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2022 | Buch

Geoarchäologie

herausgegeben von: Dr. Christian Stolz, Prof. Dr. Christopher E. Miller

Verlag: Springer Berlin Heidelberg

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Über dieses Buch

Das erste deutschsprachige Lehrbuch der Geoarchäologie bietet einen hervorragenden Einstieg in eine vielfältige Disziplin, die der Archäologie wie auch der Physischen Geographie und anderen Geowissenschaften zugewandt ist. Der Überblick über die breite methodische Vielfalt der Geoarchäologie macht dieses Buch zum verlässlichen Nachschlagewerk für Studierende, Forschende und Praktiker. Es gehört daher zum unverzichtbaren Handwerkszeug für alle, die sich mit umwelt- und kulturgeschichtlichen Fragen auseinandersetzen.

Geoarchäologische Fragestellungen zählen zu den populärsten Themen innerhalb der beteiligten Fächer. Durch die Entschlüsselung von Geoarchiven mithilfe moderner Datierungs- und Analysemethoden und interdisziplinären Ansätzen gelingt es, frühere Kulturen innerhalb ihrer Umwelt zu verorten und vergangene Landschaften zu rekonstruieren. Gerade im Zeitalter des globalen Wandels erscheint es umso wichtiger, Zustände, Prozesse und Dynamiken der Vergangenheit zu verstehen, nicht zuletzt um daraus gewonnene Erkenntnisse auf zukünftige Entwicklungen anwenden zu können.

Das Buch wurde von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von über 30 verschiedenen Universitätsinstituten, Behörden und Forschungseinrichtungen erarbeitet. Die Herausgeber sind Sprecher des 2004 gegründeten Arbeitskreises Geoarchäologie. Ihre über 70 Mitautorinnen und Mitautoren gehören zu den kundigsten Fachleuten ihrer Themen im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einführung

Frontmatter
Kapitel 1. Was ist Geoarchäologie? – Eine Einführung
Zusammenfassung
Das erste deutschsprachige Lehrbuch der Geoarchäologie ist das Produkt von fast 80 Autorinnen und Autoren aus mehr als 30 Arbeitsgruppen, die in dem seit 2004 bestehenden Arbeitskreis Geoarchäologie organisiert sind. Es gliedert sich in einen Einführungs- und in einen umfangreichen Sach- und Methodenteil, der die geoarchäologische Herangehensweise vor dem Hintergrund unterschiedlicher Landschaftsräume betrachtet und sowohl auf Feld- als auch auf Labormethoden eingeht. Bei der Geoarchäologie handelt es sich um eine junge Disziplin, die interdisziplinär an der Schnittstelle zwischen Natur- und Kulturwissenschaften arbeitet. Ziel ist die Rekonstruktion der Wechselbeziehung zwischen Mensch und Umwelt im archäologischen Kontext mithilfe naturwissenschaftlicher Methoden und anhand von Geobioarchiven. Insbesondere Physische Geographen und Archäologen, aber auch Geo- und Biowissenschaftler, Historiker und Vertreter anderer Disziplinen befassen sich mit den Fragestellungen der Geoarchäologie.
Helmut Brückner, Christopher E. Miller, Christian Stolz
Kapitel 2. Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Geoarchäologie
Zusammenfassung
Die Geoarchäologie ist eine äußerst breit gefächerte wissenschaftliche Disziplin, die sich international und im deutschsprachigen Raum auf unterschiedliche Weise entwickelt hat. Die Beziehung zwischen Archäologie und Geowissenschaften reicht mutmaßlich bis ins 18. Jahrhundert zurück. Dabei ging es in erster Linie um die Erforschung der Vor- und Frühgeschichte. Zudem wurde die human-antiquity-Forschung durch den Vater der Geoarchäologie, Sir Charles Lyell, geprägt und etabliert. Im 20. Jahrhundert bildete sich hauptsächlich im anglo-amerikanischen Raum eine erste Institutionalisierung heraus und Kooperationen zwischen den Disziplinen entstanden, wobei der Begriff geoarchaeology erstmals Verwendung fand. Im deutschsprachigen Raum erfolgte die Verwendung erst später. Heute verfügt die Geoarchäologie über ein breites Spektrum an interdisziplinären Methoden. Technische Neuerungen und methodische Weiterentwicklungen aus den Geowissenschaften bedingen zumeist den Fortschritt in der archäologischen Forschung, worauf auch die die Geoarchäologie in Zukunft aufbauen wird.
