M.A. Marie-Luise Baldin
B.Sc. Sophia Hildebrandt
Dr. Giulia Montanari
Publikationsdatum
19.10.2016
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Erschienen in
Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning / Ausgabe 2/2017
Print ISSN: 0034-0111
Elektronische ISSN: 1869-4179
DOI
https://doi.org/10.1007/s13147-016-0441-4

Weitere Artikel der Ausgabe 2/2017

Raumforschung und Raumordnung |  Spatial Research and Planning 2/2017 Zur Ausgabe