Max Engel, Helmut Brückner
Kapitel 3. Geoarchäologische Arbeitskreise in Deutschland
Zusammenfassung
In Deutschland existieren mit dem Arbeitskreis Geoarchäologie und der Arbeitsgruppe Boden und Archäologie zwei geoarchäologische Arbeitskreise. Der Arbeitskreis Geoarchäologie, gegründet im Mai 2004, ist ein Forum für den interdisziplinären wissenschaftlichen Austausch zu geoarchäologischen Themen. Ziel des Arbeitskreises ist die Schaffung einer Diskussionsplattform, die Stärkung der Präsenz der Geoarchäologie in der universitären Lehre sowie die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Zentraler Treffpunkt sind die jährlichen Tagungen, auf denen bisher Forscher aus 20 unterschiedlichen Fachrichtungen ihre geoarchäologischen Ergebnisse und viele Nachwuchswissenschaftler ihre Forschungsarbeiten präsentiert haben. Auch außeruniversitäre Einrichtungen beteiligen sich am fachlichen Austausch. Eine Studie basierend auf bibliometrischen Netzwerkanalysen untersuchte den Arbeitskreis mit der Fragestellung, ob sich der interdisziplinäre Anspruch der Geoarchäologie tatsächlich in der Wissenschaftspraxis widerspiegelt. Die Arbeitsgruppe Boden und Archäologie setzt sich aus einem offenen, interdisziplinären Teilnehmerkreis zusammen. Ihr zentrales Thema sind bodenkundliche Phänomene in der praktischen Archäologie. Sie besteht seit 2010 als Austauschplattform mit regelmäßigen Grabungsexkursionen zu bestehenden archäologischen Ausgrabungsstätten.
Markus Fuchs, Katleen Deckers, Eileen Eckmeier, Renate Gerlach, Mechthild Klamm, Marlen Schlöffel
Kapitel 4. Praktische Anwendung und Perspektiven der Geoarchäologie
Zusammenfassung
In der Geoarchäologie werden archäologische Fragestellungen mithilfe geowissenschaftlicher Kenntnisse und Methoden beantwortet. Davon profitieren besonders archäologische Ausgrabungsprojekte, die häufig durch die Landesämter organisiert werden und durch die sich auch Arbeitsplätze für Geoarchäologen ergeben. Das Anforderungsprofil der Geoarchäologie setzt sich in der Praxis aus drei Schritten zusammen: Der erste ist die Prospektion. Damit ist das Suchen und Auffinden von Fundstellen mithilfe von Prospektionsmethoden gemeint. Danach folgt die archäologische Ausgrabung mit der notwendigen geowissenschaftlichen Begleitung. Dies bedingt sich dadurch, dass die größte Fundgattung das Bodenmaterial ist, dem oft eine hohe Bedeutung zukommt. Zudem helfen Geowissenschaftler bei der Planung und Ausführung von Ausgrabungen, informieren über weitere methodische Möglichkeiten und stellen den Kontakt zu weiteren Spezialisten her. Drittens ist auch bei der Auswertung archäologischer Befunde eine geowissenschaftliche Expertise gefragt.
Renate Gerlach, Stefanie Berg, Martin Nadler
Kapitel 5. Ausbildung von Geoarchäologen und berufliche Perspektiven
Zusammenfassung
Es besteht auf vielen Ebenen der Wissenschaft ein Bedarf an geowissenschaftlicher Expertise. Betrachtet man den Arbeitskreis Geoarchäologie, so stammen viele Forschende, die sich selbst als Geoarchäologen bezeichnen, aus dem Bereich der Physischen Geographie. Denn dieses Teilgebiet der Geographie bietet die notwendige Expertise über Bodenkunde und Geomorphologie. Darüber hinaus bestehen seit einigen Jahren auch eigene geoarchäologische Studiengänge an deutschen Hochschulen. Es kommt jedoch trotzdem nur langsam zu einer Herkunftsveränderung. Der Arbeitsmarkt für Geoarchäologen birgt Schwierigkeiten. Die meisten Absolventen arbeiten an Universitäten als Wissen-schaftliche Mitarbeiter oder Doktoranden. In anderen staatlichen Institutionen existieren nur wenige feste Stellen. Einen weiteren Arbeitsmarkt bildet die Anstellung durch Fachfirmen oder die freiberufliche Projektbegleitung. In absehbarer Zukunft wird sich an diesem Umstand nichts ändern; es wird sogar über ein Sinken der Stellenzahlen gemutmaßt.
Renate Gerlach, Felix Henselowsky, Bertil Mächtle

Sachthemen

Frontmatter
Kapitel 6. Archäologische und naturwissenschaftliche Chronologien
Zusammenfassung
Das kurze Kapitel führt zur besseren Orientierung für den Leser in die naturwissenschaftliche Gliederung des Quartärs und in die archäologische Epocheneinteilung mit Bezug auf Deutschland ein. Dazu dienen zwei übersichtliche Tabellen.
Stefanie Berg, Christian Tinapp
Kapitel 7. Stratigraphie und Sedimentologie
Zusammenfassung
Zu den Kernthemen der Geoarchäologie zählt der Umgang mit verschiedenartigen natürlichen, quasinatürlichen und anthropogen abgelagerten Sedimenten, die Rückschlüsse auf unterschiedliche geomorphologische Prozesse und menschliche Aktivitäten zulassen. Im ersten Abschnitt betrachtet das Kapitel diese Prozesse eingehend und stellt unterschiedliche Sedimenttypen wie Schwemmfächer- und Deltasedimente, Löss, Dünen- und Flugsande, See- und Moorablagerungen, glaziale Sedimente und Hangablagerungen vor. Darüber hinaus werden im archäologischen Kontext abgelagerte Sedimente wie Siedlungsschichten, Grubenfüllungen und Halden behandelt. Im zweiten Abschnitt geht es um das Prinzip der Stratigraphie und seine Bedeutung im Hinblick auf geomorphologische, bodenkundliche und archäologische Fragestellungen, um Chronostratigraphie und die relative Altersstellung von Ablagerungen in Verbindung mit unterschiedlichen Ablagerungsprozessen.
Hans von Suchodoletz, Christian Tinapp, Lukas Werther
Kapitel 8. Geoökologische Folgen historischer Landnutzung
Zusammenfassung
Seit dem Neolithikum wirkt sich die Nutzung der Landschaft auf unterschiedliche Weise auf Relief, Böden, Gewässer, Flora, Fauna und Klima aus. Insbesondere die Folgen land- und forstwirtschaftlicher Wirtschaftsweisen waren dafür ausschlaggebend. Grundsätzlich reagieren Ökosysteme auf anthropogene Eingriffe, wie die Umwandlung von Wald in andere Nutzungsformen, mit einer schrittweisen Degradation sowie reversiblen oder irreversiblen Veränderungen. Beispiele sind Bodenerosion und eine veränderte Artenzusammensetzung. Die Abschätzung des Ausmaßes im globalen Maßstab gestaltet sich generell schwierig. Für die Geoarchäologie bedeutsam sind daher hauptsächlich lokale Spuren früherer Bewirtschaftung und Formen im Kleinrelief, die sich im Gelände wiederfinden lassen und als Geoarchive fungieren. Denn sie geben Aufschluss über (prä-)historische Bewirtschaftungsformen. So zeugen Wölbäcker, Hochbeete, Plaggenesche und die Relikte der historischen Teichwirtschaft, Moorkultivierung und Köhlerei von früheren Formen der Land- und Forstwirtschaft.
Thomas Raab, Florian Hirsch, Anna Schneider, Alexandra Raab
Kapitel 9. Geoarchäologie in unterschiedlichen Landschaftsräumen
Zusammenfassung
Die geoarchäologische Forschung ist in starkem Maße vom jeweiligen Naturraum und seiner geomorphologischen und klimageographischen Ausstattung abhängig. Das Kapitel betrachtet zunächst fluviale Systeme in humiden und ariden Räumen, das heißt Flusslandschaften im Hinblick auf ihre Bedeutung für die menschliche Besiedelungsgeschichte und ihre Erforschung. Dabei geht es konkret um die Bilanzierung von Sedimenten, die durch fließendes Wasser abgelagert wurden, und um Veränderungen in fluvialen Systemen durch den Menschen. Der Abschnitt Hochgebirge legt einen Schwerpunkt auf die Alpen und generell auf die frühere Besiedelung und Nutzung von Gebirgsräumen. Weitere Abschnitte betrachten Hangsysteme und ihre geoarchäologische Bedeutung, Seen als Sedimentarchive, Räume, die durch äolische Ablagerungen und durch den Wind geschaffene Formen geprägt sind, wie etwa Dünen- und Lössgebiete. Insbesondere Lössgebieten als Initialräume der Besiedelungsentwicklung kommt in der kulturräumlichen Forschung eine Schlüsselrolle zu. Ein weiterer Abschnitt befasst sich mit geoarchäologischer Forschung an Küsten, damit verbundener paläogeographischer Erkundung, mit den Auswirkungen vergangener Tsunamiereignisse und mit antiken Häfen. Am Schluss stehen Betrachtungen zu Höhlen, ihren Sedimentfüllungen und ihrer Besiedlung sowie zum Thema Quellen als archäologische Fundplätze.
Thomas Birndorfer, Helmut Brückner, Olaf Bubenzer, Markus Dotterweich, Stefan Dreibrodt, Hanna Hadler, Peter Houben, Katja Kothieringer, Frank Lehmkuhl, Susan M. Mentzer, Christopher E. Miller, Dirk Nowacki, Thomas Reitmaier, Astrid Röpke, Wolfgang Schirmer, Martin Seeliger, Christian Stolz, Hans von Suchodoletz, Christian Tinapp, Johann Friedrich Tolksdorf, Andreas Vött, Christoph Zielhofer
Kapitel 10. Künstliche Ablagerungen
Zusammenfassung
Der fachgerechten Einordnung von Ablagerungen, die aktiv durch den Menschen erzeugt wurden, und der daraus resultierenden Formen kommt in der Geoarchäologie eine Schlüsselrolle zu. Das Kapitel befasst sich zunächst mit künstlichen Aufschüttungen in unterschiedlichen Teilen der Welt, wie Hügeln unterschiedlicher Größe, Bedeutung und Funktion, Wallburgen, Ringwälle, Landwehren und Warften, weiterhin mit Siedlungshügeln, sogenannten Tells, sowie mit speziellen Formen der Agrarlandschaft (Raine, Knicks u. a.). Weiterhin geht es um die in der Archäologie stets bedeutsamen Verfüllungen von Gräben, Gruben und anderen menschgemachten Hohlformen, sowie um Ablagerungen im unmittelbaren Siedlungsbereich und deren Einordnung. Der letzte Abschnitt widmet sich künstlichen Ablagerungen und Formen infolge von Bergbau, wie Halden und Pingen und der damit verbundenen Beeinflussung von Böden und Relief.
Hans-Rudolf Bork, Dagmar Fritzsch, Svetlana Khamnueva-Wendt, Dirk Meier, Susan M. Mentzer, Christopher E. Miller, Thomas Raab, Astrid Röpke, Mara Lou Schumacher, Mareike C. Stahlschmidt, Harald Stäuble, Christian Stolz, Jann Wendt
Kapitel 11. Kolluvien
Zusammenfassung
Kolluvien sind die korrelaten Sedimente der holozänen Bodenerosion. Es handelt sich dabei um quasinatürliche Ablagerungen, die zwar durch natürliche Prozesse entstanden, jedoch erst durch anthropogene Eingriffe wie Rodung und Ackerbau ermöglicht worden sind. Bei Kolluvien handelt es sich um Bodenmaterial, das aufgrund von Erosionsprozessen von vegetationsfreien oder -armen Hängen abgespült und in Tiefenlinien und konkaven Unterhangpositionen wieder abgelagert wurde. Ihre Entwicklung reicht bis in die heutige Zeit. Kolluvien verfügen meist über ein spezielles Gefüge, durch Humusbeimengung über eine typische Farbgebung und sie können Fremdkomponenten wie z.B. Holzkohlen oder sonstige archäologische Artefakte enthalten. Mit unterschiedlichen Datierungsmethoden lassen sie sich zeitlich einordnen und in siedlungsgeschichtlichen Zusammenhang bringen. Kolluvien sind also Bodenarchive, die vielfältige Informationen enthalten. Sie sind besonders häufig in Lössgebieten verbreitet und können die Erhaltung und Konservierung von Fundstellen nachhaltig beeinflussen. Das Kapitel beinhaltet eine tabellarische Zusammenstellung wichtiger datierter Kolluvienprofile in Deutschland und stellt ausführlicher zwei Fallstudien aus Bayern und Baden-Württemberg vor.
Britta Kopecky-Hermanns, Richard Vogt, Stefanie Berg
Kapitel 12. Böden und Bodenbildung
Zusammenfassung
Kenntnisse zu Prozessen der Bodenbildung und die systematische Einordnung von Bodentypen gehören zu den Grundvoraussetzungen der Geoarchäologie. Das Kapitel befasst sich mit der Entstehung von Böden, mit bodenbildenden Faktoren und Prozessen sowie mit unterschiedlichen Bodensystematiken. Dabei werden auch die wichtigsten in Mitteleuropa und darüber hinaus vorkommenden Bodentypen besprochen. Im zweiten Abschnitten geht es um Böden speziell im archäologischen Kontext (Archäopedologie) und um bodenkundliche Methoden in der Archäologie. Der dritte Teil befasst sich noch einmal ganz speziell mit sogenannten Anthrosolen, d. h. mit Böden, die unter dem Einfluss des Menschen entstanden sind. Beispiele sind Kolluvisole, Rigosole, Hortisole, Plaggenesche und redoximorphe Anthrosole, wie sie z. B. infolge von Nassreisanbau vorkommen.
Dagmar Fritzsch, Peter Kühn, Dana Pietsch, Astrid Röpke, Thomas Scholten, Heinrich Thiemeyer
Kapitel 13. Taphonomie und postsedimentäre Prozesse
Zusammenfassung
Das Kapitel befasst sich mit Veränderungen an archäologisch Artefakten, die nach ihrer Ablagerung im Bereich einer Fundstelle auftreten können. Der Begriff Taphonomie stammt aus der Paläontologie und bezeichnet ursprünglich den Prozess der Fossilisierung. Sowohl physikalische, biologische als auch chemische Einflüsse können auf Artefakte einwirken, so beispielsweise Bodenbildung und Bodenerosionsprozesse durch Wasser und Wind, das Vorhandensein quellfähiger Tonminerale, Bioturbation, ausgelöst durch Organismen, Beackerung und das Befahren von Oberflächen mit Fahrzeugen. Metall- und selbst Glasgegenstände sind empfindlich gegenüber chemischer Verwitterung. Um Fundplätze zu schützen, existieren verschiedene Möglichkeiten der Unterschutzstellung, Begrünung, Einhegung und Konservierung. Andersherum existieren auch Umstände, die der Konservierung von Artefakten zuträglich sind, wie z. B. Kälte, Trockenheit im ariden Klima oder anoxische Bedingungen unterhalb des Grundwasserspiegels.
Christopher E. Miller, Inga Kretschmer, Michael Strobel, Richard Vogt, Thomas Westphalen

Methoden

Frontmatter
Kapitel 14. Feldmethoden
Zusammenfassung
Das zentrale Kapitel Feldmethoden liefert einen Überblick über das breite Methodenspektrum, das während geoarchäologischer Forschungskampagnen im Gelände zum Einsatz kommt. Beschrieben werden zunächst klassische Methoden wie Bohrungen, archäologische Grabungen und Baggerschürfe, gefolgt von der damit mittlerweile häufig kombinierten, jungen Methode der Direct-Push-Sondierung, womit gleichzeitige Messungen unterschiedlicher Parameter wie Spitzendruck, Farbe oder elektrischer Leitfähigkeit möglich sind. Dazugehörige Infoboxen befassen sich mit einem Beispiel aus der Feuchtbodenarchäologie und mit dem wichtigen Thema der langfristigen Probenarchivierung. Der Abschnitt Fernerkundung führt in die Geschichte und in die aktuelle Praxis der Methodik ein und befasst sich mit dem Potenzial von Luftbildern und räumlichen Satellitendaten. Das in einem weiteren Abschnitt vorgestellte Konzept der „Digitalen Geoarchäologie“ bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Archäologie, Geo- und Computerwissenschaften. Weiterhin werden häufig eingesetzte geophysikalische Methoden, wie Geoelektrik, Geomagnetik und Georadar vorgestellt. Am Kapitelende geht es um das Potenzial archäologischer Zeigerpflanzen und ihrer Bedeutung für die archäologische Prospektion.
Olaf Bubenzer, Carsten Casselmann, Jörg Faßbinder, Peter Fischer, Markus Forbriger, Stefan Hecht, Karsten Lambers, Sven Linzen, Bertil Mächtle, Frank Schlütz, Christoph Siart, Till F. Sonnemann, Christian Stolz, Andreas Vött, Ulrike Werban, Lukas Werther, Christoph Zielhofer
Kapitel 15. Analysemethoden
Zusammenfassung
Die Geoarchäologie verfügt über ein äußerst breites und stetig wachsendes Spektrum an Analysemethoden, die sowohl im Labor als auch im Gelände angewandt werden. Das Kapitel stellt alle gebräuchlichen Methoden vor und soll insbesondere Nachwuchswissenschaftlern als Werkzeugkasten dienen. Zunächst liegt der Fokus auf den bodenkundlich-geomorphologischen Standardmethoden, wie Korngrößenanalyse (Bodenart), Bodenfarbe, Gehalt an organischer Substanz, Carbonatgehalt, Bodenreaktion (pH) und vielfältigen Multielement-Analysen zur Lösung verschiedener Fragestellungen. Für die Paläoumweltforschung haben die Pollenanalyse sowie die Analyse von Nichtpollen-Palynomorphen (NPP) schon seit vielen Jahrzehnten eine große Bedeutung. Für größere biogene Reste stehen die Makrorestanalyse und die Anthrakologie zur Untersuchung von Holzkohlen zur Verfügung. Weiterhin beschreibt das Kapitel die Methode der Mikromorphologie (Dünnschliffe), die Analyse von Biomarkern und stabilen Isotopen sowie die Bestimmung und Einordnung von Foraminiferen und Ostrakoden aus aquatischen Ökosystemen. Beschrieben werden außerdem Ansätze zu Phytolithen und Messungen mithilfe der Fourier-Tranformations-Infrarotspektrometrie (FTIR).
Katleen Deckers, Eileen Eckmeier, Peter Frenzel, Dagmar Fritzsch, Carolin Langan, Lucia Leierer, Susan M. Mentzer, Anna Pint, Alexandra Raab, Simone Riehl, Astrid Röpke, Frank Schlütz, Lyudmila S. Shumilovskikh, Katja Wiedner
Kapitel 16. Datierungsmethoden
Zusammenfassung
Die Alterseinordnung von Funden und den daraus resultierenden Befunden gehört zu den Grundfragen der Archäologie. Zu den traditionellen Methoden zählt die archäologische Typologie, die mit der Seriation von Artefaktkomplexen arbeitet und das Alter von aufgefundenen Artefakten, wie z. B. Keramik oder Münzen, auf einen Befund überträgt. Holzfunde können bei ausreichend vorhandener Jahrringzahl dagegen mithilfe der Dendrochronologie datiert werden. Für andere Fälle und ergänzend stehen radiometrische Verfahren, wie die Radiokohlenstoff- und die Lumineszenzdatierung, zur Verfügung. Mithilfe des Verhältnisses von radioaktiven zu stabilen Kohlenstoffisotopen kann das Alter einer kohlenstoffhaltigen Probe bestimmt werden. Das Kapitel beschreibt auch die Störfaktoren, die dabei zu beachten sind. Mit Lumineszenzdatierungen ist eine direkte Datierung von Sedimenten und Objekten, z. B. Keramik oder Schlacke, möglich. Die Methode arbeitet mit Energie, die im Kristallgitter von Mineralen gespeichert ist und die durch ionisierende Strahlung aufgebaut wurde. Damit kann das letzte Belichtungsereignis der Probe festgestellt werden. Die Elektronenspinresonanzdatierung eignet sich vor allem zur Datierung von Zähnen, die von Menschen oder Tieren stammen.
Ronny Friedrich, Markus Fuchs, Peter Haupt, Nicole Klasen, Ernst Pernicka, Christoph Schmidt, Johann Friedrich Tolksdorf, Lukas Werther
Kapitel 17. Methoden der Geoinformatik in der Geoarchäologie
Zusammenfassung
Geoarchäologische Forschung ist heutzutage ohne den Einsatz digitaler Raumdaten und Geographischer Informationssysteme (GIS) kaum noch vorstellbar. GIS-Systeme dienen in erster Linie der Verwaltung und Analyse aber auch der Darstellung räumlicher Daten. Eine besondere Bedeutung kommt dabei digitalen Gelände- und Höhenmodellen zu. Zur Beschaffung räumlicher Daten stehen amtliche Datensätze, selbst erhobene Vermessungsergebnisse, Fernerkundungsdaten aber auch Altkarten zur Verfügung, die jedoch zunächst einer Georeferenzierung bedürfen. Zur Datenmodellierung und zur Integration eigener Forschungsergebnisse verfügen die unterschiedlichen GIS-Programme über zahlreiche Analyse- und Interpolationswerkzeuge bis hin zur Möglichkeit einer 3D-Darstellung. Das Kapitel gibt einen Überblick über die wichtigsten Analysetools und weist auf mögliche Fehlerquellen hin. Die enthaltenen Infoboxen beleuchten das Potenzial von Altkarten für die Geoarchäologie und stellen zwei GIS-Modellierungen zum frühmittelalterlichen Karlsgraben und zur Rekonstruktion früherer Oberflächen in der Leipziger Innenstadt vor.
Bernhard Pröschel, Frank Lehmkuhl, Ulrike Grimm, Johannes Schmidt, Lukas Werther
Kapitel 18. Geoarchäologische Zeitschriften und Publikationsorgane
Zusammenfassung
Das kurze Kapitel gibt einen Überblick über die wichtigsten regelmäßig erscheinenden Fachzeitschriften und Publikationsorgane, die die Geoarchäologie betreffen. In Kurzform werden außerdem die Bedeutung von peer-review-Verfahren und unterschiedlichen Typen von Journals (z. B. open access) erklärt.
Christian Stolz, Christopher E. Miller
Backmatter
Metadaten
Titel
Geoarchäologie
herausgegeben von
Dr. Christian Stolz
Prof. Dr. Christopher E. Miller
Copyright-Jahr
2022
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Electronic ISBN
978-3-662-62774-7
Print ISBN
978-3-662-62773-0
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-62774-7